Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Methode der Oral History und erläutert deren Vor- und Nachteile. Es wird ein Überblick gegeben, wie die Methode so eingesetzt werden kann, dass die Vorteile bestens genutzt werden können und die Nachteile weitgehend vermieden werden. Oral History ist eine Methode, in der Schüler Geschichte hautnah durch die Erzählung von Zeitzeugen erfahren. Sie erhalten dadurch nicht nur zahlreiche Informationen über das Leben in einer vergangenen Zeit, sondern bekommen auch eine erste Vorstellung von Entwicklung und Wandel. Zudem lernen sie, dass sie in gewissem Sinne selbst Zeitzeugen sind – Zeitzeugen unserer heutigen Zeit.
Die historische Perspektive ist eine der fünf Perspektiven des Sachunterrichts in der Grundschule. Desweiteren gibt es noch die räumliche, die soziale, die naturwissenschaftliche und die technische Perspektive. Die verschiedenen Perspektiven helfen den Grundschülern, ein erstes Verständnis für die jeweiligen Teilbereiche zu erhalten. Das Fach Geschichte wird von vielen Schülern als sehr trocken empfunden. Es geht um das Auswendiglernen historischer Daten und Fakten, welches meist mit dem Studieren komplizierter Textquellen in Verbindung gesetzt wird. Diese Arbeit Grundschulkinder im jungen Alter zuzumuten, sehen viele als unpassend an, weshalb Geschichte im Sachunterricht ein diskutiertes Thema ist.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Oral History
2.1. Historischer Hintergrund
2.2. Genaueres zur Methode
2.3. Oral History im Sachunterricht
3. Vor- und Nachteile von Oral History
3.1. Vorteile
3.1.1. Zugang zu historischem Lernen und Denken
3.1.2. Kommunikation der Generationen wird angeregt und die Empathiefähigkeit der Schüler gefördert
3.1.3. Erkennen von Subjektivität und Perspektivität
3.2 Nachteile
3.2.1 Subjektivität und Perspektivität
3.2.2. Arbeitsaufwand
3.2.3. Auswahl der Zeitzeugen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Unterrichtsmethode der Zeitzeugenbefragung (Oral History) im Sachunterricht der Grundschule. Ziel ist es, die spezifischen Vor- und Nachteile dieser Methode herauszuarbeiten, um Lehrkräften Empfehlungen für einen didaktisch wertvollen und reflektierten Einsatz zu geben, der sowohl die historische Kompetenz fördert als auch mögliche methodische Fallstricke minimiert.
- Grundlagen und historischer Hintergrund von Oral History
- Didaktischer Mehrwert für historisches Lernen in der Grundschule
- Förderung von Empathiefähigkeit und generationsübergreifender Kommunikation
- Kritische Reflexion von Subjektivität und Perspektivität
- Methodische Herausforderungen wie Arbeitsaufwand und Auswahl von Zeitzeugen
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Zugang zu historischem Lernen und Denken
„Der Einbezug mündlich überlieferter Erinnerungen in den Lernprozess kann ohne Zweifel sehr viel dazu beitragen, historisches Lernen interessanter und lebendiger zu gestalten“ (Henke-Bockschatz 2013, S.355). Dieses Zitat von Gerhard Henke-Bockschatz verdeutlich bereits sehr eindeutig den sehr einfachen und gut geeigneten Zugang zu historischem Lernen und Denken, den Oral History besonders Kindern in der Grundschule bietet. Zeitzeugenbefragungen stehen im Kontrast zu geschichtlicher Lektüre oder Dokumentarfilmen. Schüler können durch Erzählungen älterer Menschen erkennen, dass Geschichte nicht langweilig oder trocken sein muss, sondern dass man hautnah erfahren kann, dass sie etwas mit dem wirklichen Leben zu tun hat (vgl. Schmidt 1989, S.26). Der Zugang zur Zeitgeschichte kann hierbei sehr kindgerecht gestaltet werden, indem Kindern durch persönliche Erzählungen vergangenes Leben lebendig gemacht wird (vgl. Michalik 2003, S.47).
Besonders Erzählungen über frühere Ereignisse, die Grundschüler mit ihrer eigenen Lebenswelt verknüpfen können, helfen ihnen einen „Zugang zu einer fremden, zeitlich entfernten und nicht mehr existierenden Wirklichkeit“ (Michalik 2003, S.47) zu finden. Dabei können Grundschüler die eigene kindliche Lebenswelt mit der damaligen Kindheit älterer Menschen vergleichen. Themen wie Schule, Freizeit, alltäglich Aufgaben oder Familie sind dafür geeignet, da Schüler so erkennen, wie sich verschiedene Aspekte über die Jahrzehnte geändert haben. Sie bekommen dadurch ein erstes Verständnis für Zeit und Wandel. Ihre neuen Erkenntnisse können sie dann mit weiteren Befragungen, über beispielweise die Kindheit der eigenen Eltern, weiter ausbauen und so schaffen sie es, Vergangenes zu verknüpfen und die Entwicklung verschiedener Institutionen (z.B. Schule, Kindergarten) oder alltäglicher Aspekte (z.B. Freizeit, Aufgaben innerhalb der Familie) zu rekonstruieren. Somit wird der „Zusammenhang von Vergangenheit und Gegenwart“ (Michalik 2003, S.47) veranschaulicht und historisches denken ermöglicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Es wird die Relevanz des historischen Lernens im Sachunterricht dargelegt und die Eignung der Oral History als Methode eingeführt, um Interesse für Geschichte zu wecken.
2. Oral History: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Oral History, beleuchtet deren historische Entwicklung in den USA und Deutschland und erläutert die Bedeutung im schulischen Kontext.
3. Vor- und Nachteile von Oral History: Der Hauptteil analysiert detailliert die positiven Effekte, wie den Zugang zu historischem Denken, sowie methodische Hürden, wie den hohen Arbeitsaufwand und die Auswahl der Zeitzeugen.
4. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, wobei betont wird, dass die Methode durch sorgfältige Vorbereitung und einen passenden Rahmen (z.B. Projektwoche) gewinnbringend eingesetzt werden kann.
Schlüsselwörter
Oral History, Sachunterricht, Grundschule, Zeitzeugenbefragung, historisches Lernen, Zeitgeschichte, Geschichtsbewusstsein, Empathiefähigkeit, Perspektivität, Subjektivität, Medienkritik, Zeit und Wandel, Projektunterricht, Lehrerrolle, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Eignung und Anwendung der Methode Oral History (Zeitzeugenbefragung) im Sachunterricht der Grundschule unter Berücksichtigung ihrer Chancen und Risiken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der historische Ursprung der Methode, ihr didaktischer Mehrwert für Kinder, die Reflexion über Subjektivität in Interviews sowie die praktische Umsetzung im Unterrichtsalltag.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Lehrkräften aufzuzeigen, wie Oral History so eingesetzt werden kann, dass Schüler ein Verständnis für Zeit und Wandel entwickeln, ohne von der Komplexität der Methode überfordert zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die auf fachdidaktischen Quellen basiert, um eine systematische Übersicht der Vor- und Nachteile zu erstellen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei größten Vorteile (Zugang zu historischem Lernen, Generationenkommunikation, Perspektivität) und die drei größten Nachteile (Subjektivität, Arbeitsaufwand, Auswahl der Zeitzeugen).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „historisches Lernen“, „Zeitzeugen“, „Grundschule“ und „Methodenreflexion“ maßgeblich geprägt.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „Zeitzeugeninterview“ und „Oral History“ wichtig?
Die Arbeit unterscheidet zwischen der „Methode“ (Oral History) und der „Quelle“ (Zeitzeugeninterview), um begriffliche Zweideutigkeiten zu vermeiden und die didaktische Planung zu schärfen.
Welche Rolle spielt die Projektwoche für den Einsatz dieser Methode?
Eine Projektwoche wird als idealer Rahmen empfohlen, da sie den hohen zeitlichen Aufwand für Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung besser abfedert als reguläre Einzelstunden.
Wie kann mit dem Problem der „Subjektivität“ bei Zeitzeugenberichten umgegangen werden?
Die Autorin schlägt vor, Kinder frühzeitig dazu anzuleiten, Erzählungen nicht als absolute Wahrheit zu betrachten, sondern diese kritisch zu hinterfragen und mit anderen Informationen abzugleichen.
Welche Empfehlung gibt die Arbeit bezüglich der Auswahl von Zeitzeugen?
Es wird geraten, komplexe zeitgeschichtliche Ereignisse zu meiden und stattdessen alltagsnahe Themen zu wählen, für die leichter geeignete Zeitzeugen zu finden sind.
- Arbeit zitieren
- Anna Diehl (Autor:in), 2018, Oral History. Vor- und Nachteile der Zeitzeugenbefragung im Sachunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/504035