In dieser Arbeit soll der Slawenaufstand von 983 thematisiert werden, der sich in den an das damalige Sachsen angrenzenden Regionen östlich der Elbe ereignete. Von diesem Ereignis wird in den zeitgenössischen Quellen lediglich einseitig berichtet, sodass eine vollkommen objektive Darstellung der Ereignisse schwerlich realisierbar ist. Berichtet wird über dieses Ereignis lediglich von sächsischer Seite, Gegendarstellungen gibt es keine. Es muss sich also zwingend auf diese Quellen gestützt werden, wobei diese im Rahmen der Möglichkeiten natürlich dennoch kritisch untersucht werden müssen.
Der Slawen- bzw. Lutizenaufstand von 983 wird von mehreren frühmittelalterlichen Chronisten überliefert, in dieser Arbeit soll sich jedoch auf die Rezeption des Aufstandes und seiner Vorgeschichte bei Widukind von Corvey , Thietmar von Merseburg und Helmold von Bosau beschränkt werden. Während es sich bei Widukind von Corvey um einen Zeugen der Zeit vor dem Aufstand handelt, ist Thietmar von Merseburg zeitlich wie räumlich diesem Aufstand am nächsten. Helmold von Bosau hingegen betrachtet die Ereignisse erst über einhundert Jahre später, sodass er uns eine Nachbetrachtung liefert, welche analysiert werden kann.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, nicht allein die einzelnen Überlieferungen untereinander zu vergleichen, sondern darüber hinaus auch den Bezug zur aktuellen Forschung herzustellen, da in der Forschung heute unterschiedliche Ansichten über die Bedeutung des Aufstandes für das Ostfrankenreich bzw. Heilige Römische Reich vertreten werden.
Um dieses Ziel zu erreichen, soll im ersten Teil der Arbeit der aktuelle Forschungsstand dargelegt werden. Um den Aufstand und dessen Folgen für Sachsen und das Reich hinreichend darstellen zu können, müssen auch die Prozesse und Ereignisse im Reich und dessen nordöstlichen Grenzgebieten geschildert werden, welche im Jahre 983 letztlich zu eben jenem Aufstand führten.
Der zweite Teil widmet sich der Darstellung und Rezeption der Ereignisse in den oben genannten Quellen. Anhand der jeweiligen Schilderungen der Ereignisse soll auf die Rezeption des Aufstandes bzw. der sächsisch-slawischen Beziehungen beim jeweiligen Chronisten eingegangen werden. Die Ergebnisse sollen abschließend in Bezug zur Forschungskontroverse gestellt werden, um zu dieser Stellung beziehen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Slawenaufstand von 983
2.1. Sächsisch-slawische Beziehungen vor 983
2.2. Der Slawenaufstand von 983
2.3. Die Folgen des Aufstandes
3. Der Slawenaufstand in den früh- und hochmittelalterlichen Chroniken
3.1. Zur Rezeption der Slawenpolitik bei Widukind von Corvey
3.2. Zur Rezeption des Aufstandes bei Thietmar von Merseburg
3.3. Zur Rezeption des Aufstandes bei Helmold von Bosau
4. Fazit
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. Quellenverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Slawenaufstand von 983 und analysiert, wie dieses Ereignis in zeitgenössischen und nachfolgenden früh- bis hochmittelalterlichen Chroniken rezipiert wurde, um daraus Rückschlüsse auf die ottonische Ostpolitik zu ziehen.
- Historische Analyse des Slawenaufstandes von 983
- Untersuchung der sächsisch-slawischen Beziehungen im 10. Jahrhundert
- Vergleichende Quellenanalyse (Widukind von Corvey, Thietmar von Merseburg, Helmold von Bosau)
- Diskussion der Forschungskontroverse um eine gezielte ottonische Ostexpansion
Auszug aus dem Buch
3.1. ZUR REZEPTION DER SLAWENPOLITIK BEI WIDUKIND VON CORVEY
Mit Widukind von Corvey soll in dieser Arbeit der einzige Chronist den Anfang machen, der den Slawenaufstand von 983 in seinem Werk nicht berücksichtigt. Diese Nichtberücksichtigung ist der einfachen Tatsache geschuldet, dass Widukind seine Res Gestae Saxonicae, seine „Sachsengeschichte“, bereits 967 oder 968 abschließt. Zwar gibt es Nachtragungen, diese reichen jedoch ebenfalls nur bis zum Todesjahr Ottos des Großen, nämlich 973. Zwar lassen sich aus seiner „Sachsengeschichte“ somit keine Aussagen bezüglich des Aufstandes selbst treffen, sehr wohl können aber seine Schilderung der Verhältnisse zwischen Sachsen und Slawen bis 973 berücksichtigt werden, handelt es sich doch hier um die Zeit der Intensivierung der vermeintlichen Expansionspolitik und somit um die Umstände, aus welchen der Aufstand erst erwachsen kann. Drüber hinaus handelt es sich bei Widukind um einen Zeitzeugen, während hingegen spätere Chronisten wie Adam von Bremen und Helmold von Bosau ihre Informationen zu diesen Ereignissen aus zweiter Hand entnehmen müssen.
Bereits die Häufigkeit, mit welcher Widukind die slawischen Stämme und die mit ihnen verbundenen Konflikte erwähnt, zeugt von der Bedeutsamkeit und Präsenz dieser im Herzogtum Sachsen. Insgesamt benennt Widukind dreizehn elbslawische Stämme namentlich, wobei er besonders oft die Stämme der Böhmen und Redarier erwähnt, nämlich jeweils sechsmal. Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass Widukind die Böhmen nicht zu den Slawen zählt. In dieses Bild passt auch, dass er die elbslawischen Stämme häufig als „barbarisch“ bezeichnet, die Böhmen hingegen nicht. Ein Grund dafür, Böhmen und „barbarische“ Slawen sorgfältig voneinander zu trennen, könnte im christlichen Herrschergeschlecht der Přemysliden bestehen, welche den Böhmen als Herzöge vorstehen und nachhaltige politische Strukturen etablieren. Der Stamm der Böhmen ist somit unter einer christlichen Herrschaft politisch gefestigt, was auf die späteren Lutizenstämme keinesfalls zutrifft, deren „Wildheit“ es zu unterdrücken gilt. Der Stamm der Redarier, welcher bei Widukind neben den Böhmen zu den am häufigsten erwähnten Stämmen zählt, wird wiederholt als Aufrührer betitelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, der zentralen Fragestellung bezüglich des Slawenaufstandes von 983 sowie der methodischen Herangehensweise durch Quellenkritik.
2. Der Slawenaufstand von 983: Darstellung der sächsisch-slawischen Beziehungen, des Verlaufs des Aufstandes selbst sowie dessen unmittelbare Folgen für die Region und das Reich.
3. Der Slawenaufstand in den früh- und hochmittelalterlichen Chroniken: Detaillierte Untersuchung und Vergleich der Berichterstattung durch die Chronisten Widukind von Corvey, Thietmar von Merseburg und Helmold von Bosau.
4. Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse, wonach der Aufstand in den Chroniken primär als religiöser Rückschlag verstanden wurde und keine Belege für eine gezielte, zentral gesteuerte ottonische Expansionspolitik liefert.
5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der herangezogenen wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Slawenaufstand 983, Lutizen, Sachsen, Ottonen, Widukind von Corvey, Thietmar von Merseburg, Helmold von Bosau, Missionierung, Markgraf Gero, Ostpolitik, Mittelalter, slawische Stämme, Geschichtsschreibung, Quellenanalyse, Elbslawen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Slawenaufstand von 983 und untersucht kritisch, wie dieser in zeitgenössischen Chroniken des Mittelalters dargestellt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Sächsisch-slawischen Beziehungen, die Auswirkungen der ottonischen Missionspolitik sowie die Frage nach einer zielgerichteten Expansionsstrategie des Reiches nach Osten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch eine vergleichende Quellenanalyse herauszuarbeiten, ob der Aufstand von den zeitgenössischen Chronisten als Zeichen einer gescheiterten, geplanten Expansion interpretiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit stützt sich auf eine historiographische Quellenanalyse der Werke von Widukind von Corvey, Thietmar von Merseburg und Helmold von Bosau unter Einbeziehung aktueller forschungsgeschichtlicher Kontroversen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Ereignisse des Jahres 983 sowie eine detaillierte Gegenüberstellung der Rezeption dieses Aufstandes durch die genannten Chronisten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Slawenaufstand, Lutizen, ottonische Ostpolitik, Quellenrezeption, Missionierung und das Verhältnis von Sachsen und Elbslawen.
Warum wird gerade Widukind von Corvey als erster Chronist behandelt?
Widukind wird als Zeitzeuge der Zeit vor dem Aufstand behandelt; obwohl er den Aufstand selbst nicht mehr miterlebte, liefert er wichtige Einblicke in die Spannungen vor 983.
Wie unterscheidet sich die Darstellung bei Helmold von Bosau von derjenigen Thietmars?
Während Thietmar den Aufstand als Zeitzeuge schildert, schreibt Helmold über einhundert Jahre später und zeigt eine ausgeprägtere Vermischung verschiedener historischer Ereignisse, was seine Darstellung für die Rezeptionsforschung besonders interessant macht.
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- Mario Polzin (Author), 2018, Der Slawenaufstand von 983 und seine Rezeption in den früh- und hochmittelalterlichen Quellen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/456742