Im Sachunterricht sind Lehrende, aufgrund der Heterogenität in den Schulklassen, mit verschiedenen Präkonzepten konfrontiert, an die es anzuknüpfen gilt. Die Erläuterung der Begriffe Präkonzepte und conceptual change und der Zusammenhang mit Learning Progressions, sind Teile dieser Hausarbeit.
Am Beispiel des Themas Familie werden mögliche Präkonzepte aus einem Interviews in eine Learning Progression eingeordnet. Anschließend wird eine mögliche Unterrichtssequenz zum Thema skizziert. Dabei wird die Unterrichtsstunde zur Familienkonstellationen genauer erläutert. Das vorrangige Ziel bei der Unterrichtsstunde ist ein Kompetenzzuwachs unter der Berücksichtigung der Präkonzepte.
Studien zeigen, dass nicht nur die kognitiven Lernvoraussetzungen eine Rolle bei den schulischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler in den Grundschulen spielen, sondern auch familiäre, kulturelle und sozioökonomische Hintergründe. Diese Heterogenität im Unterricht zu berücksichtigen, ist eine Herausforderung für alle Lehrenden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Sachanalyse
2.2 Präkonzepte und conceptual change
2.3 Heterogenität im Sachunterricht
2.4 Learning Progression
3. Auswertung des Interviews (Interview: Anhang 1)
4. Unterrichtsplanung
4.1 Skizzierung der Unterrichtssequenz
4.2 Formulierung der Kompetenzerwartungen
4.3 Artikulationsschema und Erläuterung der Unterrichtseinheit
4.4 Erläuterung und Ziele der Unterrichtseinheit
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie im Sachunterricht der Grundschule mit heterogenen Schülervorstellungen zum Thema „Familie“ umgegangen werden kann, um durch einen conceptual change einen Kompetenzzuwachs zu erreichen. Ziel ist es, auf Basis einer Lerntheorie (Learning Progression) und einer empirischen Einzelfallanalyse eines Kindes, eine Unterrichtssequenz zu entwickeln, die Schülern hilft, verschiedene Familienkonstellationen als gleichberechtigt wahrzunehmen.
- Heterogenität und Diversität im Grundschulunterricht
- Präkonzepte und conceptual change bei Kindern
- Konstruktion und Anwendung einer Learning Progression
- Qualitative Interviewanalyse von Schülervorstellungen
- Didaktische Planung einer Unterrichtseinheit zum Thema Familie
Auszug aus dem Buch
2.1 Sachanalyse
Die Familie bestimmt die Lebenswirklichkeit der Kinder und ist deshalb Thema der Grundschulerziehung. Familie ist aber auch wichtig für die Gesellschaft. Das Familienmodell „Vater, Mutter, Kind(er), verheiratet“ entsprach 1949, bei der Verabschiedung des Grundgesetzes, der Norm. Seit dieser Zeit hat es gravierende Veränderungen innerhalb unserer Gesellschaft gegeben. Da es heutzutage viele Konstellationen von Familien gibt ist eine möglichst abstrakte Definition notwendig, um keine von vornerein auszuschließen. Aus diesem Grund werden im folgenden Kriterien formuliert, welche die Familie von anderen Lebensformen unterscheidet. Nach Rosemarie Nave-Herz gibt es drei konstitutive Merkmale von Familie, unabhängig von der individuellen Ausprägungsform. Zum einen wird die biologisch-soziale Doppelnatur genannt, welche die Reproduktions- und zumindest die Sozialisationsfunktion meint. Zum anderen benennt sie „ein besonderes Kooperations- und Solidaritätsverhältnis; denn über die üblichen Gruppenmerkmale hinaus (wie z.B. gemeinsames Ziel, begrenzte Zahl, Struktur, Wir-Gefühl) wird in allen Gesellschaften der Familie eine ganz spezifische Rollenstruktur mit nur für sie geltenden Rollendefinitionen und Bezeichnungen (z.B. Vater/Mutter/Tochter/Sohn/Schwester usw.)“(Vgl. Nave-Herz S.15 Z.26-31). Das dritte konstitutive Merkmal ist die Generationendifferenzierung, wobei zu beachten ist, dass das Ehesubsystem kein Kriterium darstellt, da alleinerziehende Mütter oder Väter, sowie nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern auch eine Familienkonstellation darstellen (Vgl. Nave-Herz, S.15f.). Wenn man nun prüfen möchte, wie viele verschiedene Konstellationen von Familie es gibt ist zu beachten, dass einige durch gesetzliche Bestimmungen nicht zugelassen sind. So kann zum Beispiel eine Einzelperson ein Kind adoptieren, jedoch ist es nicht möglich, dass ein nichteheliches Paar gemeinsam ein Kind adoptiert (Vgl. Nave-Herz, S. 16). Wenn man nun alle gesetzlich und soziologisch möglichen Familientypen zusammen zählt erhält man 18.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz der Heterogenität im Sachunterricht dar und führt in die Thematik der Präkonzepte und Lernfortschrittsmodelle (Learning Progressions) am Beispiel „Familie“ ein.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert Familie soziologisch, erläutert die Konzepte von Präkonzepten und conceptual change, diskutiert den Umgang mit Heterogenität und führt die Learning Progression ein.
3. Auswertung des Interviews (Interview: Anhang 1): Hier erfolgt eine qualitative Analyse eines Interviews mit einem Kind, dessen familiäres Verständnis primär biologisch und auf die klassische Kernfamilie fokussiert ist.
4. Unterrichtsplanung: Dieses Kapitel skizziert eine konkrete Unterrichtseinheit für die 3./4. Klasse, inklusive Kompetenzerwartungen und methodischem Artikulationsschema.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit resümiert die Notwendigkeit der Differenzierung im Unterricht und bekräftigt den Wert der Arbeit, Kinder durch Reflexion ihrer Präkonzepte zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu führen.
Schlüsselwörter
Sachunterricht, Familie, Familienkonstellationen, Heterogenität, Präkonzepte, Conceptual Change, Learning Progression, Grundschule, Sozialwissenschaft, Didaktik, Kompetenzzuwachs, Schülervorstellungen, Familienmodell, Soziologie, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Herausforderung, im Sachunterricht der Grundschule mit den heterogenen Vorerfahrungen und Vorstellungen von Schülern zum Thema Familie konstruktiv umzugehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft die soziologische Definition von Familie mit pädagogischen Konzepten wie Heterogenität, Präkonzepten, dem conceptual change und der praktischen Unterrichtsplanung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Erstellung einer Learning Progression und einer darauf abgestimmten Unterrichtssequenz, das Verständnis von Kindern für diverse Familienkonstellationen zu erweitern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine theoretische Fundierung vorgenommen und diese durch eine qualitative Einzelfallanalyse (Interview mit einem Kindergartenkind) ergänzt, um typische Schülervorstellungen zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Sachanalyse, Heterogenität, Präkonzepte) geklärt, gefolgt von der Auswertung eines Experteninterviews und der detaillierten Planung einer Unterrichtseinheit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Sachunterricht, Familie, Präkonzepte, Learning Progression, Conceptual Change und Heterogenität.
Warum spielt die biologische Komponente im Interview eine so zentrale Rolle?
Das interviewte Kind zeigt, dass für es „Familie“ stark an biologische Verwandtschaft und die Anwesenheit beider Elternteile gekoppelt ist, was ein typisches Präkonzept in diesem Alter darstellt.
Wie soll die Unterrichtseinheit zur Reflexion anregen?
Durch die Arbeit mit einem illustrierten Arbeitsblatt und moderierten Gruppengesprächen werden die Schüler dazu gebracht, ihre eigenen Vorstellungen zu artikulieren und diese mit anderen Sichtweisen abzugleichen.
Welche Bedeutung hat das Tafelbild für die Unterrichtseinheit?
Das Tafelbild dient der Visualisierung verschiedener Familienformen, um Schülern, die selbst in nicht-traditionellen Familien leben, Bestätigung zu geben und anderen neue Konstellationen aufzuzeigen.
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- Anonym (Author), 2018, Adaptives Lernen im Sachunterricht der Grundschule. Umgang mit Präkonzepten in einer Unterrichtsstunde zum Thema Familie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/520048