Man stelle sich einmal die Aufgabe eines Kapitäns auf einem Kreuzfahrtschiff vor. Dies bedeutet die Verantwortung für eine Vielzahl von Entscheidungen zu tragen, die letztendlich alle dem Ziel dienen, dem Reisenden ein unvergessliches Reiseerlebnis zu bescheren. Damit eng verknüpft ist das Ziel, dass der Kreuzfahrtreisende bereit ist, dafür so viel Geld auszugeben, wie für die Erwirtschaftung sämtlicher Kosten der Reise, der Verwaltungs- und Vertriebskosten der Reederei und des Gewinns notwendig sind. Als Kapitän braucht man demnach viele Informationen, von den Wünschen der Reisenden über Informationen zur Reise-Route bis hin zu Daten über die Infrastruktur des Schiffes (z. B. Maschinen, Instrumente, Sicherheitssysteme), die erhoben und analysiert werden müssen.
Bedenkt man die heutige Größe (bezogen z. B. auf Schiffsgröße, Ausstattung, aber auch Personal) der Kreuzfahrtschiffe – man spricht schon von schwimmenden Städten -, wird einem die Komplexität der Aufgabe bewusst. Doch worauf soll der Kapitän achten, welche Informationen sind wirklich relevant zur Zielerreichung? Wie kann das Ziel, den Passagieren ein unvergessliches Reiseerlebnis zu bescheren, in allen Köpfen der Mitarbeiter verankert werden? Und auf der anderen Seite, wie kann der Kapitän erkennen, inwieweit sein Ziel erfüllt ist oder an welchen Stellen Gefahr droht, das Ziel zu verfehlen? Mit solchen Problemen sind sicherlich nicht nur die Kapitäne auf hoher See beschäftigt. Mit ähnlicher Komplexität und Fragestellung sehen sich auch die Lenker von Unternehmen tagtäglich konfrontiert. War früher häufig die Informationsversorgung ein Problem um diese Fragestellungen zu lösen, so sind heutzutage Entscheider eher einer Informationsüberflutung ausgesetzt. Grund hierfür ist v. a. die ständig zunehmende Nutzung der Computer und der damit verbundenen stark ausgeweiteten Datensammlung und –analyse.
Mit dem Konzept der Balanced Scorecard (BSC) wollen ihre Begründer Kaplan und Norton Lösungen für diese Probleme anbieten. Die BSC soll Unterstützung leisten bei der Aufgabe, Strategien im Unternehmen umzusetzen, den Blick auf die wesentlichen Größen zu lenken und die Strategie zu kommunizieren . Sie beschreibt ein System von erfolgsrelevanten Größen, die miteinander kausal verknüpft werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Balanced Scorecard – ein Konzept entwickelt sich weiter
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Kennzeichen innovativer Anwendungen
3 Gegenstand und Wesen der Balanced Scorecard
4 Grundkonzept der Balanced Scorecard
4.1 Grundlegende Idee und Zielsetzung
4.2 Die vier Perspektiven der Balanced Scorecard
4.2.1 Finanzperspektive
4.2.2 Kundenperspektive
4.2.3 Interne Prozessperspektive
4.2.4 Lern- und Entwicklungsperspektive
4.3 Ursache-Wirkungs-Beziehung
5 Unternehmensübergreifende Anwendungen der Balanced Scorecard
5.1 Stakeholder Scorecard
5.2 Netzwerk-Balanced Scorecard
5.3 Supply Chain Balanced Scorecard
5.4 Environmental Scorecard
6 Anwendungen der Balanced Scorecard auf Konzern- und Unternehmensleitungsebene
6.1 Balanced Chance- & Risk-Card
6.2 Value Scorecard
6.3 Sustainable Balanced Scorecard
6.4 Konzern Balanced Scorecard
6.5 Erfolgsfaktoren-basierte Balanced Scorecard
6.6 Reporting Balanced Scorecard
7 Anwendungen der Balanced Scorecard in betrieblichen Teilbereichen
7.1 Marketing-Balanced Scorecard
7.2 Balanced Scorecard für Internal Audit
7.3 Human Resources Balanced Scorecard
7.4 Logistik-Balanced Scorecard
7.5 IT-Scorecard
8 Weitere ausgewählte innovative Konzepte der Balanced Scorecard
9 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der vorgestellten Balanced Scorecard Konzepte
10 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung und Vorstellung innovativer Anwendungen der Balanced Scorecard (BSC). Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie das Konzept der BSC über das ursprüngliche Modell von Kaplan und Norton hinaus an neue Anforderungen in verschiedenen Unternehmensbereichen und auf Konzernebene angepasst werden kann.
- Grundkonzepte und methodische Weiterentwicklung der Balanced Scorecard
- Unternehmensübergreifende Anwendungen (z. B. Stakeholder, Netzwerk, Supply Chain, Environmental Scorecard)
- Anwendungen auf Konzern- und Leitungsebene (z. B. Risk-Card, Value Scorecard, Sustainable BSC)
- Funktionsbezogene Spezialanwendungen (Marketing, Internal Audit, Human Resources, Logistik, IT)
- Vergleichende Analyse und Bewertung des Innovationscharakters der verschiedenen Modelle
Auszug aus dem Buch
1.1 Balanced Scorecard – ein Konzept entwickelt sich weiter
Man stelle sich einmal die Aufgabe eines Kapitäns auf einem Kreuzfahrtschiff vor. Dies bedeutet die Verantwortung für eine Vielzahl von Entscheidungen zu tragen, die letztendlich alle dem Ziel dienen, dem Reisenden ein unvergessliches Reiseerlebnis zu bescheren. Damit eng verknüpft ist das Ziel, dass der Kreuzfahrtreisende bereit ist, dafür so viel Geld auszugeben, wie für die Erwirtschaftung sämtlicher Kosten der Reise, der Verwaltungs- und Vertriebskosten der Reederei und des Gewinns notwendig sind. Als Kapitän braucht man demnach viele Informationen, von den Wünschen der Reisenden über Informationen zur Reise-Route bis hin zu Daten über die Infrastruktur des Schiffes (z. B. Maschinen, Instrumente, Sicherheitssysteme), die erhoben und analysiert werden müssen.
Bedenkt man die heutige Größe (bezogen z. B. auf Schiffsgröße, Ausstattung, aber auch Personal) der Kreuzfahrtschiffe – man spricht schon von schwimmenden Städten -, wird einem die Komplexität der Aufgabe bewusst. Doch worauf soll der Kapitän achten, welche Informationen sind wirklich relevant zur Zielerreichung? Wie kann das Ziel, den Passagieren ein unvergessliches Reiseerlebnis zu bescheren, in allen Köpfen der Mitarbeiter verankert werden? Und auf der anderen Seite, wie kann der Kapitän erkennen, inwieweit sein Ziel erfüllt ist oder an welchen Stellen Gefahr droht, das Ziel zu verfehlen? Mit solchen Problemen sind sicherlich nicht nur die Kapitäne auf hoher See beschäftigt. Mit ähnlicher Komplexität und Fragestellung sehen sich auch die Lenker von Unternehmen tagtäglich konfrontiert. War früher häufig die Informationsversorgung ein Problem um diese Fragestellungen zu lösen, so sind heutzutage Entscheider eher einer Informationsüberflutung ausgesetzt. Grund hierfür ist v. a. die ständig zunehmende Nutzung der Computer und der damit verbundenen stark ausgeweiteten Datensammlung und –analyse.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Informationsüberflutung im Management ein und stellt das Konzept der Balanced Scorecard (BSC) als Lösungsansatz zur Strategieumsetzung und -kommunikation vor, gefolgt vom Aufbau dieser Arbeit.
2 Kennzeichen innovativer Anwendungen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Innovation anhand verschiedener betriebswirtschaftlicher Perspektiven und legt Kriterien fest, um neuartige Anwendungen als solche identifizieren zu können.
3 Gegenstand und Wesen der Balanced Scorecard: Hier wird die BSC in den Kontext der Kennzahlensysteme eingeordnet und die grundlegende Funktionsweise der Ausgewogenheit zwischen verschiedenen Kennzahlentypen erläutert.
4 Grundkonzept der Balanced Scorecard: Dieses Kapitel detailliert die Ursprungsgedanken von Kaplan und Norton, beschreibt die vier klassischen Perspektiven und verdeutlicht die Bedeutung von Ursache-Wirkungsketten.
5 Unternehmensübergreifende Anwendungen der Balanced Scorecard: Untersuchung von BSC-Varianten, die über das Einzelunternehmen hinausgehen, wie die Stakeholder-, Netzwerk-, Supply Chain- und Environmental Scorecard.
6 Anwendungen der Balanced Scorecard auf Konzern- und Unternehmensleitungsebene: Vorstellung von Instrumenten zur Risikosteuerung, Wertorientierung und Nachhaltigkeit sowie zur Konzernsteuerung und Berichterstattung.
7 Anwendungen der Balanced Scorecard in betrieblichen Teilbereichen: Analyse der BSC-Adaption für spezifische Funktionsbereiche, darunter Marketing, interne Revision, Personalmanagement, Logistik und IT.
8 Weitere ausgewählte innovative Konzepte der Balanced Scorecard: Kurzvorstellung ergänzender Ansätze wie der Wissens-Scorecard und der Projekt-Scorecard.
9 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der vorgestellten Balanced Scorecard Konzepte: Zusammenfassende tabellarische Bewertung der vorgestellten BSC-Konzepte anhand spezifischer Kriterien zur Innovationsmessung.
10 Ausblick: Dieses Kapitel reflektiert die kontinuierliche Weiterentwicklung der BSC und wagt eine Prognose zur künftigen Bedeutung von Stakeholder-orientierten Modellen und der Komplexitätssteigerung in der Anwendung.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Strategieumsetzung, Kennzahlensysteme, Innovation, Unternehmenswert, Risikomanagement, Supply Chain Management, Stakeholder-Ansatz, Ursache-Wirkungsketten, Performance Measurement, Nachhaltigkeit, Wissensmanagement, Projektsteuerung, Reporting, Controlling.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Anwendung der Balanced Scorecard (BSC) als innovatives Management- und Steuerungsinstrument, das über den ursprünglichen Ansatz von Kaplan und Norton hinausgeht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Anpassung der BSC an verschiedene Unternehmenskontexte wie Supply Chain Management, Risikomanagement, Personalwesen, Marketing und IT, sowie die Integration von Stakeholder-Interessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, eine breite Auswahl innovativer BSC-Anwendungen vorzustellen und zu bewerten, um aufzuzeigen, wie das Instrumentarium zur besseren Strategieumsetzung in unterschiedlichen Ebenen und Funktionen eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse. Sie greift auf aktuelle Fachpublikationen und Studien zurück, um die verschiedenen BSC-Konzepte methodisch hergeleitet und anhand spezifischer Kriterien (z. B. neue Perspektiven, Darstellungsformen) zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Blöcke: unternehmensübergreifende Anwendungen, Anwendungen auf Konzern- und Leitungsebene sowie funktionsspezifische Anwendungsformen der BSC.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Balanced Scorecard, Strategieumsetzung, Performance Measurement, Ursache-Wirkungsketten, Stakeholder-Ansatz, Wertmanagement und Risikomanagement.
Was unterscheidet die "Balanced Chance- & Risk-Card" vom klassischen Modell?
Im Gegensatz zum klassischen Modell integriert sie gezielt Risikomanagement-Aspekte und betrachtet Chancen und Risiken gleichzeitig, um den Unternehmenswert steuerbar zu machen.
Warum ist die "Value Scorecard" für Unternehmen relevant?
Sie schließt die Lücke zwischen dem rein monetären Wertmanagement (z. B. Shareholder Value) und den nicht-monetären, strategischen Erfolgsfaktoren, um den Unternehmenswert operativ für Mitarbeiter steuerbar zu machen.
Welchen Stellenwert nimmt die "Environmental Scorecard" ein?
Sie dient dazu, ökologische Nachhaltigkeitsaspekte und Umweltnormen systematisch in das strategische Controlling einzubinden, indem sie Umweltaspekte als zusätzliche Dimension in die BSC integriert.
- Arbeit zitieren
- Martin Rudolph (Autor:in), 2005, Innovative Anwendungen der Balanced Scorecard, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/47736