In dieser Arbeit soll zuerst geklärt werden, wozu ein Lernen am Vorbild auch in der heutigen Zeit noch als sinnvoll angesehen werden kann, gefolgt von einer kurzen Abhandlung einiger psychologischer Lerntheorien. Die sich anschließenden Kapitel befassen sich mit Auswahlkriterien bezüglich geeigneter Personen sowie Situationen, der konkreten Umsetzung des Projektes und einigen konkreten Beispielen.
Hans Mendl, Lehrstuhlinhaber der Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an der Universität Passau, beklagt in vielen seiner Arbeiten den „garstigen Graben“, welcher sich einerseits zwischen der Erfahrungswelt der heutigen Jugend und andererseits der Kirche sowie christlich orientiert lebenden Menschen auftue. Die Kirche, in unserer Zeit mit einer Abnahme der gesellschaftlichen Bindung konfrontiert, ist für viele, insbesondere junge Menschen, nur noch eine „fremde Heimat“. Für Schüler und Schülerinnen sind Christen, welche sich in ihrer unmittelbaren Umgebung für Frieden, Gerechtigkeit oder die Umwelt einsetzen und als ethische oder religiöse Orientierungshilfe im Prozess der Persönlichkeitsbildung fungieren können, nur selten erleb- und greifbar.
Um diesen Graben zwischen unserer postmodernen, pluralistischen und konsumorientierten Gesellschaft und einem von christlichen Werten geprägten Leben zu überwinden, schlägt Hans Mendl vor, christlich vorbildhafte Personen des Alltags näher an die Schüler und Schülerinnen heranzurücken, um diese als Vorbilder für die Jugendlichen nutzbar zu machen. Auf diese Weise kann ein produktiver Lernprozess ausgelöst sowie Interesse am christlichen Dasein geweckt werden. Im Zuge dieser Überlegungen und bezüglich einer Verwirklichung des Vorhabens hat Hans Mendl das Projekt „Local heroes“ ins Leben gerufen, welches Gegenstand dieser Arbeit ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Der „garstige Graben“ – eine Einführung
2. An Vorbilder lernen – wozu und wie?
2.1 Vorbilder als Beitrag zur Lebensorientierung
2.2 Eine Vielfalt an möglichen Lernwegen
2.2.1 Bewunderung und Nachahmung
2.2.2 Das Modell–Lernen
2.2.3 Die Diskursethik
2.2.4 Die Handlungsethik
3. Ein Local heroe – Was ist das?
4. Die Ziele des Projektes
5. Die Bedeutsamkeit moralischer Dilemma–Situationen
6. Weitere Kriterien bezüglich der Personenauswahl
7. Die Local heroes Homepage
8. Beispiele
9. Schluss
10. Literatur
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das von Hans Mendl entwickelte Projekt "Local heroes" religionspädagogisch zu erschließen und aufzuzeigen, wie sogenannte "Alltagshelden" als Orientierungsmarken für Jugendliche dienen können, um christliche Werte in einer postmodernen Gesellschaft erfahrbar zu machen.
- Rolle und Bedeutung von Vorbildern in der Identitätsentwicklung von Jugendlichen.
- Theoretische Fundierung durch psychologische Lerntheorien wie Modell-Lernen und Diskursethik.
- Konzeption und didaktische Nutzung der "Local heroes" Datenbank.
- Kriterien für die Auswahl geeigneter Biographien und Dilemma-Situationen für den Religionsunterricht.
Auszug aus dem Buch
Ein Held, der gar keiner sein will
Ansbach. Er ist die Heldenfigur des Amoklaufs am Gymnasium Carolinum im mittelfränkischen Ansbach - ob er es will oder nicht. Der damals 18-jährige Johannes Knoblauch wird am 17. September unfreiwillig Zeuge der Bluttat seines Mitschülers Georg R. - ohne zu zögern, alarmiert der seit Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr engagierte junge Mann über sein Mobiltelefon die Polizei. Anschließend löscht er die Brände auf dem Schulflur und im Klassenzimmer. Bereits Stunden nach seinem beherzten Eingreifen wird der Abiturient als „Held von Ansbach“ gefeiert. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeichnete ihn gestern sogar mit einer Medaille für Verdienste um die innere Sicherheit aus.
„Ich sehe mich nicht als Held. Nein. Auf keinen Fall“, sagt der heute 19-Jährige mit fester Stimme. „Es ist mir eher peinlich, durch ein so schlimmes Ereignis bekanntgeworden zu sein.“ Nur durch seine Ausbildung und die Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort Herrieden sei er auf die Situation vorbereitet gewesen. Von seinem 12. bis 17. Lebensjahr war er Mitglied der Jugendfeuerwehr, anschließend wechselte er zu den älteren Feuerwehrleuten. Wenn überhaupt, dann möchte er als Vorbild für andere junge Menschen gesehen werden, sagt der Abiturient, der im Mai unter anderem in den Leistungsfächern Altgriechisch und Sozialkunde/Geschichte seine Prüfungen ablegen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der „garstige Graben“ – eine Einführung: Beschreibt die Distanz zwischen der Lebenswelt Jugendlicher und kirchlichen Werten und führt das Projekt "Local heroes" als Brückenschlag ein.
2. An Vorbilder lernen – wozu und wie?: Analysiert die Bedeutung von Vorbildern für die Identitätsfindung und diskutiert verschiedene psychologische und ethische Lerntheorien.
3. Ein Local heroe – Was ist das?: Definiert "Local heroes" als "Heilige der Unscheinbarkeit" aus dem direkten Umfeld und erläutert ihre Vorteile gegenüber medialen Stars.
4. Die Ziele des Projektes: Erläutert die Zielsetzungen, wie die Heiligung des Alltags und die Erweiterung des Vorbildbegriffs hin zum Nahbereich.
5. Die Bedeutsamkeit moralischer Dilemma–Situationen: Erklärt, warum moralisch herausfordernde Situationen in Biographien entscheidend für die ethische Urteilsbildung sind.
6. Weitere Kriterien bezüglich der Personenauswahl: Nennt methodische Auswahlkriterien wie gelebtes Ethos, Motivtransparenz und Offenheit für Anti-Typen.
7. Die Local heroes Homepage: Stellt die interaktive Datenbank als wichtiges Werkzeug für die religionspädagogische Praxis vor.
8. Beispiele: Präsentiert drei konkrete Alltagshelden, um die Arbeit mit dem theoretischen Konstrukt zu veranschaulichen.
9. Schluss: Reflektiert kritisch über die Einordnung des Projekts in der Geschichte der Katechese und unterstreicht dessen Bedeutung für den modernen Religionsunterricht.
10. Literatur: Listet die verwendeten Quellen und weiterführende Literatur auf.
Schlüsselwörter
Local heroes, Vorbilder, Religionspädagogik, Identitätsentwicklung, Diskursethik, Modell-Lernen, Alltagshelden, christliche Werte, Dilemma-Situationen, Jugendlicher, Identifikation, Sozialprojekt, Kompetenz, Lebenswelt, Werteerziehung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen der Arbeit?
Die Arbeit untersucht das von Hans Mendl entwickelte Projekt "Local heroes", das darauf abzielt, Jugendlichen durch authentische Biographien aus ihrem Alltag ethische und religiöse Orientierungshilfen zu bieten.
Warum sind "Local heroes" für Jugendliche besonders relevant?
Da sie im direkten Lebensumfeld der Jugendlichen existieren und durch ihre Normalität eine leichtere Identifikation sowie eine unmittelbare personale Begegnung ermöglichen als ferne Heilige oder mediale Stars.
Welches Ziel verfolgt das Projekt in Bezug auf den Vorbildbegriff?
Das Projekt möchte den Vorbildbegriff von einer engen, meist heldenhaften Konnotation befreien und den Fokus auf gewöhnliche Menschen des Nahbereichs lenken.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Begründung herangezogen?
Die Arbeit stützt sich auf lernpsychologische Modelle, insbesondere das Modell-Lernen nach Bandura, die Diskursethik sowie handlungsorientierte Ansätze wie Sozialprojekte.
Welche Rolle spielen moralische Dilemma-Situationen in der Arbeit?
Sie dienen dazu, die Urteilsfähigkeit von Jugendlichen zu fördern, indem sie an konkreten Beispielen ohne einfache Lösungen zur kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Werten anregen.
Wie wird das Projekt praktisch im Unterricht umgesetzt?
Durch die Nutzung der "Local heroes"-Datenbank, die strukturierte Einzelportraits und didaktische Materialien für den Religionsunterricht oder die Gemeindekatechese bereitstellt.
Wie wird sichergestellt, dass die "Local heroes" nicht als perfekte Helden überhöht werden?
Durch die bewusste Auswahl von Situationen, die Motivtransparenz sowie die Fokussierung auf "Heilige der Unscheinbarkeit", die ausdrücklich keine makellosen Vorbilder sein sollen.
Welche Bedeutung hat das Beispiel Johannes Knoblauch für die Arbeit?
Er fungiert als Fallbeispiel für Zivilcourage, das zeigt, wie ein spontanes Handeln in einer Krisensituation im Schulkontext aufgearbeitet werden kann, ohne den Akteur in eine unnahbare Heldenrolle zu drängen.
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- Anonym (Author), 2008, Interesse am christlichen Dasein wecken. Das Projekt "Local Heroes" von Hans Mendl, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/505611