Tierknochenreste aus der Terra Preta von Hatahara in Zentral Amazonien (Brasilien, Südamerika): Erste Nachweise für den menschlichen Verzehr von Schildkröten und kleinen Wirbeltieren aus der Terra Preta von Hatahara in Zentral Amazonien (Brasilien, Südamerika) werden erbracht. Knochenreste von Fischen (Loricariidae, Serrasalminae), Fröschen (Ceratopsidae), limnischen Schildkröten (Podocnemididae), Schildkröten (Testudinidae) und Krokodilen (Caimaninae) werden beschrieben und diskutiert. Die Formen des Verzehrs von Schildkröten und deren Schlachtung werden diskutiert und als weitere Beispiele der Chelonophagie vorgestellt (Human Consumption of Turtles).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lokalität und Datierung
3. Abundanz und Beschreibung
3.1 Fische
3.2 Amphibien
3.3 Schildkröten
3.4 Krokodile
3.5 Vögel
3.6 Säugetiere
5. Diskussion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, durch die Analyse von Tierknochenresten aus der Terra Preta von Hatahara in Zentral-Amazonien erstmals Belege für den menschlichen Verzehr von Schildkröten und anderen kleinen Wirbeltieren in dieser spezifischen Region zu identifizieren und archäozoologisch zu bewerten.
- Erste Untersuchung von Tierknochenresten aus der Terra Preta von Hatahara.
- Nachweis von Verzehrmustern und Schlachtspuren an Schildkrötenresten.
- Vergleichende Analyse des Vertebratenspektrums mit anderen Fundstellen.
- Diskussion der Bedeutung von Chelonophagie in amazonischen Kulturen.
- Methodische Einordnung durch röntgenologische Wirbelanalysen und Literaturabgleich.
Auszug aus dem Buch
Fische
Die Welse kommen in Amazonien in großer Arten- und Individuenzahl vor und gehörten schon immer zum Nahrungsspektrum des Menschen. Charakteristische Knochenelemente sind Dermalossifikationen und verstärkte erste Strahlen der Brust- und Dorsalflosse. Diese Flossenstacheln und Panzerplatten sind auch hier vertreten. Die Wirbel sind im Verhältnis zur Breite und Höhe sehr kurz und charakteristisch geformt. Ihre peripheren Höhlungen sind fein und liegen dicht zusammen, was im Röntgenbild eine diffuse Zone zeigt: Siluridae indet.
Alle Sägesalmler sind Schwarmfische und haben einen hoch gewölbten, discusförmigen Körper. Ein charakteristisches Merkmal ist die starke Bezahnung dieser Carnivoren der Genera Pristobrycon, Pygocentrus, Pygopristis und Serrasalmus, welche aus Reihen großer und scharfer Zähne besteht, die im Material von Hatahara herausgebrochen sind. Ihre peripheren Höhlungen sind groß und liegen getrennt, welche im Röntgenbild separate, tropfenförmige Figuren ergeben: Serrasalminae indet. Die Vergleiche an Röntgenfiguren nach Musali et al. (2003) von Wirbeln der Characiformes und Siluriformes sind in Abb. 4 dargestellt. Ein weiterer Wirbel ist nicht weiter bestimmbar: Actinopterygii indet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Terra Preta als anthroposolische Böden ein und umreißt den Kontext der archäologischen Grabungen im "Central Amazon Project" in Hatahara.
2. Lokalität und Datierung: Hier werden die geografische Lage der Fundstelle Hatahara in Iranduba beschrieben und der zeitliche Rahmen der Terra Preta-Bildung anhand von C14-Daten und Keramikphasen eingeordnet.
3. Abundanz und Beschreibung: Dieser Abschnitt präsentiert die quantitative und qualitative Auswertung der gefundenen Knochenfragmente, unterteilt nach den verschiedenen Tiergruppen wie Fischen, Reptilien und Säugetieren.
3.1 Fische: Untersuchung der Wels- und Sägesalmlerüberreste sowie deren morphologische Bestimmung mittels röntgenologischer Vergleichsmerkmale.
3.2 Amphibien: Beschreibung von Froschresten, die aufgrund ihrer charakteristischen Schädelornamente oder Ilium-Strukturen identifiziert wurden.
3.3 Schildkröten: Analyse der Schildkrötenpanzerfragmente, wobei zwischen wasser- und landlebenden Arten differenziert wird.
3.4 Krokodile: Identifizierung von Resten kleinerer crocodyloider Osteoderme und Zwergkaimanen.
3.5 Vögel: Kurzer Vermerk zum Fund eines einzelnen Flügelknochenfragments.
3.6 Säugetiere: Erläuterung zum Fehlen größerer Säugetiere und Einordnung der kleinfragmentierten Reste unbestimmbarer Nager.
5. Diskussion: Das Kapitel vergleicht die Ergebnisse aus Hatahara mit anderen archäozoologischen Fundstellen, insbesondere aus dem unteren Paraná, und reflektiert über Ernährungspraktiken und Fischereitechniken.
Schlüsselwörter
Terra Preta, Hatahara, Manaus, Brasilien, Archaeozoologie, Schildkrötenverzehr, Chelonophagie, Wirbeltiere, Fischknochen, Röntgenanalyse, Holozän, Anthropogene Böden, Amazonas, Archäologie, Ernährungswirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der archäozoologischen Analyse von Tierknochenresten, die in der Terra Preta von Hatahara in Zentral-Amazonien gefunden wurden, um Erkenntnisse über die Ernährungsgewohnheiten der damaligen Bewohner zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentral sind die Identifizierung von Wirbeltierresten, die Untersuchung von Schlachtspuren an Schildkrötenpanzern und der Vergleich mit anderen archäologischen Fundstellen in Südamerika.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist der erstmalige Nachweis und die Diskussion von Chelonophagie (Schildkrötenverzehr) sowie der Konsum kleiner Wirbeltiere bei den prähistorischen Siedlern von Hatahara.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Neben der morphologischen Bestimmung der Knochenfragmente werden röntgenologische Analysen von Fischwirbeln eingesetzt, um Taxa zu differenzieren, sowie Literaturvergleiche zu archäoichthyologischen Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung der Fundlokalität und Datierung, die detaillierte Bestimmung und Quantifizierung der Tierknochenreste nach Gruppen sowie eine vergleichende Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Terra Preta, Hatahara, Archaeozoologie, Schildkrötenverzehr und die Analyse von Wirbeltierresten charakterisiert.
Warum ist das Fundmaterial in Hatahara so stark fragmentiert?
Das Material ist relativ selten und stark zerkleinert, da die Knochen bei der anthropogenen Herstellung der Terra Preta-Böden oft verbrannt und zerstoßen wurden.
Welche Rolle spielt die Röntgenanalyse in dieser Studie?
Die Röntgenanalyse ermöglicht es, durch die Darstellung interner Strukturen (z. B. radiäre Höhlungen in Fischwirbeln), taxonomische Unterschiede zwischen verschiedenen Fischarten, wie etwa Welsen und Salmlern, auch an fragmentierten Stücken sichtbar zu machen.
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- Dipl. Phil. Dr. rer. nat. Hans-Volker Karl (Author), Gottfried Tichy (Author), 2018, Erste Untersuchungen zur Abundanz von Tierknochenresten aus der Terra preta von Hatahara in Zentral-Amazonien (Brasilien, Südamerika), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/454051