Lehramtsstudierende sehen sich besonders am Beginn und am Ende ihres Studiums mit persönlichen Unsicherheiten konfrontiert. Dabei spielen am Beginn Fragen wie "Kann ich Ich bleiben, wenn ich die Rolle der/des Lehrer/in übernehme?", "Werden mich die Schüler/innen in meiner Rolle als Lehrer/in ernst nehmen?", "Wie gehe ich mit Konflikten in der Klasse um?" eine gewichtige Rolle, wobei gegen Ende des Studiums vor allem Ängste hinsichtlich des Alleingelassenwerdens in der Klasse und der damit verbundenen Akzeptanz durch die Schüler/innen wichtig scheinen. Auch der Abschied aus einer jahrelang bestehenden und vertrauten Studierendengruppe und der Start in einer neuen bis dahin unbekannten Gruppe, dem Lehrer/innenkollegium, werden thematisiert.
In der die Schulpraxis begleitenden Gruppenberatung werden die Studierenden ermutigt, die Übereinstimmung mit ihrem inneren Menschen zuzulassen. Facetten der Selbsterkenntnis und Lösungsansätze für im Schulsystem auftretende Konflikte werden aus dem Gruppenprozess heraus entwickelt sowie die im Lehrberuf unabdingbar notwendige soziale Kompetenz durch die begleitende Gruppenarbeit vertieft.
Es stellt sich die Frage, inwieweit psychosoziale Beratung in Gruppen den Professionalisierungsprozess und die Persönlichkeitsentwicklung von angehenden Lehrer/innen unterstützen kann. Ausgehend von Begriffsklärungen und der Darstellung der hermeneutischen Methode beschäftigt sich der literaturgestützte Theorieteil mit Gruppenberatungen im psychosozialen Kontext und wird von einem praxisbezogenen Teil, der einige Beratungsprozesse beschreibt ergänzt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Methode
Theoretische Zugänge
Beratung
Gruppenberatung
Peergruppe
Praxisbezug
Setting
Ablauf der Beratungen
Fallbeispiel 1
Fallbeispiel 2
Fallbeispiel 3
Fallbeispiel 4
Fallbeispiel 5
Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, inwieweit psychosoziale Beratung in Gruppen den Professionalisierungsprozess und die Persönlichkeitsentwicklung von angehenden Lehrkräften unterstützen kann. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Studierende durch begleitende Beratung darin gestärkt werden, in ihrer Rolle als Lehrperson authentisch zu bleiben und auftretende Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen.
- Psychosoziale Beratung im Kontext der Lehramtsausbildung
- Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und des professionellen Habitus
- Gruppendynamik und Peer-Learning als Instrumente der Professionalisierung
- Anwendung systemisch-konstruktivistischer Methoden in der Beratungspraxis
- Bewältigung schulpraktischer Herausforderungen und Rollenfindung
Auszug aus dem Buch
Fallbeispiel 3
Die Gruppe setzt sich aus vier Studierenden zusammen, zwei davon sind weiblich und zwei männlich. Sie befinden sich im letzten Semester ihres Studiums, der Abschied von der Ausbildungseinrichtung steht an. Dies ist mit einer Mischung aus Vorfreude aber auch mit Zukunftsängsten verbunden.
In der Runde zu Beginn der Beratung thematisieren die Studierenden ihre Unsicherheit bezüglich des neuen Lebensabschnitts, der nun nach Beendigung des Studiums und dem Eintritt ins Berufsleben folgen wird. Es herrscht Konsens, dass alle zu diesem Thema arbeiten möchten.
Durch systemisches Fragen wird als Hauptthema die Angst hinsichtlich des alleingelassenen Werdens in der Klasse und der damit verbundenen Akzeptanz durch die Schüler/innen genannt.
Die Studierenden werden ersucht, die Situation des ersten Betretens einer Klasse als neue/r Lehrer/in zu visualisieren und zu beschreiben, was sie empfinden und was geschieht. Alle vier schildern ihre Aufgeregtheit, haben teilweise Bauchschmerzen, können in der Nacht davor nicht schlafen, fühlen sich zittrig und nervös. Dem darauffolgenden Vorschlag eine Übung zum sicheren Ort durchzuführen wird zugestimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel thematisiert die persönlichen Unsicherheiten von Lehramtsstudierenden zu Beginn und Ende ihres Studiums und führt in die Fragestellung ein, wie Gruppenberatung diesen Professionalisierungsprozess unterstützen kann.
Methode: Hier wird der theoretische Rahmen durch die Forschungsmethode der Hermeneutik sowie die Methoden der Fallarbeit, des Gruppendiskussionsverfahrens und der dokumentarischen Methode dargelegt.
Theoretische Zugänge: Dieser Abschnitt definiert Beratung, Gruppenberatung und Peergruppenarbeit im pädagogischen Kontext und beleuchtet die Bedeutung der Prozessberatung sowie der Humanistischen Psychologie.
Praxisbezug: Hier werden das Setting, der Ablauf der Beratungen sowie fünf konkrete Fallbeispiele aus der Beratungspraxis detailliert beschrieben und analysiert.
Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Bedeutung von Beratung als spezielle Kommunikationsform zusammen und plädiert für die Verankerung psychosozialer Beratung in den Curricula der Lehrer/innenbildung.
Schlüsselwörter
Lehramtsstudierende, psychosoziale Beratung, Gruppenberatung, Persönlichkeitsentwicklung, Professionalisierung, Fallarbeit, schulpraktische Studien, Coaching, systemisch-konstruktivistischer Ansatz, Gruppendynamik, Peer-Learning, Rollenfindung, Reflexion, Schulpraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung von Lehramtsstudierenden durch begleitendes, psychosoziales Coaching in Gruppensettings.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Rollenfindung als Lehrperson, die Bewältigung von Versagensängsten, der Umgang mit Gruppendynamiken und die Entwicklung eines professionellen Habitus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit psychosoziale Beratung in Gruppen den Professionalisierungsprozess und die Persönlichkeitsentwicklung von angehenden Lehrkräften unterstützen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt hermeneutische Forschung, Fallarbeit, das Gruppendiskussionsverfahren sowie die dokumentarische Methode zur Auswertung der Beratungsprozesse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Beratung und Gruppenarbeit sowie die detaillierte Darstellung und Analyse von fünf Fallbeispielen aus der Beratungspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Lehramtsstudierende, Professionalisierung, Gruppenberatung, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung und Reflexion.
Was ist das Ziel der im Fallbeispiel 3 angewandten Übung zum "sicheren Ort"?
Die Übung soll den Studierenden helfen, Angstgefühle bei der ersten Unterrichtssituation zu mindern, indem sie durch eine Meditation Sicherheit und Geborgenheit verankern, um diese bei Bedarf wieder abrufen zu können.
Wie unterscheidet sich die Beratungssituation im Fallbeispiel 2 von anderen?
Im Fallbeispiel 2 liegt der Schwerpunkt auf der Konfliktmoderation innerhalb eines Studierendenteams, wobei durch eine strukturierte Methode (Karteikärtchen, Flipchart) Unklarheiten in der Verantwortungsverteilung geklärt werden.
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- Sabine Hofmann-Reiter (Author), 2017, Persönlichkeitsentwicklung bei Lehramtsstudierenden. Unterstützung durch begleitendes Coaching, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/459382