Ernest Hemingways Kurzgeschichte “A Clean, Well-Lighted Place“, die zu den von der Literaturkritik meistbeachteten Werken Hemingways gehört, wurde im März 1933 erstmals im Scribner’s Magazine veröffentlicht. Sie erschien im Herbst 1933 als Teil der Kurzgeschichtensammlung Winner take Nothing. Über die Kurzgeschichte, die wohl zu Hemingways gelungensten Werken gezählt werden kann, sagte Hemingway selbst einmal: “’Another time I was leaving out good was in ‘A Clean, Well-Lighted Place.’ There I really had luck. I left out everything.’“ Dies mag der Grund sein, warum diese Kurzgeschichte, die von einem jungen und einem alten Kellner handelt, die darauf warten, dass ein alter Mann das Café verläßt, , bei genauerem Hinsehen unerwartete Tiefen aufweißt.
Gegenstand dieser Arbeit ist die Untersuchung der in der Kurzgeschichte auftretenden Hauptcharaktere und deren unterschiedliche Lebenshaltung. Des Weiteren wird die hiermit verbundene nada-Thematik der Kurzgeschichte und der individuelle Umgang der Figuren mit dem nada beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charakterisierung
2.1. Der alte Mann
2.2. Der junge Kellner
2.3. Der alte Kellner
3. Nada-Konzept und Existenzialismus
3.1. Der alte Mann und das Nichts
3.2. Der junge Kellner und das Nichts
3.3. Der alte Kellner und das Nichts
4. Schluss
5. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Hauptfiguren in Ernest Hemingways Kurzgeschichte "A Clean, Well-Lighted Place" und analysiert deren unterschiedliche Lebenshaltungen im Kontext der existenzialistischen nada-Thematik.
- Analyse der Charaktereigenschaften des alten Mannes sowie des jungen und alten Kellners.
- Untersuchung der existenzialistischen Philosophie des "Nichts" (nada).
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Generationen und ihrer Wahrnehmung von Sinn und Leere.
- Deutung der Symbolik von Helligkeit und Sauberkeit als Barriere gegen die existenzielle Dunkelheit.
- Erörterung der Sprachbarrieren und fehlenden Kommunikation zwischen den Figuren.
Auszug aus dem Buch
3.3. Der alte Kellner und das Nichts
Für den alten Kellner hat das von seinem Kollegen unbedacht gewählte Wort “’Nothing.’“ (310) eine höchst aktuelle Bedeutung, denn gleichsam wie der alte Kellner zum jungen Kellner bezüglich Alter, Respekt und sozialen Kontakten in Opposition steht, so unterscheidet sich auch deren Lebenseinstellung aufgrund der Kenntnis bzw. Unkenntnis des nadas. Das nothing des jungen Kellners wird also zu einem ’something’, einem Etwas des alten Kellners, das so riesig, schrecklich, bedrohlich, unausweichlich und allgegenwärtig ist, das man es, hat man es einmal durchlebt, nicht mehr vergessen werden kann. Nur manchmal am Tag, oder eine zeitlang nachts kann es für kurze Weile zurückgehalten werden: an einem sauberen, hellen Ort. Und der alte Kellner sagt selbst von sich: “’I am of those who like to stay late at the café [...] With all those who do not want to got to bed. With all those who need a light for the night.’“(313) Dieser Kampf gegen das nada verbindet den alten Kellner und den alten Mann unzertrennlich miteinander. Er weiß, wie der Leser am Ende der Geschichte erfährt, als der Kellner auf dem Nachhauseweg in einem anderen Lokal einkehrt, dass nur ein heller und sauberer Ort das Nichts eine Weile lang fern halten und die Bar somit ein Zufluchtsort sein kann, denn er sagt: “’The light is very bright and pleasant but the bar is unpolished’“ (313) und verläßt die Bar. Ihm ist klar: “’A clean, well-lighted café was a very different thing.’“(313), denn dieses wird zum Sinnbild eines von Sinn und Erkenntnis erleuchteten Zustandes, nach dem der Mensch, der in einer sinnlosen und chaotischen Welt lebt, strebt. Der alte Kellner weiß genau wie der alte Mann, dass dieses Streben vergeblich ist, denn es zeigt sich mit dem Verlassen oder dem Erlöschen des Lichts, das heißt dem Schließen des Cafés, dass es keinen dauerhaften Schutz vor dem allgegenwärtigen nada gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Kurzgeschichte von Hemingway ein und benennt das Ziel der Arbeit, die Figuren und die nada-Thematik zu untersuchen.
2. Charakterisierung: Dieses Kapitel analysiert die drei Hauptfiguren der Erzählung und arbeitet deren individuelle Eigenschaften und soziale Positionen heraus.
3. Nada-Konzept und Existenzialismus: Das Hauptkapitel verknüpft die philosophische Strömung des Existenzialismus mit dem zentralen Motiv des "Nichts" (nada) und zeigt, wie die Figuren damit umgehen.
4. Schluss: Der Schlussteil reflektiert die Erkenntnisse der Arbeit und betont die Unmöglichkeit einer einfachen Lösung im Umgang mit der existentiellen Sinnlosigkeit.
5. Bibliographie: Das Verzeichnis listet die verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Ernest Hemingway, A Clean Well-Lighted Place, nada, Existenzialismus, Nihilismus, Sinnlosigkeit, Charakterisierung, Lebenshaltung, Isolation, Kommunikation, Kurzgeschichte, Literaturanalyse, Helligkeit, Dunkelheit, Leere.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert Ernest Hemingways Kurzgeschichte "A Clean, Well-Lighted Place" hinsichtlich der Charakterzeichnung der drei Protagonisten und ihrer existenzialistischen Auseinandersetzung mit dem sogenannten nada-Konzept.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind das existenzialistische Weltbild, die Leere (nada), das Phänomen der Einsamkeit im Alter sowie der Kontrast zwischen verschiedenen Generationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die unterschiedlichen Lebenshaltungen der Figuren sowie deren individuellen Umgang mit dem existenziellen Nichts aufzuzeigen und die fehlende zwischenmenschliche Kommunikation zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Textstellen aus der Kurzgeschichte mit existenzphilosophischen Begriffen (nach Sartre) und kritischen Sekundärquellen interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakterisierung der Figuren und eine anschließende philosophische Analyse, in der das nada-Konzept auf den alten Mann, den jungen Kellner und den alten Kellner angewendet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Existenzialismus, nada, Sinnlosigkeit, Isolation, Charakterisierung und die symbolische Bedeutung von Licht und Sauberkeit.
Wie unterscheidet sich die Einstellung des jungen Kellners von der des alten Kellners?
Während der junge Kellner materialistisch, ungeduldig und unreflektiert ist, versteht der alte Kellner die existenzielle Leere und sucht Schutz an einem hellen Ort, da er selbst von Sinnlosigkeit geprägt ist.
Warum spielt die Taubheit des alten Mannes eine besondere Rolle?
Die Taubheit symbolisiert seine Abgeschiedenheit von der Welt, ermöglicht ihm aber gleichzeitig eine intensivere Wahrnehmung der nächtlichen Stille, die er sucht.
Welche Bedeutung haben die parodierten Gebete am Ende?
Die Parodie des Vater Unsers und Ave Marias durch den alten Kellner zeigt den vollständigen Verlust von religiösem Glauben und die Ersetzung durch das nada.
- Quote paper
- Kathrin Herz (Author), 2004, Hemingway 'A clean, well-lighted place' - Figurencharakterisierung und Nada-Thematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/51789