Im Folgenden soll die Darstellung der Frau im Patriarchat exemplarisch anhand des Romans «L’enfant de sable» von dem frankophonen marokkanischen Schriftsteller Tahar Ben Jelloun erfolgen und untersucht werden.
Ben Jellouns Heimatland Marokko gehört dem Kleinen Maghreb an, sodass die französische Literatur, die aus Marokko stammt, auch als maghrebinische Literatur in französischer Sprache bezeichnet wird. So bedeutet "Al Maghrib" im Arabischen "Westen" und "Ende der Welt" und im Französischen bedeutet es unter dem Terminus "Afrique du Nord" die Zugehörigkeit zum Kontinent Afrika.
Mit der arabischen Kolonisation ging auch die Islamisierung Marokkos im 7. und 11. Jahrhundert einher. Die Herausbildung des Französischen in Marokko hat ihren Ursprung dann in der französischen Kolonialherrschaft, die etwa von 1912 bis 1956 anhielt. So gilt das Hocharabische zwar als Staatssprache, jedoch existieren nebenher maghrebinische Varietäten, arabische Dialekte und das Französische.
Die Lebensläufe der maghrebinischen Autoren sind beispielsweise geprägt durch das französische Schulsystem, wodurch in und mit der französischen Sprache auch in Marokko der europäische Bildungskosmos und ein laizistischer Hintergrund vermittelt werden, was in der heutigen neuen Generation für einen kritischen Blick auf die eigene traditionalistische Gesellschaft sorgt.
Diese aktuelle Auseinandersetzung mit der eigenen Tradition, dem Islam und seinem Frauenbild führt zu einer Identitätskrise, die ihren Ursprung in der Kolonialherrschaft hat. Denn mit der postkolonialen Literatur gewinnen die sogenannten "Gender Studies", die sich mit den soziokulturellen Differenzen, Identitäten und Stereotypen der Geschlechterrollen beschäftigen, zunehmend an Bedeutung.
Dadurch wird auch schon die gegenwärtige Relevanz des Themas "Die exemplarische Darstellung der Frau im Patriarchat" deutlich, denn auch im 21. Jahrhundert stehen sich Traditionalismus und Emanzipation der Frau im Maghreb häufig noch im Weg, sodass Emanzipation zwar bereits auf der Bewusstseinsebene Gehör gefunden hat, jedoch nicht auf der sozialen Ebene.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Autor Tahar Ben Jelloun und sein Roman «L’enfant de sable»
II.1 Biographie des Autors Tahar Ben Jelloun
II.2 Inhaltsangabe des Romans «L’enfant de sable»
III. Die Darstellung der Frau im Patriarchat am Beispiel des Romans «L’enfant de sable»
III.1 Die gegenwärtige Rolle/Stellung der islamischen Frau im Allgemeinen im Gegensatz zur Stellung des Mannes im Patriarchat
III.1.1 Das Patriarchat
III.2 Die Stellung der islamischen Frau in dem Roman «L’enfant de sable»
IV. Die Traumerzählungen und ihre Bedeutung im Roman «L’enfant de sable»
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Frau im Patriarchat anhand des Romans „L’enfant de sable“ des frankophonen marokkanischen Schriftstellers Tahar Ben Jelloun. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, welche spezifische Rolle und Stellung Frauen in der islamischen Tradition einnehmen und wie diese durch die Geschichte der Hauptfigur Ahmed exemplarisch abgebildet und kritisch reflektiert wird.
- Analyse des Patriarchats als gesellschaftliche Sozialform im islamischen Kulturraum.
- Untersuchung der Identitätskrise und Geschlechterrollen am Beispiel der Romanfigur Ahmed/Zhara.
- Bedeutung der Traumerzählungen für die Verarbeitung von Unterdrückung und Identitätskonflikten.
- Kontrastierung von kollektiven traditionellen Erwartungen und individuellem Emanzipationswunsch.
- Kritische Auseinandersetzung mit den soziokulturellen Auswirkungen des Korans auf das Frauenbild.
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung der Frau im Patriarchat am Beispiel des Romans «L’enfant de sable»
Um auf die gegenwärtige Rolle und Stellung der islamischen Frau im Gegensatz zu der des Mannes im Patriarchat eingehen zu können, sollte zunächst ein Blick auf den Islam an sich geworfen werden. Denn wie bereits erwähnt begann die Islamisierung Marokkos bereits im 7. und 11. Jahrhundert aufgrund der arabischen Kolonisation. Wichtig ist hierbei vor allem, dass der Islam eine strenge Einbindung in die Glaubensgemeinschaft fordert sowie die absolute Unterordnung unter Gott, was das gesamte Leben der Gläubigen bestimmt. So ist und bleibt die marokkanische Gesellschaft auch im 21. Jahrhundert, besonders auch in den ländlichen Regionen, noch von diesen Glaubensstrukturen geprägt, sodass das Individuum an sich in der marokkanischen Gemeinschaft, die sich als Kollektivgesellschaft betiteln lassen kann, den kollektiven Zwängen und Bräuchen der religiösen Gemeinschaft auch heute noch unterliegt: „Il est évident que dans des pays qui se définissent par leur religion, les lois participent du sacré et sont donc très difficiles à changer.“
Gegensätzlich dazu, zeichnet sich die französische oder auch insgesamt europäische Gesellschaft eher durch einen hohen Grad der Individualisierung aus, was sich durch den Übergang von der feudalen zu einer modern bürgerlichen Gesellschaft erklären lässt, womit auch die Entwicklung zum Kapitalismus einherging. Um wieder auf die Kollektivgesellschaft Marokkos einzugehen, sollte festgehalten werden, dass einer dieser damit verbundenen Zwänge einer solchen Kollektivgemeinschaft unter anderem die Konzeption der Geschlechterrollen ist, da das islamisch-arabische Modell patriarchalisch geprägt ist, wodurch es keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gibt: „La société marocaine est l’une de celles qui favorisent les hommes aux dépens des femmes. Plus que jamais de nos jours, les femmes elles-mêmes s’emploient à dénoncer ce dont elles sont victimes.“ Denn besonders in den ländlichen Gebieten stehen die Frauen größtenteils auch heute noch in der völligen Abhängigkeit ihrer Männer, was mehr oder weniger einem Verhältnis des Leibeigentums gleichkommt. Auch in der religiösen Stellung ist die Frau im Verhältnis zwischen Gott und Mensch dem Mann untergeordnet.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in das Thema der Frauendarstellung im Patriarchat und Darlegung der forschungsleitenden Fragestellung sowie der methodischen Vorgehensweise.
II. Der Autor Tahar Ben Jelloun und sein Roman «L’enfant de sable»: Biografische Skizze des Autors und Zusammenfassung der komplexen Erzählstruktur des Romans sowie der Geschichte des Protagonisten Ahmed.
III. Die Darstellung der Frau im Patriarchat am Beispiel des Romans «L’enfant de sable»: Analyse der soziokulturellen Bedingungen im Maghreb und Untersuchung, wie der Roman die Unterdrückung der Frau und das Patriarchat thematisiert.
IV. Die Traumerzählungen und ihre Bedeutung im Roman «L’enfant de sable»: Interpretation der Traumelemente als Ventil für verdrängte Wünsche und als Spiegel der traumatischen Identitätsspaltung der Hauptfigur.
V. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der gesellschaftskritischen Dimension des Werkes und der Rolle des Autors als Sprecher für Frauenrechte.
Schlüsselwörter
Tahar Ben Jelloun, L’enfant de sable, Patriarchat, Islam, Marokko, Geschlechterrollen, Identitätskrise, Gender Studies, Emanzipation, Traumerzählungen, Postkolonialismus, Frauenunterdrückung, Sozialisation, Identität, Soziokulturelle Differenzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung der Stellung der Frau im Patriarchat, exemplarisch analysiert an Tahar Ben Jellouns Roman „L’enfant de sable“.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die patriarchalen Strukturen der marokkanischen Gesellschaft, die Auswirkungen religiöser Normen auf das Frauenbild und die Identitätskonflikte innerhalb einer kollektivistisch geprägten Kultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Rolle und Stellung die Frau in der islamischen Tradition einnimmt und wie Ben Jelloun diese durch die Figur des Ahmed kritisch verarbeitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman als Primärquelle heranzieht und durch soziologische sowie postkoloniale Sekundärliteratur zur Geschlechterproblematik ergänzt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Einordnung des Autors, eine Zusammenfassung des Romans, eine Erläuterung des Patriarchats im islamischen Kontext und eine tiefgehende Analyse der Traumerzählungen als Ausdruck des Identitätskonflikts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese wissenschaftliche Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Patriarchat, Islam, Marokko, Geschlechterrollen, Identitätskrise und Emanzipation.
Warum ist die Figur des Ahmed für die Untersuchung so entscheidend?
Ahmed dient als exemplarische Figur, die durch die vom Vater erzwungene männliche Sozialisation die Diskrepanz zwischen biologischem Geschlecht und gesellschaftlicher Rolle sowie die damit verbundene Identitätszerstörung verdeutlicht.
Welche besondere Bedeutung haben die Traumerzählungen im Roman?
Die Träume ermöglichen es der Hauptfigur, ihr wahres, unterdrücktes Selbst zu erkunden und stellen einen Bruch mit den gesellschaftlichen Tabus des Islam dar.
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- Anonym (Autor:in), 2016, Die exemplarische Darstellung der Frau im Patriarchat in "L'enfant de sable" von Tahar Ben Jelloun, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/498899