Die Frage nach der Entstehung und Entwicklung von Betriebstypen im Handel wird schon viele Jahrzehnte in der Handelsforschung und in der Praxis diskutiert. Neue Betriebstypen entstehen fortlaufend, erkämpfen
sich bestimmte Positionen am Markt oder verlieren an Bedeutung. Ein Beispiel aus einer aktuellen Studie zeigt, dass Discounter in den letzten Jahrzehnten besonders erfolgreich am deutschen Markt agieren und ihre
Marktanteile seit 1985 verdoppelt haben, während viele andere Betriebstypen dagegen Marktanteile verlieren. Die Betriebstypen im Handel sind einem Lebenszyklus unterworfen. Das Paper untersucht, welche Kriterien für die Bestimmung der Position von Einkaufsstätten im Lebenszyklus geeignet sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Dynamik der Betriebstypen im Handel
1.1 Aktuelle Entwicklungen der Betriebstypen
1.2 Theoretische Grundlagen der Dynamik von Betriebstypen
1.3 Das Lebenszykluskonzept der Betriebstypen im Handel
2 Unternehmensorientierte Positionsindikatoren im Lebenszyklus der Betriebstypen
2.1 Shareholder Value-orientierte Kennzahlen
2.2 Markenwert
3 Marktorientierte Positionsindikatoren im Lebenszyklus der Betriebstypen
3.1 Verknüpfung der Branchenstrukturanalyse mit dem Lebenszyklusmodell der Betriebstypen
3.2 Kunden
3.3 Aktuelle und potentielle Wettbewerber
3.4 Substitute und Lieferanten
4 Kritische Würdigung
4.1 Kritik am Lebenszykluskonzept
4.2 Kritische Betrachtung der Ergebnisse und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Handelsunternehmen die aktuelle Position ihrer Betriebstypen im Lebenszyklus bestimmen können, um rechtzeitig Handlungsbedarf zu erkennen und gezielte Umpositionierungsmaßnahmen einzuleiten. Dabei steht die Analyse unter Berücksichtigung dynamischer Aspekte im Vordergrund, wobei verschiedene Indikatoren auf ihre Eignung hin geprüft werden.
- Dynamik und theoretische Erklärungsansätze von Betriebstypen
- Einsatz von unternehmensorientierten Kennzahlen (Shareholder Value, EVA)
- Anwendung marktorientierter Indikatoren (Markenwert, Branchenstrukturanalyse)
- Analyse kundenbezogener Daten und Wettbewerbsfaktoren
- Kritische Würdigung des Lebenszykluskonzepts als Planungsinstrument
Auszug aus dem Buch
1.2 Theoretische Grundlagen der Dynamik von Betriebstypen
In der Handelsforschung wurde eine Reihe von theoretischen Erklärungsansätzen entwickelt, um der Fragestellung nach den Veränderungen der Betriebstypen im Handel gerecht zu werden. Einige der wichtigsten Ansätze sind hierbei der evolutionstheoretische Ansatz, der anpassungstheoretische Ansatz, der verdrängungstheoretische Ansatz und der lebenszyklustheoretische Ansatz. Darüber hinaus existieren mehrere weitere Erklärungsansätze. In diesem Zusammenhang ist das bereits 1931 entwickelte Konzept des „Wheel of Retailing“ von MCNAIR von Bedeutung, das auf einer Analyse der Entwicklung der Betriebstypen „Department Store“, „Chain Store“ und „Chain Department Store“ basiert. Das Konzept unterstellt, dass Betriebstypen ein bestimmtes Entwicklungsmuster im Zeitablauf durchlaufen. Die Entwicklung der Betriebstypen wird in mehrere Phasen unterteilt. In der Entstehungsphase versucht ein neuer Betriebstyp durch aggressive Preise in den Markt einzudringen. In der Aufschwungphase zeigt sich der Erfolg der preisaggressiven Politik: Die Umsätze und die Gewinne steigen. In der nachfolgenden Annäherungsphase setzt ein Trading-up des Betriebstyps ein. Sortiments- und Kundendienstausweitung wird zu Lasten der aggressiven Preispolitik durchgeführt. Die Preiserhöhungen führen zur Annäherung an bereits etablierte Betriebstypen. In der letzten Phase tritt eine vollständige Assimilation der Newcomer ein. Der Markt ist wieder reif für den Eintritt eines neuen preisaggressiven Betriebstyps. Auch NIESCHLAG verfolgt mit der „Dynamik der Betriebsformen“ ein ähnliches Konzept.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Dynamik der Betriebstypen im Handel: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Betriebstypenentwicklung und führt das Lebenszykluskonzept als zentrales Modell ein.
2 Unternehmensorientierte Positionsindikatoren im Lebenszyklus der Betriebstypen: Hier werden finanzwirtschaftliche Kennzahlen wie Shareholder Value und der Markenwert als Instrumente zur Bestimmung der Lebenszyklusphase untersucht.
3 Marktorientierte Positionsindikatoren im Lebenszyklus der Betriebstypen: Dieses Kapitel analysiert marktspezifische Faktoren wie Kundenverhalten, Wettbewerbsintensität und Substitutionsrisiken im Kontext der Branchenstrukturanalyse.
4 Kritische Würdigung: Der letzte Abschnitt reflektiert die Grenzen des Lebenszykluskonzepts, diskutiert methodische Schwächen und fasst die Erkenntnisse für die strategische Planung zusammen.
Schlüsselwörter
Betriebstypen, Lebenszyklus, Einzelhandel, Handelsforschung, Shareholder Value, Economic Value Added, Markenwert, Branchenstrukturanalyse, Kundenzufriedenheit, Wettbewerbsstrategie, Umpositionierung, Strategische Planung, Handelsmarketing, Marktentwicklung, Store Erosion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Kriterien, mit denen Handelsunternehmen bestimmen können, an welchem Punkt im Lebenszyklus sich ihre Betriebstypen befinden, um daraus strategische Handlungen abzuleiten.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Im Fokus stehen die theoretische Dynamik von Betriebstypen sowie die praktische Anwendung von unternehmensorientierten und marktorientierten Indikatoren zur Phasenbestimmung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erarbeitung und systematische Darstellung von Kriterien, die Handelsunternehmen helfen, die Position ihrer Betriebstypen im Lebenszyklus zuverlässiger zu bestimmen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse bestehender theoretischer Konzepte (wie "Wheel of Retailing" oder Porters Branchenstrukturanalyse) und ergänzt diese durch eine kritische Prüfung verschiedener Kennzahlen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung wertorientierter Finanzkennzahlen, die Analyse von Markenwerten sowie die Anwendung marktbezogener Kriterien wie Kundenfrequenzen und Wettbewerbsanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lebenszyklus von Betriebstypen, Handelsmanagement, Shareholder Value, Markenwert und strategische Positionierung geprägt.
Was zeigt das Beispiel der Metro Group im Kontext der EVA-Kennzahl?
Das Beispiel illustriert, dass positive operative Gewinne täuschen können: Trotz Gewinnen bei Kaufhof und Real zeigte der negative EVA einen kontinuierlichen Wertverzehr an, was als Indikator für eine Reife- oder Abschwungphase dient.
Warum ist das "Wheel of Retailing" für die Arbeit relevant?
Es dient als eines der historischen theoretischen Fundamente, um zu erklären, warum und in welchem Muster sich Handelsbetriebstypen im Zeitablauf verändern und an etablierte Wettbewerber angleichen.
- Arbeit zitieren
- Tomass Grass (Autor:in), 2004, Kriterien für die Bestimmung der Position im Lebenszyklus von Einkaufsstätten - Eine Analyse unter besonderer Berücksichtigung dynamischer Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/46393