In dieser Arbeit wird ein Patientenbeispiel aus der Manuellen Therapie im Sinne des Clinical Reasoning Prozesses näher beleuchtet.
Zu Beginn findet sich die Hypothesenbildung anhand von Schlüsselwörtern aus der Anamnese, die dann im Untersuchungsverlauf entweder bestätigt oder wiederlegt wird. Es folgt ein Beispiel des Bahandlungsaufbaus, der mittels validierter Assessmentverfahren stetig reflektiert und optimiert werden kann.
Abschließend werden zwei Evidenzen vorgestellt, die den aktuellen Stand der Manuellen Therapie beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Patientenbeispiel
1.1 Diagnostische Schlüsselwörter
1.2 Konditionelle Schlüsselwörter
1.3 Ergänzende Anamnese
1.4 Hypothesenbildung
2. Manualtherapeutische Untersuchung und Behandlung
2.1 Untersuchungsschritte und Begründung
2.2 Anwendung standardisierter Assessments
2.3 Durchführung der Therapie
3. Studienlage zu manualtherapeutischen Behandlungsstrategien
3.1 „Orthopaedic manual therapy, McKenzie method or advice only for low back pain in working adults: a randomized controlled trial with one year follow-up.“ (Paatelma, Kilpikoski, Simonen, Heinonen, Alen & Videman, 2008).
3.2 „Manual therapy with steroid injections in low-back pain. Improvement of quality of life in a controlled trial with four months' follow-up.“ (Blomberg, Svärdsudd, Tibblin & Scand, 1993).
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den Clinical Reasoning Prozess am Beispiel einer manualtherapeutischen Behandlung einer Patientin mit chronischen Rückenschmerzen praxisnah darzustellen und durch evidenzbasierte Studien zu untermauern.
- Strukturierung des klinischen Denkprozesses anhand von Anamnese und Hypothesenbildung.
- Durchführung und Begründung manualtherapeutischer Untersuchungsschritte.
- Integration standardisierter Assessmentverfahren zur Verlaufskontrolle.
- Vergleich und Einordnung manualtherapeutischer Behandlungsstrategien durch aktuelle Forschungsergebnisse.
Auszug aus dem Buch
Untersuchungsschritte und Begründung
Ohne weiteres Eingreifen des Therapeuten lassen sich schon während der Inspektion Rückschlüsse auf die mögliche Problematik ziehen. Die Haltung der Patientin wird im Stand inspiziert, wobei auffällt, dass sie die gesamte Aufrichtung der Wirbelsäule nicht erlangt sondern schwach nach ventral gebeugt steht. Auch eine Lateralflexion nach links wird ersichtlich, was bei den Schultern zu einer Elevation auf der rechten Seite führt und das rechte Taillendreieck im Gegensatz zu links vergrößert. Als Standbein wählt die Patientin das linke Bein, was zusätzlich zur Beckenelevation links führt und zudem das Taillendreieck links verkleinert. Die Lendenwirbelsäule zeigt eine geringe Lordose und ist im Gesamtbild eher steil eingestellt. Auch das Muskelrelief zeigt bei den beiden Musculi erector trunci eine Auffälligkeit, da der linke Muskel prominenter ins Auge sticht. Die Trophik des Bindegewebes wirkt im unteren LWS-Bereich eingezogen und verbacken, was im späteren Verlauf näher untersucht wird. Die Spinae iliaca anterior superior und posterior superior rechts liegen beide gering kaudal der linken, was mit der Beckenelevation links korreliert.
Auf die Inspektion im Stand folgt die aktive Bewegungsüberprüfung, bei der die Patientin dazu aufgefordert wird, den Oberkörper langsam nach vorne zu beugen. Nun bietet sich für den Therapeuten zusätzlich zur Befundung der LWS-Flexion die Möglichkeit, den Vorlauftest für das SIG durchzuführen, was eine Ausschlussdiagnostik anstrebt. Es folgt die Extension, Lateralflexion und Rotation der Wirbelsäule. Alle Bewegungen können selektiv oder kombiniert durchgeführt werden. Bei der Flexion gibt die Patientin auch nach längerer Dauer keinerlei Schmerzen an, aber es wird eine Hypomobilität in den unteren Segmenten der Lendenwirbelsäule ersichtlich und auch ein Abknicken im Bereich von L4. Die Aufrichtung aus der Flexion und die erweiterte Extension der Wirbelsäule fallen der Patientin schwer und führen zu den bisher bekannten Schmerzen im unteren Rücken und der Beinrückseite rechts.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Patientenbeispiel: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Anamnese der Patientin, führt eine diagnostische Hypothesenbildung durch und leitet daraus erste therapeutische Überlegungen ab.
2. Manualtherapeutische Untersuchung und Behandlung: Hier werden die praktischen Untersuchungsschritte, der Einsatz validierter Assessments sowie der konkrete Behandlungsaufbau inklusive Eigenübungen am Fallbeispiel erläutert.
3. Studienlage zu manualtherapeutischen Behandlungsstrategien: Dieses Kapitel analysiert zwei ausgewählte randomisierte kontrollierte Studien, um die Wirksamkeit manualtherapeutischer Ansätze bei chronischen Rückenschmerzen zu reflektieren.
Schlüsselwörter
Clinical Reasoning, Manuelle Therapie, Rückenschmerzen, Lendenwirbelsäule, Patientenbeispiel, Hypothesenbildung, Assessments, VAS, Roland-Morris Disability Questionnaire, Evidenzbasierte Praxis, Biopsychosozialer Ansatz, Chronifizierung, Mobilität, Segmente, Behandlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet den Clinical Reasoning Prozess am konkreten Patientenbeispiel einer manualtherapeutischen Untersuchung und Behandlung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die diagnostische Hypothesenbildung, der Einsatz standardisierter Assessments in der Physiotherapie sowie die evidenzbasierte Behandlung von Rückenschmerzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den therapeutischen Entscheidungsprozess transparent zu machen und zu zeigen, wie fundierte Befundung und messbare Behandlungsziele zu einem optimalen Verlauf führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Fallstudienmethode, kombiniert mit einer Literaturanalyse aktueller Studien zur Manuellen Therapie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die klinische Untersuchung, die Anwendung von Messinstrumenten wie VAS und Roland-Morris-Fragebogen sowie die Darstellung der therapeutischen Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Clinical Reasoning, Manuelle Therapie, Evidenzbasierte Praxis und der biopsychosoziale Ansatz in der Behandlung chronischer Schmerzen.
Warum wurde der Roland-Morris Disability Questionnaire gewählt?
Dieses Instrument wurde gewählt, weil es neben der körperlichen Struktur auch die Lebensqualität und die Alltagsbewältigung der Patientin erfasst.
Welche spezifische Diagnose steht im Zentrum des Patientenbeispiels?
Im Zentrum steht der Verdacht einer Konvergenzstörung im rechten Facettengelenk zwischen L5 und S1 als Ursache der chronischen Rückenschmerzen.
- Quote paper
- Anna-Lena Herter (Author), 2018, Der Clinical Reasoning Prozess am Patientenbeispiel einer evidenzbasierten manualtherapeutischen Untersuchung und Behandlung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/452744