Die vorliegende, auf einem Vortrag im Rahmen des Studienmoduls qualitative Forschungsstrategien II des Studiengangs der angewandten Forschung in der Sozialen Arbeit an der Hochschule München basierende Ausarbeitung, befasst sich thematisch mit der Biographieforschung legt dabei den Schwerpunkt allerdings auf die Auswertung erhobener Verbaldaten. Es wird die Zielsetzung von biographischer Forschung ebenso geklärt, wie auch die Vorstellung einiger zentraler, erzähltheoretischer Grundannahmen erfolgt und sodann auf den Verfahrensablauf der Erhebung eingegangen wird. Außerdem werden schließlich noch die biographietheoretischen Grundlagen beleuchtet sowie auf eine zugeschnittene Auswertungsstrategie für mit Hilfe des narrativen Interviews gewonnene Verbaldaten in Anlehnung an Fritz Schütze eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung ins Thema
2. Zur Zielsetzung biographischer Forschung
3. Erzähltheoretische Grundannahmen
4. Zum Erhebungsverfahren und seinem Ablauf
5. Biographietheoretische Grundlagen
6. Zur Analyse von Erzähltext mit einer zugeschnittenen Auswertungsstrategie nach Fritz Schütze
7. Verwendete Literatur sowie Internet- und sonstige Quellen
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit setzt sich mit der Biographieforschung und dem narrativen Interview auseinander und beleuchtet die damit verbundenen Methoden zur Datenerhebung sowie deren Auswertung. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen des narrativen Verfahrens nach Fritz Schütze darzulegen und einen systematischen Leitfaden für die Analyse von Erzähltexten in der qualitativen Sozialforschung zu bieten.
- Grundlagen und Zielsetzungen der Biographieforschung
- Erzähltheoretische Grundannahmen und narrative Erhebungsmethoden
- Biographietheoretische Konzepte nach Fritz Schütze
- Prozessanalyse und Auswertungsstrategien für narrative Interviews
- Methodik der Fallrekonstruktion und Typenbildung
Auszug aus dem Buch
3. Erzähltheoretische Grundannahmen
Anschließend an Erkenntnisse, der linguistischen Erzählforschung basiert das narrative Interview auf einigen zentralen, erzähltheoretischen Grundannahmen, die als theoretische Hintergrundfolie zum narrativen Verfahren bedeutsam sind und auf die deshalb im Folgenden eingegangen wird. Eine dieser zentralen Annahmen ist, dass es mit dem narrativen Interview möglich wird, Verbaldatentexte mit hohem Authentizitätsgrad zu erzeugen, weil die interviewte Person im Rahmen von unvorbereitet, spontanen und alltagssprachlich gehaltenen Steigreiferzählungen, wie sie mit diesem Erhebungsverfahren hervorgelockt werden, die Möglichkeit erhält, lebensgeschichtliche Erfahrung, ohne vorherige Planung und Überlegung in jener Erfahrungsaufschichtung, in jenen Relevanzsetzungen, in jenen Fokussierungen zu reproduzieren, wie sie für ihre eigene Identität konstitutiv, wie auch handlungsrelevant ist und damit einen durchlebten sozialen Prozesses der Entwicklung und Wandlung biographischer Identität - zumindest während der Anfangs- oder auch Haupterzählung unterbrechungsfrei transportiert.
Der Einfluss durch den Interviewer oder die Interviewerin auf den Kommunikationsverlauf wird auf diese Weise so gering wie möglich gehalten. Eine weitere zentrale Annahme ist, dass die Erfahrungsaufschichtungen, welche narrativ dargeboten werden, in Form von kognitiven Figuren, verstanden als Ordnungsprinzipien der darstellungsmäßigen Erfahrungsrekapitulation im menschlichen Gehirn zu finden sind. Zu den für eine Sachverhaltsdarstellung aus Sicht des Erzählers unabdingbaren kognitiven Figuren/Ordnungsprinzipien der darstellungsmäßigen Erfahrungsrekapitulation gehören: die handelnden Personen, die Ereigniskette des Erzählten und Erfahrenen, die Situation in der ein Ereignis stattgefunden hat bzw. eine Erfahrung gemacht wird, sowie die eigene Bewertung im Hinblick auf das zurückliegende Ereignis bzw. die gemachte Erfahrung. Jene Ordnungsprinzipien, die bei einer Stegreiferzählung reaktiviert werden, helfen Informanten ihre Erzählungen zu strukturieren und die notwendigen Selektionsprozesse, sowie Relevanzsetzungen zu vollziehen, um so zu tragfähigen Verknüpfungen im Rahmen biographischer Arbeit zu gelangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung ins Thema: Dieses Kapitel erläutert den Entstehungskontext der Arbeit und skizziert den methodischen Aufbau sowie die Berücksichtigung von Gender Mainstreaming.
2. Zur Zielsetzung biographischer Forschung: Hier werden die Rekonstruktion von Lebensgeschichten sowie die Bedeutung subjektiver Deutungsmuster für das Verständnis sozialer Prozesse thematisiert.
3. Erzähltheoretische Grundannahmen: Das Kapitel führt in die zentralen Annahmen des narrativen Interviews ein, insbesondere die Rolle von Stegreiferzählungen und kognitiven Figuren.
4. Zum Erhebungsverfahren und seinem Ablauf: Es wird das Prinzip der Offenheit beim Interviewen sowie der dreigeteilte Ablauf des narrativen Interviews detailliert beschrieben.
5. Biographietheoretische Grundlagen: Dieses Kapitel stellt die Heuristik biographischen Handelns nach Fritz Schütze und die vier idealtypischen Prozessstrukturen vor.
6. Zur Analyse von Erzähltext mit einer zugeschnittenen Auswertungsstrategie nach Fritz Schütze: Der Fokus liegt hier auf den konkreten Schritten der prozessanalytischen Auswertung von narrativen Interviews, von der Fallauswahl bis zur theoretischen Sättigung.
7. Verwendete Literatur sowie Internet- und sonstige Quellen: Dieses Kapitel listet sämtliche verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Online-Ressourcen auf.
Schlüsselwörter
Biographieforschung, narratives Interview, Stegreiferzählung, Fritz Schütze, qualitative Sozialforschung, Fallrekonstruktion, biographische Identität, Auswertungsstrategie, prozessanalytische Fragestellung, kognitive Figuren, Lebensgeschichte, theoretische Sättigung, Narrationsanalyse, Subjektivität, Handlungsmuster
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theoretischen und methodischen Grundlagen der Biographieforschung unter besonderer Berücksichtigung des narrativen Interviews und der Auswertungsstrategien nach Fritz Schütze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rekonstruktion von Lebensgeschichten, die theoretischen Konzepte hinter dem narrativen Erzählen sowie die prozessanalytische Datenauswertung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Darstellung der biographischen Fallanalyse, um Forschenden einen Leitfaden für die Arbeit mit narrativen Verbaldaten zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird der qualitativ-rekonstruktive Ansatz der Biographieforschung verwendet, wobei der Schwerpunkt auf der prozessanalytischen Methode nach Fritz Schütze liegt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert erzähltheoretische Grundannahmen, den Ablauf von Erhebungsverfahren, biographietheoretische Grundlagen sowie konkrete Analyseschritte wie Transkription und Fallvergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. Biographieforschung, narratives Interview, Fallrekonstruktion, Stegreiferzählung und prozessanalytische Auswertung.
Was genau versteht man unter dem Begriff "Stegreiferzählung" im Kontext dieser Arbeit?
Es handelt sich um eine spontane, unvorbereitete und alltagssprachliche Darstellung lebensgeschichtlicher Erfahrungen, die durch das narrative Interview ausgelöst wird.
Warum spielt die Unterscheidung von "immanenten" und "exmanenten" Nachfragen eine wichtige Rolle?
Diese Differenzierung ist entscheidend für die Qualität der Analyse, da immanente Nachfragen der Verdichtung des bereits Erzählten dienen, während exmanente Nachfragen neue Themengebiete erschließen.
Wie geht die Methode mit dem "Chaos" bei Erzählungen um, etwa bei dementen Personen?
Die Analyse geht davon aus, dass auch in chaotisch wirkenden Erzählungen eine innere Ordnung existiert, die symptomatisch für die biographische Erfahrung ist und durch behutsame Interpretation entschlüsselt werden kann.
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- Stephan Walk (Author), 2019, Biographieforschung und narratives Interview, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/470640