Der Aufsatz über die Thermopylenrede Hermann Görings, von Hans-Joachim Gehrke, ist in Einleitung, Abschnitt 1 und 2 gegliedert. Er befasst sich mit dem Heroenkult im alten Griechenland, als auch mit dem zeitlichen Wandel der Sicht Europas auf den Osten und dem damit verbundenen Wandel der Einordnung der Geschehnisse der Perserkriege.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Heroen und Heroisierung im Altertum
2. Heroisierung (und Instrumentalisierung) des Altertums, oder Göring: im Kontext
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die historische Instrumentalisierung der antiken Thermopylenrede durch Hermann Göring während des Zweiten Weltkriegs und untersucht den Wandel der Wahrnehmung des antiken Heldentums und der Ost-West-Dichotomie in der europäischen Erinnerungskultur.
- Propagandistische Nutzung antiker Mythen durch das NS-Regime
- Die historische Realität des Kampfes bei den Thermopylen und dessen Heroisierung
- Entwicklung des europäischen Orientalismus und der Antithese zwischen "Freiheit" und "Despotie"
- Risiken einer identitätsstiftenden Geschichtspolitik
- Reflexion über den Umgang mit historischen Narrativen in der Gegenwart
Auszug aus dem Buch
Heroen und Heroisierung im Altertum
Im Sommer 480 v.Chr. hätten die Griechen, unter spartanischer Führung, versucht, ein zahlenmäßig weit überlegenes Heer der Perser, bei einem Engpass der Thermopylen aufzuhalten. Dies sei jedoch gescheitert, da die Griechen umgangen worden seien. Nur der spartanische König Leonidas und 300 seiner Soldaten seien geblieben und opferten sich dadurch. Dabei seien sie dem Ethos ihres Staates gefolgt, was auch in der Inschrift deutlich werde, auf die Göring sich in seiner Rede bezieht (S. 16). Dieses Wertesystem sei jedoch in ganz Griechenland verbreitet gewesen und es sei daraus resultiert, dass der Kampf als Hoplit in einer Phalanx die Solidarität und das Kollektivdenken stark förderte (S.16). Soldaten die sich durch ihr Opfer hervortaten, seien in Griechenland auf eine Stufe mit Helden des Mythos gestellt worden, was gleichbedeutend mit der Geschichte für die Griechen gewesen sei (S. 17).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Thermopylenrede Hermann Görings vom 30. Januar 1943 vor und erläutert dessen Absicht, die drohende Niederlage bei Stalingrad propagandistisch mit dem Opfer der Spartaner zu legitimieren.
1. Heroen und Heroisierung im Altertum: Dieses Kapitel untersucht das ursprüngliche Ethos der griechischen Hopliten, die ambivalente Heldenzeichnung in den Epen Homers sowie die Entstehung des antithetischen Weltbildes zwischen Hellenen und Barbaren.
2. Heroisierung (und Instrumentalisierung) des Altertums, oder Göring: im Kontext: Das Kapitel zeichnet die Rezeptionsgeschichte des antiken Heldentums vom Mittelalter über die Aufklärung bis hin zum Nationalsozialismus nach und warnt vor der Vereinfachung komplexer Geschichte für politische Identitätszwecke.
Schlüsselwörter
Hermann Göring, Thermopylenrede, Stalingrad, Heroenkult, Perserkriege, Antike, Propaganda, Orientalismus, Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, Heldenmythos, Geschichtsrevisionismus, Identität, Barbarenbild, Selbstreflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse eines Aufsatzes von Hans-Joachim Gehrke, der die Instrumentalisierung der antiken Thermopylenrede durch Hermann Göring während des Zweiten Weltkriegs sowie den damit verbundenen Wandel historischer Geschichtsbilder untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der antike Heroenkult, die propagandistische Zweckentfremdung antiker Mythen durch das NS-Regime, die historische Konstruktion des "Ostens" sowie die europäische Erinnerungskultur.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Geschichte politisch instrumentalisiert wird, um ideologische Zwecke zu stützen, und warum eine kritische Selbstreflexion im Umgang mit historischen Narrativen unerlässlich ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine historisch-kritische Diskursanalyse, um die verschiedenen Ebenen der Geschichtsdeutung – von der Antike bis zum 20. Jahrhundert – miteinander in Beziehung zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des antiken Heldentums und seiner soziopolitischen Einbettung sowie in die Analyse des "Orientalismus" und der Instrumentalisierung dieses Erbes im Kontext des Nationalsozialismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Heroisierung, Propaganda, Perserkriege, Orientalismus, Erinnerungskultur und politischer Kontext.
Wie bewertet der Autor die historischen Beispiele, die Göring in seiner Rede verwendet?
Gehrke kommt zu dem Schluss, dass Görings historische Beispiele zwar faktisch unpassend sind, dies aber für das NS-Regime irrelevant war, da die Erzählungen lediglich einem manipulativen politischen Zweck dienten.
Welche Rolle spielt der "Orientalismus" in der historischen Argumentation?
Der Orientalismus beschreibt die westliche Konstruktion eines Gegenbildes zum Osten, wobei antike Despotenbilder genutzt wurden, um den "Osten" als minderwertig oder feindlich darzustellen, was wiederum zur ideologischen Rechtfertigung von Kriegen diente.
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- Nils Spiekermann (Author), Exzerpt zu Hans-Joachim Gehrkes Aufsatz über die Thermopylenrede Hermann Görings, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/508852