Diese Arbeit untersucht den Leverage-Effekt im Verhältnis zum WACC- (Weighted Average Cost of Capital) Ansatz bei der Unternehmensbewertung. Wie der Begriff bereits ausdrückt, macht es sich die Unternehmensbewertung zur Aufgabe, Unternehmen oder Anteile an Unternehmen zu bewerten. Sie kann beispielsweise als Grundlage der Preisfindung für Unternehmenskäufe und -verkäufe dienen, aber auch als Basis für unternehmerisches Handeln genutzt werden. Gesetzliche Vorschriften, vertragliche Vereinbarungen und eine Reihe weiterer Gründe können ebenfalls Anlass für eine Unternehmensbewertung sein. Außerdem ist sie ein wesentlicher Bestandteil der Corporate Finance (=Unternehmensfinanzierung).
Das Ziel eines jeden Unternehmens ist es in aller Regel, Wachstum zu generieren und den Unternehmenswert somit zu steigern. Doch wie erlangt ein Unternehmen Wachstum? Während Manager des operativen Geschäfts Wachstum durch Umsatzsteigerungen oder Materialkosteneinsparung generieren können, was harter Arbeit gleichzusetzen ist, ist es Finanzmanagern möglich, durch geschicktes Handeln die Finanzierungsstruktur zu optimieren und somit durch Kapitalkosteneinsparungen den Unternehmenswert zu steigern.
Der Wert eines Unternehmens ist jedoch nicht allein von dem Handeln der Manager abhängig, äußere Bedingungen, wie die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, beeinflussen ihn ebenfalls. Ein erfolgreicher Manager muss sich daher nicht nur mit der Betriebswirtschaft bestens auskennen, sondern auch mit der Volkswirtschaft und dem aktuellen Weltgeschehen. Man kann ihn daher auch mit einem Piloten vergleichen. Denn um ein Flugzeug sicher steuern zu können, reicht es nicht aus, nur das Fliegen zu beherrschen, sondern man muss auch das nötige Wissen über die Wettereinflüsse besitzen.
Inhaltsverzeichnis
A) Hinführung zum Thema und Begriffsklärungen
B) Leverage-Effekt
I. Leverage-Chance
II. Leverage-Risiko
1. Verschuldungsgradabhängiger Fremdkapitalzins
2. Zu geringe Gesamtkapitalrendite
C) Die WACC Methode
I. Berechnung des Unternehmenswerts nach der WACC Methode
II. Ermittlung des WACC
D) Zusammenhang zwischen Leverage-Effekt und WACC Ansatz
E) Auswirkungen der Kapitalstruktur
I. Modigliani-Miller Theorem
II. Optimaler Verschuldungsgrad
F) Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Leverage-Effekt und der WACC-Methode bei der Unternehmensbewertung. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie sich die Kapitalstruktur eines Unternehmens auf dessen Wert auswirkt und unter welchen Bedingungen eine Optimierung der Fremdfinanzierungsquote möglich ist, um den Unternehmenswert langfristig zu steigern.
- Analyse des Leverage-Effekts als Hebel zur Steigerung der Eigenkapitalrendite.
- Untersuchung der WACC-Methode (Weighted Average Cost of Capital) zur Ermittlung des Unternehmenswerts.
- Gegenüberstellung von Rendite- und Kostensicht bei der Kapitalstrukturierung.
- Diskussion des Modigliani-Miller-Theorems und der Auswirkungen von Steuern sowie Insolvenzkosten.
- Bestimmung des optimalen Verschuldungsgrades als Entscheidungshilfe für das Management.
Auszug aus dem Buch
II. Leverage-Risiko
In der Praxis würden Fremdkapitalgeber – abweichend von dem zuvor aufgeführten Beispiel – keinem Unternehmen unbeschränkt Kredite gewähren. Außerdem steigt mit einem zunehmenden Einsatz von FK das Ausfallrisiko. Die Fremdkapitalzinsen spiegeln das Risiko des Kreditausfalls wieder. Das bedeutet je höher das Risiko ist, desto höhere Zinsen werden gefordert. Zwar lässt sich auch hier die Eigenkapitalrentabilität durch einen erhöhten VG steigern, allerdings nur so lange die Gesamtkapitalrentabilität größer als der Fremdkapitalzins ist. Die Eigenkapitalrendite ist anders als zuvor nur noch unterproportional vom VG abhängig, das heißt, die Wachstumsraten werden immer kleiner (siehe Anhang, Abbildung 3). Je höher die Renditeforderungen sind, umso schneller schwindet der positive Hebeleffekt der Leverage-Chance. Sobald der Fremdkapitalzins die Gesamtkapitalrentabilität übersteigt, nimmt die Eigenkapitalrentabilität wieder ab.
Gefahr kann auch eine unbeständige und zu geringe Gesamtkapitalrendite darstellen. Diese kann durch konjunkturelle Einflüsse, zunehmenden Wettbewerb und Kostenzunahmen absinken. Sollte die Gesamtkapitalrentabilität geringer als der Fremdkapitalzins ausfallen (rGK < rFK), dann sinkt die Eigenkapitalrendite mit wachsender Fremdkapitalquote. Sie sinkt linear (1) bei einem vom VG unabhängigen Fremdkapitalzins und überproportional (2), falls der Fremdkapitalzins mit zunehmenden VG zunimmt (siehe Anhang, Abbildung 4). Stark zyklischen Unternehmen, die in volatilen Branchen tätig sind, ist daher von einer zu starken Substitution des EK durch FK abzuraten.
Durch eine zunehmende Verschuldung kann sich für Unternehmen also eine Leverage-Chance ergeben, bei welcher die Rentabilität des eingesetzten EK steigt. Gleichzeitig verändert sich jedoch auch die Risikoposition der Eigen- und Fremdkapitalgeber und kann zu erhöhten Rendite- und Zinsforderungen führen.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Hinführung zum Thema und Begriffsklärungen: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Unternehmensbewertung und definiert die wesentlichen Kapitalarten sowie deren Bedeutung für das unternehmerische Wachstum.
B) Leverage-Effekt: Hier wird der Leverage-Effekt als Mechanismus zur Hebelung der Eigenkapitalrendite durch Fremdkapitaleinsatz unter Berücksichtigung von Chancen und Risiken dargestellt.
C) Die WACC Methode: Dieses Kapitel beschreibt das WACC-Verfahren als Entity-Methode zur wertorientierten Unternehmensbewertung und erläutert die Berechnung der gewogenen Kapitalkosten.
D) Zusammenhang zwischen Leverage-Effekt und WACC Ansatz: Es wird die mathematische Verbindung zwischen beiden Ansätzen aufgezeigt und die Perspektivverschiebung zwischen Investoren-Rendite und Management-Kapitalkosten thematisiert.
E) Auswirkungen der Kapitalstruktur: Dieser Abschnitt analysiert das Modigliani-Miller-Theorem und diskutiert, warum in einer realen Welt mit Steuern und Insolvenzkosten ein optimaler Verschuldungsgrad existiert.
F) Ausblick: Das Kapitel schließt mit einer Betrachtung der strategischen Rolle von Managern zur langfristigen Steigerung des Unternehmenswerts mittels MVA und ROIC-Optimierung.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Leverage-Effekt, WACC, Kapitalstruktur, Eigenkapitalrendite, Fremdkapital, Unternehmenswert, Modigliani-Miller, Kapitalkosten, Insolvenzrisiko, Tax Shield, Free Cashflow, Shareholder-Value, ROIC, MVA.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Analyse von Finanzierungsstrategien und deren Auswirkungen auf den Unternehmenswert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Leverage-Effekt, der WACC-Methode, den Wirkungen der Kapitalstruktur und der wertorientierten Unternehmensführung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der Wahl der Kapitalstruktur und der Unternehmensbewertung zu erläutern sowie die Kriterien für ein wertmaximierendes Finanzierungsmanagement aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse finanzwissenschaftlicher Modelle wie das Leverage-Konzept, die WACC-Berechnung und das M&M-Theorem unter Einbeziehung von Marktimperfektionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Leverage-Effekt, die WACC-Berechnung, der Einfluss der Kapitalstruktur auf den Firmenwert sowie die Optimierung durch Steuervorteile und Insolvenzkostenrisiken analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unternehmensbewertung, Kapitalstruktur, Leverage-Effekt, Kapitalkosten (WACC), Eigenkapitalrendite und Optimierung.
Wie beeinflusst das "Tax Shield" den optimalen Verschuldungsgrad?
Durch die steuerliche Abzugsfähigkeit von Fremdkapitalzinsen entsteht ein Steuervorteil (Tax Shield), der den Unternehmenswert bei steigender Verschuldung zunächst erhöht, bis er durch die Kosten steigender Insolvenzrisiken kompensiert wird.
Warum ist der Vergleich zwischen Rendite (Leverage) und Kosten (WACC) für Manager wichtig?
Während der Leverage-Effekt das Potenzial zur Renditesteigerung aufzeigt, fokussiert die WACC-Methode auf die Minimierung der Kapitalkosten. Beide Sichtweisen sind notwendig, um das Gleichgewicht für eine wertmaximierende Finanzierungsstruktur zu finden.
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- Alisa Frank (Author), 2017, Zum Leverage-Effekt im Verhältnis zum WACC-Ansatz bei der Unternehmensbewertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/464078