Die Zuordnung von Werken in eine bestimmte literarische Epoche ist nicht immer so eindeutig, wie es Klassifizierungen manchmal erscheinen lassen. Die Novelle "Fräulein Else" von Arthur Schnitzler zum Beispiel weist sowohl Merkmale der Epoche der Wiener Moderne sowie der literarischen Strömung Neue Sachlichkeit auf. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Versuch einer Zuordnung zu einer der beiden Epochen.
Dafür werden zuerst die Hintergründe und Merkmale der Epochen der Wiener Moderne und der Neuen Sachlichkeit beschrieben. Danach werden im Werk Arthur Schnitzlers Charakteristika der beiden Epochen aufgezeigt und erläutert. Schließlich wird diskutiert, ob "Fräulein Else" einer der beiden Epochen zweifelsfrei zuzuordnen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Epochen der möglichen Zuordnung von Arthur Schnitzlers „Fräulein Else“
2.1 Wiener Moderne
2.2 Weimarer Republik, literarische Strömung Neue Sachlichkeit
3 Versuch, „Fräulein Else“ einer der beiden Epochen zuzuordnen
3.1 Wiener Moderne
3.2 Neue Sachlichkeit
4 Zusammenfassung und Reflexion
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die epochenmäßige Zuordnung von Arthur Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“. Dabei wird analysiert, inwieweit das Werk Merkmale der Wiener Moderne sowie der Neuen Sachlichkeit der Weimarer Republik aufweist, um zu prüfen, ob eine eindeutige Kategorisierung möglich ist.
- Merkmale und Hintergründe der Wiener Moderne
- Charakteristika der Neuen Sachlichkeit in der Weimarer Republik
- Analyse des inneren Monologs und psychologischer Aspekte in „Fräulein Else“
- Einflüsse von Amerikanismus und moderner Frauenrollen auf die Erzählung
- Synthese der epochenübergreifenden Elemente im Werk
Auszug aus dem Buch
3.1 Wiener Moderne
Arthur Schnitzlers „Fräulein Else“ handelt von einer Wiener Anwaltstochter, die ihre Gedankenwelt durch einen sogenannten „inneren Monolog“ mitteilt. Diese literarische Technik lag auch der von Schnitzler bereits 1901 verfassten Novelle „Leutnant Gustl“ zugrunde. „Fräulein Else“ ist eine „[...] psychoanalytische Durchleuchtung des menschlichen Herzens angesichts einer auf Entscheidung drängenden existentiellen Grenzsituation.“ (von Wilpert 1997, S. 388) Schnitzler, geboren 1862, lebte zunächst als Arzt und später als freier und anerkannter Schriftsteller in Wien, wo er auch mit Sigmund Freud gut bekannt war. Von daher sind er und sein Werk natürlich durch die Wiener Moderne geprägt.
Schon zu Beginn der Novelle zeigt sich das Gefühl der Einsamkeit als Kennzeichen der Wiener Moderne deutlich. Else sagt: „Ich bin nicht verliebt. In niemanden. Und war noch nie verliebt.“ (Schnitzler 1924, S. 6) Dieses Einsamkeitsgefühl vermittelt sie auch später wieder. „Wie weit ist Wien? Wie lange bin ich schon fort? Wie allein bin ich da! Ich habe keine Freundin, ich habe auch keinen Freund.“ (Schnitzler 1924, S. 19) Und ebenso äußert Herr von Dorsday im Gespräch mit Else, dass er „[…] ziemlich einsam und nicht besonders glücklich ist […].“ (Schnitzler 1924, S. 36) Auch die Langeweile wird in einem Gespräch Elses mit Herrn von Dorsday thematisiert, währenddessen sie denkt: „Wie langweilig er ist. Merkt er das nicht?“ (Schnitzler 1924, S. 26)
Ein weiteres Gefühl als besonderes Kennzeichen in der Literatur der Wiener Moderne ist die Nervosität. In ihren Gedanken überlegt Fräulein Else immer wieder, ihre Nervosität mit Hilfe des Schlafmittels Veronal zu bekämpfen. „Ich werde heute Veronal nehmen.“ (Schnitzler 1924, S. 9) „Ich bin nervös. Ach, soll man nicht unter solchen Um- ständen nervös sein. Die Schachtel mit dem Veronal hab ich bei den Hemden.“ (Schnitzler 1924, S. 21) Auch das Thema des Todes ist in „Fräulein Else“ allgegen- wärtig. Else überlegt immer wieder sich umzubringen, verwirft den Gedanken aber auch.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob sich Schnitzlers Novelle der Wiener Moderne oder der Neuen Sachlichkeit zuordnen lässt.
2 Epochen der möglichen Zuordnung von Arthur Schnitzlers „Fräulein Else“: Es werden die theoretischen Grundlagen der Wiener Moderne sowie der literarischen Strömung der Neuen Sachlichkeit dargelegt.
3 Versuch, „Fräulein Else“ einer der beiden Epochen zuzuordnen: Die Novelle wird anhand spezifischer Textstellen auf ihre Zugehörigkeit zu den beiden Epochen hin untersucht.
4 Zusammenfassung und Reflexion: Die Autorin resümiert, dass das Werk Elemente beider Strömungen verbindet und eine einseitige Zuordnung daher nicht angemessen ist.
5 Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Arthur Schnitzler, Fräulein Else, Wiener Moderne, Neue Sachlichkeit, Weimarer Republik, Innerer Monolog, Psychoanalyse, Moderne Frau, Amerikanismus, Nervosität, Einsamkeit, Literaturwissenschaft, Epochenzuordnung, Inflation, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Arthur Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“ im Hinblick auf ihre literarische Einordnung zwischen den Epochen der Wiener Moderne und der Neuen Sachlichkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die stilistischen und inhaltlichen Merkmale der genannten Epochen, insbesondere Themen wie Nervosität, Einsamkeit, moderne Frauenbilder sowie der Einfluss der Inflationszeit.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob die Novelle „Fräulein Else“ zweifelsfrei einer der beiden literarischen Epochen zugeordnet werden kann oder ob sie Merkmale beider vereint.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse des Textes in Verbindung mit zeitgenössischer Sekundärliteratur zu den relevanten literarischen Strömungen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil setzt sich detailliert mit den theoretischen Hintergründen der Wiener Moderne und der Neuen Sachlichkeit auseinander und gleicht diese mit konkreten Zitaten und Motiven aus der Novelle ab.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Wiener Moderne“, „Neue Sachlichkeit“, „Innerer Monolog“ und die soziokulturellen Umbrüche der 1920er Jahre charakterisiert.
Inwieweit spielt die Figur der Else eine Rolle für die Epochenzuordnung?
Die Figur der Else fungiert als Spiegel ihrer Gesellschaft; ihre Gedankenwelt reflektiert sowohl klassische Merkmale der Wiener Moderne als auch neuartige, funktional-sachliche Tendenzen der 1920er Jahre.
Welche Bedeutung hat das Thema „Amerikanismus“ im Werk?
Das Thema „Amerikanismus“ wird als Indiz für die Neue Sachlichkeit gewertet, da es die in den 1920er Jahren aufkommende Massenkultur, Technisierung und neue Lebensentwürfe innerhalb der Novelle verdeutlicht.
Wie bewertet der Autor die Zuordnung am Ende?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass eine vorrangige Zuordnung unangemessen ist, da die Novelle eine ausgewogene Verbindung von Wiener Moderne und Neuer Sachlichkeit darstellt.
- Arbeit zitieren
- Robin Kern (Autor:in), 2018, Zur Epochenzuordnung von Arthur Schnitzlers "Fräulein Else", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/456236