Deutsche Muttersprachler erlernen die norwegische Sprache meist ohne größere Diskrepanzen. Grund dafür sind die typologischen Gemeinsamkeiten der beiden germanischen Sprachen. Auch wenn in der Aussprache grundlegende Ähnlichkeiten zwischen Norwegisch und Deutsch vorhanden sind, kommt es hier jedoch bereits zu einigen Abweichungen. Aufgrund der Dialektvielfalt im skandinavischen Land treten Unterschiede in Aussprache, Lexik und Betonung auf, die Fremdsprachlern das Erlernen erschweren.
Während meiner Recherche erfasste ich die Komplexität des tonalen Systems und erfuhr von der Existenz zweier Tonverläufe, die phonologisch identische Wörter auseinanderhalten. Ein Phänomen, das es im Deutschen nicht gibt. Ich als Norwegisch-Lernende möchte herausfinden, wie gut ungeübte Menschen diese Tonunterschiede erkennen, beziehungsweise, wie gut sie die Tonbewegungen erlernen können. Wo befinden sich Probleme oder Herausforderungen, die den Erwerb der norwegischen Sprache erschweren? Da das tonale System so im Deutschen nicht vorkommt, nehme ich an, dass das Erkennen und Erlernen der Tonhöhenunterscheidung für Personen nicht-norwegischer Muttersprache schwierig ist. Es gibt bereits eine Menge Literatur über die Besonderheiten der Toneme im Norwegischen, von denen einige mir als Grundlage meiner Hausarbeit dienen. Fintoft, Kristoffersen und Gårding führten diesbezüglich mehrere Experimente durch.
In meiner Auseinandersetzung beginne ich mit der Einordung des Themenkomplexes Tonem in das phonologische Feld, um zu verstehen, welche Faktoren für die Tonhöhenunterscheidung wichtig sind. Anschließend zeige ich grundlegende Regeln und Kategorien auf, denen Wörter mit Tonhöhenunterscheidung zugeordnet sind. Zum Schluss fasse ich das Für und Wider der Herausforderung Toneme im Norwegischen zusammen.
In dieser Hausarbeit kann ich aufgrund des Umfangs nicht alle tonembeeinflussenden Aspekte miteinbeziehen. Sie ist lediglich ein Überblick der allgemeinen Regeln der Tonhöhenunterscheidung, um damit auf verbundene Schwierigkeiten hinzuweisen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einordnung in das Feld der Phonologie
2.1. Kausalität zwischen Akzent und Tonem
2.2. Stellung der Toneme im Norwegischen
3. Eigenschaften der Toneme
3.1. Das Tonemsystem
3.2. Bestimmung der Toneme
4. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Komplexität des tonalen Systems der norwegischen Sprache und analysiert, welche Herausforderungen sich für Fremdsprachler beim Erlernen und Verstehen der sogenannten Toneme (Tonhöhenverläufe) ergeben.
- Die phonologische Einordnung von Tonakzenten und Wortakzenten.
- Die Unterscheidung zwischen Tonem 1 und Tonem 2.
- Dialektale Unterschiede in der Intonation und Tonhöhenwahrnehmung.
- Experimentelle Erkenntnisse zur Identifikation von Tonverläufen.
- Die Rolle des Kontextes bei der lexikalischen Unterscheidung.
Auszug aus dem Buch
2.1. Kausalität zwischen Akzent und Tonem
Jedes Wort hat seine eigene festgelegte Akzentuierung beziehungsweise Betonung, die man auch Wortakzent nennt. Der Akzent wird von Länge, Lautstärke und Tonhöhe beeinflusst. Mit Hilfe eines chromatischen oder eines Druckakzents werden Hervorhebungen erzeugt. Möglich ist auch die Verwendung beider Methoden in einer Sprache. Während im Deutschen ausschließlich die Lautstärke einer Silbe erhöht wird, um eine Aussage zu betonen, verwendet man im Norwegischen sowohl die Akzentuierung durch kräftige Betonung, als auch einen Tonhöhenunterschied, der zur lexikalischen Unterscheidung dieser Wörter führt. Um zwei eigentlich komplett identisch ausgesprochene Wörter inhaltlich zu differenzieren, verfügt die skandinavische Sprache über zwei Tonmuster.
Der Wortakzent ist eines der suprasegmentalen Merkmale in der Phonologie. Diese Elemente können nicht in kleinere sprachliche Einheiten segmentiert werden, sondern sind lautübergreifend. Er bezieht sich also nicht auf ein einzelnes Phonem, sondern auf Silben und ist vom Satzakzent zu unterscheiden. Der Satzakzent betont das aussagekräftigste, wichtigste Wort innerhalb des Satzgefüges. Oft synonym verwendet, teilt Professor Dr. Wolfgang Hess (2003: S.1f.) der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn die Begriffe suprasegmentale Merkmale, Prosodie und Intonation wie folgt ein: Suprasegmentales Merkmal steht als Term über Prosodie und Intonation, da dieses mehr Elemente mit einbezieht. Die Prosodie hat also einen etwas kleineren Spielraum und steht an zweiter Stelle der Hierarchie. Die Intonation beschränkt sich dann auf melodische Phänomene und steht unter den beiden Begriffen Suprasegmentale Merkmale und Prosodie. Akzent und Intonation hängen in dem Sinne zusammen, dass die Tonbewegung die Akzentuierung und damit die Intonation, beziehungsweise die Melodiekurve eines Satzes (den Satzakzent) beeinflusst. Die Funktionsweise einer Intonationskurve ist dieselbe, wie die der Tonhöhenverläufe bei Tonem-Wörtern im Norwegischen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Autorin, die Besonderheiten des norwegischen Tonakzentsystems zu erforschen und die damit verbundenen Lernschwierigkeiten für Nicht-Muttersprachler zu identifizieren.
2. Einordnung in das Feld der Phonologie: Dieses Kapitel verortet das Phänomen der Toneme im suprasegmentalen Kontext und erläutert die Wechselwirkung zwischen Wortakzent, Intonation und lexikalischen Tönen.
2.1. Kausalität zwischen Akzent und Tonem: Der Abschnitt verdeutlicht, wie Akzentuierungsmethoden und Tonhöhenunterschiede im Norwegischen zusammenwirken, um inhaltlich identische Wörter zu differenzieren.
2.2. Stellung der Toneme im Norwegischen: Hier wird die praktische Bedeutung von Tonem 1 und Tonem 2 sowie deren Vorkommen in verschiedenen Wortkategorien und dialektalen Gegebenheiten dargestellt.
3. Eigenschaften der Toneme: Dieser Teil befasst sich mit den physikalischen und perzeptiven Eigenschaften der Toneme, einschließlich der Bedeutung der Vokalsegmente für die Erkennung.
3.1. Das Tonemsystem: Die theoretischen Grundlagen der Tonunterscheidung (steigend vs. fallend) und die Regeln zur Zuordnung von Wörtern zu den jeweiligen Tonemmustern stehen hier im Zentrum.
3.2. Bestimmung der Toneme: Dieser Abschnitt analysiert experimentelle Erkenntnisse darüber, wie Menschen Tonhöhenmuster wahrnehmen und welche Faktoren die Identifikation beeinflussen.
4. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Komplexität und dialektale Varianz der Toneme zwar eine Herausforderung darstellen, das Verständnis jedoch durch Kontext und Übung erreichbar ist.
Schlüsselwörter
Norwegisch, Toneme, Phonologie, Wortakzent, suprasegmentale Merkmale, Intonation, Tonhöhenverlauf, Sprachvergleich, Dialektologie, Artikulation, Perzeption, Tonakzentsprache, Linguistik, Sprachunterricht, Akzentuierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen System der Toneme im Norwegischen und untersucht, welche Schwierigkeiten sich für deutschsprachige Lernende bei der korrekten Anwendung und Wahrnehmung dieser tonalen Unterschiede ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die phonologische Einordnung, die Unterscheidung zwischen Tonem 1 und Tonem 2, die Rolle dialektaler Unterschiede sowie die physikalischen Merkmale der Tonhöhenkurven.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Faktoren zu entwickeln, die Tonhöhenunterscheidungen im Norwegischen prägen, und Herausforderungen aufzuzeigen, die den Spracherwerb für Personen nicht-norwegischer Muttersprache erschweren können.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse phonologischer Grundlagen sowie der Auswertung verschiedener Experimente, die sich mit der perzeptiven Identifikation von Tonemen in norwegischen Dialekten befassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine Einordnung der Toneme in die Phonologie, die detaillierte Beschreibung der Tonemsysteme sowie eine Untersuchung dazu, wie erfolgreich verschiedene Dialektmerkmale von Testpersonen erkannt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Analyse?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Toneme, Wortakzent, norwegische Sprache, suprasegmentale Merkmale, Tonhöhenverlauf und Dialektvarianz.
Welche Rolle spielt der Dialekt bei der Identifikation von Tonemen?
Die Autorin stellt fest, dass es keine einheitliche Vorlage gibt; die Erkennung hängt stark vom gewohnten Tonfall des jeweiligen Dialekts ab, wobei insbesondere großstädtische Dialekte leichter identifizierbar sind.
Ist die Produktion von Tonemen zwingend für die Verständlichkeit?
Nein, laut der Arbeit ist es nicht zwingend erforderlich, die Toneme perfekt zu produzieren, da der Kontext meist ausreicht, um Missverständnisse trotz fehlerhafter Intonation zu vermeiden.
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- Anonym (Author), 2016, Die Tonhöhenverläufe im Norwegischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/493655