Die nachfolgende Hausarbeit befasst sich mit einer Analyse der Bildungsbeteiligung von Frauen in Deutschland und deren Auswirkungen auf Familienmodelle und Erwerbsmodelle.
Die traditionelle Vorstellung der Kleinfamilie bestehend aus einer Mutter, einem Vater und meist zwei Kindern ist in den letzten Jahrzehnten starken Transformationsströmungen unterworfen gewesen, was zunehmend zu einer Pluralisierung der Familienmodelle führte. Das Bild der Frau, die sich ausschließlich für Kinder, die Küche und die Kirche einsetzt, ist abgelöst worden von einem moderneren Frauenbild, das eine erhöhte Bildungsbeteiligung und Erwerbstätigkeit von Frauen einschließt.
Obwohl das Frauenbild sich verändert hat, kommt dem Mann noch immer zu großen Teilen die Rolle des Familienernährers zu, der Vollzeit arbeitet und sich von den Reproduktionsarbeiten fernhält. Im Rahmen von Pluralisierungsprozessen, die sich auf alle Lebenslagen auswirken und die heute besonders aktuell sind, stellt sich die Frage, ob die Frauenerwerbstätigkeit im Zuge einer erhöhten Bildungsbeteiligung zu einer Ablösung des männlichen Ernährer Modells geführt, oder sich ein anderes Familienmodell etabliert hat.
Besonders im Fokus soll die Erhöhung der Bildungsbeteiligung von Frauen im Rahmen der Bildungsexpansion, die in den 1960er Jahren begonnen hat, stehen. Interessant sind dabei der lange Zeitraum der Betrachtung der Frauenerwerbstätigkeit und eine Analyse der möglichen Einflüsse der Bildungsexpansion. Die Frage soll lauten: Hat die Erhöhung der Bildungsbeteiligung von Frauen im Rahmen der Bildungsexpansion zu einer Ablösung des männlichen Ernährer Modells geführt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildungsexpansion in Deutschland und ihre Folgen
2.1 Gründe für die Bildungsexpansion in Deutschland
2.2 Die Gestaltung der Bildungsexpansion
2.3 Folgen der Bildungsexpansion
2.4 Die Erhöhung der Bildungsbeteiligung von Frauen
3. Erwerbsmodelle in Partnerschaften im Vergleich: Struktur, Gestaltung und staatliche Implementierung
3.1 Das männliche Ernährermodell
3.2 Staatliche Implementierung: Das Ehegattensplitting
3.3 Das „adult worker model“
4. Aktuelle Ausgestaltung der Familienmodelle-Gründe und Folgen
4.1. Aktueller Stand
4.2 Frauenerwerbstätigkeit
4.3 Aufteilung der Hausarbeit
4.4. Allgemeine Folgen für die Frauen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der durch die Bildungsexpansion seit den 1960er Jahren gestiegenen Bildungsbeteiligung von Frauen und der tatsächlichen Ablösung des traditionellen männlichen Ernährermodells in Deutschland. Dabei wird analysiert, inwieweit veränderte Bildungsbiografien von Frauen tatsächlich zu einer Aufbrechung tradierter Rollenmuster oder lediglich zu einer Modernisierung dieses Ernährermodells geführt haben.
- Historische Analyse der Bildungsexpansion in Deutschland.
- Strukturanalyse des männlichen Ernährermodells und staatlicher Implementierungsmechanismen wie dem Ehegattensplitting.
- Untersuchung der Frauenerwerbstätigkeit und der Arbeitsteilung in modernen Partnerschaften.
- Diskussion der sozioökonomischen Folgen für Frauen und der Persistenz konservativer Familienmodelle.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das männliche Ernährermodell
Das männliche Modell ist ein sozialwissenschaftliches Modell, das die Aufteilung der Erwerbs-, und Familienarbeit innerhalb einer Partnerschaft beschreibt, die geschlechtsspezifisch organisiert ist. Dabei geht der Mann der Erwerbsarbeit nach, während die Frau die unbezahlte Familienarbeit (Kindererziehung-und Versorgung und die Hausarbeit) übernimmt. Das deutsche Wohlfahrtssystem unterstützt im internationalen Vergleich die strukturelle Dominanz des männlichen Ernährermodells. Anzeichen dafür ist die kontinuierlich geringe Müttererwerbstätigkeit, die auch aus der geringen staatlichen Betreuungsleistung resultiert und die soziale Absicherung der Mutter über den Ehemann.
Das Modell des männlichen Familienernährers ist nach 1945 in Westdeutschland als das Ideal der Familienarbeit betrachtet und durch staatliche Maßnahmen gefestigt worden. Hier wurde auch die historisch tradierte geschlechtsspezifische Arbeitsteilung noch einmal gefestigt. Eine Erwerbstätigkeit von Müttern entsprach nicht dem Ideal und wurde gesellschaftlich sanktioniert, da der arbeitenden Mutter unterstellt wurde, dass sie ihre „Selbstverwirklichung“ im Erwerbsleben über das Wohl der Kinder stellt.
Die Entwicklung des „Drei-Phasen-Modells“ wurde zum gesellschaftlichen Standard. Die Frau beendet vor der Geburt des ersten Kindes eine Ausbildung, zieht sich in Phase zwei aus dem Erwerbsleben zurück und wird Hausfrau und Mutter und steigt in Phase drei wieder langsam in das Erwerbsleben ein, wenn die Kindererziehung abgeschlossen ist. Dies setzt allerdings voraus, dass den Frauen auch die Möglichkeit gegeben wird, wieder in den Beruf einzusteigen, was nach 20 Jahren Nicht-Erwerbstätigkeit zu Schwierigkeiten führen kann, da die Qualifikationen verfallen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Transformation von Familienmodellen durch die Bildungsexpansion ein und formuliert die Forschungsfrage zur Ablösung des männlichen Ernährermodells.
2. Bildungsexpansion in Deutschland und ihre Folgen: Das Kapitel erläutert die Ursachen und die Ausgestaltung der Bildungsexpansion in Deutschland und belegt empirisch die gestiegene Bildungsbeteiligung von Frauen.
3. Erwerbsmodelle in Partnerschaften im Vergleich: Struktur, Gestaltung und staatliche Implementierung: Hier werden das männliche Ernährermodell, das Ehegattensplitting als staatliches Förderinstrument und das Konzept des adult worker model theoretisch analysiert.
4. Aktuelle Ausgestaltung der Familienmodelle-Gründe und Folgen: Dieses Kapitel untersucht den aktuellen Stand der Frauenerwerbstätigkeit, die Aufteilung der Hausarbeit und die ökonomischen sowie sozialen Folgen für Frauen.
5 Fazit: Das Fazit beantwortet die Leitfrage und kommt zu dem Schluss, dass trotz hoher Bildungsabschlüsse der Frauen das männliche Ernährermodell in einer modernisierten Form fortbesteht.
Schlüsselwörter
Bildungsexpansion, männliches Ernährermodell, Frauenerwerbstätigkeit, Familienmodelle, Ehegattensplitting, Bildungsbeteiligung, Hausarbeit, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, adult worker model, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gender Pay Gap, Sozialstruktur, Geschlechterhierarchie, moderne Familien, Erwerbsverlauf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie sich die gestiegene Bildungsbeteiligung von Frauen infolge der Bildungsexpansion auf die traditionelle Arbeitsteilung in Partnerschaften ausgewirkt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die deutsche Bildungsexpansion, das männliche Ernährermodell, staatliche Implementierungen wie das Ehegattensplitting sowie die aktuelle Situation der Frauenerwerbstätigkeit und Hausarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu beantworten, ob die Bildungsexpansion zu einer tatsächlichen Ablösung des männlichen Ernährermodells geführt hat oder ob sich lediglich ein modernisiertes Modell etabliert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine deskriptive und analysierende Literatur- und Datenanalyse, um den Zusammenhang zwischen Bildungserfolgen, gesellschaftlichen Strukturen und Erwerbsverhalten aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Betrachtung der Bildungsexpansion, eine theoretische Einordnung von Erwerbsmodellen und eine empirische Analyse der aktuellen Familienmodelle und deren Folgen für Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildungsexpansion, männliches Ernährermodell, Frauenerwerbstätigkeit, Ehegattensplitting und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung charakterisiert.
Welchen Einfluss hat das Ehegattensplitting laut der Autorin auf Familienmodelle?
Die Autorin argumentiert, dass das Ehegattensplitting als staatliche Regelung das männliche Ernährermodell privilegiert und die Frauenerwerbstätigkeit indirekt durch steuerliche Anreize für eine ungleiche Einkommensverteilung hemmt.
Wie unterscheidet sich die Situation von Frauen in West- und Ostdeutschland laut der Analyse?
Die Arbeit zeigt, dass ostdeutsche Frauen aufgrund historischer Gegebenheiten häufiger in Vollzeit arbeiten als westdeutsche Frauen, obwohl die geschlechtsspezifische Verteilung der Hausarbeit in beiden Regionen ähnlich ungleich bleibt.
- Quote paper
- Laura Stöber (Author), 2016, Die erhöhte Bildungsbeteiligung der Frau durch die Bildungsexpansion. Veränderungen in Ausgestaltung und Akzeptanz von Familienmodellen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/460497