Die vorliegende Arbeit richtet den Blick auf die Verhältnisse und sozialen Zusammensetzungen der verschiedenen Akteursebenen bei der Partei DIE LINKE. Es soll untersucht werden, inwieweit von einem isolierten berufsmäßigen Führertum nach Robert Michels oder von einem offenen und anpassungsfähigen System nach Samuel J. Eldersveld gesprochen werden kann. Es wird die Frage gestellt, ob in den höher- beziehungsweise innerliegenden Ebenen beträchtliche Unterschiede soziodemographischer Merkmale zu den äußeren Akteursebenen erkennbar sind. Dabei stehen im Fokus der Betrachtung die totale Anzahl, die Altersstruktur, die Herkunft, der Frauenanteil, der Gewerkschaftsanteil und das Bildungsniveau der Akteursebenen.
Es wäre interessant, wenn sich das Verhältnis von Aktivisten zu Parteimitgliedern zahlenmäßig bestimmen ließe. Wenn es möglich wäre, der Zahl der Mitglieder im Verhältnis zur Zahl der Wähler die Zahl der Aktivisten zu der der Mitglieder gegenüberzustellen, so ließe sich eine sehr viel deutlichere Vorstellung von der wirklichen Macht der politischen Parteien gewinnen. Wenn man dazu noch diese Verhältniszahlen nach sozialen Schichten, nach Altersstufen und nach Landesgegenden spezifizieren könnte, dann ließe sich die Stellung der politischen Gruppen im Ganzen der nationalen Gemeinschaft mit größerer Genauigkeit feststellen.
Zur Bearbeitung dieser Fragestellung wurde nach Vorbildern von Robert Michels, Maurice Duverger, sowie Karlheinz Reif, Hermann Schmitt und Oskar Niedermayer ein Parteizugehörigkeitsmodell entwickelt, welches im ersten Teil der Arbeit aus den anderen Modellen herausgearbeitet und vorgestellt wird. Im zweiten Teil der Arbeit werden dann die Ergebnisse der Untersuchung in das Modell gespeist und daran anschließend ausgewertet, ehe ich zu meinem Fazit komme.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Akteursebenen-Modell
2.1 Historie
2.2 Parteiführung
2.3 Mittlere Parteieliten
2.4 Parteimitgliedschaft und Wähler
3. Responsivität und Repräsentation
4. Vergleich
4.1 Gesamtzahl
4.2 Geschlechterverteilung
4.3 Herkunft
4.4 Alter
4.5 Bildungsniveau
4.6 Gewerkschaftsmitglieder
5. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die interne Machtstruktur und die soziale Zusammensetzung der Partei DIE LINKE, indem sie Akteursebenen von der Basis bis zur Parteiführung analysiert, um zu prüfen, ob ein isoliertes, oligarchisches Führertum oder ein offenes, stratarchisches System vorliegt.
- Analyse des Akteursebenen-Modells in der Parteienforschung
- Vergleich soziodemographischer Merkmale über verschiedene Parteiebenen
- Untersuchung der deskriptiven Repräsentation und Responsivität
- Empirische Auswertung von Daten des 6. Bundesparteitags 2018
- Einordnung der Partei DIE LINKE in theoretische Parteimodelle
Auszug aus dem Buch
2.3 Mittlere Parteieliten
Die Angehörigen der Mittleren Parteieliten können als „Inhaber zumindest eines überörtlichen Partei- und/oder Wahlamtes, der nicht dem Kreis der engeren Parteiführung angehört“ (Schmitt 1987: 206), definiert werden. Es sind demnach all diejenigen Mitglieder gemeint, welche oberhalb der kommunalen Parteiführung und unterhalb der nationalen Parteiführung agieren (vgl. Hofmann 2001: 159). Laut Reif, Schmitt und Niedermayer ergibt eine Hochrechnung dieser Definition circa 3.000 bis 9.000 Mittlere Parteieliten pro Partei (vgl. Reif et al. 1980: 206). Aus praktischen Gründen beschränkt sich die Erhebung auf den 6. Parteitag der Partei DIE LINKE vom 8. bis 10. Juni 2018 in Leipzig. Dort wurden an 724 Parteimitglieder der Partei DIE LINKE Fragebögen ausgeteilt, auf welchen sie nach ihren sozialstrukturellen Merkmalen befragt worden. Von diesen 724 Fragebögen wurden 357 ausgefüllt zurückgegeben, was einer Rücklaufquote von 49,2% entspricht.
Zur Einteilung der Parteimitglieder in die Akteursebenen Parteiführung, Mittlere Parteieliten und normale Parteimitglieder mussten die Befragten, ihre aktuelle politische Position bzw. die Positionen, die sie in den letzten fünf Jahren innehatten, angeben.
Als Mittlere Parteieliten wurden sie eingestuft, wenn sie mindestens ein Kreuz bei den folgenden Antwortmöglichkeiten gesetzt haben, aber gleichzeitig nicht das Feld Mitglied im Parteivorstand auf Bundesebene angekreuzt haben: Mitglied im Parteivorstand (Land) und/oder Parlamentsmandat (Land, Bund, Europa) und/oder exekutives Amt (Land, Bund, Europa) und/oder Position in einer Unterorganisation meiner Partei (Land, Bund, Europa). Insgesamt wurden 128 Personen in die Akteursebene der Mittleren Parteieliten eingestuft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die theoretischen Grundlagen der Parteienforschung ein und stellt die Forschungsfrage zur internen Machtstruktur sowie Repräsentativität der Partei DIE LINKE.
2. Das Akteursebenen-Modell: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Ansätze nach Michels, Duverger sowie Reif, Schmitt und Niedermayer und führt das eigene, für die Arbeit entwickelte Ringmodell der Parteiebenen ein.
3. Responsivität und Repräsentation: Hier werden die zentralen demokratietheoretischen Begriffe der Responsivität und der deskriptiven Repräsentation definiert und in den Kontext der Partei-Basis-Beziehungen gestellt.
4. Vergleich: In diesem empirischen Teil werden die erhobenen Daten zu Gesamtzahl, Geschlecht, Herkunft, Alter, Bildung und Gewerkschaftsmitgliedschaft entlang der definierten Akteursebenen analysiert und vergleichend dargestellt.
5. Schlussfolgerungen: Dieses Kapitel interpretiert die Ergebnisse der empirischen Analyse und ordnet die Partei DIE LINKE unter Rückgriff auf die eingangs vorgestellten Theorien in ein stratarchisches Modell ein.
Schlüsselwörter
Parteiforschung, DIE LINKE, Akteursebenen, Mittlere Parteieliten, Parteiführung, Responsivität, Deskriptive Repräsentation, Stratarchie, Oligarchie, Soziodemographie, Parteiensoziologie, Innerparteiliche Demokratie, Robert Michels, Samuel J. Eldersveld, Mitgliederpartei.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die interne Machtstruktur und die soziale Zusammensetzung der Partei DIE LINKE, um zu verstehen, wie Macht zwischen den verschiedenen Akteursebenen verteilt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verbindet Parteiensoziologie und Demokratietheorie, insbesondere durch die Analyse von Responsivität, Repräsentation und der Rolle mittlerer Parteieliten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, ob in der Partei DIE LINKE ein isoliertes, berufsmäßiges Führertum nach Michels existiert oder ein offenes, stratarchisches System nach Eldersveld.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein eigenes Parteizugehörigkeitsmodell entwickelt und empirische Daten verwendet, die durch eine Fragebogenaktion auf dem 6. Bundesparteitag der Linken im Juni 2018 erhoben wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Modelle der Akteursebenen, definiert die Begriffe Responsivität und Repräsentation und vergleicht statistisch die Merkmale der Parteimitglieder, mittleren Parteieliten und der Parteiführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Parteienforschung, stratarchische Strukturen, mittlere Parteieliten, deskriptive Repräsentation und innerparteiliche Demokratie.
Was zeichnet die „mittleren Parteieliten“ in der Analyse aus?
Sie agieren als Scharnier zwischen Basis und nationaler Parteiführung und fungieren als Kandidatenpool für zukünftige Ämter, während sie gleichzeitig die sozio-politische Spannbreite der Partei widerspiegeln.
Zu welchem Schluss kommt der Autor über die Struktur der Partei DIE LINKE?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Partei DIE LINKE als stratarchisch einzuordnen ist, da die verschiedenen Strömungen und Arbeitsgruppen eine Machtminderung der Parteiführung bewirken.
- Arbeit zitieren
- Maurice Schmidt (Autor:in), 2018, Zwischen Basis und Parteiführung. Mittlere Parteieliten in der Partei DIE LINKE, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/498203