Die Arbeit versucht, die Figur Carl Pius aus dem Drama "Die Wupper" von Else Lasker-Schüler zu charakterisieren und ausgehend von diesen Erkenntnissen eine Lesart für das Drama zu entwickeln.
Zunächst erfolgt eine kurze Übersicht über die auftretenden Figuren. Auf der einen Seite steht die Arbeiterfamilie des Großvaters Wallbrecker mit seiner Tochter Amanda und der Mutter Pius und ihrem Sohn Carl. Auf der anderen Seite ist die Familie der Fabrikbesitzerin Charlotte Sonntag mit ihren Kindern Heinrich, Eduard und Marta. Dazu kommen die Dienstboten Auguste und Berta, die Färberfamilie Puderbach um August und Lieschen und die drei Herumtreiber Pendelfrederech, Lange Anna und Amadeus.
Die Grundlage für die Figurencharakterisierung bildet die Einführung in die Dramenanalyse von Franziska Schößler. Die grundlegenden Gesichtspunkte, auf die sich die Figurencharakterisierung bezieht, sind bei Schößler unter dem Kapitel 4 aufgeschlüsselt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Figurenkonstellationen
Figurenkonzeption
Leseart des Dramas
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Charakterisierung der Figur Carl Pius in Else Lasker-Schülers Drama Die Wupper, um ausgehend von dieser Analyse eine fundierte Leseart für das Werk zu entwickeln und Carl Pius in das dramatische Gefüge einzuordnen.
- Methodische Figurencharakterisierung nach Franziska Schößler
- Analyse der Figurenkonstellationen und sozialen Dynamiken
- Untersuchung der Figurenkonzeption und Entwicklung von Carl Pius
- Interpretation des Werkes als gesellschaftskritisches Stück oder Familientragödie
Auszug aus dem Buch
Figurenkonstellationen
Um besser zu verstehen, welche Verbindungen die einzelnen Charaktere zu Carl haben, erfolgt eine Veranschaulichung der Figurenkonstellationen, in der Carl als Hauptfigur als einziger eine Verbindung zu allen anderen Figuren aufweist. Es spielen insgesamt 20 Figuren nebst weiteren Nebenfiguren in dem Drama. Es handelt sich um keine außergewöhnlichen Personen, die dargestellt werden. Carl steht zwischen den beiden Welten der Färber und Industriearbeiter und der Fabrikantenfamilie Sonntag. Er wird als Sozialaufsteiger präsentiert, der scheinbar nicht mehr in der Arbeiterwelt leben möchte, doch in der höheren Schicht nicht akzeptiert wird. Er ist der Enkel von Großvater Wallbrecker und Mutter (väterlicherseits) Pius und der Neffe von Amanda Pius. Bereits im ersten Akt (S. 9) wird in einem Dialog zwischen dem Großvater und Carl ersichtlich, dass Carl Pastor werden möchte. Sein Großvater wünscht sich jedoch, dass Carl das Lieschen Puderbach heiratet, da ihr verstorbener Vater ein sehr guter Freund des Großvaters war: Carl: „Lass mich man erst Pastor sein, Großvater, dann werden die Meisters meine Gesellen.“, Großvater: „Und das Liesken drüben sollst du doch frein.“, Carl (überlegen wie ein Kind): „Die heirat‘ mich um so lieber.“ Carl hat eine ganz besondere Beziehung zu seinem Großvater, was immer wieder in dem Drama sichtbar wird (S. 10): „´nen bequemen Sorgenstuhl kauf ich dir, Großvatter, auf einem weichen Polster sitzt du und tust den ganzen Tag nix andres wie schlafen, spazieren gehen und schmöken.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes, der methodischen Grundlage nach Schößler und der Zielsetzung der Arbeit.
Figurenkonstellationen: Darstellung der sozialen Vernetzung von Carl Pius und dessen Vermittlerrolle zwischen Arbeiterfamilie und Fabrikantenfamilie.
Figurenkonzeption: Analyse des Redeanteils und der psychologischen Verfasstheit von Carl Pius als zentrale, jedoch widersprüchliche Figur im Dramenverlauf.
Leseart des Dramas: Zusammenfassende Interpretation des Werkes als Familientragödie mit Fokus auf sozio-kulturelle Konflikte.
Schlüsselwörter
Carl Pius, Else Lasker-Schüler, Die Wupper, Dramenanalyse, Figurenkonstellation, Figurenkonzeption, Sozialaufsteiger, Klassenkonflikt, Familientragödie, Franziska Schößler, Literaturwissenschaft, Dramatik, 19. Jahrhundert, Identität, Gesellschaftskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Charakterisierung der Figur Carl Pius in Else Lasker-Schülers Drama Die Wupper und untersucht dessen Rolle und Einordnung innerhalb des Stücks.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die sozialen Schichtunterschiede, das Aufstiegsstreben des Protagonisten, generationenübergreifende Konflikte und die familiären Bindungen im Kontext des frühen 20. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Carl Pius durch die Anwendung dramentheoretischer Kategorien nach Franziska Schößler zu charakterisieren und daraus eine neue Leseart für das gesamte Drama abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die methodischen Kategorien der Dramenanalyse nach Franziska Schößler, insbesondere auf die Untersuchung von Figuren auf der Bühne, Figurenkonzeptionen und Figurenkonstellationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die komplexen Beziehungen von Carl Pius zu seinem familiären Umfeld sowie zur Familie Sonntag und untersucht, wie sich sein soziales Handeln und sein psychologisches Profil über die Akte hinweg entwickeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Carl Pius, Else Lasker-Schüler, Dramenanalyse, Klassenkonflikt, Sozialaufsteiger und Familienkonstellation.
Warum spielt Carl Pius im dritten Akt des Dramas keine Rolle?
Obwohl er die zentrale Figur ist, ist sein Fehlen im dritten Akt ein wichtiges Indiz für die Interpretation, da es den Status des "typischen Helden" in Frage stellt und auf die Bedeutung der anderen gesellschaftlichen Akteure hinweist.
Inwiefern beeinflusst der Klassenunterschied die Handlung?
Der Klassenunterschied fungiert als zentraler Konfliktherd, insbesondere durch die Ablehnung von Carls Heiratsabsichten durch die Familie Sonntag, was letztlich die tragische Entwicklung des Protagonisten mitbestimmt.
- Arbeit zitieren
- André Gschweng (Autor:in), 2019, Charakterisierung der Figur Carl Pius aus dem Drama "Die Wupper" von Else Lasker-Schüler, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/510246