Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie durch die Übertragung von Poetik in Comics Emotionen transportiert werden können. Neben der Erläuterung verschiedener Fachliteratur zu der aufgeführten Thematik wird anhand des Beispiels von "Kafka Kurz und Knapp" deutlich gemacht, wie Sprache und Bilder sich bei dem Transport von Emotionen gegenseitig unterstützen.
Bilder unterstützen Sprache seit Beginn der Aufzeichnungen. Letztlich ist auch ein geschriebener Buchstabe nichts anderes als das erlernte Bild eines Lautes. Dennoch, im besonderen Maße begegnet uns diese Bildhaftigkeit im Genre der Comics. Mit Auflagenzahlen, die bei den meisten anderen Gattungen von Literatur utopisch erscheinen würden und dem regen Tausch- und Sammelmarkt, der vermutlich unerreicht ist, sind Comics Teil und extremes Beispiel der Massenliteratur. Doch kann man auch im Comic von Poesie und Poetik sprechen? Der Bekanntheitsgrad vieler Comicfiguren ist höher als der von Politikern, und auch die verwendete Sprache hat vor allem in der Jugendsprache großen Anklang gefunden und wurde als Wort oder Phrase übernommen. Comics sind somit zu einem, wenn nicht sogar zu, "dem" literarischen Vertreter, unserer Alltagskultur geworden.
Aber kann ein häufig als literarisch Minderwertig deklariertes Medium als Werkzeug der Poesie genutzt werden? Der erwähnte Gedanke, dass Worte Emotionen auslösen können, findet sich auch in der bildnerischen Kunst wieder. Ein Bild kann beim Betrachter Emotionen auslösen. Die unsichtbare Welt der Emotionen kann sowohl in den Panels, als auch außerhalb dieser dargestellt werden. Emotionen werden in Comics nicht nur anhand der Bilder und Graphiken, sondern auch durch die Sprache also Worte transportiert.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Theoretische Grundlagen
1. Comic und Poetik
a) das Comic
b) Kommunikationsebenen
c) Sprech- und Gedankenblasen
d) Erzählertext
2. Sprache und Emotionen
a) Funktion von Sprache
b) Sprache und Gefühle
III. Klassiker für Kinder - „Kafka KURZ UND KNAPP“ (1995) - Comicanalyse
a) Inhaltlicher Überblick
b) Formale Gestaltung
c) Die Beziehung zum Vater
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie durch die Übertragung poetischer Inhalte in das Medium Comic Emotionen transportiert werden können. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie ein als literarisch minderwertig deklariertes Medium als Werkzeug für Poesie dienen kann, um den Rezipienten emotional zu erreichen und an komplexe Themen heranzuführen.
- Theoretische Grundlagen des Mediums Comic und seiner spezifischen Erzählstrukturen.
- Analyse der Funktionen von Sprache und deren Einfluss auf die Gefühlswelt des Lesers.
- Untersuchung von Mairowitz' und Crumbs Comic-Adaption "Kafka Kurz und Knapp".
- Rolle der Vater-Sohn-Beziehung im Werk von Franz Kafka im Kontext der Comic-Inszenierung.
- Die Wechselwirkung zwischen Bildsprache und Text bei der Vermittlung von Emotionen.
Auszug aus dem Buch
Die Beziehung zum Vater
Einer detaillierten Analyse wird in diesem Teil die Darstellung des Verhältnisses zwischen Kafka und seinem Vater unterzogen, welches traditionell einen Kernbereich der Kafka-Forschung markiert und vielfach als Grundlage für die Interpretation von Kafka Texten genutzt wird. Hermann Kafka wird in Mairowitz‘ und Crumbs‘ Band in 13 Panels dargestellt und taucht damit häufiger auf, als jede andere Persönlichkeit aus Kafkas Leben. Darüber hinaus wird er in den kommentierenden Texten oftmals erwähnt, beispielsweise in den Anmerkungen zum „Urteil“, wo er unmissverständlich als Vorbild der Figur des Vaters in dieser frühen Erzählung Kafkas interpretiert wird. Zudem trägt der Vater Gregor Samsas aus der „Verwandlung“ ein Hermann Kafka sehr ähnliches Gesicht, wodurch die Bedeutung des Vaters unterstrichen wird.
Auf Seite 26 wird Herrmann Kafka in einem Porträtbild als eigene Figur eingeführt (Abb. 2), wobei der Blockkommentar links neben diesem auf die hohe Bedeutung hinweist, die Mairowitz der Vaterfigur anrechnet. Das Porträt zeigt den Vater aus einer leichten Untersicht, mit massigem Kopf und eine halbe Seite ausfüllend. So verdeutlichen sowohl der Text als auch das Bild die Wichtigkeit und immense Autorität Herrmann Kafkas, die auf seinen Sohn in hohem Maße ausstrahlte. Gleich auf der nächsten Seite wird dieses Machtverhältnis unmissverständlich veranschaulicht; im Blockkommentar heißt es: „Für Kafka Senior, einen Riesen von Mann, war sein Sohn eine Niete, ein ‚Schlemihl‘, kurz, eine Enttäuschung. Er machte nie einen Hehl daraus.“35 Die auf diesen Kommentar bezogene Sequenz stellt das Verhältnis visuell dar und greift wesentliche Punkte aus Kafkas „Brief an den Vater“ auf.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Macht des geschriebenen Wortes ein und stellt die Kernfrage, inwiefern Comics als Medium für poetische Inhalte und den Transport von Emotionen dienen können.
II. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Besonderheiten des Comics als Kunstform, die Funktionen der Sprache sowie psychologische Ansätze zur Bedeutung von Gefühlen in der Kommunikation.
III. Klassiker für Kinder - „Kafka KURZ UND KNAPP“ (1995) - Comicanalyse: Hier wird der Sach-Comic von Mairowitz und Crumb inhaltlich, formal und hinsichtlich der zentralen Vater-Sohn-Thematik tiefgehend untersucht.
IV. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass durch die spezifische Gestaltung des Comics emotionale Reaktionen ausgelöst werden, die Empathie und Identifikation beim Leser fördern.
Schlüsselwörter
Comic, Poetik, Emotionen, Kafka, Literaturwissenschaft, Sprache, Bild, Vater-Sohn-Beziehung, Textrezeption, Emotionalisierung, Kommunikation, Bildsprache, Comicanalyse, Adaption, Gefühlswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Übertragung poetischer Inhalte in das Medium Comic und analysiert, wie dadurch Emotionen beim Leser transportiert und geweckt werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Comicsprache, die Funktionen von Sprache und Emotionen sowie die detaillierte Analyse einer speziellen Comic-Adaption von Franz Kafkas Leben und Werk.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, ob ein häufig als minderwertig angesehenes Medium wie der Comic effektiv als Werkzeug für Poesie genutzt werden kann, um komplexe emotionale Inhalte zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Modelle der Sprachwissenschaft mit einer konkreten werkanalytischen Untersuchung eines Comics verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Aspekte zur Comicsprache und Emotionspsychologie sowie eine angewandte Analyse des Comics „Kafka Kurz und Knapp“ von Mairowitz und Crumb.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Poetik, Emotionen, Comicsprache, Literaturadaption, Vater-Sohn-Beziehung und Textrezeption.
Warum spielt die Vater-Figur in der Comicanalyse eine so zentrale Rolle?
Die Vater-Figur markiert einen Kernbereich der Kafka-Forschung, und die Autoren Mairowitz und Crumb nutzen diese Konstellation, um das von Kafka empfundene Machtgefälle visuell und narrativ im Comic darzustellen.
Wie trägt die bildliche Darstellung im Comic zur emotionalen Wirkung bei?
Durch die visuelle Gestaltung, wie etwa die unterschiedliche Körpergröße und die Anordnung der Panels, werden die in den Zitaten beschriebenen Machtverhältnisse und Gefühle wie Angst oder Unterdrückung für den Leser direkt erfahrbar gemacht.
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- Britta Liekmeier (Author), 2016, "Kafka Kurz und Knapp". Wie können Comics Emotionen transportieren?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/464095