In dieser Arbeit soll zuerst einmal der Begriff „Politikverdrossenheit“ umschrieben, eingegrenzt und formalisiert werden, damit man ihn unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten in die Arbeit miteinbeziehen kann. Anschließend folgen theoretische Überlegungen zu der Fragestellung, ob der Ausbau und die Einführung weiterer direktdemokratischer Elemente ein wirksames Mittel gegen Politikverdrossenheit sein kann. Den Abschluss bildet ein Überprüfen der theoretischen Überlegungen durch empirische Ergebnisse.
Seit den 1990er Jahren befinden sich direktdemokratische Verfahren in Deutschland auf dem Vormarsch. So gab es von 1949 bis 1989 insgesamt in allen deutschen Bundesländern 47 eingeleitete direktdemokratische Verfahren. Nach der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland stieg die Zahl der Verfahren sprunghaft an. Allein von 1990 bis 1999 gab es 125 eingeleitete Verfahren. Bis 2016 sind es insgesamt 439 Verfahren geworden, von denen 19 im letzten Jahr eingeleitet wurden. Die Tendenz ist weiterhin steigend. Seit 1990 haben auch ausnahmslos alle Bundesländer die Verfahren der dreistufigen Volksgesetzgebung (Volksinitiative, Volksbegehren, Volksentscheid) eingeführt, allerdings mit unterschiedlichen Hürden und Restriktionen, die hier des beschränkten Rahmens geschuldet nicht allesamt aufgeführt und eingeordnet werden können. Sie sind auch für den weiteren Verlauf der Arbeit nicht ausschlaggebend.
Begleitet wird diese Entwicklung allerdings von einer zunehmenden geringeren Beteiligung der Bevölkerung am politischen Leben. Umgangssprachlich und in der wissenschaftlichen Forschung wird dieses Phänomen „Politikverdrossenheit“ genannt. So ging die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen, den wohl wichtigsten Wahlen in Deutschland, von ihrem Höhepunkt im Jahre 1971 von 91,1% auf 71,5% bei der letzten Bundestagswahl im Jahre 2013 zurück (hier sei angemerkt, dass seit der Gründung der Partei „Alternative für Deutschland“ die Wahlbeteiligung bei Wahlen auf den unterschiedlichsten Ebenen wieder angestiegen ist). Aber auch die Anzahl der Parteimitglieder geht konstant zurück. So hat die CDU seit 1990 rund 350.000 Parteimitglieder verloren. Bei der SPD sind es sogar rund 520.000 Mitglieder.
Nun stellt sich die Frage, wie dieser Entwicklung entgegengewirkt werden kann. Ein oft in diesem Zusammenhang genanntes Argument ist die Einführung bundesweiter Volksentscheide, um den Bürger aktiv in die politischen Entscheidungen einzubinden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Politikverdrossenheit
- Der Einfluss direkter Demokratie auf die Politikverdrossenheit
- Theoretische Überlegungen. Was spricht dafür, was spricht dagegen?
- Ein Blick auf die Empirie
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert den Zusammenhang zwischen der zunehmenden Einführung direktdemokratischer Verfahren in Deutschland und dem Phänomen der Politikverdrossenheit. Ziel ist es, zu untersuchen, ob und unter welchen Bedingungen direkte Demokratie ein wirksames Mittel gegen Politikverdrossenheit sein kann.
- Definition und Abgrenzung des Begriffs "Politikverdrossenheit"
- Theoretische Ansätze zur Rolle der direkten Demokratie bei der Bekämpfung von Politikverdrossenheit
- Empirische Befunde zum Einfluss direkter Demokratie auf die Politikverdrossenheit
- Bewertung der theoretischen und empirischen Erkenntnisse
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Diese Einleitung stellt den aktuellen Trend zur Einführung direktdemokratischer Verfahren in Deutschland dar und stellt gleichzeitig die Zunahme von Politikverdrossenheit in den Vordergrund. Sie führt das Thema der Arbeit ein und formuliert die Forschungsfrage.
- Politikverdrossenheit: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Definition und Abgrenzung des Begriffs "Politikverdrossenheit". Es werden verschiedene Dimensionen von Politikverdrossenheit beleuchtet, darunter die sinkenden Parteimitgliedszahlen und die Wahlbeteiligung.
- Der Einfluss direkter Demokratie auf die Politikverdrossenheit: In diesem Kapitel werden zunächst theoretische Überlegungen zum Einfluss direkter Demokratie auf die Politikverdrossenheit angestellt. Anschließend werden empirische Ergebnisse zur Frage, ob direkte Demokratie die Politikverdrossenheit tatsächlich reduziert, präsentiert und analysiert.
Schlüsselwörter
Direkte Demokratie, Politikverdrossenheit, Wahlbeteiligung, Volksgesetzgebung, Volksentscheid, politische Partizipation, Bürgerengagement.
Häufig gestellte Fragen
Was wird unter dem Begriff Politikverdrossenheit verstanden?
Politikverdrossenheit beschreibt das Phänomen einer sinkenden Wahlbeteiligung und abnehmender Parteimitgliedszahlen sowie einer allgemeinen Distanzierung der Bevölkerung vom politischen Leben.
Wie hat sich die Anzahl direktdemokratischer Verfahren in Deutschland entwickelt?
Seit der Wiedervereinigung 1990 ist die Zahl sprunghaft angestiegen; von lediglich 47 Verfahren vor 1989 auf insgesamt 439 Verfahren bis zum Jahr 2016.
Welche Stufen umfasst die Volksgesetzgebung in den Bundesländern?
Die dreistufige Volksgesetzgebung besteht in der Regel aus der Volksinitiative, dem Volksbegehren und dem abschließenden Volksentscheid.
Hilft direkte Demokratie tatsächlich gegen Politikverdrossenheit?
Die Arbeit untersucht diese Frage sowohl theoretisch als auch empirisch, um zu bewerten, ob die aktive Einbindung der Bürger durch Volksentscheide die Partizipation wieder erhöhen kann.
Wie stark ist die Wahlbeteiligung in Deutschland historisch gesunken?
Die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen sank von einem Höchststand von 91,1 % im Jahr 1971 auf etwa 71,5 % im Jahr 2013.
- Quote paper
- Andreas Schumacher (Author), 2017, Direkte Demokratie in Deutschland. Ein wirksames Mittel gegen Politikverdrossenheit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/495522