Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Mummenschanzszene für das Gesamtwerk Faust II. Grundlage hierfür stellen eine Figurenanalyse sowie eine anschließende Sprachanalyse mit dem Fokus auf das Stilmittel der Allegorie dar. Die Mummenschanzszene steht an dritter Stelle des ersten Aktes und stellt dessen Höhepunkt dar.
Goethe, der selber mehrere Maskenzüge für den Weimarer Hof geschrieben hat, entwirft hier einen Karneval nach römischem Vorbild. Die höfische Gesellschaft ist geprägt von Zurückhaltung, Schein und Verstellung sind vorherrschend, auch ohne die Maske der Verkleidung wäre sie maskiert. Der Maskenzug des ersten Aktes stellt auch für den willigsten Leser aufgrund der Fülle von Allegorien und Symbolen eine Herausforderung dar. Goethe lässt ein Stilmittel wieder aufleben, das im 18. Jahrhundert nicht mehr gebraucht wird. Die Allegorie nimmt in der Mummenschanzszene eine zentrale Rolle ein, deren Wirken bis ans Ende der Tragödie sichtbar bleibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Weitläufiger Saal, mit Nebengemächern, verziert und aufgeputzt zur Mummenschanz
3. Figurenanalyse
3.1 Der Herold
3.2 Erster Aufzug
3.3 Zweiter Aufzug
3.4 Dritter Aufzug
3.5 Vierter Aufzug
3.6 Fünfter Aufzug
3.7 Sechster Aufzug
4. Sprachanalyse
4.1 Die Metrik der Szene
4.2 Die Allegorie
4.3 Goethe und die Allegorie im 18. Jahrhundert
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Funktion der Mummenschanzszene innerhalb von Goethes Faust II, wobei der Fokus auf der Figurenanalyse sowie der Sprachanalyse unter Berücksichtigung des Stilmittels der Allegorie liegt.
- Analyse der Mummenschanz als allegorische Darstellung gesellschaftlicher Strukturen und politischer Prozesse.
- Untersuchung der Figurengestaltung und deren Funktion im Kontext der Allegorie.
- Sprachwissenschaftliche Betrachtung der Metrik und deren Wirkung auf die Szenengestaltung.
- Erörterung von Goethes Neuerfindung des allegorischen Stilmittels im 18. Jahrhundert.
- Aufarbeitung der zentralen Thematik von Gier, Besitzstreben und deren Folgen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Herold
Der Herold bekleidet am kaiserlichen Hofe eines der höheren Ämter, denn nicht nur kündigt er Gäste an oder ruft Programmpunkte aus, er überwacht bei Feierlichkeiten das Geschehen und fungiert als Aufseher über die Geschehnisse. Zu Beginn des Maskenzuges gibt er eine Einführung in das, was kommen wird und vor den Zuschauern liegt. Zudem verlangt der Herold den Darstellern mit den Worten „Verkünde jede wer sie sei“ und „Sag von dir selber auch das Was und Wie?“ eine Auslegung ihrer Figur ab. Die Deutungsfähigkeit des Herolds nimmt während des Maskenzuges stetig ab, denn die Aufzüge werden immer undurchschaubarer. Während der Herold den Auftritt des Elefanten noch verstehen und interpretieren kann, stellt ihn der Triumphwagen des Plutus vor ein Rätsel. Seine Interpretationsfähigkeit ist ausgeschöpft. Erst zum Ende hin kommt er wieder zu Wort und berichtet im Rahmen einer Teichoskopie, dass Kaiser und Hof beinah in Flammen aufgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet die Mummenschanzszene als Höhepunkt des ersten Aktes und definiert die Forschungsfrage bezüglich ihrer Funktion für das Gesamtwerk durch Figurenanalyse und Sprachbetrachtung.
2. Weitläufiger Saal, mit Nebengemächern, verziert und aufgeputzt zur Mummenschanz: Dieses Kapitel erläutert die Mummenschanz als Allegorie, die den Fokus auf die Themen Geld und Fiktion von Problemlösungen legt.
3. Figurenanalyse: Es folgt eine detaillierte Untersuchung der auftretenden Masken und Figuren vom Herold bis hin zu den Akteuren der sechs Aufzüge hinsichtlich ihrer Funktion.
4. Sprachanalyse: Der Abschnitt widmet sich der sprachlichen Gestaltung, insbesondere dem Wechsel der Metrik und der Bedeutung der Allegorie als zentralem Stilmittel.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach die Mummenschanz als Instrument der Gesellschaftskritik dient, das die zerstörerische Kraft von Gier und Besitzstreben allegorisch sichtbar macht.
Schlüsselwörter
Faust II, Mummenschanz, Allegorie, Goethes Faust, Figurenanalyse, Sprachanalyse, Maskenspiel, Gesellschaftskritik, Plutus, Metrik, 18. Jahrhundert, Literaturwissenschaft, Symbolik, Besitzgier, Weimarer Klassik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Mummenschanzszene in Goethes Faust II und deren Bedeutung für das Gesamtwerk.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Rolle der Allegorie, die Analyse der auftretenden Figuren sowie die Untersuchung sprachlicher Merkmale der Szene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, die Funktion der Mummenschanzszene für den Faust II durch eine szenen- und figurenanalytische Betrachtung zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Szenenanalyse, die durch eine Figurenanalyse sowie eine Sprachanalyse mit Fokus auf das Stilmittel der Allegorie ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Figurenanalyse der sechs Aufzüge sowie eine umfassende Untersuchung der Metrik und Allegorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind unter anderem Faust II, Mummenschanz, Allegorie, Gesellschaftskritik und Symbolik.
Welche Rolle spielt der Herold in der Szene?
Der Herold fungiert als Aufseher, der die Masken ankündigt und kommentiert, wobei seine Deutungsfähigkeit im Verlauf des Maskenzuges zunehmend abnimmt.
Warum ist die Allegorie für das Verständnis der Szene zentral?
Die Allegorie dient als Mittel zur Darstellung gesellschaftlicher Facetten und macht komplexe Zusammenhänge wie die Gier des Kaisers erst durch Reflexion entschlüsselbar.
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- Marc-Patrick Tietjen (Author), 2016, Die Allegorie der Mummenschanz und ihre Funktion für Goethes "Faust II", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/500505