Das Zitat von Albert Einstein erscheint hier als besonders passend, um die Frage zu klären, warum die kritisch-kommunikative Didaktik ein Unterrichtsbestandteil sein sollte. Es wird vom „Wertvollsten im Leben“ in Verbindung mit „der Entfaltung der schöpferischen Kräfte“ gesprochen. Wie kann ein Mensch seine Persönlichkeit entwickeln? Im Sinne der kritisch-kommunikativen Didaktik könnte die Antwort sein: Durch die kritische Betrachtung verschiedener Thematiken, die innerhalb der Gesellschaft als wahr gelten. Eine weitere Antwort könnte sein: Durch den kommunikativen Austausch von Informationen mit anderen der vorhergehenden kritischen Betrachtung. Dadurch, dass der Mensch sich in gewisser Hinsicht die Welt aneignet, entstehen verschiedene Sichtweisen, soziale Einstellungen, aber auch Verhaltensweisen, die den Menschen zum Handeln verleiten. Das Handeln stellt in diesem Kontext das Ausüben der schöpferischen Kräfte da, die durch intensives, kritisches und kommunikatives Verarbeiten von verschiedenen Theorien, Gedanken und Handlungsempfehlungen entstanden ist.
Wenn nun die kritisch-kommunikative-Didaktik ein Grundbaustein für die „Entfaltung der Persönlichkeit und ihrer schöpferischen Kräfte“ sein sollte, dann muss geklärt werden, wo diese Bildung stattfindet. In der Grundschule? In der weiterführenden Schule? Es wäre vom Vorteil wenn es Fragmente vom Sinn der Didaktik schon in der früheren Schulbildung geben würde. In dieser Hausarbeit wird der Fokus auf die berufsbildende Schule für Sozialpädagogik gesetzt. Es sollen Verknüpfungen zwischen der Theorie und der Praxis entstehen und in einer ausgearbeiteten Unterrichtsgestaltung münden. Aufgrund der Ausarbeitung soll analysiert werden, inwiefern die kritisch-kommunikative Didaktik ein Bestandteil des Unterrichts sein sollte und welche Möglichkeiten zur Umsetzung gegeben sind.
Inhaltsverzeichnis
2.1 Das Kritische
2.2 Das Kritische im Unterricht
2.3 Das Kommunikative
2.4 Das Kommunikative im Unterricht
2.5 Exemplarisches Beispiel für die Anwendung der kritisch kommunikativen Didaktik
3 Schlussteil/Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der kritisch-kommunikativen Didaktik für die Persönlichkeitsentwicklung und die Entfaltung schöpferischer Kräfte in der berufsbildenden Schule für Sozialpädagogik, mit dem Ziel, theoretische Ansätze in eine praxisnahe Unterrichtsgestaltung zu überführen.
- Grundlagen der kritisch-kommunikativen Didaktik
- Die Rolle des Kommunikativen im Unterrichtsprozess
- Umgang mit Störungsfaktoren nach dem Postulat der themenzentrierten Interaktion
- Partnerschaftliche Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden
- Exemplarische Anwendung der Didaktik am Beispiel von Erziehungsstilen
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Kritische
Die kritisch kommunikative Didaktik ist unter anderem durch die im Jahre 1971 entwickelte kritische Erziehungswissenschaft entstanden. Die Kritik an momentanen, gesellschaftsrelevanten „Ist-Werten“(Winkel, S. 94), also die Kritik an z.B. bestehenden Theorien, Methoden und Überzeugungen ist grundlegend dafür, sich die Welt aus einer anderen, eigenen und kritischen Perspektive anzueignen. Dadurch, dass Ist-Werte „nicht unkritisch akzeptiert“ (Winkel, ebd.), sondern kontinuierlich hinterfragt werden, müssen Zusammenhänge nicht eben gedacht, sondern weitergedacht, vielleicht auch neugedacht werden (4D-Modell Quelle). Dieses Neudenken soll als „Sollens-Werte“ (Winkel, ebd.) gelten, um in Hinblick auf die Zukunft, für demokratische und humanistische Strukturen innerhalb der Gesellschaft zu sorgen (vgl. Winkel, S. 94). Dieser Grundsatz orientiert sich an der „emendatio rerum humanarum“. Es gilt also abschließend, dass „[…]Ist-Werte unserer Wirklichkeit wahrzunehmen und – soweit diese defekt, so in das Bewusstsein zu rücken, daß die Notwendigkeit ihrer Überführung in Sollens-Werte einsichtig wird“ (Winkel, S. 100).
Zusammenfassung der Kapitel
2.1 Das Kritische: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der kritisch-kommunikativen Didaktik aus der kritischen Erziehungswissenschaft und definiert die Bedeutung des kontinuierlichen Hinterfragens von Ist-Werten für demokratische und humanistische Gesellschaftsstrukturen.
2.2 Das Kritische im Unterricht: Es wird der Fokus auf das selbstständige Handeln der Lernenden und die Notwendigkeit eines flexiblen Unterrichtsrasters gelegt, das durch analytische Vermittlungshilfen und die kritische Auseinandersetzung mit Inhalten gekennzeichnet ist.
2.3 Das Kommunikative: Dieses Kapitel betont die Bedeutung der symmetrischen Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden sowie das Konzept des „Living-Learning“ gegenüber dem toten Lernen.
2.4 Das Kommunikative im Unterricht: Der Fokus liegt hier auf der praktischen Umsetzung aktiven Lernens durch Gruppenarbeit und die Gestaltung einer partnerschaftlichen Lehrer-Schüler-Beziehung unter Berücksichtigung von Störungsfaktoren.
2.5 Exemplarisches Beispiel für die Anwendung der kritisch kommunikativen Didaktik: Anhand einer Fachschulklasse für Sozialpädagogik wird illustriert, wie Theorie und Praxis durch die kritische Auseinandersetzung mit Erziehungsstilen verknüpft werden können.
3 Schlussteil/Fazit: Das Fazit reflektiert die Anwendbarkeit der kritisch-kommunikativen Didaktik und stellt fest, dass sie maßgeblich zur Entwicklung einer differenzierten Persönlichkeit beiträgt, sofern der Lehrende eine kontinuierlich kritische Sichtweise wahrt.
Schlüsselwörter
Kritisch-kommunikative Didaktik, Sozialpädagogik, Erziehungsstile, Kommunikation, symmetrische Interaktion, Living-Learning, Störungsfaktoren, schöpferische Kräfte, Persönlichkeitsentwicklung, Unterrichtsgestaltung, Theorie-Praxis-Bezug, themenzentrierte Interaktion, Reflexion, Gruppenarbeit, kritische Erziehungswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der kritisch-kommunikativen Didaktik und deren Anwendungsmöglichkeiten in der berufsbildenden Ausbildung für Sozialpädagogen.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die kritische Reflexion gesellschaftlicher Werte, die Gestaltung symmetrischer Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden sowie der proaktive Umgang mit Unterrichtsstörungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu analysieren, inwiefern die kritisch-kommunikative Didaktik als Bestandteil des Unterrichts fungieren kann und welche praktischen Möglichkeiten bestehen, Theorie und Praxis für die Studierenden zu verknüpfen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse erziehungswissenschaftlicher Literatur (z.B. Winkel, Cohn, Schilling) und wendet diese exemplarisch auf eine reale Unterrichtssituation an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Begriffe „kritisch“ und „kommunikativ“ im schulischen Kontext sowie deren Anwendung durch didaktische Methoden wie die Gruppenarbeit und das Living-Learning.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie kritische Erziehungswissenschaft, symmetrische Interaktion, Störungsfaktoren und schöpferische Kräfte geprägt.
Wie unterscheidet sich die kritisch-kommunikative Didaktik laut Autor von herkömmlichen Ansätzen?
Ein wesentliches Merkmal ist die Einbeziehung von Störungsfaktoren in den Unterrichtsprozess sowie der Anspruch, Hierarchien abzubauen, um eine partnerschaftliche Beziehung auf Augenhöhe zu ermöglichen.
Wie wird in der Arbeit mit dem Störungsfaktor Baulärm umgegangen?
Am Beispiel der BBS III wird aufgezeigt, dass Störungen vom Lehrenden erkannt, eingeordnet und aktiv bearbeitet werden müssen, anstatt den Unterricht starr nach Curriculumvorgaben weiterzuführen.
Welche Bedeutung kommt dem Lehrenden innerhalb dieses didaktischen Modells zu?
Der Lehrende agiert nicht mehr als autoritäre Instanz, sondern als beratende Person und Vorbild, das durch seine eigene Haltung zur kritischen Reflexion und zum aktiven Lernen anregt.
Wird der autoritäre Erziehungsstil als gänzlich obsolet betrachtet?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass autoritäre Stile zwar nicht als generelles Umgangsprinzip taugen, in spezifischen Situationen der Heimerziehung bei devianten Jugendlichen jedoch ein gezielter Appell sinnvoll sein kann.
- Arbeit zitieren
- Christoph Schönfeldt (Autor:in), 2012, Kritisch-Kommunikative-Didaktik als Unterrichtsbestandteil, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/497314