Einleitung
Fernsehserien und Soaps hatten schon immer Frauen als Hauptzielgruppe1. Waren es in den achtziger Jahren Serien wie „Dallas“ und „Dynasty“ (lief in Deutschland unter dem Namen „Der Denver – Clan“) die die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums auf sich richteten, die immer das Leben und Treiben einer (reichen) Familie in den Mittelpunkt stellten, so faszinierten beginnend mit der zweiten Hälfte der neunziger Jahre zwei Frauenserien das (vorwiegend weibliche) Publikum. „Ally McBeal“ zeigte das Leben einer jungen aufstrebenden Anwältin in den Mittelpunkt, die zwar im Beruf meist von Erfolg verwöhnt wird, aber ihren Traummann immer noch sucht und nach Rückschlägen Halt bei ihren Freunden, die auch gleichzeitig ihre Kollegen sind, findet.
„Sex and the City“ präsentiert vier Freundinnen, die alle mit beiden Beinen im Leben stehen, erfolgreich ihren Beruf ausüben, und jetzt auf den richtigen Mann warten, der alles mit ihnen teilen möchte. Sie sind älter als Ally und auch selbstbewusster2. All ihre Erlebnisse werden durchgesprochen, Männer, die ihren Standards nicht entsprechen, in der „Frauenrunde“ beklatscht, ihre Charaktereigenschaften durchgehechelt. Trotz ihrer unterschiedlicher Charaktere halten sie fest zusammen. Sie sind das Ideal der Frauenfreundschaft und Vorbildfiguren. Einige Folgen der Serie gesehen, und schon kann sich die moderne Frau von heute „rückversichern, dass sie mit keinem ihrer Träume, Makel oder Katastrophen allein ist3“.
Klatsch hat eine deutlich weibliche Konnotation, und hat im deutschen Sprachraum auch einen deutlich negativeren Unterton als in anderen Sprachen. Gleichzeitig erfüllte er auch im Laufe der Geschichte auch wichtige regulative soziale Funktionen. These der vorliegenden Arbeit ist, dass in einer zunehmend anonymisierten Gesellschaft Frauenserien und die darin dargestellten Figuren zum Klatschthema werden. Dazu werde ich zunächst erklären, was Klatsch ist und welche, auch gesellschaftliche, Funktionen der Klatsch im Laufe der Geschichte erfüllt hat.
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1 Vgl. Geraghty, Christine: “Women and Soap Opera. A Study of Prime Time Soap“, 1991, S. 3 ff
2 So sagt die erfolgreiche Anwältin Miranda Hobbs: „“Sexy is how I like them to see me after I win them over with my brain“ und zeigt damit, dass sie ihre Stärken genauestens kennt und Männer, die diese ignorieren, nicht als Partner akzeptieren wird
3 Poschardt, Ulf: „Wie Serien süchtig machen“ in Welt am Sonntag, 30.01.2005
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Klatsch?
2.1 Definition und Geschichte
2.2 Warum klatschen wir? Versuch einer sozialpsychologischen Erklärung
3. „Sex and the City“ und der Klatsch
3.1 Warum sehen wir regelmäßig eine Serie?
3.2 Fernsehserien für Frauen und ihre Rezeption
3.3 Warum wird über „Sex and the City“ geklatscht?
4. Fazit
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Klatsch in Frauenserien und analysiert, warum das Sprechen über fiktive Charaktere ähnliche soziale Funktionen erfüllt wie klassischer Klatsch im Alltag. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie Frauenserien wie „Sex and the City“ als Ersatz oder Erweiterung für zwischenmenschlichen Klatsch dienen und welche psychologischen sowie sozialen Bedürfnisse dadurch in einer zunehmend anonymisierten Gesellschaft befriedigt werden.
- Sozialpsychologische Grundlagen von Klatsch und Gerücht
- Historische Konnotation und weibliche Besetzung des Klatsches
- Serialität und emotionale Bindung in Frauenserien
- Die Funktion von Serien als Ersatz für den „klassischen Klatsch“
- Mediale Inszenierung von Klatsch am Beispiel von „Sex and the City“
Auszug aus dem Buch
2. Was ist Klatsch?
Folgt man den Ausführungen von Edmund Lauf, so sind für den Klatsch drei definitorische Elemente bestimmend. Um ein Kommunikationselement als Klatsch zu werten muss sich die Aussage die von Sender zum Empfänger geht sich auf eine dritte, nicht anwesende Person beziehen. Diese muss entweder dem Rezipienten oder dem Kommunikator von Klatsch bekannt sein. Nach der Zugehörigkeit des Rezipienten zum sozialen Netzwerk teilt Lauf den Klatsch in ortsgebundenen (privaten) und internationalen ein. Ortsgebundener Klatsch betrifft Menschen aus dem sozialen Netzwerk, während internationaler Klatsch sich auf bekannte Persönlichkeiten bzw. Künstler bezieht.
Definitorisch für Klatsch sind André Kieserlings Ansicht nach die beiden Elemente Moral (gemeint ist der Moralkodex einer bestimmten Gesellschaft, in der diese Kommunikationsform auftritt) und Abwesenheit des Klatschobjektes. Zusätzlich muss Klatsch auch eine „Thematisierungsschwelle“ überschreiten, um zum Objekt der Kommunikation zu werden. Der abwesende Dritte ist nicht automatisch ein geeignetes Gesprächsthema, er kann dem Adressaten zu nahe stehen oder indifferent sein. Um diese Schwelle zu überschreiten, muss der Klatsch angereichert, übertrieben werden.
Wenige Definitionen zeigen auf, dass es auch ein anderes, wichtiges Klatschelement gibt: den Lustgewinn. Birgit Althans widmet diesem Thema gleich ein ganzes Buch und beweist, dass ein wichtiger beim Klatsch die Lust an der Kommunikation, die Ablenkung von der Arbeit und damit auch des Eskapismus ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung von Frauenserien und stellt die These auf, dass diese in modernen Gesellschaften als neue Plattform für Klatsch dienen.
2. Was ist Klatsch?: Dieses Kapitel definiert Klatsch aus sozialpsychologischer Sicht, beleuchtet seine historischen Ursprünge und hinterfragt seine negativen sowie positiven Funktionen.
3. „Sex and the City“ und der Klatsch: Hier wird analysiert, wie die Serie „Sex and the City“ durch ihre narrative Struktur Klatschprozesse beim Publikum anregt und eine soziale Bindung zwischen den Zuschauern konstituiert.
4. Fazit: Das Fazit beantwortet die Ausgangsfrage und kommt zu dem Schluss, dass Klatsch nicht ausstirbt, sondern durch Formate wie Frauenserien eine neue, modernere Ebene erreicht hat.
5. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Primär- und Sekundärquellen der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Klatsch, Frauenserien, Sex and the City, soziale Kontrolle, Sozialpsychologie, Medienrezeption, Serialität, Kommunikation, Gratifikation, Gender Studies, Identifikation, Klatschobjekt, Eskapismus, Gruppenzugehörigkeit, Klatschgemeinde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem Phänomen Klatsch und dem Konsum von Frauenserien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition von Klatsch, die sozialpsychologischen Funktionen von Kommunikation und die mediale Rezeption von Serienformaten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie moderne Frauenserien das menschliche Klatschbedürfnis in einer anonymen Gesellschaft auf eine neue, „fiktionale“ Ebene heben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer inhaltlichen Analyse von Serienepisoden und deren Rezeptionsmustern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Klatschbegriffs und die konkrete Fallanalyse von „Sex and the City“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Klatsch, soziale Kontrolle, Medienrezeption, Serialität und soziale Bindung.
Warum wird „Sex and the City“ als Beispiel herangezogen?
Die Serie eignet sich besonders gut, da sie eine homogene weibliche Zielgruppe anspricht und narrative Strukturen besitzt, die das „Weiterklatschen“ über Figuren aktiv fördern.
Was bedeutet der Begriff „Klatschblase“ im Kontext der Arbeit?
Der Begriff beschreibt den sicheren Raum, den die Serie bietet, um hemmungslos über Charaktere zu klatschen, ohne dabei in sozialen Konflikt mit realen Personen zu geraten.
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- Hilke Dahinten (Author), 2005, Klatsch und Frauenserien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/51428