Für profitorientierte Unternehmen sind Geschäftsberichte die Visitenkarte. Doch wie ist das bei gemeinnützigen Vereinen? Profitorientierte Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, über den Verlauf des Geschäftsjahres Bericht zu erstatten. Der Geschäftsbericht ist dafür das wichtigste schriftliche Mittel (Mast 2010, S. 284), dessen Bedeutung womöglich noch weiter wächst. (Gabrysch 2017) Vereine liefern meistens neben einem Jahresabschluss einen Tätigkeitsbericht ab, der jedoch nicht genormt ist und bei kleinen Vereinen manchmal sogar nur mündlich erfolgt. Im Kontext einer Professionalisierung des gemeinnützigen Sektors und einer Konkurrenz um Fördergelder oder Spenden ist es sinnvoll, über die Bedeutung von Geschäftsberichten der gemeinnützigen Vereine nachzudenken.
Geschäftsberichte strukturell zu analysieren wurde Thema der vorliegenden Hausarbeit, weil die Autorin in ihrer eigenen beruflichen Tätigkeit Geschäftsberichte verfasste und Geschäftsberichte anderer Vereine las, vor allem im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Da Geschäftsberichte bei Vereinen nicht gesetzlich vorgeschrieben und in der Form kaum reglementiert sind, werden sie manchmal als Kür verstanden oder als lästige Pflicht ohne praktischen Nutzen. Nicht für die Schublade zu schreiben, sondern einen Nutzen zu ziehen für die Steuerung und Kommunikation nach innen und außen ist für gemeinnützige Vereine genauso sinnvoll wie für profitorientierte Unternehmen. Hier eine sinnvolle Herangehensweise an das Erstellen und Verwenden von Geschäftsberichten zu finden, war der Autorin Anlass zur Erarbeitung der vorliegenden Hausarbeit.
Die zentrale Fragestellung dieser Hausarbeit lautet:
Ist es für Vereine sinnvoll, einen Geschäftsbericht zu verfassen, der für Außenstehende die Wirkung des Vereins verdeutlicht?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Forschungsfrage
1.2 Literatur
1.3 Begriffsdefinitionen
2. Rechtliche Verpflichtung zur Erstellung eines Geschäftsberichtes
2.1 Fehlen von Regelungen im Vereinsrecht
2.2 Früherkennung von Krisen
2.3 Übermittlung von nicht-finanziellen Informationen
3. Adressatenkreis
4. Inhalt eines Geschäftsberichts
4.1 Informationsziel eines Geschäftsberichts
4.2 Informationen als Entscheidungsgrundlage
4.3 Wirkungsorientierung nachhaltig verankern
5. Form eines Geschäftsberichtes
6. Social Reporting Standard
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die strukturelle Gestaltung von Geschäftsberichten für gemeinnützige Vereine und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob es für Vereine sinnvoll ist, einen Geschäftsbericht zu verfassen, der für Außenstehende die Wirkung der Vereinsarbeit transparent verdeutlicht. Dabei liegt der Fokus auf der Professionalisierung der Berichterstattung im Nonprofit-Sektor.
- Strukturelle Analyse von Geschäftsberichten in gemeinnützigen Vereinen
- Vergleich von Transparenzanforderungen zwischen Profit- und Nonprofit-Sektor
- Untersuchung von Wirkungsorientierung als Steuerungsinstrument
- Identifikation und Analyse des relevanten Adressatenkreises
- Integration des "Social Reporting Standard" als Best-Practice-Ansatz
Auszug aus dem Buch
4.2 Informationen als Entscheidungsgrundlage
Einige nicht-finanzielle Leistungsindikatoren sind auch für gemeinnützige Vereine relevant. So bedeutet die „Entwicklung des Kundenstammes“ für Vereine Veränderungen der Zielgruppe. Ist ein Verein beispielsweise in der Kinder- und Jugendhilfe tätig und bemerkt, dass verstärkt Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung die Angebote annehmen, kann dies in diesem Teil des Geschäftsberichtes dokumentiert werden. Für die Steuerung der Vereinstätigkeiten, beispielsweise bei der Konzeptionierung neuer Angebote, ist diese Beobachtung wertvoll.
Auch der zeitliche Aspekt von Lageberichten von profitorientierten Unternehmen ist für gemeinnützige Vereine und deren wirkungsorientierte Geschäftsberichte interessant. Für alle profitorientierten Unternehmen gilt, dass Zahlen im Jahresabschluss vergangenheits- und stichtagsorientiert sind. Doch zusätzliche Informationen im Lageberichtsteil, in der Analyse der Wirkung der in der vergangenen Zeit erbrachten Leistungen, können zukunftsorientiert sein. (Maul 2007, S. 605) Werden beispielsweise Veränderungen der Zielgruppe erkannt und haben Auswirkungen auf zukünftige Tätigkeiten, wird in einem solchen Lagebericht der Begründungszusammenhang für eine Neuausrichtung von Projekten geliefert. Bei gemeinnützigen Vereinen muss hier ein besonderes Augenmerk auf die Erhaltung der Gemeinnützigkeit und den in der Satzung formulierten Zweck gelegt werden. Eine Neuausrichtung der Aktivitäten muss dem satzungsgemäßen Zweck weiterhin entsprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit von professionellen Geschäftsberichten für Vereine und formuliert die zentrale Fragestellung bezüglich der Wirkungstransparenz.
2. Rechtliche Verpflichtung zur Erstellung eines Geschäftsberichtes: Dieses Kapitel analysiert die vereinsrechtlichen Lücken bei der Berichterstattung und leitet aus dem Gebot der Krisenfrüherkennung die Notwendigkeit einer strukturierten Dokumentation ab.
3. Adressatenkreis: Es werden die verschiedenen Anspruchsgruppen identifiziert, die für einen Verein von Relevanz sind, darunter Geldgeber, Mitglieder und die Öffentlichkeit.
4. Inhalt eines Geschäftsberichts: Hier wird detailliert erläutert, welche inhaltlichen Schwerpunkte – wie die Wirkungsorientierung – gesetzt werden sollten, um als Entscheidungsgrundlage zu dienen.
5. Form eines Geschäftsberichtes: Dieses Kapitel beschreibt methodische Standards und Grundsätze für die Gestaltung, die sich an kaufmännischen Rechnungslegungsgrundsätzen orientieren.
6. Social Reporting Standard: Es wird das Modell des Social Reporting Standards vorgestellt, welches Vereinen hilft, ihre Wirkung professionell und vergleichbar darzustellen.
7. Ausblick: Der Ausblick fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert das Potenzial für eine zukünftige, stärkere Standardisierung wirkungsorientierter Berichterstattung in deutschen Vereinen.
Schlüsselwörter
Geschäftsbericht, Gemeinnützige Vereine, Wirkungsorientierung, Sozialmanagement, Non-Profit-Organisationen, Social Reporting Standard, Transparenz, externe Rechnungslegung, Vereinsrecht, Stakeholder, Public Value, Wirkungsanalyse, Finanzkommunikation, Projektsteuerung, Satzungszweck.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und der strukturellen Gestaltung von Geschäftsberichten für gemeinnützige Vereine vor dem Hintergrund einer zunehmenden Professionalisierung im Sozialsektor.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Identifikation von Adressaten, die notwendigen Inhalte für ein wirkungsorientiertes Reporting sowie die Anwendung professioneller Standards wie den Social Reporting Standard.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, ob es für Vereine sinnvoll ist, Geschäftsberichte zu verfassen, die für Außenstehende die Wirkung des Vereins explizit verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse bestehender betriebswirtschaftlicher Literatur sowie von Standards der Unternehmenskommunikation, übertragen auf den Kontext gemeinnütziger Organisationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Notwendigkeit von Geschäftsberichten zur Krisenfrüherkennung, definiert den Adressatenkreis und leitet inhaltliche sowie formale Kriterien für eine nachhaltige Wirkungsorientierung ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Wirkungsorientierung, Geschäftsbericht, Gemeinnützigkeit, Social Reporting Standard und Stakeholder-Kommunikation.
Warum ist das Vereinsrecht für Geschäftsberichte problematisch?
Das deutsche Vereinsrecht enthält nur sehr schwache Regelungen zur Rechnungslegung, weshalb Geschäftsberichte oft als optionale "Kür" oder lästige Pflicht angesehen werden, statt als strategisches Kommunikationsmittel.
Welchen Vorteil bietet der Social Reporting Standard?
Er bietet eine klare Systematik in drei Teilen (A, B, C), die es ermöglicht, soziale Wirkungen (Social Impact) sichtbar, vergleichbar und professionell für Geldgeber und die Öffentlichkeit aufzubereiten.
- Arbeit zitieren
- Judit Costa-Patry (Autor:in), 2018, Wirkungsorientierte Geschäftsberichte für gemeinnützige Vereine, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/513959