Thema dieser Hausarbeit ist die Entwicklung des deutschen Schulsystems bis 1960. Es soll gezeigt werden, wie sich das System Schule im gesellschaftlichen Kontext verändert und welche Faktoren für diese Veränderung mitbestimmend sind. Dabei gehen wir von der Annahme von u.a. Diederich und Tenorth aus1, dass das System Schule keineswegs nur von Pädagogen und Bildungstheoretikern geformt wird, sondern immer auch Thema der Politik ist und sich damit auch ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen anpasst. Verändern sich die herrschenden Bedingungen hat dies auch Auswirkungen auf die Forderungen, die die Gesellschaft oder der Staat an die Schule stellt. Im Zusammenhang zum Seminarthema sollen aus den Veränderungen der verschiedenen Epochen der deutschen Geschichte die jeweiligen Auswirkungen auf die Chancen einzelner Bevölkerungsgruppen, die Schule zu besuchen und einen Abschluss zu machen, erarbeitet werden. Die gesellschaftlichen und ökonomischen Umstände sollen erst kurz skizziert werden, um dann die sich daraus ergebenden Forderungen abzuleiten. Dazu haben wir die deutsche Geschichte vom 19. Jahrhundert bis 1960 in vier Epochen unterteilt: Die Kaiserzeit, die Weimarer Republik, der Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit. Weiterhin haben wir vier Kriterien aufgestellt, anhand denen diese Epochen untersucht werden sollen: Die ökonomische bzw. gesellschaftliche Situation, die sich daraus ergebenden Forderungen an die Schule, die Auswirkungen auf die Chancenverteilung innerhalb der Gesellschaft und schließlich die Lehrerbildung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Schule zur Kaiserzeit
I Gesellschaftliche Umstände und deren Auswirkungen auf das Schulsystem
II Pädagogische Forderungen
III Chancenverteilung
IV Lehrerbildung
2. Schule in der Weimarer Republik
I Gesellschaftliche Umstände und deren Auswirkungen auf das Schulsystem
II Pädagogische Forderungen
III Chancenverteilung
IV Lehrerbildung
3. Die Nationalsozialistische Schulpolitik
I Gesellschaftliche Umstände und deren Auswirkungen auf das Schulsystem
II Pädagogische Forderungen
III Chancenverteilung
IV Lehrerbildung
4. Deutsche Schulentwicklung von 1945 bis 1960
I Gesellschaftliche Umstände und deren Auswirkungen auf das Schulsystem
II Pädagogische Forderungen
III Chancenverteilung
IV Lehrerbildung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die historische Entwicklung des deutschen Schulsystems von der Kaiserzeit bis 1960, um zu zeigen, wie gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen die Struktur des Bildungswesens sowie die Chancenverteilung einzelner Bevölkerungsgruppen beeinflussten.
- Historische Periodisierung des Schulwesens in vier zentrale Epochen
- Wechselwirkung zwischen ökonomischen Bedingungen und schulischen Anforderungen
- Die Rolle der Lehrerbildung und ihr Einfluss auf die gesellschaftliche Hierarchie
- Auswirkungen der Bildungsselektion auf unterschiedliche soziale Schichten
- Der Wandel von der monarchischen Elitenbildung hin zur demokratischen Re-education
Auszug aus dem Buch
I Gesellschaftliche Umstände und deren Auswirkungen auf das Schulsystem
1871 schlossen sich die deutschen Fürsten nach dem Sieg über Frankreich im Deutschen Kaiserreich zusammen und der preußische König Wilhelm I. wurde von den deutschen Fürsten zum deutschen Kaiser ausgerufen. Die Armee war im deutschen Kaiserreich Vorbild für die Erziehung der Jugend und der Militärdienst Voraussetzung für einen gesellschaftlichen Aufstieg. In der Schule herrschte ein strenger Ton. Die Schüler hatten zu gehorchen und zu lernen, dass ein Deutscher seine Pflichten erfüllt, Kaiser und Vaterland liebt und Gott fürchtet.
Die Industrialisierung begann in Deutschland ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Nyssen meint, dass die industrielle Entwicklung den Ausbau des Volksschulwesens nötig machte. Immer mehr mehrstufige Volksschulen wurden aufgebaut, der Religionsunterricht eingeschränkt und neue Fächer wie Erdkunde, Geschichte und Naturlehre eingeführt. Altstaed führt an, dass die „Große Industrie“ auch soziale Fähigkeiten wie Disziplin, Pünktlichkeit, Ordentlichkeit und Zuverlässigkeit forderte. Die Entwicklung der „Großen Industrie“ stärkte auch die Sozialdemokratie. Dies war Anlass für Kaiser Wilhelm II, 1889 die herrschaftsstabilisierende Funktion von Schule zu betonen. Die Schule sollte für den Kampf gegen die Sozialdemokratie eingesetzt und in ihren einzelnen Abstufungen nutzbar gemacht werden, um der Ausbreitung sozialistischer und kommunistischer Ideen entgegenzuwirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Schule zur Kaiserzeit: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss der Industrialisierung und der monarchischen Staatsstruktur auf die Disziplinierung der Schüler und die soziale Trennung der Bildungschancen.
2. Schule in der Weimarer Republik: Hier wird der Versuch der demokratischen Öffnung des Bildungswesens und die Etablierung einer gemeinsamen Grundschule als Reaktion auf die gesellschaftliche Umbruchphase thematisiert.
3. Die Nationalsozialistische Schulpolitik: Der Abschnitt beschreibt den vollständigen Umbau des Bildungssystems zu einem Instrument nationalsozialistischer Ideologie, der auf Rasseneinheit und Führertum basierte.
4. Deutsche Schulentwicklung von 1945 bis 1960: Dieses Kapitel analysiert die Phase der Re-education durch die Alliierten und die Herausforderungen beim Wiederaufbau eines demokratischen Schulwesens inmitten der Zerstörung.
Schlüsselwörter
deutsches Schulsystem, Kaiserzeit, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit, Chancengleichheit, Bildungsgeschichte, Lehrerbildung, Schulentwicklung, Volksschule, Demokratisierung, industrielle Entwicklung, Zook-Kommission, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Transformation des deutschen Schulsystems über einen Zeitraum von rund hundert Jahren, von der Kaiserzeit bis zum Jahr 1960, unter besonderer Berücksichtigung gesellschaftspolitischer Kontexte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Wechselbeziehungen zwischen ökonomischen Wandlungsprozessen, politischen Forderungen an die Bildung und der resultierenden Ausgestaltung der Schullandschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass das Schulwesen kein isolierter pädagogischer Raum ist, sondern immer auch ein politisches Instrument zur Steuerung von Chancenverteilung und zur Durchsetzung spezifischer gesellschaftlicher Idealbilder.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Untersuchung zugrunde?
Die Arbeit nutzt einen historisch-analytischen Ansatz, bei dem vier Epochen anhand der Kriterien gesellschaftliche Situation, bildungspolitische Forderungen, Chancenverteilung und Lehrerbildung systematisch verglichen werden.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die vier Epochen (Kaiserzeit, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit) und arbeitet die jeweils spezifischen strukturellen Veränderungen sowie deren Auswirkungen auf die Schülerschaft heraus.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Bildungsreform, Selektion, Sozialgeschichte des Schulwesens, Entnazifizierung und demokratische Erziehung gekennzeichnet.
Warum blieb das dreigliedrige Schulsystem trotz vieler Reformversuche so stabil?
Laut der im Text zitierten Perspektive passte sich die Struktur des Schulsystems immer wieder neuen gesellschaftlichen Anforderungen (wie der industriellen Arbeitsteilung) an, ohne ihre hierarchische Grundlogik aufzugeben.
Wie wurde die Rolle der Lehrer in der Zeit nach 1945 neu definiert?
Nach 1945 stand die Re-education im Vordergrund, bei der Lehrer, die nationalsozialistische Werte vertraten, entfernt wurden, um stattdessen die Vermittlung demokratischer Werte und die Erziehung zu kritischen Bürgern zu forcieren.
Welche Rolle spielte die Zook-Kommission für das deutsche Schulwesen?
Die Zook-Kommission analysierte die psychologischen Folgen des autoritären deutschen Bildungssystems und forderte eine Demokratisierung, um die Unterwürfigkeit gegenüber dem Führerprinzip aufzubrechen.
- Quote paper
- Jennifer Werner (Author), 2004, Chancen(un)gleichheit im deutschen Schulwesen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/51981