Die folgende Arbeit hat zum Ziel, die Politik in Kroatien im allgemeinen und der Weg der kroatischen Bauernpartei im speziellen zwischen 1918 und 1928 nachzuzeichnen. Den Hauptteil habe ich in vier Kapitel unterteilt, wobei der Politik der Kroatischen Bauernpartei am meisten Gewicht beigemessen wird. Da der politische Katholizismus in Kroatien in der Zwischenkriegszeit praktisch keine Rolle gespielt hat und keine katholische Partei das politische Geschehen zu beeinflussen vermochte, gehe ich im letzten Kapitel vor allem auf die Ursachen der geringen Bedeutung des Katholizismus ein. In den Schlussüberlegungen fasse ich die wesentlichen Punkte zusammen und versuche, eine Verbindung zu den Ereignissen in Kroatien zwischen 1991 und 1995 herzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Die Entstehung des Königreichs SHS
2.1.) Das 'Südslawische Komitee'
2.2.) Der 'Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben'
2.3.) Kroatiens Stellung im Königreich SHS
3.) Die Politik in Kroatien von 1918 bis 1928
3.1.) Die Parteien
3.2.) Die Politik bis zur Vidovdan-Verfassung vom 28. Juni 1921
3.3.) Die Politik in Kroatien von 1921 bis 1928
4.) Stjepan Radic und die Kroatische Bauernpartei
4.1.) Die Brüder Radic
4.2.) Die Kroatische Bauernpartei
5.) Die Bedeutung des politischen Katholizismus in Kroatien in der Zwischenkriegszeit
6.) Schlussüberlegungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zeichnet die politischen Entwicklungen in Kroatien zwischen 1918 und 1928 nach, mit einem besonderen Fokus auf die Rolle und den Weg der Kroatischen Bauernpartei. Ziel ist es, die Gründe für das Scheitern der parlamentarischen Demokratie im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen sowie die Ursachen für die geringe politische Bedeutung des Katholizismus in dieser Ära zu analysieren.
- Gründung und politische Entwicklung des Königreichs SHS
- Einfluss von Stjepan Radic und Ideologie der Kroatischen Bauernpartei
- Konflikt zwischen kroatischem Föderalismus und serbischem Zentralismus
- Stellung der Bauernpartei im politischen System
- Analyse der Bedeutungslosigkeit des politischen Katholizismus
Auszug aus dem Buch
3.1.) Die Parteien
In Kroatien gab es in der Zwischenkriegszeit drei Parteien, die mehr oder weniger Einfluss auf das politische Leben auszuüben vermochten. Die mit Abstand bedeutendste Partei war die Kroatische Bauernpartei (HPSS / HRSS / HSS) unter Führung von Stjepan Radic, auf die ich weiter unten genauer eingehen werde.
Die Kroatische Volkspartei (Hrvatska pucka stranka) war die einzige klerikale kroatische Partei, die bei den Wahlen 1920 gemeinsam mit der katholischen Partei der Bunjevci und Šokci in (Bunjevacko-šokacka stranka) der Vojvodina 3,3% und 13 Mandate erreichte. Bei den Wahlen 1923 trat sie zusammen mit der Slowenischen Volkspartei (Slovenska liudska stranka) von Korošec an. Die beiden Parteien erreichten dort 5,81% der Stimmen und damit 21 von 312 Mandate. Die Partei der Bunjevci und Šokci in der Vojvodina erreichte bei den Wahlen 1923 3 Mandate. Bei den nächsten Wahlen im Jahr 1925 schaffte es weder die Kroatische Volkspartei noch die der Bunjevci und Šokci, ein Mandat zu erringen.
Die Kroatische Partei des Rechts oder auch die Kroatische Rechtspartei (Hrvatska Stranka Prava) wurde von Vladimir Prebeg und dem späteren Ustaša-Führer Ante Pavelic angeführt und war stark separatistisch und irredentistisch eingestellt. Am 3. Dezember 1918 erklärte sie die Gründung des Königreichs SHS für nicht rechtsgültig, da das kroatische Volk nicht befragt worden sei. In ihrem Programm vom 1. März 1919 forderte die Rechtspartei die Vereinigung aller kroatischen Gebiete einschliesslich Bosniens und der Herzegowina zu einer unabhängigen Kroatischen Republik. Als kleine Splitterpartei hatte sie jedoch keinen Einfluss auf die Gestaltung der Politik in der Zwischenkriegszeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, den Zeitraum zwischen 1918 und 1928 zu untersuchen, und gibt einen Überblick über die politische Ausgangslage bei Gründung des Königreichs SHS.
2.) Die Entstehung des Königreichs SHS: Analysiert die Rolle des 'Südslawischen Komitees' und des 'Nationalrates' bei der Gründung des neuen Staates sowie die von Beginn an präsente serbische Vormachtstellung.
3.) Die Politik in Kroatien von 1918 bis 1928: Beschreibt die politischen Parteien, die Verfassungsgebungsphase und den intensiven Kampf der Föderalisten gegen die Zentralregierung bis zur Zuspitzung 1928.
4.) Stjepan Radic und die Kroatische Bauernpartei: Porträtiert die Brüder Radic und erläutert die ideologischen Grundlagen sowie die politische Strategie der Kroatischen Bauernpartei.
5.) Die Bedeutung des politischen Katholizismus in Kroatien in der Zwischenkriegszeit: Erklärt die Ursachen für die marginale Rolle katholischer Parteien, insbesondere durch die antiklerikale Haltung der dominierenden Bauernpartei.
6.) Schlussüberlegungen: Führt die Analyse zusammen und beleuchtet die langfristigen Auswirkungen der politischen Versäumnisse der Zwischenkriegszeit auf den späteren Zerfall Jugoslawiens.
Schlüsselwörter
Königreich SHS, Kroatische Bauernpartei, Stjepan Radic, Zwischenkriegszeit, Föderalismus, Zentralismus, politischer Katholizismus, Vidovdan-Verfassung, Nationalrat, Südslawisches Komitee, Jugoslawische Idee, Autonomie, parlamentarische Demokratie, Kroatien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die politische Situation in Kroatien im Zeitraum zwischen der Gründung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen 1918 und der Errichtung der Königsdiktatur 1929.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Entstehung des Staates, der dauerhafte Konflikt zwischen kroatischen Föderalisten und der serbischen Zentralregierung, sowie die politische Rolle der Kroatischen Bauernpartei.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, den politischen Weg Kroatiens in dieser Dekade nachzuzeichnen und zu erklären, warum die parlamentarische Demokratie scheiterte und politische katholische Strömungen kaum Einfluss gewinnen konnten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse unter Verwendung von Primärquellen, zeitgenössischen Programmen und einer fundierten Auswertung der Fachliteratur zur jugoslawischen Geschichte.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung des Königreichs SHS, die politische Dynamik in Kroatien, das Wirken von Stjepan Radic sowie eine tiefgehende Untersuchung zur schwachen Rolle des politischen Katholizismus.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie kroatischer Föderalismus, Zwischenkriegszeit, Königreich SHS, Bauernideologie und politischer Katholizismus definiert.
Welche Rolle spielten die Brüder Radic bei der Gestaltung der Bauernpartei?
Antun Radic prägte als Ideologe die frühen programmatischen Grundlagen, während Stjepan Radic als charismatischer Politiker und Anführer die Partei zu einer mächtigen kroatischen Volkspartei entwickelte, deren Politik von raschen taktischen Wendungen geprägt war.
Warum konnte der politische Katholizismus in Kroatien keine größere Rolle spielen?
Die Arbeit argumentiert, dass dies vor allem an der antiklerikalen Ausrichtung der massgeblich dominierenden Kroatischen Bauernpartei lag sowie an der Tatsache, dass sich der kroatische Klerus zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur unzureichend um die Anliegen der Bauern kümmerte.
Wie bewertet der Autor den Übergang in die Diktatur 1929?
Der Autor schliesst aus der historischen Analyse, dass die Errichtung der Königsdiktatur nach dem Attentat auf Stjepan Radic scheinbar die einzige, wenn auch tragische Möglichkeit war, das Auseinanderbrechen des damaligen Staatsgebildes zum damaligen Zeitpunkt zu verhindern.
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- Dr. phil. Michael Portmann (Author), 2002, Die Kroatische Bauernpartei und der Katholizismus in Kroatien 1918 bis 1928, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/49725