Die Fragen, die im Zuge dieser Studienarbeit geklärt werden sollen, beziehen sich auf den umweltethischen Gedanken und den daraus resultierenden Folgen und Fragen, speziell unter den Gesichtspunkten der Teleologie, der Deontologie und der Tugendethik. Gibt es einen bestimmten Zweck des menschlichen Daseins bzw. der menschlichen Existenz? Ist ein optionaler Lebensweg zu benennen, welcher als durchweg gut oder richtig einzuordnen ist? Zu welchem Verhältnis steht der kultivierte und sittliche Mensch zu seiner restlichen biotischen und abiotischen Umwelt? Diese Fragen scheinen auf dem ersten Blick nicht in die Disziplin der Geographie, oder hier speziell der Umweltkunde zu passen, allerdings ist das moralisch-ethische Verständnis des Menschen als Lebewesen eine Grundvoraussetzung für die Geographie, da diese die „Wissenschaft von der Erde und ihrem Aufbau, von der Verteilung und Verknüpfung der verschiedensten Erscheinungen und Sachverhalte der Erdoberfläche, besonders hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen Erde und Mensch“ (duden.de) ist. Um diese Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt ausreichend in ihrer Komplexität zu verstehen, ist eben dieses Verständnis des menschlichen Wesens unter dem Aspekt der oben genannten Theorien unumgänglich. Insofern muss die Disziplin der Philosophiegeschichte in erster Linie miteinbezogen werden, um grundlegende Fragen der Moral und Ethik beantworten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die philosophische Disziplin der Teleologie
2.1. Grundgedanke
2.2. Begriffsdefinitionen
2.3. Fragestellungen der Teleologie
2.4. Teleologische Beispiele
2.4.1. Teleologie in der Schöpfungslehre
2.4.2. Teleologie in der Biologie
2.4.3. Teleologie in der Medizin
2.5. Vergleich und Fazit
3. Die philosophische Disziplin der Deontologie
3.1. Binnendifferenzierung der Deontologie
3.2. Immanuel Kants kategorischer Imperativ
3.3. Kritik
4. Grundsätze der Tugendethik
4.1. Der Begriff der Tugend
4.2. Der Begriff der Ethik
4.3. Definition Tugendethik
4.4. Tugendtafeln
4.4.1. Tugendtafel Platons
4.4.2. Tugendtafel Aristoteles
4.4.3. Tugendtafel Aquins
5. Vergleich der Ansätze in Hinblick auf die Umweltethik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit teleologische Theorien, deontologische Ansätze und die Tugendethik tragfähige Grundlagen für umweltethisches Handeln bieten. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob und wie diese philosophischen Konzepte angesichts heutiger Herausforderungen ein moralisch fundiertes, verantwortungsvolles Verhalten gegenüber der Umwelt legitimieren können.
- Grundlagen der Teleologie und deren Anwendung in verschiedenen Wissenschaften.
- Die Pflichtethik (Deontologie) als Gegenentwurf und deren Begründungsmöglichkeiten.
- Der tugendethische Ansatz als Fokus auf die moralische Lebensgestaltung des Einzelnen.
- Vergleichende Analyse der Ansätze im Hinblick auf ihre Relevanz für eine moderne Umweltethik.
Auszug aus dem Buch
2.1. Grundgedanke
Die Teleologie ist als Teildisziplin der Ethik die Lehre nach der Zielgerichtetheit, um die Frage nach dem Sinn und Zweck zu beantworten. Der Begriff "Teleologie" setzt sich aus den altgriechischen Wörtern "τέλος", dem Ziel, und "λóγος", der Lehre, zusammen. Sie ist die Lehre vom Ziel bzw. dem Sinn einer Handlung oder Denkweise und geht davon aus, dass alle Handlungen „ausschließlich von ihren Folgen her sittlich beurteilt werden“ (Böckle, 1991: 305). Würde man nach dieser Ideologie leben und handeln könnten jegliche Entscheidungen und Normen im gesellschaftlichen Raum ausschließlich unter Rücksichtnahme aller kalkulierbaren Folgen des Handelns begründet werden (Böckle, 1991: 306).
Weitergehend ist die Unterscheidung zwischen Gütern und Werten ausschlaggebend, welche dem menschlichen Handeln vorgegeben sind. Die Würde, Sexualität oder auch die Gesundheit eines Menschen sind Güter, welche bei Handlungen im Vorfeld unbewusst eine wichtige Rolle spielen. Die Abwägung und ggf. die Verletzung dieser Güter tritt im Laufe des Lebens eines jeden Menschen mehrmals ein (Böckle, 1991: 311).
Der Begriff des Wertes wiederum ist handlungsbezogen und findet bewusst vor oder während der Handlung statt (Böckle, 1991: 24).
Laut des teleologischen Gedankens sind die Güter und Werte begrenzt und durch das Relativieren dieser entscheiden alle Menschen niemals a priori, also ohne Einbezug jeglicher Sinneserfahrung. So gesehen ist also jede Entscheidung die ein Mensch trifft eine gewisse Vorzugswahl durch das Abwägen von Gütern und Werten. Um ein optimales sittliches Handeln zu garantieren sollten im Vorfeld alle in Frage kommenden und erkennbaren Werte und Umstände in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. (Böckle, 1991: 307).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Verhalten oder eine Entscheidung folglich niemals für alle Zeit in gleicher Weise oder unabhängig von jedem möglichen Umstand/Bedingung und damit ausnahmslos als gut oder schlecht gelten kann (Böckle, 1991: 307).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Verantwortungsbegriff und Darlegung der Relevanz umweltethischer Fragen für die Geographie.
2. Die philosophische Disziplin der Teleologie: Erläuterung der Zielgerichtetheit als ethisches Prinzip, inklusive historischer Entwicklung und Anwendung in Naturwissenschaften und Medizin.
3. Die philosophische Disziplin der Deontologie: Analyse der Pflichtethik, ihres Fokus auf das Sollen unabhängig von Konsequenzen und die Rolle des kategorischen Imperativs.
4. Grundsätze der Tugendethik: Untersuchung der Tugendlehre, ihrer Bedeutung für die Charakterbildung und die verschiedenen historischen Tugendtafeln.
5. Vergleich der Ansätze in Hinblick auf die Umweltethik: Synthese der verschiedenen ethischen Denkweisen und deren Potenzial zur Begründung von Umweltschutz.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ansätze und Plädoyer für die Tugendethik als modernen, motivierenden Zugang zu umweltgerechtem Handeln.
Schlüsselwörter
Umweltethik, Teleologie, Deontologie, Tugendethik, Verantwortung, Nachhaltigkeit, Pflichtethik, Handlungstheorie, Anthropozentrismus, Moral, Ethik, Naturwissenschaft, Philosophie, Tugendtafeln, Wertorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die drei klassischen ethischen Strömungen Teleologie, Deontologie und Tugendethik, um deren Potenzial als Grundlage für ein verantwortungsbewusstes Handeln gegenüber der Umwelt zu prüfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Anwendung dieser ethischen Theorien sowie deren spezifische Relevanz und Anwendbarkeit im Kontext der heutigen Umweltkrise.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, inwieweit philosophische Ansätze heute noch als durchsetzbare Handlungsoptionen dienen können, um eine komplexe Umweltethik wissenschaftlich zu fundieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit bedient sich einer Literaturanalyse, in der klassische und moderne philosophische Positionen und deren Kritiken gegenübergestellt und bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Disziplinen einzeln definiert, historisch eingeordnet und anschließend hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit für eine allgemeine Umweltethik kritisch reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Umweltethik, Teleologie, Deontologie, Tugendethik, Verantwortung und Moral.
Warum wird die Tugendethik als modernste Alternative hervorgehoben?
Weil sie laut der Arbeit als Synthese teleologischer und deontologischer Ansätze fungiert und durch den Fokus auf die innere Motivation des Einzelnen ein stärkeres Motivationspotenzial für Umweltschutz bietet.
Welche Rolle spielt die Umweltkrise für die Argumentation?
Die Umweltkrise dient als dringlicher Kontext, der die Begrenzung klassischer Theorien verdeutlicht und die Notwendigkeit einer neuen, eigenverantwortlichen ethischen Fundierung aufzeigt.
- Quote paper
- InkTeach19 (Author), 2014, Inwieweit stellen philosophische Ansätze durchsetzbare Handlungsoptionen in der Umwelt dar? Teleologische Theorien, deontologische Theorien und Tugendethik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/489460