In dieser Arbeit soll zunächst auf die Rolle des Vatikans und des kroatischen Klerus im so genannten Unabhängingen Staat Kroatien (NDH) eingegangen werden. Im Hauptteil richte ich den Blick auf den Kampf der katholischen Kirche gegen den neuen jugoslawischen Staat, wobei der Fall des Erzbischofs Alojzije Stepinac stellvertretend für zahlreiche andere Prozesse gegen Geistliche und Ordensangehörige stehen soll. In den abschliessenden Bemerkungen lasse ich mich auf eine vorsichtige und sehr allgemeine Bewertung der kommunistischen Massnahmen gegenüber Kollaborateuren und «Verrätern» ein, nicht ohne schon jetzt darauf hinzuweisen, dass ein bestimmteres und aussagekräftigeres Verdikt erst nach noch zu erfolgendem eingehendereren Studium mit der Thematik gesprochen werden darf.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE KATHOLISCHE KIRCHE UND ERZBISCHOF STEPINAC IM NDH
3. DIE LAGE DER KATHOLISCHEN KIRCHE IN JUGOSLAWIEN BZW. DER VR KROATIEN
3.1 Biographische Anmerkungen zu Alojzije Stepinac
3.2 Der Kampf der katholischen Kirche mit den kommunistischen Machthabern
3.3 Der Fall Stepinac
4. SCHLUSSBEMERKUNGEN
5. LITERATUR
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die systematische Repression und politische Ausschaltung der katholischen Kirche in Jugoslawien und der VR Kroatien durch die kommunistischen Machthaber in den unmittelbaren Nachkriegsjahren. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie staatliche Repressionsinstrumente, ideologische Kampagnen und Schauprozesse genutzt wurden, um kirchliche Würdenträger zu diskreditieren und die Kirche als Opposition auszuschalten, illustriert am prominenten Fall von Erzbischof Alojzije Stepinac.
- Rolle der katholischen Kirche und des Vatikans im Unabhängigen Staat Kroatien (NDH).
- Analyse der kommunistischen Repressionsmaßnahmen, einschließlich Enteignungen und Verfolgung des Klerus.
- Untersuchung der Schauprozesse gegen Geistliche als Mittel zur Machtfestigung.
- Biographische Aufarbeitung des Falles Erzbischof Alojzije Stepinac.
- Bewertung der staatlichen Einflussnahme auf das Religionswesen und den Religionsunterricht.
Auszug aus dem Buch
3.1 Biographische Anmerkungen zu Alojzije Stepinac
Alojzije Viktor Stepinac wurde am 8. Mai 1898 in Brezarici in der Nähe von Krašic (knapp 40 km südwestlich von Zagreb, nahe der slowenischen Grenze) geboren. Er besuchte dort die Volksschule, das Gymnasium absolvierte er in Zagreb. Nach dem Abitur wurde Stepinac 1916 für den Kriegsdienst eingezogen und 1917 an die italienische Front geschickt, wo er eine aus bosnischen Soldaten bestehende Einheit kommandierte. Er geriet in italienische Kriegsgefangenschaft, die erst endete, nachdem er sich freiwillig zur sogenannten «Südslawischen Legion» gemeldet hatte. Ebenso wie andere Freiwillige aus russischen und italienischen Gefangenenlagern wurde er an die Front von Thessaloniki geschickt. Erst im Juni 1919 kehrte er nach Hause zurück. Bis zum Beginn seines Theologiestudiums im Jahre 1924 in Rom war Stepinac als Landwirt in Krašic tätig. Mit 26 Jahren trat er in das Collegium Germanicum ein. Nachdem er ein amerikanisches Stipendium erhalten hatte, absolvierte er an der Päpstlichen Gregorianischen Universität das Philosophie- und Theologiestudium, das er mit einem doppelten Doktorat beendete. Stepinac beherrschte neben der kroatischen noch die italienische, deutsche, französische und lateinische Sprache. Noch vor dem Abschluss seiner Studien wurde er im Oktober 1930 zum Priester geweiht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet das weitgehend unaufgearbeitete Feld der kommunistischen Abrechnung mit tatsächlichen oder vermeintlichen Kollaborateuren in Jugoslawien nach dem Zweiten Weltkrieg und benennt die Schwierigkeiten der Forschung aufgrund verschlossener Archivbestände.
2. DIE KATHOLISCHE KIRCHE UND ERZBISCHOF STEPINAC IM NDH: Dieses Kapitel analysiert das ambivalente Verhältnis der katholischen Kirche im NDH-Staat, die anfängliche Begeisterung für den neuen kroatischen Staat sowie die zunehmende Ernüchterung angesichts der rassistischen Politik des Ustascha-Regimes.
3. DIE LAGE DER KATHOLISCHEN KIRCHE IN JUGOSLAWIEN BZW. DER VR KROATIEN: Der Hauptteil untersucht die systematische Unterdrückung der Kirche durch das kommunistische Regime, beginnend mit der Biographie Stepinacs über den Kampf gegen die Kirche bis hin zu den Schauprozessen und der faktischen Ausschaltung kirchlicher Institutionen.
4. SCHLUSSBEMERKUNGEN: Das Fazit wägt das moralische Versagen und die Kollaboration einzelner kirchlicher Würdenträger gegen das brutale Vorgehen der Kommunisten ab und betont die Notwendigkeit einer differenzierten historischen Betrachtung unter Berücksichtigung fehlender Archivzugänge.
5. LITERATUR: Das Literaturverzeichnis listet die verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf, darunter Archivmaterialien, Zeitungsberichte und wissenschaftliche Monographien zur Thematik.
Schlüsselwörter
Alojzije Stepinac, Katholische Kirche, Jugoslawien, NDH, Kommunismus, Repression, Schauprozess, Ustascha, Nachkriegsgeschichte, Kroatien, Religionsunterricht, OZNA, Kollaboration, Widerstand, Kirchenpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die systematische Unterdrückung der katholischen Kirche in Jugoslawien und Kroatien durch das kommunistische Regime in den Jahren nach 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Rolle des Klerus im Ustascha-Staat (NDH), die kommunistische Repressionspolitik nach dem Krieg und der Schauprozess gegen Erzbischof Stepinac.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie das kommunistische Regime durch Instrumente wie Enteignung, Propaganda und Justiz die katholische Kirche als letzte verbliebene oppositionelle Institution auszuschalten versuchte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor nutzt eine historische Analyse basierend auf Archivmaterialien, zeitgenössischen Presseberichten und einer umfassenden Aufarbeitung existierender Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biographische Aufarbeitung von Stepinac, den ideologischen und praktischen Kampf gegen die Kirche sowie eine detaillierte Dokumentation des Schauprozesses gegen den Erzbischof.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Alojzije Stepinac, Kommunismus, Kirchenverfolgung, Schauprozess und der historische Kontext des Übergangs von der Ustascha-Herrschaft zum sozialistischen Jugoslawien.
Warum wird Erzbischof Stepinac als Hauptbeispiel herangezogen?
Stepinac war als ranghöchster Vertreter der katholischen Kirche das prominenteste Ziel und sein Prozess diente als stellvertretendes Exempel für die Ausschaltung der gesamten kirchlichen Opposition.
Welche Rolle spielten die "križari" in diesem Kontext?
Die "križari" waren eine Widerstandsorganisation, deren Kontakte zum Klerus den Kommunisten als willkommener Vorwand dienten, die Kirche pauschal als staatsfeindlich zu diskreditieren.
Wie bewertet der Text die Rolle des Vatikans?
Die Arbeit betont, dass der Vatikan einerseits Stepinacs humanitäre Hilfe anerkannte, andererseits aber kritisch auf die fehlende öffentliche Distanzierung gegenüber den Gräueltaten des Ustascha-Regimes blickt.
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- Dr. phil. Michael Portmann (Author), 2002, Die katholische Kirche in Kroatien und Erzbischof Stepinac während des Zweiten Weltkriegs und danach, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/49719