Die vorliegende Arbeit thematisiert das oft diskutierte Ortenberger Altarretabel das im Jahre 1866 in das Hessische Landesmuseum in Darmstadt überführt worden ist. Es wird eine detaillierte Analyse des Werkes vorgenommen.
Zuerst schildert die Autorin dabei ihren ersten Eindruck und beschreibt das genutzte Material des Kunstwerkes, bevor eine nähere Analyse der Komposition erfolgt. Hieran schließt sich eine genaue Beschreibung der einzelnen Altarteile, der Mitteltafel, sowie des linken und des rechten Flügels an. Nach dieser Analyse geht die Autorin der Frage nach, an welchem Standort, Ortenberg oder Konradsdorf, der Altar wohl ursprünglich zu finden war, bevor sie abschließend die spezifischen Charakteristika des Werkes in den größeren kunsthistorischen Zusammenhang einordnet.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Erster Eindruck und Material
III. Komposition
IV. Gemaldetechnologische Untersuchungsergebnisse
V. Beschreibungen
Mitteltafel Die Heilige Sippe, Maria im Kreise ihrer Verwandten
Trinubiumslegende der Anna u. ikonografische Analyse
Drei Heilige Jungfrauen
Linker Flügel Birgitta belauscht die Geburt Christi
Rechter Flügel Die modischen Heiligen Könige
Herrschaftlicher Stifter mit Turm und Schwert
VI. Zwei Standpunkte im Vergleich: Ortenberg und Konradsdorf
VII. Einflüsse und weicher Stil
VIII. Neue Bildmotive
IX. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert das Ortenberger Altarretabel im Kontext seiner Entstehungszeit um 1400 und untersucht dessen kunsthistorische Einordnung, stilistische Merkmale sowie ikonografische Hintergründe. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie regionale und internationale Einflüsse zur Entwicklung der spezifischen Bildsprache des Retabels beitrugen und welche Rolle es in der Kunstlandschaft des Mittelrheins einnahm.
- Kunsttechnologische Untersuchung und Materialanalyse
- Ikonografische Deutung der Mitteltafel und Seitenflügel
- Vergleichende Analyse zur Herkunftsforschung des Standorts
- Einordnung in den weichen Stil des 15. Jahrhunderts
- Kulturelle Bedeutung der Stifterfiguren
Auszug aus dem Buch
II. Erster Eindruck und Material
Beim ersten Anblick des Tafelwerkes trifft das Auge des Betrachters ein leuchtendes Strahlen, dass je nach Position sein Schimmern changiert. Dieses Strahlen geht aus von den Gewändern der Figuren, die heroisch vor uns Platz genommen haben und doch ganz in ihre eigene Welt versunken sind. Die Figuren in den beiden Flügelbildern scheinen sich vor dem Mittelbild zu verneigen und geben so das Verhalten für den Betrachter vor. Keine der Figuren blickt in die Richtung des Betrachters, sondern jede ist in ihre eigene Handlung oder mit anderen Figuren vertieft. Hier wird laut Back menschliches Verhalten imitiert, um beim Betrachter ein Mitgefühl zu entfachen und somit den Inhalt näher zu bringen.
Bott vermutete, dass der Meister Blattsilber verwendete. Erst in einer technologischen Untersuchung von 1997 wurde herausgefunden, dass es sich um Zwickgold handelt, welches aus einer dicken Schicht Silber besteht auf das eine dünnere Schicht Blattgold gelegt wurde. Durch Ausschlagen verbinden sich die beiden Metalle und erzielen ein ungleichmäßiges kühles Schimmern. Den Hintergrund, die Nimben und andere kleine Attribute, wie die Krone der Maria und die Aureole des Christuskindes akzentuierte der Meister mit reinem Blattgold.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik des Ortenberger Altarretabels ein und beleuchtet den Forschungsstand sowie die kunsthistorischen Kontexte.
II. Erster Eindruck und Material: Es wird die physische Wirkung des Retabels beschrieben und die technologische Untersuchung der verwendeten Materialien wie Zwickgold und Blattgold erläutert.
III. Komposition: Dieses Kapitel analysiert den geometrischen Aufbau des Tafelbildes und die räumliche Anordnung der Figuren auf der Mitteltafel und den Flügeln.
IV. Gemaldetechnologische Untersuchungsergebnisse: Hier werden technische Befunde, wie etwa nachträgliche Änderungen in der Komposition oder Vorzeichnungen, detailliert dargelegt.
V. Beschreibungen: Eine ausführliche ikonografische Analyse der einzelnen Bildtafeln, inklusive der Heiligen Sippe und der Heiligendarstellungen, bildet den Kern dieses Abschnitts.
VI. Zwei Standpunkte im Vergleich: Ortenberg und Konradsdorf: Das Kapitel diskutiert die Herkunftsfrage des Retabels anhand von historischen Inventaren und kirchlichen Kontexten.
VII. Einflüsse und weicher Stil: Der Einfluss des internationalen weichen Stils auf die Formensprache und die künstlerische Einordnung des Meisters werden hier behandelt.
VIII. Neue Bildmotive: Es wird dargelegt, wie der Meister neue religiöse Bildmotive aus Literatur und Tradition in das Werk integrierte.
IX. Fazit: Die Arbeit resümiert die Bedeutung des Retabels als Beispiel für die Verschmelzung verschiedener Gattungen am Vorabend der Renaissance.
Schlüsselwörter
Ortenberger Altar, Mittelrhein, weicher Stil, Ikonografie, Tafelmalerei, Zwickgold, Heilige Sippe, Spätmittelalter, Kunstgeschichte, Stifterfiguren, Bildmotive, Sakrale Kunst, Maltechnik, Altartafel, Epiphane-Formel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kunsthistorischen und technologischen Analyse des Ortenberger Altarretabels, einem bedeutenden Werk der spätmittelalterlichen Kunst am Mittelrhein.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Materialanalyse, der ikonografischen Deutung der dargestellten religiösen Motive und der stilistischen Einordnung des Werkes im zeitgenössischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Retabel durch stilistische Vergleiche und technologische Untersuchungen genauer zu datieren, den Meister einzuordnen und zur Debatte um den ursprünglichen Standort beizutragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus stilkritischer Analyse, kunsttechnologischer Untersuchung der Materialien und dem Abgleich mit zeitgenössischer Forschungsliteratur sowie Inventarberichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Bildbeschreibung, die Analyse der Komposition, technologische Befunde sowie die Diskussion der Entstehungsgeschichte und der künstlerischen Einflüsse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Ortenberger Altar, weicher Stil, Ikonografie, Tafelmalerei, Zwickgold und Mittelrhein.
Warum spielt die Untersuchung des Materials Zwickgold eine so wichtige Rolle?
Die technologische Untersuchung von 1997 war entscheidend, um zu klären, dass der Meister kein reines Blattsilber, sondern Zwickgold verwendete, was neue Erkenntnisse zur Arbeitsweise der Werkstatt lieferte.
Welche Bedeutung haben die Stifterfiguren für die Forschung?
Die Deutung der Stifterfiguren im rechten Flügel dient als zentraler Ansatzpunkt für die Identifizierung potenzieller Auftraggeber und zur Klärung des ursprünglichen Aufstellungsortes des Retabels.
- Arbeit zitieren
- Luisa-Viktoria Schäfer (Autor:in), 2014, Der Ortenberger Altar und seine Stilbezüge. Eine kunsthistorische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/512817