Diese Ausarbeitung wird die Bibelstelle ,,der barmherzige Samariter‘‘ (vgl. Lk 10,25-37) thematisieren. Alle biblischen Texte, die in dieser Arbeit verwendet werden, sind der Einheitsübersetzung entnommen (Zur Referenz: Katholisches Bibelwerk Stuttgart (Hg.), Die Bibel – Einheitsübersetzung / Hg. i. A. der Bischöfe Deutschlands u. a. Stuttgart, 2012.).
Die Wahl des barmherzigen Samariters ist wie folgt begründet: Es ist für mich von Interesse, eine Bibelstelle zu analysieren, die einen gewissen Charakter der Einzigartigkeit hat, also nicht im Johannesevangelium oder in den anderen synoptischen Evangelien zu finden ist. Im Folgenden wird diese Perikope nun exegetisiert. Zuerst mit synchronen Methoden, also mit der Kontextabgrenzung, Gliederung, syntaktischer-, semantischer- und Aktantenanalyse (sowie die Analyse nach Harnisch) und zuletzt mit der Textpragmatik und der Form-/Gattungskritik. Darauffolgend dann mit diachronen Methoden wie der Motiv- und Traditionskritik und der Überlieferungs- und Redaktionskritik. Als letztes folgen Einzelauslegung, ein theologisches Fazit und die Wirkungsgeschichte des barmherzigen Samariters in der Kirche und Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Synchrone Methoden
2. Kontextabgrenzung
3. Gliederung der Perikope
4. Syntaktische Analyse
5. Semantische Analyse
6. Aktantenanalyse und Analyse nach Harnisch
7. Textpragmatische Analyse
8. Form- und Gattungskritik
Diachrone Methoden
9. Motiv- bzw. Traditionskritik
10. Überlieferungs- und Redaktionskritik
Auslegung
11. Einzelauslegung
12. Theologische Kritik mit persönlichem Fazit
13. Wirkungsgeschichte
Materialblätter
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Hausarbeit führt eine detaillierte neutestamentliche Exegese der Perikope vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37) durch. Das primäre Ziel ist es, die Struktur, Intention und Wirkungsgeschichte dieses biblischen Textes mittels synchroner und diachroner Methoden zu analysieren und dabei den Aufruf zur tätigen, universellen Nächstenliebe herauszuarbeiten.
- Exegese der Perikope vom barmherzigen Samariter unter Einbeziehung des Kontextes.
- Anwendung verschiedener exegetischer Methoden (u.a. Aktanten-, Textpragmatische, Form- und Gattungskritik).
- Untersuchung der Entwicklung und Universalität des Motivs der Nächstenliebe.
- Vergleichende Analyse mit den synoptischen Evangelien.
- Reflektion der praktischen Relevanz der Nächstenliebe in der heutigen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
7. Textpragmatische Analyse
Die Textpragmatik fragt zum einen nach dem Sinn eines Textes und zum anderem nach den Mitteln, die der Autor nutzt, um dem Text diese Intention zuzuschreiben.
Die Intention der gesamten Perikope, die der Autor vermitteln will, ist, dass die Leser durch das Lehrgespräch zwischen Jesus und dem Gesetzeslehrer zum Umsetzen der ganzen Liebe (also nicht nur Gottes- sondern auch Nächstenliebe) aufgerufen werden und die Situationen, in denen dies konkret möglich und nötig ist, erkennen können. Besonders die Beispielerzählung des barmherzigen Samariters innerhalb der Perikope stellt eine dieser Situationen dar, weil sie eine konkrete Handlung im Leben für die Nächstenliebe gibt.
Jetzt stellt sich die Frage wie der Autor dies erreichen kann. Das eindeutigste Mittel, welches er nutzt, ist schon der mehrfach beschriebene doppelte Aufruf zur Nachahmung bzw. zur eigenen Handlung. Der Verfasser des Lukasevangelium unterstützt diesen Aufruf auf verschiedene Weise: Zum einen stellt Jesus vor dem ersten Handlungsaufruf die Frage nach den Worten der Schrift bzw. des Gesetzes, um die allgemeine Frage nach dem Weg zum ewigen Leben zu beantworten. Dieser Bezug auf das Gesetz hatte zum einen für die Juden in der konkreten Situation eine große Bedeutung, weil diese ihr Leben nach dem Willen Gottes, also in dem Fall nach dem Gesetz, ausgerichtet haben und zum anderen hat dieser Bezug zum AT für die heutigen christlichen (aber natürlich auch für jüdische Leser) Leser noch einen Wert, da dieses die heilsgeschichtliche Grundlage für Jesu Handeln und das Christentum an sich darstellt und auch die zehn Gebote, die die Grundlage des christlichen Handelns darstellen, zum einen auf der Gottesliebe und zum anderen auf der Nächstenliebe basieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die gewählte Bibelstelle und den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Kontextabgrenzung: Einbettung der Perikope in den Makrokontext des Lukasevangeliums und Bestimmung des Mikrokontextes.
3. Gliederung der Perikope: Analyse der zwei parallel aufgebauten Hauptteile innerhalb der Erzählung.
4. Syntaktische Analyse: Untersuchung von Textkohärenz durch Proformen, Konjunktionen und rhetorische Mittel.
5. Semantische Analyse: Identifikation und Bedeutung der zentralen Schlüsselwörter wie Nächstenliebe und Handeln.
6. Aktantenanalyse und Analyse nach Harnisch: Untersuchung der Interaktion der Figuren im dramatischen Dreieck.
7. Textpragmatische Analyse: Erläuterung der Intention des Autors und der verwendeten Mittel zur Leserlenkung.
8. Form- und Gattungskritik: Bestimmung der Gattung als Beispielerzählung und Betrachtung des Sitzes im Leben.
9. Motiv- bzw. Traditionskritik: Untersuchung der Entwicklung des Motivs der Nächstenliebe vom Alten Testament bis hin zur Universalisierung durch Jesus.
10. Überlieferungs- und Redaktionskritik: Vergleich der synoptischen Überlieferungen des Lehrgesprächs.
11. Einzelauslegung: Vertiefende Interpretation der zentralen Aussage Jesu zur Universalität der Nächstenliebe.
12. Theologische Kritik mit persönlichem Fazit: Zusammenfassende Auswertung der Analyseergebnisse und persönliche Reflexion.
13. Wirkungsgeschichte: Betrachtung der Rezeption des barmherzigen Samariters in Kirche, Kunst und Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Barmherziger Samariter, Lukasevangelium, Nächstenliebe, Exegese, Beispielerzählung, Handeln, Universalität, Gottesliebe, Lehrgespräch, Aktantenanalyse, Textpragmatik, synoptische Evangelien, Tradition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer wissenschaftlichen Exegese der neutestamentlichen Perikope vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37).
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind das Gebot der tätigen Nächstenliebe, die Bedeutung des Handelns im Kontext des Glaubens sowie die universelle Ausrichtung der Liebe Jesu gegenüber dem Nächsten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, durch die Anwendung synchroner und diachroner Methoden zu verdeutlichen, wie der Text zum praktischen Handeln aufruft und die Grenzen der damaligen Stammeslogik überschreitet.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommen unter anderem Kontextabgrenzung, syntaktische und semantische Analyse, Aktantenanalyse nach Harnisch, Gattungskritik sowie Traditions- und Redaktionskritik zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Aufbau der Perikope, die syntaktischen Strukturen, die Interaktion der Aktanten, die Intention des Autors und der synoptische Vergleich des Lehrgesprächs detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Barmherziger Samariter, Nächstenliebe, Universalität, Exegese und Beispielerzählung charakterisiert.
Wie begründet der Autor die Einzigartigkeit der Beispielerzählung?
Der Autor führt aus, dass die Erzählung vom barmherzigen Samariter lukanisches Sondergut ist, da sie in keinem anderen synoptischen Evangelium und nicht im Johannesevangelium in dieser Form vorkommt.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich des "Nächsten"?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Jesus durch die Erzählung den Begriff des Nächsten universell definiert: Er umfasst nicht nur den eigenen Stamm oder Bekannte, sondern jeden Menschen in Not, ungeachtet der Herkunft oder Religion.
- Arbeit zitieren
- Patrick Tebarth (Autor:in), 2018, Exegese an der Beispielerzählung des barmherzigen Samariters, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/494464