Die Hausarbeit befasst sich mit der Frage, ob und inwiefern das 1998 unterzeichnete, sogenannte Karfreitagsabkommen einen Einfluss auf die terroristische Gruppierung IRA einerseits und auf die Politik Großbritanniens andererseits hatte und hat.
Mittels Literaturrecherche wird dabei insbesondere auf die Entwicklungen hinsichtlich Organisation und Aktivität der IRA eingegangen. Des Weiteren kommt es zu einer Betrachtung des Wahlverhaltens und des Parteiengefüges seit der Unterzeichnung des Abkommens. Dabei folgt stets eine Bewertung, ob das Karfreitagsabkommen Ursache dieser Beobachtungen ist. Auf mögliche Veränderungen konkreter politischer Inhalte der Akteure wird dabei jedoch nicht eingegangen, da dafür eine umfassende Kenntnis über vergangene und aktuelle Programme dieser Gruppen notwendig wäre. Zudem liegt der Fokus dieser Arbeit auf dem Einfluss des Abkommens auf den Terrorismus und den damit zusammenhängenden Organisationen.
Zum besseren Verständnis klärt zu Beginn eine knappe Zusammenfassung des Nordirlandkonflikts, eine geschichtliche Einleitung in die IRA und eine kurze Erläuterung des Karfreitagsabkommens über den Kontext auf. Nach der inhaltlichen Auseinandersetzung schließt die Arbeit mit einer zusammenfassenden Bewertung über den Umfang und die Art möglichen Einflusses des Karfreitagsabkommens.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Der Nordirlandkonflikt
3 Die Geschichte der IRA
4 Das Karfreitagsabkommen
5 Die IRA nach dem "Belfast Agreement"
5.1 Aufbau und Struktur
5.2 Entwaffnung und Machtverlust
5.3 Die IRA seit 2005
6 Politik des Vereinigten Königreichs seit 1998
6.1 Polity
6.2 Politics
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des Karfreitagsabkommens von 1998 auf die irisch-republikanische Terrororganisation IRA sowie auf die politische Landschaft und Arbeit des Vereinigten Königreichs. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und inwiefern das Abkommen zu direkten oder indirekten Veränderungen bei den genannten Akteuren geführt hat.
- Entwicklung der Struktur und Aktivität der IRA nach 1998
- Analyse der Entwaffnung und des Machtverlusts der IRA
- Untersuchung des Parteiengefüges und Wahlverhaltens in Nordirland
- Veränderungen im britischen politischen System durch die Dimensionen Polity und Politics
Auszug aus dem Buch
5.1 Aufbau und Struktur
Unverändert bis heute blieb auch die grundlegende Struktur der IRA, nachdem sie letztmals in den 1970ern angepasst wurde (vgl. Bell 2000, S.129). Als praktisch oberstes Gremium fungiert dabei der Army Council bestehend aus wenigen Personen, welche die Befehle über Anschläge, Ziele und Hinrichtungen erteilte. Der „Vorsitzende“ dieses Rates ist dabei der Chief of Staff als oberster Kommandant. Über Hauptquartiere, die einzelnen Bereichen wie beispielsweise Finanzen oder aktiven Operationen zugeordnet sind, wurden die Befehle an die einzelnen Brigaden weitergegeben. Diese Brigaden teilten sich auf bestimmte Gebiete auf und bestanden wiederum aus Untereinheiten. Diese active service units, meist bestehend aus 5-8 Personen, führten die Operationen am Ende durch. (vgl. Neumann 1999, S.72f.)
Allerdings hatte das Karfreitagsabkommen durchaus Auswirkungen auf die Ausgestaltung dieser Grundordnung. So waren viele Gefangene der Gruppe zwar auf Grundlage des Abkommens freigekommen, jedoch war die Reststrafe meist auf Bewährung ausgesetzt. Eine Rückkehr in das operative Geschäft war somit für die meisten keine Option. Aus diesem Grund musste die IRA ihren entlassenen Kämpfern eine Alternative bieten, welche in Form einer verstärkten personellen Zusammenarbeit mit der republikanischen Partei Sinn Féin gefunden wurde. Die ehemaligen Häftlinge konnten so zwischen der Rückkehr zur Terrororganisation und einem Engagement in der Politik wählen. (vgl. Dingley 2012, S.176) Die bestehenden Strukturen innerhalb der Organisation blieben somit gleich, durch das Schaffen einer Alternative verlor aber vor Allem die untere Ebene, die Terrorzellen, an Personal, Größe und dadurch auch an Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung skizziert die Fragestellung bezüglich der Auswirkungen des Karfreitagsabkommens auf die IRA und das politische System des Vereinigten Königreichs.
2 Der Nordirlandkonflikt: Dieses Kapitel liefert einen geschichtlichen Abriss über die Ursachen und die gesellschaftliche Spaltung des Nordirlandkonflikts.
3 Die Geschichte der IRA: Es wird die Entstehung und ideologische Ausrichtung der IRA als paramilitärische Organisation beleuchtet.
4 Das Karfreitagsabkommen: Der Inhalt und die Bedeutung des Abkommens von 1998 als zentraler Wendepunkt für den Friedensprozess werden dargestellt.
5 Die IRA nach dem "Belfast Agreement": Die Arbeit analysiert hier die strukturellen und strategischen Wandlungen der Organisation unter dem Einfluss des Friedensvertrags.
5.1 Aufbau und Struktur: Es wird die trotz des Abkommens weitgehend erhaltene Organisationsstruktur der IRA beschrieben, deren operative Schlagkraft jedoch durch politische Alternativen schwand.
5.2 Entwaffnung und Machtverlust: Die Arbeit beleuchtet den langsamen Prozess der Entwaffnung und den Verlust der IRA als politisches Druckmittel.
5.3 Die IRA seit 2005: Hier wird der Status der Gruppe nach der offiziellen Niederlegung der Waffen und die Entstehung neuer Splittergruppen diskutiert.
6 Politik des Vereinigten Königreichs seit 1998: Dieses Kapitel bewertet die Auswirkungen des Abkommens auf die britische und nordirische Politik anhand der Dimensionen Polity und Politics.
6.1 Polity: Untersucht wird die institutionelle Neugestaltung Nordirlands durch die Northern Ireland Assembly und die Entwicklung des Parteiengefüges.
6.2 Politics: Analysiert werden die Auswirkungen der Konkordanzpolitik auf die Entscheidungsfindungsprozesse und die Handlungsfähigkeit der nordirischen Regierung.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit bejaht einen Einfluss des Abkommens, differenziert jedoch zwischen direkten und indirekten Wirkungen und blickt auf zukünftige Herausforderungen wie den Brexit.
Schlüsselwörter
Karfreitagsabkommen, IRA, Nordirlandkonflikt, Belfast Agreement, Sinn Féin, Unionisten, Nationalisten, Politik, Friedensprozess, Entwaffnung, Nordirland, Politikwissenschaft, Terrorismus, Northern Ireland Assembly, Brexit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Karfreitagsabkommens von 1998 auf die irisch-republikanische Terrororganisation IRA sowie auf das politische System und die politische Landschaft im Vereinigten Königreich und Nordirland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung paramilitärischer Organisationen, den institutionellen Veränderungen im nordirischen Parlament sowie dem Wandel der politischen Parteienlandschaft nach der Unterzeichnung des Abkommens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, ob und inwieweit das Karfreitagsabkommen als direkte oder indirekte Ursache für die Veränderungen in Struktur, Aktivität und politischem Einfluss der IRA sowie in der britisch-nordirischen Politik identifiziert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Literaturrecherche, um die Entwicklungen und politischen Prozesse fundiert darzustellen und zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der IRA-Strukturen, der Entwaffnung sowie eine Analyse der Politik mittels der Dimensionen Polity (institutionelle Struktur) und Politics (Entscheidungsprozesse).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind das Karfreitagsabkommen, die IRA, der Nordirlandkonflikt, Sinn Féin und die Auswirkungen auf die nordirische sowie britische Politik.
Wie hat sich die Struktur der IRA durch das Abkommen verändert?
Die grundlegende hierarchische Struktur der Organisation blieb zwar weitgehend erhalten, jedoch verloren die operativen Einheiten (active service units) durch personelle Abwanderung in die Politik (Sinn Féin) und mangelnde gesellschaftliche Unterstützung an Bedeutung.
Welche Rolle spielte der Anschlag von Omagh für die IRA?
Der Anschlag von 1998 durch eine Splittergruppe führte zu einer breiten Ablehnung von Gewalt in der Bevölkerung, was den Druck auf die IRA erhöhte, ihre Strategie zu überdenken und den gewaltsamen Kampf aufzugeben.
Wie beeinflusst das Abkommen die heutige nordirische Politik?
Die durch das Abkommen etablierte Konkordanzpolitik führt oft zu langwierigen Verhandlungsprozessen und Minimalkonsensen, was laut Autor zur aktuellen politischen Polarisierung und gelegentlichen Handlungsunfähigkeit der Regierung beiträgt.
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- Piet Rehmert (Author), 2018, Auswirkungen des Karfreitagsabkommens 1998 auf die IRA und die Politik Großbritanniens, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/491424