,,Dabei sein ist alles‘‘. Dieses Motto begleitet jeden Athlet in der heutigen Zeit, wenn man bei den olympischen Spielen teilnehmen darf. Die Möglichkeit zu bekommen, bei einem solch großen Ereignis ein Teil zu sein, stellt eine unwahrscheinlich große Ehre dar. Dabei geht es eben nicht allein um den Sieg. Dennoch wird der Sieg mit materiellen Ehrungen, wie zum Beispiel eine Medaille, oder auch durch Werbeverträge, mit denen ein Sieger seinen Ruhm in andere Gebieten des alltäglichen Lebens verlagern kann, verehrt.
Hönle beschreibt, ,,daß ein Sieg in Olympia in griechischer Sicht zu den höchsten Werten des Daseins gehörte‘‘. Um diese überspitzte antike griechische Darstellung eines Sieges soll es in dieser Arbeit gehen. Dabei bewegen wir uns in einem Zeitraum des 8. Jh. v. Chr. bis zum 5. Jh. n. Chr. Die antiken olympischen Spiele stellten einen Höhepunkt des griechisch-kulturellen Lebens dar und dementsprechend überschwänglich war auch die Ehrung eines Siegers. Welche Folgen hat ein Sieg in den antiken olympischen Spielen für einen Athleten? So lautete meine Fragestellung. Ziel meiner Arbeit soll es sein, die unmittelbaren und langfristigen politischen und sozialen Wirkungen eines Sieges bei den antiken olympischen Spielen darzustellen am Beispiel des Athleten ,,Milon von Kroton‘‘.
Meine Quellenbasis ist für diese Untersuchung ,,Pausanias Beschreibung Griechenlands‘‘, da hier die Person des Milon von Kroton und seine Anekdoten am ausführlichsten beschrieben wurden. Diese Quelle muss kritisch betrachtet werden, da er diese Bücher zwischen 160-180 n. Chr. verfasst hat und Milon von Kroton hingegen im 6. Jh. vor Christus lebte . Diese große Zeitspanne muss man sich stets vor Augen halten. Desweiteren werde ich antike Autoren wie z.Bsp. Herodot oder auch Diodor zur Unterstützung der Auslegung der Persönlichkeit Milons verwenden. Im ersten Schritt möchte ich die Bedeutung des Sieges bei den antiken olympischen Spielen darstellen. Im Anschluss werden die Ehrungen des Siegers beschrieben. Hier wird grundsätzlich zwischen den Ehrungen direkt nach den Spielen, dementsprechend am Festspielort, und den Ehrungen in der Heimat unterschieden. Darauf aufbauend komme ich zu der Person des ,,Milon von Kroton‘‘, hierbei möchte ich die Vorstellung für einen Athleten im antiken Griechenland schaffen und die Verehrung seiner sportlichen Leistungen beschreiben. Abschließend werde ich mein Fazit in Form einer Schlussbetrachtung darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bedeutung eines Sieges bei den antiken Olympischen Spielen
3. Die Ehrungen des olympischen Sieges
3.1 Die Auszeichnungen am Festspielort
3.2 Die Auszeichnungen in der Heimat
4. „Milon von Kroton“
4.1 Wer war „Milon von Kroton“?
4.2 Anekdoten und Mythen seines sportlichen Erfolges
4.3 Sein heldenhaftes Leben nach der Berufsathletik
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die politischen und sozialen Auswirkungen, die ein Sieg bei den antiken Olympischen Spielen für einen Athleten hatte, und analysiert diese exemplarisch anhand der Biografie und Wirkung des Athleten Milon von Kroton.
- Bedeutung des sportlichen Sieges im antiken Griechenland
- Ehrungsformen für Olympiasieger am Festspielort und in der Heimat
- Analyse der historischen Person Milon von Kroton
- Mythische Überhöhung und Heroisierung von Athleten
- Soziale Aufstiegschancen und politischer Einfluss durch sportliche Erfolge
Auszug aus dem Buch
4.2 Anekdoten und Mythen seines sportlichen Erfolges
Seine ungeheure Kraft wird mit diversen Erzählungen untermahlt. Eine besagt, dass er seine Statue selber in Altis getragen haben soll. Diese Statuen waren lebensgroß, es scheint sehr unwahrscheinlich, dass hier der Wahrheitsgehalt hoch ist. Dennoch dienten solche Legenden nicht um die wahre Geschichte zu erzählen, sondern die enorme Kraft und Heldenhaftigkeit zu beschreiben. Seine Statue in Olympia wurde mit zahlreichen Anekdoten versehen.
Philostrat beschreibt die Körperhaltung der Statue. Sie ist ein Werk des Dameas aus Kroton, ein Apollontypus des 6. Jh. v. Chr. Seine Beine sind geschlossen, ein Arm liegt gebeugt auf der Brust, eine Hand hält einen Granatapfel, um seine Stirn ist eine Siegerbinde gelegt und seine Füße stehen auf einer runden Platte. Pausanias überliefert die Legenden zu der Statue. Man geht davon aus, dass die Mythen und Anekdoten um Milons Persönlichkeit erst mit der Statue entstanden sind. Milon soll den Granatapfel so fest gehalten haben, dass keiner es geschafft haben soll, ihn aus seinen Händen zu reißen ohne ihn zu beschädigen.
Desweiteren soll der Diskos auf dem er stand eingefettet gewesen sein, sodass alle die versucht haben ihn herunter zu bekommen, sich zum Gespött gemacht hatten. Auch das Stirnband, welches hier als Darmsaite beschrieben wurde, hatte eine Funktion. Milon hielt die Luft solange an, bis seine Adern im Kopf mit Blut gefüllt waren und das Stirnband zum Reißen gebracht hatten. Außerdem habe die Armhaltung zur Folge gehabt, dass keiner seinen kleinen Finger bewegen konnte. Seine Unbesiegbarkeit wurde in diesen Mythen rund um seine Statue verewigt und untermauert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der antiken olympischen Spiele ein, formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Folgen eines Sieges und stellt die Quellenbasis sowie das methodische Vorgehen vor.
2. Die Bedeutung eines Sieges bei den antiken Olympischen Spielen: Dieses Kapitel beleuchtet den hohen Stellenwert des Sieges im antiken Griechenland, den absoluten Fokus auf den ersten Platz und die politische Relevanz von sportlichen Erfolgen.
3. Die Ehrungen des olympischen Sieges: Hier wird zwischen den rituellen und materiellen Auszeichnungen am Ort des Geschehens in Olympia und dem umfangreichen Ehrungsprogramm in der Heimatstadt des Athleten unterschieden.
4. „Milon von Kroton“: Das Kapitel widmet sich der historischen Figur Milons, hinterfragt seine sportliche Laufbahn, analysiert die Mythen um seine Person und beleuchtet sein Leben sowie seinen Tod.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse und stellt fest, dass der Olympiasieg weitreichende soziale und politische Privilegien nach sich zog, die den Athleten oft zu einer heroischen Figur aufsteigen ließen.
Schlüsselwörter
Olympische Spiele, Milon von Kroton, Antike, Athletik, Siegerstatue, Epinikion, Heroisierung, Prytaneion, Proedrie, Sportgeschichte, Griechische Geschichte, Politischer Status, Sozialer Aufstieg, Agon, Ruhmsucht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung eines Sieges bei den antiken Olympischen Spielen und den damit verbundenen Folgen für den Athleten, sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die antike olympische Siegerehrung, die materielle und ideelle Anerkennung von Siegern sowie die Verbindung zwischen sportlicher Leistung und politischem Aufstieg.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche unmittelbaren und langfristigen politischen und sozialen Wirkungen ein Sieg bei den antiken olympischen Spielen für einen Athleten hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Untersuchung, die primär auf der Analyse antiker Quellen wie Pausanias, Herodot und Diodor sowie auf einschlägiger moderner Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedeutung des Sieges als solchem, die konkreten Ehrungsformen am Festspielort und in der Heimat sowie eine detaillierte Fallstudie zum Athleten Milon von Kroton.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die olympischen Spiele, der Athlet Milon von Kroton, die Mechanismen der Heroisierung und der soziale Aufstieg durch sportliche Höchstleistungen.
Welche Rolle spielt Milon von Kroton in der Untersuchung?
Milon dient als konkretes historisches Fallbeispiel, an dem die typische Entwicklung eines Berufsathleten vom sportlichen Erfolg bis hin zur politischen Heroisierung nachvollzogen werden kann.
Wie wurde Milon von Kroton im antiken Griechenland wahrgenommen?
Milon wurde als einer der berühmtesten und stärksten Athleten der Antike verehrt, wobei sich um seine Person zahlreiche Mythen und Anekdoten rankten, die seine Unbesiegbarkeit untermauerten.
Warum wird der Tod von Milon von Kroton thematisiert?
Der Tod des Athleten durch Wölfe ist eine legendenhafte Überlieferung, die dazu diente, seine Person auch nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn heldenhaft zu stilisieren.
Welche Kritik wird an der Figur Milon in der Arbeit geübt?Die Arbeit weist darauf hin, dass Milon von Zeitgenossen durchaus zwiespältig betrachtet wurde, da er oft als Symbol für eine übersteigerte Ruhmsucht oder das Klischee des „hirnlosen Muskelprotzes“ der Berufsathletik diente.
- Quote paper
- Sophie Schönherr (Author), 2019, Die Bedeutung eines Sieges bei den antiken olympischen Spielen anhand des Athleten Milon von Kroton, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/459415