Die fortschreitende Digitalisierung in jeglichen Bereichen der Wirtschaft wirkt sich auch auf den Beruf des Wirtschaftsprüfers aus. Der Umgang mit Big- Data- Technologien ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema geworden. Datenanalytische Verfahren helfen Wirtschaftsprüfern in großen Mengen an prüfungsrelevanten Daten Muster, Anomalien und Widersprüchlichkeiten zu entdecken. Obwohl der Einsatz dieser Verfahren nicht neu ist, schreitet die technologische Entwicklung weiter voran, was einige Anpassungen als Konsequenz mit sich ziehen könnte.
Diese Arbeit wird diese Anpassungen aufgreifen und bezieht sich kritisch auf den rechtlichen Rahmen, sowie weitere Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um einen erfolgreichen Einsatz von Big-Data-Technologien im Unternehmen garantieren zu können. Neben der Gültigkeit des Testats wird auch das Anforderungsprofil des zukünftigen Wirtschaftsprüfers beleuchtet. Zuzüglich dazu wird die Sinnhaftigkeit von der klassischen Stichprobenprüfung zu einer möglichen Vollprüfung hinterfragt. Neben dieser quantitativen Dimension sollen auch die qualitativen Chancen der digitalisierten Wirtschaftsprüfung herausgearbeitet werden. Anhand eines Fallbeispiels wird der aktuelle Entwicklungsstand bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rechtlicher Rahmen
2.1 Prüfungsgrundsätze klassischer Wirtschaftsprüfung
2.2 Anwendbarkeit der Prüfungsgrundsätze auf die digitalisierte Prüfung
2.3 Unterminierung des Bestätigungsvermerkes
3. Anpassungen für den Einsatz von Big-Data -Technologien
3.1 Technische Voraussetzungen
3.2 Aus- und Fortbildung von Wirtschaftsprüfern
4. Implementierung von Big Data im Unternehmen
4.1 Mögliche Auswirkungen
4.1.1 Quantitative Ebene
4.1.2 Qualitative Ebene
4.2 Aktueller Entwicklungsstand
5. Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung und des Einsatzes von Big-Data-Technologien auf das Berufsbild und die Arbeitsweise des Wirtschaftsprüfers. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob der bestehende rechtliche Rahmen sowie die klassischen Prüfungsgrundsätze den neuen technologischen Möglichkeiten gerecht werden und welche Anpassungen im Bereich der Qualifikationsprofile sowie der Prüfungsprozesse erforderlich sind.
- Rechtliche Rahmenbedingungen und deren Anwendbarkeit auf die digitalisierte Prüfung
- Implikationen für den Bestätigungsvermerk durch datenanalytische Verfahren
- Technische und personelle Anforderungen an moderne Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
- Verschiebung von der Stichprobenprüfung hin zur Vollprüfung und deren qualitative Chancen
- Praxisbeispiel: Implementierung digitaler Prozesse bei Ernst & Young
Auszug aus dem Buch
2.3 Unterminierung des Bestätigungsvermerkes
Unter einer Unterminierung eines Bestätigungsvermerkes versteht man einen durch einen Prozess voranschreitenden Verlust an Bedeutung dieses Vermerkes. Fraglich ist, ob es durch die digitalisierte Prüfung zu solch einer Unterminierung kommen könnte.
Grundsätzlich verbieten die Prüfungsgrundsätze der ISA das Nutzen von datenanalytischen Instrumenten in Verbindung mit Big Data nicht. Obwohl diese die Implementierung aufgrund fehlender Anpassung zwar erschweren könnten, liegt hier keine Grundlage dafür vor, die Bedeutung des Bestätigungsvermerkes anzweifeln zu können.
Voraussetzungen für die Abgabe eines gültigen Ergebnisses sind Urteilsfähigkeit und Urteilsfreiheit des Prüfers. Die Urteilsfähigkeit begründet sich mit dem fachlichen Verständnis eines Wirtschaftsprüfers. Die Urteilsfreiheit zielt auf eine Beurteilung ohne Einflüsse ab. Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, ist auf Seite des Mandanten kein vollständiges Vertrauen zu erwarten. Testate, auf die ein Mandant nicht vertrauen kann, haben folglich keinen Wert. Demnach benötigt ein Wirtschaftsprüfer bei einer digitalisierten Prüfung ein umfassendes technologisches Verständnis. Ohne dieses Verständnis kann keine ausreichende Prüfungsqualität und -sicherheit gewährleistet werden. Sollte der Wirtschaftsprüfer die ihm vorliegenden ausgewerteten Daten nicht sinngemäß einordnen und weiterverarbeiten können, könnte es demzufolge zu einer geringeren Wertschätzung des Bestätigungsvermerks kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Digitalisierung für den Berufsstand des Wirtschaftsprüfers ein und definiert die kritische Zielsetzung der Arbeit.
2. Rechtlicher Rahmen: Es werden die gesetzlichen Grundlagen und die klassischen Prüfungsgrundsätze erläutert sowie deren Anwendbarkeit im digitalen Kontext und die Gefahr einer möglichen Unterminierung des Bestätigungsvermerks diskutiert.
3. Anpassungen für den Einsatz von Big-Data -Technologien: In diesem Kapitel werden die notwendigen technischen Voraussetzungen sowie die essenziellen Anforderungen an die Aus- und Fortbildung der Wirtschaftsprüfer dargelegt.
4. Implementierung von Big Data im Unternehmen: Hier werden die quantitativen und qualitativen Auswirkungen auf den Prüfungsprozess analysiert und ein Praxisbeispiel bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young angeführt.
5. Thesenförmige Zusammenfassung: Die zentralen Erkenntnisse der Arbeit werden in sechs Kernpunkten prägnant zusammengefasst und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen gegeben.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsprüfung, Big Data, Digitalisierung, Bestätigungsvermerk, Datenanalyse, Prüfungsgrundsätze, Vollprüfung, Stichprobenprüfung, Risikoorientierter Prüfungsansatz, Ernst & Young, Informationstechnologie, Berufssatzung, Massendatenanalyse, IT-Tools, Cloud Computing
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit der kritischen Würdigung der Auswirkungen von Big-Data-Technologien auf die moderne Wirtschaftsprüfung unter Berücksichtigung rechtlicher und praktischer Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Anpassung des rechtlichen Rahmens, die technologische Transformation von Prüfungsprozessen, das geänderte Anforderungsprofil an Wirtschaftsprüfer sowie die Implementierung dieser Verfahren in der Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Herausforderungen und Chancen mit der Digitalisierung der Wirtschaftsprüfung verbunden sind und ob die bestehenden Standards ausreichen, um die Qualität und Verlässlichkeit von Prüfungen zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer qualitativen empirischen Ergänzung durch ein Telefoninterview mit einem Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die Diskussion technischer Voraussetzungen und Bildungsanforderungen sowie die Analyse der Auswirkungen auf quantitative und qualitative Aspekte der Prüfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Big Data, Wirtschaftsprüfung, Bestätigungsvermerk, Datenanalyse und Digitalisierung charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Vollprüfung im Vergleich zur Stichprobenprüfung?
Die Vollprüfung stellt ein Ziel der Digitalisierung dar, die durch Massendatenanalysen einen tieferen Einblick in Transaktionen ermöglicht, während die klassische Stichprobenprüfung den risikoorientierten Ansatz ergänzt oder teilweise ablösen könnte.
Wie versucht Ernst & Young, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern?
Das Unternehmen nutzt ein dreistufiges Modell (Connected, Automated, Smart), setzt eigene Plattformen wie "EY Helix" ein und fördert durch ein "Badge System" die technologische Weiterbildung seiner Mitarbeiter.
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- Laura Erdmann (Author), 2019, Big Data und Wirtschaftsprüfung. Kritische Würdigung jüngster Entwicklungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/493678