Diese Arbeit beschäftigt sich mit der politischen Bildung zur Zeit der Nachkriegszeit sowie der Nachwendezeit. Dabei soll in einer vergleichenden Gegenüberstellung der gesellschaftlichen und schulischen Umstände sowie der zu dieser Zeit stattfindenden politischen Bildung, eine Aussage darüber getroffen werden, inwieweit politische Bildung einen Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung sowie Umerziehung leisten sollte und kann.
Um sich der Thematik der politischen Bildung anzunähern beginnt die Arbeit mit einem einleitenden Überblick. Dieser bezieht sich mit Schwerpunkt auf die aktuellen Herausforderungen und Ansprüche der politischen Bildung im Schulalltag. Das nachfolgende Kapitel widmet sich der Nachkriegszeit. Zunächst wird die gesellschaftliche Ausgangslage der ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg beschrieben und auf die schulische Situation jener Zeit eingegangen. Damit soll gezeigt werden, unter welchen Gegebenheiten politische Bildung stattfand.
Daraufhin widmet sich die Arbeit der politischen Bildung auf Grundlage der vorangegangenen gesellschaftlichen und schulischen Hintergründe. Hier wird primär auf den amerikanischen Einfluss eingegangen sowie auf den politischen Diskurs von deutscher Seite. Im sich anschließenden Kapitel wird die Nachwendezeit nach gleicher Vorgehensweise analysiert, um eine adäquate Vergleichbarkeit der beiden Epochenzäsuren gewährleisten zu können. Es folgt ein abschließendes Resümee, das eine kritische Auseinandersetzung mit der politischen Bildung generell sowie nach den beiden Epochenzäsuren beinhaltet.
Die andauernde Sensibilität des Diskurses um politische Bildung liegt nicht zuletzt daran, dass in der jüngeren deutschen Geschichte Bespiele für "Fehlformen" der politischen Bildung als Unterrichtsprinzip existieren. Ein klarer Widerspruch zu den, im Beutelsbacher Konsens festgelegten, Richtlinien für politische Bildung geschah in den Unterrichten der Nationalsozialisten sowie in der DDR. In diesen Regimen fand eine künstliche Politisierung der Fächer, eine Indienstnahme des Unterrichts für sachfremde Zwecke sowie eine politische Indoktrination statt. Besonders interessant ist, wie die politische Bildung mit diesen "Fehlformen" in der unmittelbaren Retrospektive umgegangen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. POLITISCHE BILDUNG: EINE EINFÜHRUNG
3. NACHKRIEGSZEIT
3.1 GESELLSCHAFTLICHE AUSGANGSLAGE
3.2 SCHULISCHE AUSGANGSLAGE
3.3 POLITISCHE BILDUNG
4. NACHWENDEZEIT
4.1 GESELLSCHAFTLICHE AUSGANGSLAGE
4.2 SCHULISCHE AUSGANGSLAGE
4.3 POLITISCHE BILDUNG
5. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und den Wandel der politischen Bildung in Deutschland anhand eines Vergleichs der Nachkriegszeit und der Nachwendezeit. Dabei steht die zentrale Frage im Mittelpunkt, inwieweit politische Bildung in diesen beiden Epochenzäsuren einen Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung sowie zur Umerziehung und Demokratisierung leisten konnte und sollte.
- Vergleichende Analyse gesellschaftlicher und schulischer Rahmenbedingungen
- Einfluss der amerikanischen Umerziehungspolitik auf das deutsche Bildungssystem
- Herausforderungen der politischen Bildung im Prozess der inneren Einheit
- Rolle des Beutelsbacher Konsenses als normativer Orientierungsrahmen
- Zusammenhang zwischen politischer Sozialisation und demokratischem Bewusstsein
Auszug aus dem Buch
3.2 Schulische Ausgangslage
„Durch die Hitler-Schulen sind die Schüler verseucht, die Gebäude in Trümmer gelegt; die Natur ist nicht nur Kampf, der Mensch hat ein höheres Ziel: Edel sei der Mensch. Zu dieser antifaschistischen Weltanschauung muß[sic] die Schule und der Lehrer erzogen werden, was nicht durch ein Sofortprogramm, sondern durch langsamen Aufbau ohne Unterstützung geschehen muß[sic]...“ (Schiller 1993, S. 29)
Dieses Zitat entstammt der ersten Lehrerkonferenz der 32. Volksschule (ehemals Rütli-Schule), knapp sechs Wochen nach Kriegsende. Es spiegelt, auf erschütternde und nüchterne Art und Weise zugleich, wieder, wie es um die schulische Ausgangslage der Nachkriegszeit stand.
Die im vorangegangenen Kapitel angesprochene materielle Not nahm einen bedeutenden Einfluss auch auf die schulische Situation und hatte katastrophale Unterrichtsbedingungen zur Folge. Zur Verdeutlichung dieser Umstände soll beim Berliner Beispiel geblieben werden, von den 1933 noch vorhandenen 608 Schulgebäuden im Großraum Berlin waren im Jahre 1945 noch 292 für einen behelfsmäßigen Schulbetrieb zu gebrauchen. Dies lag zum einen an der Zerstörung der Schulgebäude und zum anderen daran, dass die noch vorhandenen Gebäude oftmals zu Krankenhäusern für Verwundete umfunktioniert wurden (vgl. ebd., S. 30). Dies führte gerade zu Anfang der Nachkriegszeit zu einem enormen infrastrukturellen schulischen Mangel. Zu Ende des Schuljahres 1945/46 kamen auf 4700 Klassenräume in Berlin im Durchschnitt je 80 Schüler, in dichtbesiedelten Gebieten war diese Zahl jedoch teilweise deutlich höher (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Thema der politischen Sozialisation ein und erläutert die Bedeutung des Beutelsbacher Konsenses sowie die Zielsetzung des Vergleichs zwischen Nachkriegszeit und Nachwendezeit.
2. POLITISCHE BILDUNG: EINE EINFÜHRUNG: Dieses Kapitel skizziert die Entstehung und Entwicklung der politischen Bildung als wissenschaftliches Konstrukt und die damit verbundenen Diskursverläufe seit den 1970er Jahren.
3. NACHKRIEGSZEIT: Es wird die gesellschaftliche und schulische Ausgangslage direkt nach 1945 analysiert, wobei der Fokus auf dem zerstörten Bildungswesen und den Umerziehungsbemühungen der Alliierten liegt.
3.1 GESELLSCHAFTLICHE AUSGANGSLAGE: Dieses Unterkapitel beschreibt die materielle Not und die psychologische Situation einer Gesellschaft, die den Zusammenbruch des NS-Regimes verarbeiten musste.
3.2 SCHULISCHE AUSGANGSLAGE: Der Text beleuchtet die katastrophalen materiellen und personellen Bedingungen an den Schulen unmittelbar nach dem Krieg.
3.3 POLITISCHE BILDUNG: Es wird der Fokus auf die amerikanische Umerziehungspolitik (Reeducation) und deren Ziel der Demokratisierung der deutschen Bevölkerung gelegt.
4. NACHWENDEZEIT: Hier wird der Transformationsprozess des ostdeutschen Bildungssystems und die Integration in das westdeutsche Modell nach 1990 thematisiert.
4.1 GESELLSCHAFTLICHE AUSGANGSLAGE: Das Unterkapitel analysiert die Unterschiede im Demokratieverständnis zwischen Ost- und Westdeutschen sowie die psychosozialen Folgen der SED-Diktatur.
4.2 SCHULISCHE AUSGANGSLAGE: Es wird der Transfer des westdeutschen Bildungssystems auf die neuen Bundesländer und die Kontinuität der Lehrerschaft kritisch betrachtet.
4.3 POLITISCHE BILDUNG: Dieses Kapitel erläutert den Anspruch der politischen Bildung in der Nachwendezeit, Identität zu stiften und die innere Einheit durch Demokratiebildung zu fördern.
5. RESÜMEE: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über das Potenzial der politischen Bildung zur Vermittlung eines staatsbürgerlichen Demokratieverständnisses in beiden Epochen.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Nachkriegszeit, Nachwendezeit, Beutelsbacher Konsens, Demokratisierung, Reeducation, politische Sozialisation, Schulalltag, Umerziehung, Transformation, politische Kultur, Geschichtsbewusstsein, Partizipation, Demokratie-Lernen, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der politischen Bildung in Deutschland und vergleicht dabei die historische Zäsur der Nachkriegszeit mit der Nachwendezeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die gesellschaftlichen und schulischen Ausgangslagen der jeweiligen Epochen sowie die Ansätze, politische Bildung als Instrument der Demokratisierung und zur Vergangenheitsbewältigung zu nutzen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der politischen Bildungsarbeit nach 1945 und 1990 aufzuzeigen und zu analysieren, wie politische Bildung zur Ausbildung eines demokratischen Bewusstseins beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Analyse, bei der die gesellschaftspolitischen Umstände und deren Einfluss auf die didaktischen Konzepte in der Schule einander gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die materielle, personelle und gesellschaftliche Lage nach dem Zweiten Weltkrieg sowie nach der Wiedervereinigung, immer unter dem Aspekt der jeweiligen Bildungsaufträge.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die wichtigsten Begriffe sind Politische Bildung, Beutelsbacher Konsens, Reeducation, Transformation und demokratische Partizipation.
Welche besondere Rolle spielte die amerikanische Besatzungspolitik in der Nachkriegszeit?
Die Amerikaner initiierten mit dem Konzept der "Reeducation" eine tiefgreifende Reform des deutschen Bildungswesens, um die Bevölkerung von totalitären Ideologien zu lösen und ein demokratisches Grundverständnis als Lebensform zu etablieren.
Warum wird die Lehrerschaft in der Nachwendezeit kritisch diskutiert?
Da in den neuen Bundesländern ein hoher Anteil des Lehrpersonals bereits zu DDR-Zeiten tätig war, wird problematisiert, dass eine Aufarbeitung der jüngeren Geschichte im Unterricht teilweise nur unzureichend stattfand.
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- Jan Dissemond (Author), 2019, Die politische Bildung der Nachkriegszeit und der Nachwendezeit. Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/465035