Die Kernpunkte der vorliegenden Arbeit sind zum einen die E-Mail Klassenkorrespondenz als interessante Anwendungsmöglichkeit des Internets im Fremdsprachenunterricht zum anderen autonomes Lernen, das das Trendthema der aktuellen fremdsprachendidaktischen Disskussion ist. Im Rahmen dieser Arbeit wird der Frage nach der Rolle der E-Mail Klassenprojekten in Förderung der Lernerautonomie nachgegangen.
Der Stoff der Arbeit ist in sechs Kapiteln gegliedert: Das erste Kapitel bietet eine systematische Darstellung der theoretischen Grundlagen von Lernerautonomie.
Das zweite Kapitel ist der Förderung der Lernerautonomie gewidmet, und, thematisiert solche didaktische Fragen wie die Gestaltung autonomen Klassenzimmers, veränderte Lehrerrolle und lernstrategisches Lernen.
Im dritten Kapitel wird das Medium Internet im Aspekt der Lerner-autonomisierung vorgestellt.
Das vierte Kapitel beschäftigt sich zuerst mit der Geschichte und verschiedenen Formen der traditionellen Klassenkorrespondenz. Dann werden solche Fragestellungen wie Merkmale, Potenzial und Klassifikationen von E-Mail-Klassenprojekten angesprochen.
Im fünften Kapitel werden eigene empirische Untersuchungen dargestellt. Sie stützen sich auf eigens iniitierte und betreute 20 wöchige Klassen-korrespondenz zwischen den Klassen des Gymnasiums Nr. 15 in Lublin und der Ben Gurion Junior High School in Herzelia (Israel). Hierzu findet sich die Schilderung der organisatorischen und didaktischen Arrangements des Projektes. Im Mittelpunkt der empirischen Studie steht die Erfassung der Lernerautonomie von Projektteilnehmern und Kontrollgruppe mittels eigens konstruierten Fragebogens.
Die Arbeit wird mit Vorschlägen für Lehrende abgerundet, die ein Optimieren der E-Mail-Klassenkorrespondenz im Hinblick auf die Lernerautonomie bezwecken.
Der Anhang enthält, neben Fragebögen und Beispielsbriefen, Handreichungen für Lehrende, wie man die komplexen Prozesse der E-Mail-Klassen-korrespondenz initiieren, leiten und durchführen kann.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Grundlagen autonomen Lernens
1.1 Begriffsklärung: Lernerautonomie
1.2 Gesellschaftlicher Hintergrund
1.3 Lerntheoretische Grundlagen
1.3.1 Kognitive Lerntheorien
1.3.2 Konstruktivistische Ansätze
2 Förderung der Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht
2.1 Gestaltung des „autonomen Klassenzimmers“
2.2 Veränderte Lehrerrolle
2.3 Lernstrategien als Voraussetzung autonomen Lernens
2.3.1 Definition und Bedeutung von Lernstrategien
2.3.2 Klassifikation von Lernstrategien
2.3.3 Vermittlung von Lernstrategien
2.4 Projektarbeit als Form autonomen Lernens
3 Interneteinsatz und Autonomisierung des DaF-Unterrichts
3.1 Internet als Kommunikations- und Kooperationsplatform im FU
3.1.1 Asynchrone Kommunikation
3.1.2 Synchrone Kommunikation
3.2 Internet als Infomations- und Publikationsmedium im FU
3.2.1 Typologie der WWW- Ressourcen
3.2.2 Ausgewählte Anwendungsmöglichkeiten von WWW-Ressourcen
3.3 Fazit
4 E-Mail Klassenkorrespondenz im Fremdsprachenunterricht
4.1 Geschichte und Formen herkömmlicher Klassenkorrespondenz
4.2 Merkmale der E-Mail -Korrespondenz
4.3 Lernpotenzial elektronischer Klassenkorrespondenz
4.4 Klassifikation von E-Mail-Projekten
5 Empirische Studie: Veränderungen im Bereich der Lernerautonomie infolge der E-Mail Klassenkorrespondenz
5.1 Umfeld des eigenen Projekts
5.2 Ziele und didaktischer Rahmen des Projekts
5.3 Verlauf des Projekts
5.4 Auswertung des Projekts
5.4.1 Ergebnisse der Untersuchung Stimmzettel
5.4.2 Ergebnisse der Untersuchung mit eigenem Fragebogen zur Erfassung der Lernerautonomie
6 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob und wie der Einsatz von E-Mail-Klassenkorrespondenz im Fremdsprachenunterricht die Lernerautonomie von Schülern auf der Gymnasialstufe fördern kann. Dabei wird die theoretische Fundierung autonomen Lernens mit einer empirischen Studie verknüpft, die den praktischen Mehrwert digitaler Kommunikationsformen beleuchtet.
- Grundlagen des autonomen Lernens und dessen lerntheoretische Einbettung
- Gestaltungsmöglichkeiten eines autonomiefördernden Fremdsprachenunterrichts
- Die Rolle des Internets bei der Autonomisierung des DaF-Unterrichts
- Analyse traditioneller und elektronischer Klassenkorrespondenz
- Empirische Untersuchung zur Veränderung der Lernerautonomie durch ein E-Mail-Projekt
Auszug aus dem Buch
1.1 Begriffsklärung: Lernerautonomie
Das Interesse an autonomem Lernen in der Pädagogik reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und ist in Prinzipien von Reformpädagogen wie John Dewey, Celestin Freinet, Maria Montessori, Hugo Gaudig oder Paulo Freire zu finden. Sie stellen die Herausbildung von Lernerautonomie als wünschenswertes allgemeines Erziehungsziel dar. Als Beispiel werden im folgenden pädagogische Ansichten von Hugo Gaudig zitiert, die eine starke Analogie zum heutigen Konzept autonomen Fremdsprachenlernens aufweisen:
Soll aber diese Selbsttätigkeit sich entwickeln und erhalten, so bedarf der Wille des Schülers einer planmäßigen Schulung für die Arbeit. Soll der Schüler nicht des Anstoßes von außen (des Fremdimpulses) fortgesetzt bedürfen, (...) so muss er sich selbst zu all den Tätigkeiten bestimmen lernen, die den Arbeitsvorgang fördern. So muss er sich dazu bestimmen, Aufgaben zu stellen, das Für und Wieder von Arbeitswegen zu prüfen, den Gang der Arbeit zu kontrollieren, die unfertige Arbeit zu korrigieren usw. (Gaudig 1969:12 zitiert nach Weskamp 1999:14).
Im Jahre 1979 liefert Henri Holec, einer der ersten Befürworter dieses Konzepts im fremdsprachlichen Lernen eine Definition, die bis heute weit verbreitet ist. Holec’s Basisaussage lautet: „Lernerautonomie ist die Fähigkeit, das eigene Lernen selbstverantwortlich in die Hand nehmen zu können“ (Holec 1981 zitiert nach Klein/Landeck 1998:223). Als Voraussetzung für autonomes Lernen nennt Holec die Fähigkeit: Lernziele, Lerninhalte und Lernprogression festzulegen, geeignete Lerntechniken auszuwählen, frei über Lernort, Lernzeit und Lerntempo zu entscheiden und den eigenen Lernerfolg bewerten zu können (vgl. Holec 1981 nach Klein/Landeck 1998).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Notwendigkeit, Internet und Computer im Fremdsprachenunterricht als Werkzeuge zur Förderung von Lernerautonomie zu nutzen.
1 Grundlagen autonomen Lernens: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente der Lernerautonomie, unter anderem durch kognitive Lerntheorien und konstruktivistische Ansätze.
2 Förderung der Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht: Hier stehen praktische didaktische Fragen wie die Gestaltung des Klassenzimmers, die Lehrerrolle und der Einsatz von Lernstrategien im Fokus.
3 Interneteinsatz und Autonomisierung des DaF-Unterrichts: Das Kapitel führt in das Medium Internet ein und untersucht dessen Kommunikationsdienste sowie die Typologie von WWW-Ressourcen für den Unterricht.
4 E-Mail Klassenkorrespondenz im Fremdsprachenunterricht: Dieser Teil betrachtet die Geschichte, Merkmale und das Lernpotenzial von elektronischer Klassenkorrespondenz im Vergleich zu herkömmlichen Formen.
5 Empirische Studie: Veränderungen im Bereich der Lernerautonomie infolge der E-Mail Klassenkorrespondenz: Das Kernstück der Arbeit dokumentiert die Durchführung und Auswertung eines konkreten E-Mail-Projekts zwischen polnischen und israelischen Schülern.
6 Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt konkrete Empfehlungen für Lehrende, die E-Mail-Projekte zur Förderung der Lernerautonomie einsetzen möchten.
Schlüsselwörter
Lernerautonomie, Fremdsprachenunterricht, E-Mail-Projekt, DaF, Internet, Lernstrategien, Konstruktivismus, Kooperatives Lernen, Klassenkorrespondenz, Selbststeuerung, Interkulturelles Lernen, Medienkompetenz, Empowerment, Lernarrangements, Empirische Studie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht und untersucht den spezifischen Beitrag von E-Mail-Klassenkorrespondenz zu deren Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie autonomen Lernens, der Integration des Internets in den Unterricht sowie der praktischen Umsetzung und Evaluation von E-Mail-Partnerschaften zwischen Schulklassen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob und wie E-Mail-Klassenkorrespondenz dazu beitragen kann, die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit von Deutschlernenden auf der Gymnasialstufe zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse mit einer empirischen Studie, bei der mittels eines standardisierten Fragebogens die Lernerautonomie von Projektteilnehmern mit einer Kontrollgruppe verglichen wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, didaktische Strategien zur Autonomisierung, die technologischen Möglichkeiten des Internets sowie eine detaillierte Auswertung eines 20-wöchigen E-Mail-Austausches.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lernerautonomie, DaF-Unterricht, E-Mail-Projekt, selbstgesteuertes Lernen, Lernstrategien, interkulturelle Kompetenz und computergestützte Kommunikation.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft in einem E-Mail-Projekt laut Autorin?
Die Lehrkraft wandelt sich vom reinen Wissensvermittler zum Moderator, Prozesshelfer und Lernbegleiter, der den Schülern Freiräume für eigenverantwortliches Lernen schafft.
Was ist das Ergebnis der empirischen Studie im Anhang?
Die Studie bestätigt, dass Projektteilnehmer eine höhere Disposition zur Lernerautonomie aufweisen als die Kontrollgruppe, was die Wirksamkeit des E-Mail-Einsatzes unterstreicht.
- Quote paper
- Magister Alicja Gulanowska-Kowalczyk (Author), 2004, E-Mail Klassenkorrespondenz als Weg zur Lernerautonomie. Anwendungsmöglichkeit des Internets im Fremdsprachenunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/50477