Psychisch erkrankte Menschen müssen sich vielen Vorurteilen stellen. Im Speziellen werden als "Borderliner" deklarierte Personengruppen durch einen in der Bevölkerung gängigen und unnachsichtigen Gebrauch von psycho-pathologischen Klassifizierungen und Diagnosen zu Leidtragenden von Stigmatisierungs- und Etikettierungsprozessen der Öffentlichkeit. Die von dieser Diagnose betroffenen Personen stoßen jedoch nicht nur auf Widerstand innerhalb ihres sozialen Kontextes, sondern werden ebenso bei der Suche nach therapeutischer Hilfe von den teils überforderten und entmutigenden Fachkräften als Patienten mit einer erschwert zu behandelten Symptomatik angesehen. In diesem Zusammenhang stellt sich deshalb die Frage, wie systemisch arbeitende Fachkräfte dem Leidensdruck von Personen mit einer diagnostizierten Borderline-Persönlichkeitsstörung im Rahmen von psychosozialer Therapie und Beratung entstörungsspezifisch entgegnen können.
Die in der psychotherapeutischen Fachwelt populäre Korrelation zwischen der Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitstörung und einer komplikationsreichen Therapie äußert sich nicht nur anhand von Problemen bei der psychotherapeutischen Begleitung, der Anwendung von unzulänglichen traditionellen Verfahren mit wenig effektiver Wirkweise oder aber den jährlich verursachten stationären Behandlungskosten in Höhe von etwa vier Milliarden Euro. Sie schlägt sich oftmals ebenso als eine mit Tabus behaftete Thematik innerhalb von Diskursen diverser therapeutischer Fachrichtungen nieder.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ansatz der systemischen Beratung und Therapie
3. Emotional instabile „Persönlichkeitsstörung des Borderline- Typs“
3.1 Erläuterung der Begriffes „Borderline-Persönlichkeitsstörung“
3.2 Krankheitsbild und Symptomatik der Borderline- Persönlichkeitsstörung
3.3 Ursachen und biopsychosozialen Einflussfaktoren
3.4 Verlauf, Auswirkungen und epidemiologische Folgen
4. Systemische Beratung und Therapie von „Borderline“- Klientel
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie systemisch arbeitende Fachkräfte den Leidensdruck von Menschen mit einer „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ effektiv mindern können, indem sie traditionelle, pathologisierende Ansätze durch ressourcenorientierte und störungsspezifische Verfahren in Beratung und Therapie ergänzen.
- Theoretische Grundlagen des systemischen Ansatzes in der Psychotherapie
- Differenzierte Analyse der Genese und Symptomatik der Borderline-Persönlichkeitsstörung
- Bewertung von Stigmatisierungsprozessen und gesellschaftlichen Vorurteilen
- Systemische Methoden zur Arbeit mit Ambivalenzen und widersprüchlichen Verhaltensmustern
- Entwicklung von Zukunfts- und Lösungsperspektiven für Betroffene
Auszug aus dem Buch
Krankheitsbild und Symptomatik der Borderline- Persönlichkeitsstörung
Das Klassifikationsverzeichnis des DSM-IV umfasst die Darstellung als gesondert auf geführten sozialen und individuellen Aspekten, wobei mindestens fünf dieser Symp-tome für die Diagnostizierung einer „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ vorhanden sein müssen (DSM IV, zitiert in Bretzner 2014: 21; Bretzner 2014: 20ff.). Auf individueller Ebene zeichnet sich eine von der „Borderline-Störung“ beeinträchtigte Persönlichkeit durch die Präsenz von Schwankungen in der labilen Eigenwahrnehmung und des konträr anmutenden Selbstbildes der Betroffenen aus. Dies äußert an einem oftmaligen Vorhandensein von Schwierigkeiten bei der Konstituierung eines beständigen Selbstbildes oder der Benennung von Emotionen sowie angesichts dadurch bedingter Selbstzweifel, Ängsten und fehlendem Selbstvertrauen.
Die hierbei nuancenfreie Tendenz des kontrastreichen Verständnisses und eine eingeschränkte sowie stark auf extreme Gegensätze fokussierte Wahrnehmungs- und Denkweise tritt ebenso auf zwischenmenschlicher Ebene zu Tage, so dass oftmals die labile Präsenz von mehreren kurzzeitig bestehenden und in den Vordergrund gerückten Kontakten und Beziehungen bei den Betroffenen gängig ist, welche von einem anfänglichen, oftmals realitätsfernen Verherrlichen der anderen Person bis hin zur baldigen, konfliktreichen-den Abwertung derselben führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Stigmatisierung von Borderline-Betroffenen und identifiziert die Notwendigkeit, systemische Verfahrensweisen in der Therapie zu etablieren.
2. Ansatz der systemischen Beratung und Therapie: Dieses Kapitel definiert den systemischen Ansatz als eine auf zirkulären Prozessen basierende Disziplin, die durch kooperative und ressourcenorientierte Kommunikation den Leidensdruck mindern will.
3. Emotional instabile „Persönlichkeitsstörung des Borderline- Typs“: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Begriffsdefinition, dem Krankheitsbild sowie den biopsychosozialen Ursachen und dem langfristigen Verlauf der Störung.
4. Systemische Beratung und Therapie von „Borderline“- Klientel: Das Kapitel erläutert die praktische Anwendung systemischer Interventionen und Kurzzeit-Therapiekonzepte zur Arbeit mit Borderline-Klienten.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Verbesserung der Lebensqualität durch innovative Modifikationen des systemischen Ansatzes möglich ist und fordert einen respektvolleren Umgang mit Betroffenen.
Schlüsselwörter
Borderline-Persönlichkeitsstörung, Systemische Beratung, Psychotherapie, Stigmatisierung, Ambivalenz, Lebensweltkonstruktion, Ressourcenorientierung, Symptomatik, biopsychosoziale Faktoren, Selbstbild, Beziehungsgestaltung, Kurzzeit-Therapie, soziale Inklusion, psychische Gesundheit, Leidensdruck.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Umgang mit Menschen, die eine Borderline-Persönlichkeitsstörung aufweisen, unter der spezifischen Brille systemischer Beratung und Therapie.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Symptomatik der Störung, die Entstehungsursachen, die gesellschaftliche Stigmatisierung der Klientel sowie die Möglichkeiten systemischer Interventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie systemisch arbeitende Fachkräfte den Leidensdruck Betroffener durch eine ressourcenorientierte und störungsspezifische Methodik entgegnen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der kritischen Auseinandersetzung mit bestehenden systemischen Fachkonzepten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den systemischen Ansatz, eine fachliche Analyse der Störung (Symptomatik, Genese, Verlauf) und die praktische Anwendung von Beratungskonzepten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Systemik, Borderline-Störung, Ambivalenz, Ressourcenorientierung und professionelle Beziehungsführung.
Wie unterscheidet sich der systemische Blick von medizinischen Konzepten bei dieser Störung?
Während medizinische Ansätze oft pathologisierend und defizitorientiert arbeiten, fokussiert der systemische Ansatz auf die ressourcenorientierte Umdeutung von Verhaltensweisen innerhalb sozialer Systeme.
Welche Rolle spielt die Ambivalenz in der systemischen Arbeit mit Borderline-Klienten?
Die Ambivalenz wird hier nicht als Defizit, sondern als eine zu fokussierende Ressource betrachtet, um durch Perspektivwechsel neue Handlungsoptionen zu erschließen.
- Quote paper
- Julia Wagner (Author), 2018, Wie kann dem Leidensdruck von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in der systemischen Beratung und Therapie begegnet werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/461796