Wie entsteht eine kollektive Identität? Diese Frage ist besonders interessant in Hinblick auf Städte beziehungsweise Länder und ihre Einwohner. Die zentrale Forschungsfragen dieser Ausarbeitung ist: Was ist Identität und in welcher Form kommt sie in Gemeinschaften und Nationen vor? Und inwiefern lässt sich anhand der Stadt Covadonga der Ausdruck kollektiver Identität veranschaulichen?
Um diese Frage zu beantworten ist zunächst die theoretische Grundlage erforderlich, welche durch die Definition der Begriffspaare personale Identität und kollektive Identität erfolgt. Mit Hilfe der Definitionsversuche von nationaler Identität und dem Mythos als Ausdruck nationaler Identität wird eine Grundlage geschaffen, um Covadonga diesbezüglich zu analysieren.
Es wird gezeigt, dass der Mythos genügend Informationen bietet, um den Gruppenmitgliedern Anhaltspunkte zur Identifikation zu geben. Gleichermaßen ist er so frei in seiner Auslegung, dass sich eine breite Masse über den Mythos identifizieren kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Identitätsbegriff
1.1 Kollektive Identität: Der normierende und rekonstruktive Typus
1.2 Nationale Identität
1.3 Mythos als Ausdruck nationaler Identität
1.4 Herleitung und Grundlage der Analyse Covadongas
2. Covadonga
2.1 Die Schlacht von Covadonga
2.2 Covadonga als Mythos
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wesen von Identität in Gemeinschaften und Nationen und analysiert, inwiefern der Mythos von Covadonga als Ausdruck kollektiver Identitätsbildung fungiert und zur Identifikation beitragen kann.
- Theoretische Fundierung von personaler und kollektiver Identität
- Analyse des Begriffs der nationalen Identität
- Untersuchung der identitätsstiftenden Funktion von Mythen
- Historische Einordnung der Schlacht von Covadonga
- Analyse von Covadonga als identitätsstiftender Mythos
Auszug aus dem Buch
1. Identitätsbegriff
Um sich der spanischen, nationalen Identität zu nähern ist es zunächst erforderlich, den Begriff der Identität zu definieren und für die folgende Analyse festzulegen. Der Begriff Identität wird als theoretischer Grundbegriff in der Psychologie, Soziologie und Ethnologie verwendet (vgl. Straub 1998: 73). Im politikwissenschaftlichen Sinn wird er oft im Sinn eines Zugehörigkeitsgefühls gebraucht (vgl. Riketta und Wakenhut 1998: 17). Der Duden definiert den Begriff der Identität wie folgt:
,,1. a. Echtheit einer Person oder Sache; völlige Übereinstimmung mit dem, was sie ist oder als was sie bezeichnet wird. […] b. als ,,Selbst“ erlebte innere Einheit der Person. […] 2. völlige Übereinstimmung mit jemandem, etwas in Bezug auf etwas; Gleichheit.“ (Duden 2019).
Beide Bedeutungsvarianten des Begriffs Identität, nach dem Duden definiert, implizieren eine Einheit oder Übereinstimmung. Entscheidender Unterschied zwischen den Bedeutungsvarianten ist die Hinzunahme von mindestens einer weiteren Person oder Sache in der zweiten Bedeutungsvariante und dessen Verhältnis zueinander. Es existiert demnach eine Relation zwischen dem Ich und dem Wir bezüglich der Identität. Man spricht in diesem Kontext von Personaler Identität und Kollektiver Identität (vgl. Straub 1998: 83, 96). In seiner Analyse zur personalen und kollektiven Identität beschreibt Straub Personale Identität als Konstrukt, welches kein Mensch einfach inne hat, sondern gebildet wird und im Bezug auf Erfahrungen und Erwartungen erhalten werden muss. Er ergänzt, dass Identität immer nur ein temporäres Ergebnis kreativer und konstruktiver Prozesse sei (vgl. ebd., 1998: 93).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage zum Wesen der Identität und der Rolle Covadongas für die kollektive Identitätsbildung.
1. Identitätsbegriff: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Identitätsbegriff, unterschieden in personale und kollektive Identität sowie deren Bedeutung für Nationen.
1.1 Kollektive Identität: Der normierende und rekonstruktive Typus: Differenzierung zwischen dem normierenden und rekonstruktiven Typus kollektiver Identität hinsichtlich ihrer Entstehungsweise und Gruppenzugehörigkeit.
1.2 Nationale Identität: Verknüpfung der Begriffe Nation und Identität zur Erklärung nationaler Zugehörigkeitsgefühle und politischer Gemeinschaften.
1.3 Mythos als Ausdruck nationaler Identität: Untersuchung der Funktion von Mythen bei der Konstruktion und Repräsentation nationaler Identität.
1.4 Herleitung und Grundlage der Analyse Covadongas: Methodische Herleitung zur Anwendung der theoretischen Parameter auf den Forschungsgegenstand Covadonga.
2. Covadonga: Geografische und historische Einführung in den Ort Covadonga als Symbolort.
2.1 Die Schlacht von Covadonga: Darstellung der historischen und überlieferten Aspekte der Schlacht von Covadonga.
2.2 Covadonga als Mythos: Analyse, inwiefern Covadonga die Kriterien eines identitätsstiftenden Mythos erfüllt.
Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse über die Verbindung von Mythos und kollektiver Identität am Beispiel Covadonga.
Schlüsselwörter
Identität, Kollektive Identität, Personale Identität, Nationale Identität, Mythos, Covadonga, Nation, Gesellschaft, Identifikationsfigur, Reconquista, Soziales Konstrukt, Ursprungsmythos, Spanien, Symbolik, Wir-Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das theoretische Konzept der Identität und analysiert, wie Mythen dazu beitragen können, kollektive Identität innerhalb von Nationen zu stiften und aufrechtzuerhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Definition von personaler und kollektiver Identität, die Bedeutung des Begriffs Nation sowie die Funktion von Mythen als Instrument zur Identitätsstiftung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, was Identität ist, wie sie in Gruppen vorkommt und inwiefern der Mythos von Covadonga zur Veranschaulichung kollektiver Identitätsbildung dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit verwendet eine theoretische Fundierung durch einschlägige soziologische und politikwissenschaftliche Literatur, die anschließend auf den spezifischen historischen Fall Covadonga angewandt wird.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Identitätstheorien (personale vs. kollektive Identität, normierende vs. rekonstruktive Identität) erläutert, gefolgt von einer Analyse des Mythos-Begriffs und einer historischen Untersuchung der Schlacht von Covadonga.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Identität, kollektive Identität, Nation, Mythos, Covadonga und soziale Konstruktion charakterisiert.
Welche Rolle spielt der Begriff des Helden im Mythos von Covadonga?
Der Held, in diesem Fall Don Pelayo, dient als Identifikationsfigur, die einen aussichtslosen Kampf aufnimmt und durch eine höhere Wendung gewinnt, wodurch er als Symbol für die Gruppe instrumentalisiert werden kann.
Warum ist laut der Arbeit Identität ein soziales Konstrukt?
Identität wird nicht einfach besessen, sondern durch kreative Prozesse und im stetigen Wandel in Bezug auf Erfahrungen und Erwartungen gebildet, weshalb sie, insbesondere im kollektiven Kontext, als soziales Konstrukt verstanden werden muss.
- Quote paper
- Mathis Miener (Author), 2019, Mythos, Identität und Nation. Covadonga als Ausdruck der kollektiven Identitätsbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/468306