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Glaube, Wissen, Liebe - Wertsysteme auf der Reise vom Mittelalter zur Moderne in Tankred Dorsts "Legende vom armen Heinrich"

Titel: Glaube, Wissen, Liebe - Wertsysteme auf der Reise vom Mittelalter zur Moderne in Tankred Dorsts "Legende vom armen Heinrich"

Seminararbeit , 2003 , 21 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Janine Dahlweid (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Zentrum des mittelalterlichen Versepos von Hartmann von Aue steht Heinrich, ein tugendhafter und dem Ideal entsprechender Ritter, der in der Welt hohes Ansehen genießt. Die Weltzugewandtheit Heinrichs stellt zugleich sein Verderben dar, denn Gott bestraft bzw. prüft ihn, indem er ihn am Aussatz erkranken lässt. Seine Rettung beruht auf der Erkenntnis des allmächtigen Schöpfers - dass er sich Gott hingeben, ihm vertrauen und sich seinem Willen unterordnen muss. Als Kontrast zu Heinrich führt Hartmann das Mädchen ein, die fromme Tochter eines Bauern, die völlig der Welt abgewandt ist und ihre Seele retten möchte, indem sie sich für Heinrich opfert. Sie möchte ins Paradies gelangen und die Braut Christi werden. Auch sie wird am Ende geheilt, wenn sie die Welt, die die Schöpfung Gottes ist, akzeptiert. Das Hauptthema des mittelalterlichen Textes ist demzufolge die Beziehung des Menschen zu Gott und zu der von ihm geschaffenen Welt. Tankred Dorst problematisiert in seinem Drama „Die Legende vom armen Heinrich“ die Religiosität des modernen Menschen. Doch anders als Hartmann lässt Dorst die Ursachen der Erkrankung Heinrichs offen. Der Leser respektive der Zuschauer erfährt auch nicht den Namen der Krankheit. Eine weitere schwerwiegende Abweichung in der Ausgangslage der Geschichte ist die Distanzierung der Bauernfamilie von ihrem Herrn Heinrich. Dieser wird von ihnen als selbstsüchtiger Herr geschildert, der kein Mitleid verdient hat, weshalb er in einem dunklen Turm im Wald einsam haust. Ein weiterer Unterschied zu Hartmanns Version besteht in der ausführlichen Gestaltung der Reise nach Salerno, die im mittelalterlichen Versepos nur kurz als Fakt erwähnt wird. Das Wunder, das heißt die Heilung geschieht nicht aufgrund der Hingabe zu Gott, sondern in dem Moment als sich Heinrich und Elsa umarmen. Aus diesen Differenzen zwischen beiden literarischen Bearbeitungen des Stoffes lässt sich folgern, dass es Dorst nicht um die Gottergebenheit des Menschen geht, sondern um die zwei Hauptcharaktere Heinrich und Elsa, wobei erwähnt werden muss, dass das Mädchen Elsa hier im Vergleich zu Hartmanns Text in den Vordergrund rückt, denn es erhält bei Dorst einen Namen und mehr Raum in der Darstellung.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Glauben und Wissen“ – Jürgen Habermas

3. Charakterisierung der Hauptfiguren vor Beginn der Reise bis zum Labyrinth

3.1 Elsa – die Welt des Glaubens

3.2 Heinrich – die Welt der Ratio

4. Wandlung, Erkenntnis und Wunder – die Liebe

5. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Repräsentation und Transformation unterschiedlicher Wertsysteme in Tankred Dorsts Drama „Die Legende vom armen Heinrich“. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Dorst das Spannungsfeld zwischen der mittelalterlichen Welt des Glaubens und der modernen, von der Ratio geprägten Welt mittels der Figuren Elsa und Heinrich sowie des Motivs der Liebe problematisiert und auflöst.

  • Vergleich der Wertsysteme Mittelalter (Glaube) und Moderne (Ratio/Wissen)
  • Analyse der Figuren Elsa und Heinrich als Repräsentanten dieser Zeitalter
  • Einordnung des Dramas anhand der Thesen von Jürgen Habermas zur postsäkularen Gesellschaft
  • Untersuchung der Wandlung und der Rolle der Liebe als drittes Wertsystem
  • Deutung der Legenden-Thematik im Kontext moderner Religiosität

Auszug aus dem Buch

3.2 Heinrich – die Welt der Ratio

Um Heinrichs Welt, die als Gegenmodell zu Elsas konzipiert ist, zu charakterisieren, möchte ich auf die elegante Gesellschaft in der zehnten Szene eingehen, die Heinrichs früheres Leben vor dem Ausbruch der Krankheit kennzeichnet. Die Beschreibung des Ortes in der Regieanweisung erinnert an eine Schlossanlage im 17. Jahrhundert: „Wasserschloß Beauséjour. [...] Überall im Park rieselndes, stäubendes Wasser, Fontänen, Springbrunnen, Kaskaden. Die elegante Gesellschaft bewegt sich zwischen Hecken, auf Terrassen und Treppen.“ Zu diesem Bild fügen sich außerdem Eigenschaften der Gesellschaft wie ein großes Interesse an Sinnlichkeit, Schaulust und Erlebnis, die Bedeutung der Form statt des Inhaltes und die Vorherrschaft der Ratio hinzu, die ebenfalls auf die adlige Gesellschaft im Zeitalter des Barock zutreffen. Dorst entwirft hier eine Gegenwelt zu der Elsas. In dem Gespräch der eleganten Gesellschaft zu Beginn der Szene wird von einer anonymen Stimme der Wunsch nach Authentizität aufgeworfen. Die sinnliche Wahrnehmung wird in Frage gestellt, da Illusion und Wirklichkeit kaum noch unterschieden werden können: „Das Echte, das Authentische! Danach schreie ich im Zeitalter der Simulation! Die immer perfekter werdende Simulation aller Lebensprozesse macht uns zu bloßen Dummies in einem gigantischen Crash-Test!“

Diese Person spürt eine Sehnsucht nach Wirklichkeit, von der bloßen Darstellung hat sie genug: „Nicht die Darstellung des Lebens, das Leben selbst! Nicht die Darstellung des Todes, der Tod selbst!“ Diese Wahrnehmungsunsicherheit ist im 17. Jahrhundert mit der Entwicklung optischer Instrumente und der voranschreitenden Erforschung der Natur tatsächlich ein großes Thema gewesen. Mit Hilfe technischer Neuerungen wird mehr und mehr über das Funktionieren der Natur herausgefunden, aber gleichzeitig werden Maschinerien entwickelt, die die immer perfekter werdende Illusion ermöglichen, wenn man beispielsweise an die Theatermaschinerien denkt. Daher kommt das Misstrauen gegenüber der Sinneswahrnehmung, denn was ich sehe, muss nicht der Wirklichkeit entsprechen; umgekehrt kann es eine Wirklichkeit geben, die ich nicht mit dem bloßen Auge sehen kann, sondern nur mit Hilfe optischer Instrumente. Die zweifelsfreie Erkenntnis kann nur vermittels des Verstandes erfolgen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das mittelalterliche Versepos von Hartmann von Aue und Tankred Dorsts moderne Dramatisierung ein und stellt die zentrale Fragestellung zur Bedeutung von Glaube, Wissen und Liebe auf.

2. „Glauben und Wissen“ – Jürgen Habermas: Dieses Kapitel fasst die Thesen von Jürgen Habermas zur postsäkularen Gesellschaft zusammen, insbesondere die Warnung vor der Entpersonalisierung durch die Übermacht der Naturwissenschaften.

3. Charakterisierung der Hauptfiguren vor Beginn der Reise bis zum Labyrinth: Hier werden die Ausgangslagen von Elsa als kindliche Repräsentantin des Glaubens und Heinrich als erwachsener Vertreter der Ratio kontrastierend analysiert.

3.1 Elsa – die Welt des Glaubens: Dieser Abschnitt untersucht Elsas kindliche Religiosität, ihre Selbstinszenierung und die pubertäre Krise, die sie durchlebt.

3.2 Heinrich – die Welt der Ratio: Hier wird Heinrichs Herkunft aus der eleganten, oberflächlichen und von Ratio geprägten Gesellschaft sowie seine gefühlskalte Haltung vor seiner Wandlung beleuchtet.

4. Wandlung, Erkenntnis und Wunder – die Liebe: Das Kapitel beschreibt den Prozess, in dem durch das Aufkommen der Liebe als neues Wertsystem die starren Gegensätze zwischen Heinrich und Elsa überwunden werden.

5. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Verbindung des Dramas zu Habermas und verdeutlicht die Funktion der Liebe als Ersatz für die Religion im modernen Wertsystem.

Schlüsselwörter

Tankred Dorst, Legende vom armen Heinrich, Jürgen Habermas, Wertsysteme, Mittelalter, Moderne, Glaube, Ratio, Liebe, Säkularisation, Elsa, Heinrich, Religiosität, Erkenntnis, Wunder

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert, wie Tankred Dorst in seinem Drama „Die Legende vom armen Heinrich“ verschiedene Zeitalter und deren Wertsysteme – namentlich Glaube und Wissen – gegenüberstellt und durch das Motiv der Liebe eine Synthese bzw. Lösung für den modernen Menschen anbietet.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?

Zentrale Felder sind die literaturwissenschaftliche Analyse von Dorsts Drama, die philosophische Einordnung in den Habermas’schen Diskurs über Säkularisierung sowie die Untersuchung von Entwicklungspsychologie und Identitätsbildung der Figuren.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, warum Dorst sein Werk als „Legende“ betitelt und wie er das Zusammenwirken von Glaube, Ratio und Liebe nutzt, um die Bedeutung von Religiosität im Zeitalter der Moderne und der Naturwissenschaften zu problematisieren.

Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?

Die Autorin nutzt einen komparativen Ansatz, indem sie die Dramenfiguren Elsa und Heinrich als Repräsentanten historischer Epochen analysiert und diese Ergebnisse theoretisch durch die Rede von Jürgen Habermas aus dem Jahr 2001 fundiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung der Figuren Elsa und Heinrich vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Epochen, die Analyse ihrer kognitiven und emotionalen Entwicklungen während der Reise sowie die Untersuchung der Wandlung durch das Wunder der Liebe.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Charakteristika sind der Dualismus von Mittelalter und Moderne, die Säkularisierung, die Kritik an der Vorherrschaft der Ratio und die Wiederentdeckung humanitärer Werte in der zwischenmenschlichen Liebe.

Wie unterscheidet sich Dorsts Elsa von Hartmanns Vorlage?

Bei Dorst ist Elsa individueller ausgearbeitet, hat einen Namen und durchläuft eine explizite Entwicklung vom Kind zur jungen Frau, während sie bei Hartmann primär die absolute Gottzugewandtheit symbolisiert.

Welche Funktion hat die „elegante Gesellschaft“ im Drama?

Sie dient als Karikatur der modernen, von der Ratio bestimmten Welt. Sie ist anonym, oberflächlich und unfähig zu echtem Mitgefühl oder zwischenmenschlicher Bindung, was Heinrichs isolierte Ausgangslage unterstreicht.

Warum spielt das „Wunder“ eine zentrale Rolle?

Das Wunder ist bei Dorst kein göttlicher Akt im traditionellen Sinne, sondern wird durch die menschliche Liebe zwischen Heinrich und Elsa vollbracht und ersetzt somit die traditionelle religiöse Heilserwartung.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Glaube, Wissen, Liebe - Wertsysteme auf der Reise vom Mittelalter zur Moderne in Tankred Dorsts "Legende vom armen Heinrich"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Hartmann von Aue: Der arme Heinrich
Note
1,3
Autor
Janine Dahlweid (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V45627
ISBN (eBook)
9783638429986
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Glaube Wissen Liebe Wertsysteme Reise Mittelalter Moderne Tankred Dorsts Legende Heinrich Hartmann Heinrich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Janine Dahlweid (Autor:in), 2003, Glaube, Wissen, Liebe - Wertsysteme auf der Reise vom Mittelalter zur Moderne in Tankred Dorsts "Legende vom armen Heinrich", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/45627
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Leseprobe aus  21  Seiten
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