In dieser Arbeit werden die Darstellung der Innensicht in Arthur Schnitzlers “Fräulein Else“ und Manuele Fiors gleichnamiger Graphic Novel verglichen. Der Schwerpunkt dieses Vergleichs liegt dabei auf der Darstellung des Inneren Monologs, da diese ein besonderes, stilistisches Merkmal der Novelle und somit des Prätextes darstellt. Die der Arbeit zugrundeliegende These lautet: Manuele Fiors Adaption von “Fräulein Else“ ist aufgrund genrespezifischer Eigenschaften der Graphic Novel in der Lage, die Darstellung des Inneren Monologs vielschichtiger umzusetzen. Um beide Werke miteinander vergleichen zu können, wird im zweiten Teil dieser Arbeit jeweils die “Entblößungsszene“ analysiert.
Der Wiener Schriftsteller Arthur Schnitzler führte 1900 ein neues Stilmittel in den deutschsprachigen Raum ein. Leutnant Gustl war die erste Novelle, in der das sprachliche Mittel des Inneren Monologs konsequent verwendet wurde. Im Oktober 1924 erschien Schnitzlers zweite “Monolognovelle“ Fräulein Else. Es fasziniert, dass dem Leser fast ausschließlich, nur stellenweise mittels wörtlicher Rede unterbrochen, die psychologische Innensicht der Protagonistin Else geschildert wird. Man ist dadurch als Leser in der Lage, unmittelbar von Elses intimsten Gefühlen und Gedankengängen Kenntnis zu nehmen.
Die geringe Distanz zwischen Figur und Leser, die Schnitzler schafft, macht das Rezipieren dieses Werkes so reizvoll. Sowohl die inhaltliche Brisanz der Novelle als auch dessen stilistische Umsetzung, trugen zum großen Interesse an diesem literarischen Werk bei. Im Jahr 2009 wurde eine weitere mediale Adaption des Werkes Fräulein Else, erstmals als Graphic Novel durch Manuele Fior, veröffentlicht. Ein Jahr später erschien diese, übersetzt ins Deutsche von Maximilian Lenz, im avant-verlag. Manuele Fiors Graphic Novel erfreut sich großer Beliebtheit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Innensicht in der Novelle
2.1. Stimme
2.2. Modus
2.3 Innerer Monolog
3. Innensicht der Graphic Novel
4. Analyse der “Entblößungsszene“
4.1. Entblößungsszene in Schnitzlers Novelle Fräulein Else
4.2. Analyse Fiors Graphic Novel Fräulein Else
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Darstellung der psychologischen Innensicht sowie des Inneren Monologs in Arthur Schnitzlers Novelle "Fräulein Else" und deren Adaption als Graphic Novel durch Manuele Fior. Ziel ist es, die genrespezifischen Möglichkeiten beider Medien in ihrer narrativen Umsetzung zu bewerten.
- Literarische Erzähltheorie nach Genette, Martinez und Scheffel
- Konzept des Inneren Monologs bei Arthur Schnitzler
- Visuelle Erzähltechniken und Fokalisierung in Graphic Novels
- Vergleichende Analyse der "Entblößungsszene" in beiden Werken
- Mediale Adaptionsprozesse und ihre ästhetische Umsetzung
Auszug aus dem Buch
4.1. Entblößungsszene in Schnitzlers Novelle Fräulein Else
Mit: „Es ist höchste Zeit, höchste Zeit. Fünfzigtausend, fünfzigtausend. Warum laufe ich denn so? Nur langsam, langsam … Was will ich denn?“ beginnt der ausgewählte Szenenausschnitt auf Seite 67; Zeilen 28-30. Für die Vermittlung des Geschehens wurde ein dramatischer Modus verwendet. Dabei wird die Geschichte durch unmittelbare Darstellungen direkt und ohne Erzähler präsent. Die Formulierung der direkten Rede erfolgt in der 1. Person Singular. Die Erzählung wird während der ganzen Novelle aus Elses Sicht geschildert. Es handelt sich dabei um eine fixierte interne Fokalisierung. So heißt es auf Seite 68 in den Zeilen 2 bis 5: „Ich bin verdammt, Herrn von Dorsday zu suchen bis an mein Lebensende. Er sucht mich gewiß auch. Wir verfehlen uns immerfort. Vielleicht sucht er mich oben.“ Der Leser bekommt lediglich jenes Wissen vermittelt, über welches Else selbst verfügt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der vergleichenden Darstellung der Innensicht bei Arthur Schnitzler und Manuele Fior ein und formuliert die zentrale Arbeitsthese.
2. Innensicht in der Novelle: Das Kapitel erläutert die erzähltheoretischen Grundlagen, insbesondere die Kategorien Stimme, Modus und den Inneren Monolog im Kontext literarischer Texte.
3. Innensicht der Graphic Novel: Hier werden die spezifischen Gestaltungsmittel des Comics wie Bildsequenzen, Farben und Perspektiven zur Vermittlung innerer Zustände analysiert.
4. Analyse der “Entblößungsszene“: Dieses Kapitel vergleicht konkret die zentrale Entblößungsszene und untersucht die unterschiedlichen Umsetzungstechniken in Schnitzlers Novelle und Fiors Graphic Novel.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Eignung der Graphic Novel im Vergleich zur literarischen Vorlage für die Darstellung psychologischer Innensicht.
Schlüsselwörter
Arthur Schnitzler, Fräulein Else, Manuele Fior, Graphic Novel, Innensicht, Innerer Monolog, Erzähltheorie, Fokalisierung, Literaturadaption, Entblößungsszene, Dramatischer Modus, Medienvergleich, Erzähltechnik, Psyche, Novelle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie die psychologische Innensicht der Protagonistin in Arthur Schnitzlers Novelle "Fräulein Else" im Vergleich zur grafischen Adaption von Manuele Fior dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Felder sind die erzähltheoretische Einordnung des Inneren Monologs, die visuellen Darstellungsmittel des Comics sowie die mediale Adaption von literarischen Vorlagen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Vergleich?
Das Ziel ist die Prüfung der These, ob die Graphic Novel aufgrund ihrer genrespezifischen Eigenschaften in der Lage ist, den Inneren Monolog vielschichtiger als der literarische Prätext abzubilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Medienanalyse, die sich auf erzähltheoretische Konzepte von Genette, Martinez, Scheffel und Juliane Blank stützt.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen der Innensicht in Novelle und Graphic Novel sowie die detaillierte Untersuchung der "Entblößungsszene" in beiden Werken.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Innerer Monolog, Interne Fokalisierung, mediale Adaption, Graphic Novel und die erzähltheoretische Kategorisierung der Stimme.
Inwiefern unterscheidet sich die Darstellung in der Graphic Novel?
Fior nutzt eine "Multi-Fokalisierung" und visuelle Gestaltungsmittel wie Farben und Panel-Layouts, um die Innensicht zu vermitteln, wobei der Textfluss des ursprünglichen Monologs fragmentiert wird.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der Adaption?
Obwohl das Medium Graphic Novel prinzipiell mehr Möglichkeiten bietet, kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass Fiors Adaption die differenzierte Gefühlswelt der Novelle nur teilweise abbilden kann.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Die Darstellung der Innensicht in Arthur Schnitzlers "Fräulein Else" und Manuele Fiors gleichnamiger Graphic Novel, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/514252