Hypothesenentwicklung
Innerhalb therapeutisch vorgehender Berufsgruppen existiert eine große Anzahl von Methoden und Konzepten, welche durchweg sicherlich prinzipiell erfolgreich in ihren jeweiligen Anwendungen funktionieren. Gerade bezogen auf den Beruf des Ergotherapeuten mit seinem breiten Tätigkeitsspektrum können die unterschiedlichsten Behandlungsmethoden auftauchen. Im sensomotorisch- funktionellen Bereich beispielsweise trifft man oft auf die Anwendung verschiedener neurophysiologischer Konzepte (z.B. Bobath, Perfetti, PNF, Affolter, etc.). Alle diese Konzepte sind allgemein anerkannt und ihre Effizienz hinreichend erwiesen. Sie beruhen, so unterschiedlich ihre Herangehensweisen an therapeutische Aufgaben auch sein mögen, jedoch alle auch auf den gleichen neurophysiologischen Erkenntnissen und können sich somit prinzipiell nicht widersprechen. Nach subjektiver Erfahrung ist ihre erfolgreiche Anwendung eher von Vorlieben des Therapeuten einerseits als auch von der Individualität des Klienten andererseits abhängig. Ein von seinem Wesen her eher sehr autonom eingestellter Klient vermag beispielsweise unter Umständen gut von einer Therapie in Anlehnung an PNF profitieren, einem neurophysiologischen Konzept, welches in seiner Anwendung dem Klienten oft viel Bewegungskontrolle überlässt. Dem gegenüber wird ein Klient, welcher sich eher „in die Hände seines Therapeuten“ begeben möchte, möglicherweise größeren Nutzen aus einer Bobath-Behandlung ziehen, da diese Methode häufig über die Führung der Bewegung durch den Therapeuten funktioniert. In beiden Fällen ist der Behandlungserfolg jedoch auch von der Überzeugung des Therapeuten selbst von der Wirksamkeit des jeweiligen Konzeptes abhängig.
Gleiches gilt sicherlich auch für Vorgehensweisen im psychosozialen Bereich ergotherapeutischer Arbeit. Auch hier sollte man davon ausgehen können, dass Konzepte, welche in ihrer Wirksamkeit hinreichend anerkannt sind, sich in ihren Grundlagen nicht fundamental widersprechen. Inwiefern diese Annahme zutreffend ist, soll unter anderem innerhalb dieser Arbeit geklärt werden.
Die beiden gewählten Gesprächsmethoden bieten sich für eine ergotherapeutische Betrachtung gut an. Das Konzept nach Rogers ist, wie bereits erwähnt, in Grundlagen Inhalt der ergotherapeutischen Ausbildung...
Inhaltsverzeichnis
1. Stilistisches zur vorliegenden Arbeit
2. Persönliches zur Wahl des Themas
3. Hypothesenentwicklung
4. Zum Aufbau und Inhalt der Arbeit
5. Vorstellung der Modelle
5.1 Die Klientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers
5.1.1 Die Basisvariablen des Therapeuten
5.1.1.1 Wertschätzung
5.1.1.2 Kongruenz
5.1.1.3 Empathie
5.1.2 Die Aktualisierungstendenz des Klienten
5.1.3 Vor- und Nachteile der Klientenzentrierten Gesprächsführung bezüglich der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie
5.1.3.1 Vorteile
5.1.3.2 Nachteile
5.2 Das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP)
5.2.1 Pacing und Rapport
5.2.2 Wirklichkeitsebenen / Oberflächen- und Tiefenstruktur
5.2.3 Ankern
5.2.4 Kooperationsstile
5.2.5 Symptomverschreibungen
5.2.6 Refraiming
5.2.7 Blickkontakt / Augenzugangshinweise
5.2.8 Wohlgeformte Ziele
5.2.9 Vor- und Nachteile des NLP bezüglich der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie
5.2.9.1 Vorteile
5.2.9.2 Nachteile
6. Gemeinsamkeiten und Gegensätze
6.1 Gemeinsamkeiten
6.1.1 Empathie / Pacing und Rapport
6.1.2 Wertschätzung und die immer positive Absicht
6.1.3 Loslösung von Diagnostik / Ablehnung der Pathologie
6.1.4 Aktualisierungstendenz und Selbstheilungskräfte
6.2 Gegensätze
6.2.1 Die Intervention
6.2.1.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Intervention
6.2.1.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Intervention
6.2.2 Die Therapeutenkongruenz
6.2.2.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Therapeutenkongruenz
6.2.2.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Therapeutenkongruenz
6.2.3 Die Zielformulierung
6.2.3.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Zielformulierung
6.2.3.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Zielformulierung
6.2.4 Die Geschwindigkeit der Veränderung
6.2.4.1 Aspekte der einzelnen Konzepte zum Thema Veränderungsgeschwindigkeit
6.2.4.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Veränderungsgeschwindigkeit
7. Erstellung eines Kombinationsmodells bezogen auf die ergotherapeutische Arbeit in der klinischen Geriatrie
7.1 Grundgedanken zur Konzeptentwicklung
7.2 Das Setting
7.3 Die innere Vorbereitung
7.4 Einstieg in das Gespräch
7.5 Der weitere Gesprächsverlauf
7.6 Die Erarbeitung eines Zieles
7.7 Zusammenfassende Betrachtung des Kombinationsmodells unter ergotherapeutischen Gesichtspunkten im Kontext der klinischen Geriatrie
8. Überprüfung des Kombinationsmodells im Zuge exemplarischer Anwendungen
8.1 geplantes Vorgehen
8.2 Vorstellung von vier Therapiegesprächen
8.2.1 Gespräch mit Frau A.
8.2.2 Gespräch mit Frau W.
8.2.3 Gespräch mit Frau S.
8.2.4 Gespräch mit Herrn B.
8.3 Auswertung der Gespräche
8.3.1 Bewertung der Zielformulierungen
8.3.2 Bewertung der Therapeutenkongruenz
8.3.3 Bewertung des Zeitrahmens
8.3.4 Zusätzliche Bewertung im Zuge der Überprüfung des Kombinationsmodells
9. persönliches Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das klientenzentrierte Gesprächsführungskonzept nach Carl Rogers und die Methoden des Neuro-Linguistischen Programmierens (NLP) zu einem sinnvollen und praktikablen Kombinationsmodell für die ergotherapeutische Arbeit in der klinischen Geriatrie verknüpft werden können. Das Ziel besteht darin, die fachliche Grundhaltung der Klientenzentrierung mit der Effizienz und Zielorientierung des NLP zu verbinden, um den besonderen Bedürfnissen geriatrischer Klienten im klinischen Kontext gerecht zu werden.
- Grundlagen der klientenzentrierten Gesprächsführung (Basisvariablen, Aktualisierungstendenz)
- Methoden des Neuro-Linguistischen Programmierens (Pacing, Rapport, Zielformulierung, Refraiming)
- Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten und Gegensätzen beider Konzepte
- Entwicklung eines praxisorientierten Kombinationsmodells für die Geriatrie
- Exemplarische Überprüfung des Modells anhand klinischer Praxisgespräche
Auszug aus dem Buch
6.2.1.2 Persönliche Sicht des Verfassers zum Thema Intervention
In meiner bisherigen beruflichen Laufbahn habe ich Intervention immer als bewusst angewandte Massnahme zur Beeinflussung eines therapeutischen Problems betrachtet. Die konstruktivistische Idee, dass alle Individuen im Moment ihrer gegenseitigen Interaktion sich auch gegenseitig beeinflussen, erscheint mir sehr interessant und nachvollziehbar. Dennoch trifft meines Erachtens der Begriff der Intervention erst dann zu, wenn mein Handeln mit dem Klienten in diesem Moment eine klar von mir beabsichtigte und gezielte Veränderung bewirken soll und dieses Handeln von mir und meiner Zielidee ausgeht. Wenn ich beispielsweise den Klienten zur Ausführung einer bestimmten motorischen Übung auffordere oder in die Durchführung einer Handlung eingreife, um diese zu modifizieren, interveniere ich. Wenn ich meinem Klienten gezielte Fragen stelle, um ihn in eine von mir erwünschte Richtung zum Nachdenken zu bringen, interveniere ich. In jedem Fall habe ich in diesem Zusammenhang immer auch eine zumindest ungefähre Vorstellung darüber, was mein intervenierendes Handeln bewirken soll [vgl. WIKIPEDIA 2005]. Eine Intervention unter diesen Gesichtspunkten zu initiieren dürfte mit der Anwendung der Klientenzentrierten Gesprächsführung kaum konform gehen, trifft aber deutlich auf die Methode des NLP zu (z.B. Symptomverschreibung etc.). Andererseits hat auch das Konzept nach Rogers den Anspruch, Veränderungen zu bewirken. Dennoch passiert dies eher durch eine nicht eingreifende Methode in Abgrenzung zum enger definierten Begriff der Intervention. Letztendlich scheint Intervention nur dann möglich, wenn ein (von mir, vom Klienten, von beiden) definiertes Ziel vorhanden ist, was wiederum auf das NLP zutrifft, nicht aber auf die Klientenzentrierte Gesprächsführung. Insofern erscheint sich in diesem Punkt ein unvereinbarer Aspekt zu ergeben. Da aber bereits auf die ohnehin bestehende Problematik der Anwendung stark intervenierender therapeutischer Gesprächstechniken innerhalb des thematisch zu betrachtenden Rahmens hingewiesen wurde (siehe 5.2.9.2) – nicht zuletzt auch hinsichtlich der Brauchbarkeit eines eventuellen Kombinationskonzeptes unter der zusätzlichen Vorgabe einer praxisnahen Anwendbarkeit (siehe 4.) – denke ich, dass der interventive Aspekt im Zuge der folgenden Betrachtungen eine zu beachtende Rolle spielen sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Stilistisches zur vorliegenden Arbeit: Klärung der gewählten maskulinen Anredeform aus Gründen der Lesbarkeit.
2. Persönliches zur Wahl des Themas: Der Verfasser erläutert seine Motivation, die beiden Ansätze Rogers und NLP aufgrund praktischer Erfahrungen wissenschaftlich zu verknüpfen.
3. Hypothesenentwicklung: Diskussion der Ausgangslage und Formulierung der Hypothese zur Durchführbarkeit der Modellverknüpfung in der Geriatrie.
4. Zum Aufbau und Inhalt der Arbeit: Erläuterung der Struktur der Arbeit und des Fokus auf basale Aspekte der gewählten Konzepte.
5. Vorstellung der Modelle: Detaillierte Darstellung der theoretischen Grundlagen von Rogers Klientenzentrierter Gesprächsführung sowie des NLP inklusive ihrer spezifischen Methoden.
6. Gemeinsamkeiten und Gegensätze: Systematischer Vergleich der Konzepte hinsichtlich ihrer Übereinstimmungen und Differenzen, insbesondere beim Thema Intervention und Kongruenz.
7. Erstellung eines Kombinationsmodells bezogen auf die ergotherapeutische Arbeit in der klinischen Geriatrie: Entwicklung eines praktischen Modells, das vom Setting über die Vorbereitung bis zum konkreten Gesprächsablauf reicht.
8. Überprüfung des Kombinationsmodells im Zuge exemplarischer Anwendungen: Anwendung des Modells in der klinischen Praxis und Auswertung anhand ausgewählter Fallbeispiele.
9. persönliches Fazit: Reflektion des Verfassers über den Erkenntnisgewinn und die praktische Relevanz des entwickelten Kombinationsansatzes.
Schlüsselwörter
Ergotherapie, Geriatrie, Klientenzentrierte Gesprächsführung, Rogers, NLP, Neuro-Linguistisches Programmieren, Kommunikation, Intervention, Zielorientierung, Patientenautonomie, Kongruenz, Empathie, Pacing, Rapport, Refraiming
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Verknüpfung der Klientenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers mit den Ansätzen des Neuro-Linguistischen Programmierens (NLP) im Kontext der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die theoretische Gegenüberstellung beider Konzepte, die Entwicklung eines praktikablen Kombinationsmodells für die klinische Praxis und dessen empirische Überprüfung anhand von Fallbeispielen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob die Verknüpfung von Rogers' Gesprächsführungskonzept und NLP für Ergotherapeuten in der Geriatrie praktikabel, sinnvoll und durchführbar ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Der Autor stützt sich auf eine umfassende Literaturrecherche, eine eigene konzeptionelle Entwicklung sowie eine exemplarische qualitative Analyse von 15 in der Praxis durchgeführten Therapiegesprächen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen, arbeitet Gemeinsamkeiten und Gegensätze heraus, erstellt ein strukturiertes Kombinationsmodell und evaluiert dieses anhand von Anwendungsbeispielen aus dem klinischen Alltag.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ergotherapie, Geriatrie, Klientenautonomie, Zielorientierung, Kongruenz und kommunikative Intervention definiert.
Wie unterscheidet sich Rogers' Ansatz von dem des NLP hinsichtlich der Zielsetzung?
Rogers setzt auf eine eher abwartende, klientenzentrierte Haltung ohne explizite Interventionsvorgaben, während NLP eine zielorientierte, effiziente Vorgehensweise mit bewussten Interventionstechniken verfolgt.
Warum ist das Thema "Autonomie" für geriatrische Patienten so wichtig?
Geriatrische Patienten laufen im klinischen Umfeld oft Gefahr, durch fremdbestimmte Hilfestellungen entmündigt zu werden. Die Arbeit zeigt, wie eine gezielte Gesprächsführung dazu beitragen kann, die Selbstständigkeit und das Vertrauen des Klienten in seine eigenen Fähigkeiten zu stärken.
Welches Fazit zieht der Verfasser zur Durchführbarkeit?
Der Verfasser kommt zu dem Schluss, dass die Ansätze sich hervorragend ergänzen: Rogers bietet den Rahmen einer wertschätzenden Grundhaltung, während NLP das notwendige Werkzeug für eine zielorientierte und effiziente therapeutische Planung bereitstellt.
- Quote paper
- Siegfried Nohner (Author), 2005, NLP und Gesprächsführung nach Rogers im Kontext der ergotherapeutischen Arbeit in der klinischen Geriatrie - sinnvolle Kombinationsmöglichkeit oder unvereinbarer Gegensatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/51209