Diese Ausarbeitung befasst sich mit Methoden der biblischen Exegese und deren Anwendung in Texten des Neuen Testaments und wurde als Leistungsnachweis zum Seminar »Einführung in die Methoden der biblischen Exegese«, SS2011 an der Universität Siegen.
Zur Einführung gebe ich einen kurzen und komprimierten Überblick über das Markusevangelium, vor allem hinsichtlich seinem Inhalt und seinem Aufbau (Kap. 2). Daran anschließend wird, vor allem auf der Grundlage der Bibelkommentare R. Peschs und R. Schnackenburgs, eine Kontextanalyse von Mk 1-3,6 durchgeführt (Kap. 3), um dann auf die nähere narrative Analyse von Mk 2,1-12 überzuleiten (Kap. 4). Die Kontextanalyse werde ich, entgegen der empfohlenen Vorgabe, nicht bis Mk 3,35 durchführen, sondern nur bis Mk 3,6, und mich damit auch an die von Pesch vorgeschlagene Einteilung halten (vgl. Kap. 2), da dies den Höhepunkt und Abschluß der markinischen Streitgesprächsammlung darstellt und die nachfolgenden Ereignisse für die narrative Analyse von Mk 2,1-12 nicht von relevanter Bedeutung sind und mit ihnen ein neuer thematischer Abschnitt eingeleitet wird (vgl. Kap. 2). Zur Durchführung der Textkritik (Kap. 5) werde ich den Apparat Mk 2,5, auf Grundlage der bei Nestle-Aland herausgearbeiteten Versionen, unter Zuhilfenahme der Erklärungen Ebners/Heiningers, entschlüsseln und im Anschluß daran, die Gattungsanalyse von Lk 7,11-17 (Kap. 6), auf Grundlage der Methodik G. Theißens, durchführen. Neben der Motivanalyse von Mk 4,34-41 (Kap. 7) wird abschließend noch eine synoptische Redaktionskritik der Erzählung des Todes Jesu bei Markus und Matthäus durchgeführt (Kap. 8).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einleitung/Überblick Markusevangelium
3. Kontextanalyse
3.1. Johannes der Täufer 1,1-8
3.2. Die Taufe Jesu 1,9-11
3.3. Die Versuchung Jesu: 1,12-13
3.4. Erstes Auftreten in Galiläa 1,14-15
3.5. Die Berufung der ersten Jünger: 1,16-20
3.6. Jesus in der Synagoge von Kafarnaum: 1,21-28
3.7. Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus: 1,29-31
3.8. Die Heilung von Besessenen und Kranken: 1,32-34
3.9. Aufbruch von Kafarnaum: 1,35-39
3.10. Die Heilung eines Aussätzigen: 1,40-45
3.11. Die Heilung eines Gelähmten: 2,1-12
3.12. Die Berufung der Levi und das Mahl mit den Zöllnern: 2,13-17
3.13. Die Frage nach dem Fasten: 2,18-22
3.14. Das Abreißen der Ähren am Sabbat: 2,23-28
3.15. Die Heilung eines Mannes am Sabbat: 3,1-6
4. Narrative Analyse
4.1. Formanalyse
4.2. Inhaltsanalyse
4.3. Fazit
5. Textkritik
5.1. »Und sehend«
5.2. »erlassen«
5.3. Fazit
6. Gattungsanalyse
6.1. Lukas 7,11-17: Die Auferweckung eines jungen Mannes in Nain
7. Motivanalyse
8. Redaktionskritik
8.1. Analyse Markus - Matthäus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der methodischen Anwendung der biblischen Exegese auf ausgewählte Texte des Neuen Testaments. Das Ziel ist es, durch kontextuelle, narrative, textkritische, gattungsanalytische, motivanalytische und redaktionskritische Untersuchungen ein tieferes Verständnis für das Wesen und Wirken Jesu sowie die spezifische Jesuskonzeption der Evangelisten zu gewinnen.
- Exegese des Markusevangeliums unter Berücksichtigung von Kontext und Narrativik.
- Methodische Anwendung der Textkritik am Beispiel von Mk 2,5.
- Gattungsanalyse und Klassifizierung der Wundererzählung Lk 7,11-17.
- Motivkritische Untersuchung der Sturmstillung (Mk 4,34-41) im alttestamentlichen Kontext.
- Synoptischer Vergleich der Redaktionskritik zur Erzählung des Todes Jesu bei Markus und Matthäus.
Auszug aus dem Buch
4.2. Inhaltsanalyse
»5.a) Als nun Jesus ihren Glauben sah, b) sprach er zu dem Gelähmten: c) Mein Sohn, d) deine Sünden sind dir vergeben.«
Auffallend und als singuläres Merkmal in der Reihe der markinischen Wundergeschichten auftauchend, ist das Motiv der Krankenheilung durch die Vergebung der Sünden. Aus dem Kontext anderer Wunderheilungen (vgl. Kap. 3.7., 3.10.) geht hervor, dass Jesus Krankheiten bisher durch den direkten Eingriff eines wunderwirkenden Wortes, oder Berührung, die zur Krankheit in Bezug stand, heilte. In diesem Falle verkündet Jesus jedoch die Vergebung der Sünden (V5d). Es ergibt sich daraus eine Verknüpfung zwischen Krankheit und Sünde, wobei die Sünde für die Krankheit verantwortlich sein soll und zur Heilung der Krankheit die Sünden vergeben werden müssen. Aus einer vergleichenden, religionswissenschaftlichen Perspektive könnte man diese Verbindung auch als karmisches System klassifizieren, bzw. gewisse Merkmale dieses Systems, wie bspw. die Auswirkung (Krankheit) einer Tat (Sünde) in der hier herausgearbeiteten Verbindung zwischen Sünde und Krankheit wiederfinden, diesen Aspekt weiter zu untersuchen würde jedoch den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen.
Durch die Passivkonstruktion (»Passivum divinum«) der Sündenvergebung ist nicht eindeutig ob Jesus selbst, d.h. aktiv die Sünden vergibt, oder ob Gott die Sünden vergibt und Jesus nur die Kunde der Sündenvergebung überbringt. Pesch ist jedoch der Ansicht, dass Letzteres aus dem vorliegenden Text mitsamt seinem (alttestamentlichen) Kontext hervorgehen würde, sodass Jesus, weil Gott dem Gelähmten seine Sünden vergibt, ihn heilen kann und wird. Dem möchte ich jedoch widersprechen und gleichsam auch die Frage aufwerfen, welchen Anteil Gott oder Jesus an der Sündenvergebung haben, oder ob diese durch den Gelähmten selbst vollzogen wird und Jesus ebenfalls nur noch verkündigt, was auf metaphysischer Ebene schon passiert ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert das Ziel der Arbeit, Methoden der biblischen Exegese auf neutestamentliche Texte anzuwenden und dabei als Leistungsnachweis für das Seminar zu dienen.
2. Einleitung/Überblick Markusevangelium: Dieses Kapitel bietet einen kompakten Überblick über Aufbau und Inhalt des Markusevangeliums basierend auf der Pesch-Einteilung.
3. Kontextanalyse: In diesem Kapitel wird eine kontextuelle Untersuchung der Abschnitte Mk 1,1 bis Mk 3,6 durchgeführt, um das Wirken Jesu im Kontext der Zeit einzuordnen.
4. Narrative Analyse: Hier steht die Heilung eines Gelähmten (Mk 2,1-12) im Fokus, um die Vollmacht Jesu und den Konflikt mit den Schriftgelehrten narrativ zu deuten.
5. Textkritik: Eine textkritische Untersuchung des Apparates Mk 2,5 wird durchgeführt, wobei die Varianten »Und sehend« und »erlassen« analysiert werden.
6. Gattungsanalyse: Unter Anwendung des Söding-Gattungsbegriffs wird die Auferweckung eines jungen Mannes in Nain (Lk 7,11-17) als Wundergeschichte klassifiziert.
7. Motivanalyse: Eine motivkritische Untersuchung der Sturmstillung (Mk 4,34-41) wird vorgenommen, um die Bedeutung chaotischer Urgewalten im Kontrast zur göttlichen Schöpfungsordnung herauszuarbeiten.
8. Redaktionskritik: Abschließend erfolgt ein synoptischer Vergleich zwischen Markus und Matthäus hinsichtlich der Erzählung des Todes Jesu.
Schlüsselwörter
Biblische Exegese, Markusevangelium, Jesus Christus, Sündenvergebung, Wundergeschichte, Kontextanalyse, Narrative Analyse, Textkritik, Gattungsanalyse, Motivanalyse, Redaktionskritik, Menschensohn, Vollmacht, Gottesherrschaft, Messiasgeheimnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung verschiedener wissenschaftlicher Methoden der biblischen Exegese auf Texte des Neuen Testaments, insbesondere auf ausgewählte Abschnitte des Markusevangeliums und der Wundergeschichte bei Lukas.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Kontext- und Inhaltsanalyse, narrative Strukturen, textkritische Apparatuntersuchungen, gattungstheoretische Einordnungen, die Rolle von Motiven sowie den redaktionskritischen Vergleich zwischen den Evangelien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die methodische Aufarbeitung biblischer Texte, um das Wirken Jesu, seine göttliche Vollmacht und die theologischen Schwerpunkte der Evangelisten detailliert herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert mehrere exegetische Methoden wie Kontextanalyse, narrative Analyse, Textkritik, Gattungsanalyse nach Theißen, Motivanalyse und den synoptischen Redaktionsvergleich.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse markinischer Abschnitte (Kontext, Narrative Analyse), eine textkritische Untersuchung zu Mk 2,5, die Gattungsbestimmung der Auferweckung in Nain sowie eine Motiv- und Redaktionskritik des Todes Jesu.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Exegese, Markusevangelium, Vollmacht, Sündenvergebung, Wundererzählung, Gattungsanalyse und Redaktionskritik charakterisiert.
Welche Bedeutung hat das »Menschensohn«-Motiv in der Arbeit?
Das Motiv dient als zentrales Element der markinischen Jesuskonzeption, um die Vollmacht Jesu und seine Stellung als von Gott Gesandter zu unterstreichen.
Warum wird der redaktionskritische Vergleich zwischen Markus und Matthäus durchgeführt?
Der Vergleich soll aufzeigen, wie die unterschiedliche kompositorische Intention der Evangelisten die Erzählung des Todes Jesu beeinflusst und welche theologischen Aussagen dadurch betont werden.
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- Volker Hein (Author), 2010, Einführung in die Methoden der biblischen Exegese. Markusevangelium, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/493441