Das Thema dieser Arbeit ist Wolfgang Herrndorfs Roman "Tschick". Während sich der erste Abschnitt der literaturwissenschaftlichen Analyse ausgewählter Aspekte des Romans widmet, werden in einem zweiten Teil diese Aspekte didaktisch aufbereitet. Die Arbeit greift zunächst die wichtigsten Aspekte des Romans heraus, die Sprache, Erzählperspektive und Erzählkonstruktion, die Freundschaft, die Reise und Maiks Emanzipation von seiner Familie. Die Arbeit bezieht sich dabei sowohl auf verschiedene Rezensionen als auch auf Dr. Marja Rauchs Monographie "Jugendliteratur der Gegenwart. Grundlagen, Methoden, Unterrichtsvorschläge".
Wolfgang Herrndorf hat mit "Tschick" einen modernen Klassiker geschaffen, einen Roman, der einschlug wie eine Bombe. Ursprünglich für ein erwachsenes Publikum vorgesehen, wurde er kurze Zeit später auch von jugendlichen Lesern für sich entdeckt. Allein die Tatsache, dass Tschick sowohl für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde, als auch den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen hat, verdeutlicht seinen Status als Grenzgänger zwischen Erwachsenen- und Jugendliteratur. Und auch die Einordnung in ein Genre fällt nicht leicht. Einerseits handelt es sich bei Tschick um einen Adoleszenzroman, begeben sich doch die beiden Protagonisten Maik Klingenberg und Andrej Tschichatschow auf eine Reise voller Abenteuer, sie begeben sich gewissermaßen auf die Suche nach ihrer eigenen Identität.
Die Adoleszenz bezeichnet die Zeit zwischen dem 11./12. und dem 25. Lebensjahr, dementsprechend das Erwachsenwerden im Zentrum des Romans steht. Häufige Motive sind dabei die Suche nach der eigenen Identität, die geschlechtliche Entwicklung und die Emanzipation vom Elternhaus, die mit einer Zunahme der Unabhängigkeit einhergeht. Dabei muss er jedoch vom Erziehungs-, Bildungs-, Entwicklungs- und Schulroman, in erster Linie für den erwachsenen Leser verfasst, abgegrenzt werden. Parallelen bestehen indes zum problemorientierten Jugendroman, beschränken sich doch beide auf die Zeitspanne des Erwachsenwerdens. Im Gegensatz zum Adoleszenzroman liegt beim problemorientierten Jugendroman jedoch der Fokus auf gesellschaftlichen Problematiken, die Helden besitzen keinen großartig ausgearbeiteten Charakter, während er bei ersterem auf den Problemen der Reifezeit selbst liegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literaturwissenschaftliche Untersuchung
2.1 Sprachstil, Erzählperspektive und Erzählkonstruktion
2.2 Maik, Tschick und die Entwicklung einer Freundschaft
2.3 Die Reise
2.4 Emanzipation von der Familie
3. Didaktische Begründung der Textauswahl
3.1 Didaktische Konzeption
3.2 Sprache, Erzählperspektive und Erzählkonstruktion
3.3 Die Freundschaft
3.4 Die Reise
3.5 Emanzipation von der Familie
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf sowohl aus literaturwissenschaftlicher als auch aus didaktischer Perspektive, um die Eignung des Werkes für den Deutschunterricht der Jahrgangsstufen 8-10 zu belegen und entsprechende methodische Unterrichtsvorschläge zu erarbeiten.
- Analyse der sprachlichen Gestaltung und Erzählstruktur des Romans.
- Untersuchung der zentralen Motive wie Freundschaft, Identitätsfindung und Emanzipation.
- Didaktische Aufbereitung durch handlungs- und produktionsorientierte Unterrichtsmethoden (z.B. Lerntheken).
- Bezugnahme auf fachwissenschaftliche Standards und den Lehrplan der Mittelschule.
Auszug aus dem Buch
Sprachstil, Erzählperspektive und Erzählkonstruktion
Obwohl es sich bei den beiden Protagonisten um Jugendliche handelt, verzichtet Herrndorf größtenteils auf den Einsatz generationsspezifischer Ausdrücke, er vermeidet, sich der Jugendsprache anzubiedern und tritt so der Schnelllebigkeit dieses Jargons entgegen (vgl. Passig, 2011, S.1). Mithilfe von Wörtern wie „Mongo“ (Tschick, S. 236), „endgeil“ (Tschick, S. 31) oder „Fotze“ (Tschick, S. 151), sowie eingestreuten Details aus der Computerwelt von Jugendlichen (vgl. Tschick, S. 77), gelingt es ihm jedoch, eine altersgemäße Atmosphäre zu erzeugen.
Gleichzeitig verwendet Maik jedoch immer wieder Fremdwörter wie „Konversation“ (Tschick, S. 71), die im Gegensatz zu seinem „normalen“ Vokabular stehen, den pubertären Touch des Romans jedoch noch unterstreichen. Ergänzt wird dieser Eindruck, indem Herrndorf seinem Maik Klingenberg einzelne Vokabeln, z.B. „super“ (Tschick, S. 23) in den Mund legt, die dieser über den Roman hinweg endlos wiederholt (vgl. Passig, 2011,S.2). Den Großteil regelt Herrndorf jedoch über die Syntax, verwendet er doch überwiegend kurze Sätze und (Haupt)sätze die mit „weil“ beginnen (vgl. Tschick, S. 86) und vermittelt so einen authentischen Eindruck (vgl. Häcker, 2012, S.1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Romans als modernen Klassiker der All-Ages-Literatur und Darlegung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Literaturwissenschaftliche Untersuchung: Analyse zentraler Merkmale wie Sprache, Freundschaftsentwicklung, die Reise als Identitätssuche und die Emanzipation vom Elternhaus.
3. Didaktische Begründung der Textauswahl: Reflexion über die Relevanz der Themen für Jugendliche und methodische Umsetzung durch handlungs- und produktionsorientierte Literaturdidaktik.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der didaktischen Eignung und Bestätigung des Romans als bereicherndes Werk für den Unterricht.
Schlüsselwörter
Wolfgang Herrndorf, Tschick, Adoleszenzroman, Jugendliteratur, Freundschaft, Identitätsfindung, Heldenreise, handlungsorientierter Unterricht, Erzählperspektive, Jugendsprache, Emanzipation, Deutschunterricht, Literaturdidaktik, Roadnovel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Jugendroman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf und entwickelt Konzepte für dessen Einsatz im Deutschunterricht der 9. Klasse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Entwicklung von Freundschaft, das Erwachsenwerden, die Abgrenzung von der Familie sowie die sprachliche und erzählerische Gestaltung des Romans.
Was ist das Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche über literarische Themen wie Identität und gesellschaftliche Probleme in einen produktiven Austausch treten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes mit methodischen Ansätzen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Analyse der Romanaspekte und eine detaillierte didaktische Ausarbeitung für den Unterricht (Lerntheken).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Tschick, Adoleszenz, Heldenreise, Literaturdidaktik und Handlungsorientierung.
Warum eignet sich der Roman besonders für den Unterricht?
Der Roman verbindet jugendnahe Themen mit hoher literarischer Qualität, was eine Brücke zwischen einfacher Jugendlektüre und komplexerer Erwachsenenliteratur schlägt.
Welche Rolle spielt die „Heldenreise“?
Die Heldenreise dient als strukturelles Analysemodell, um die Entwicklungsphasen der beiden Protagonisten während ihrer Reise durch Ostdeutschland nachzuvollziehen.
- Arbeit zitieren
- Wolfgang Schlagbauer (Autor:in), 2014, Wolfgang Herrndorfs "Tschick". Eine fachwissenschaftliche und didaktische Analyse ausgewählter Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/502272