In Helmut Kraussers Roman "UC" fallen ab Seite 108 häufig vorkommende unterschiedliche Formatierungen der Schrift in Art, Größe und Auszeichnung auf. In meiner Arbeit untersuche ich ihr Auftreten und ihre Funktion.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung mit Definition Schrift
2. Tabellarische Analyse der verwendeten Formatierungen
3. Analyse ausgewählter Schriften
3.1 Die Schattengeschichte
3.1.1 Parallelen Märchen ↔ Rahmengeschichte
3.2 Vergewaltigungsbeschreibung
3.3 Rechtschreibung
4. Abschließende Thesen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die funktionale Bedeutung der variierenden Schriftformatierungen in Helmut Kraussers Roman "UC" und analysiert, inwiefern diese typografischen Besonderheiten als Indikatoren für den Schreibprozess, die Textgenese und die narrative Konstruktion der Romanfiguren fungieren.
- Analyse der Typografie als Mittel zur Charakterisierung von Erzählebenen.
- Untersuchung der Schattengeschichte als Metapher für den Autorschaftsprozess.
- Deutung der Vergewaltigungsbeschreibungen durch variierende Perspektiven und Schriftbilder.
- Reflektion über die Verwendung alter Rechtschreibkonventionen im zeitgenössischen Kontext.
- Interpretation der Figuren Arndt und Kurthes als Projektionsflächen des Autors.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Schattengeschichte
Erstmal tritt die Schattengeschichte (nach der Erwähnung im Untertitel: “UNTER ZUHILFENAHME EINES MÄRCHENS VON H. C. ANDERSEN”) nach dem Vortrag Kurthes’ auf und seiner Postkarte, auf der er anmerkt: “Ich finde übrigens, daß Sie, was Annes Geruchsproblem betrifft, stark übertreiben.” (228). In einem früheren Teil des Buches nennt Hermannstein diesen Geruch als Grund, weshalb er mit der seiner Meinung nach sonst sehr gut passenden Frau Anne nicht zusammen sein könne. Er hat diesen Umstand Kurthes gegenüber jedoch nie erwähnt. Vor der Abreise zur Scheidungsverhandlung mit Laura “überprüft” er beim Oralverkehr Annes Intimgeruch und sieht sie danach verwundert an, da der Geruch wohl weg ist.
Anne merkt seinen inneren Aufruhr und in der Rahmengeschichte häufen sich Hinweise auf Misstrauen, einen Bruch, ein “Ende”: Anne war verletzt – und es war der Moment, da sie ihre Liebe zu Arndt zum ersten Mal bewußt in Zweifel zog. (229) Wobei es ironischerweise auch das erste Mal ist, da ihre Beziehung zu Arndt als Liebe bezeichnet wird. “Wir schliefen zusammen, und es dauerte lange, war zärtlich und verspielt und intensiv – und aus irgendeinem Grund nicht annähernd so gut wie die Male zuvor. Irgendetwas war merkwürdig (…). Das war das Ende.” (231f.) Nach der Zugfahrt – rund um den Satz: “Anne riecht nicht mehr. Ich bin sterblich und Anne riecht nicht.” (232) – trifft er betrunken im Hotel ein, lässt einen Weckruf auftragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung mit Definition Schrift: Einführung in die Thematik des Romans und Erläuterung der Relevanz von Schriftformatierungen als Analysegegenstand.
2. Tabellarische Analyse der verwendeten Formatierungen: Systematische Aufarbeitung der verschiedenen typografischen Merkmale und ihrer möglichen interpretatorischen Zuweisungen.
3. Analyse ausgewählter Schriften: Detaillierte Untersuchung spezifischer Textpassagen, insbesondere der Schattengeschichte, der Vergewaltigungsbeschreibung und der verwendeten Rechtschreibung.
3.1 Die Schattengeschichte: Interpretation der eingebetteten Märchenhandlung als Spiegelbild der Rahmengeschichte und als Instrument der Machtausübung.
3.1.1 Parallelen Märchen ↔ Rahmengeschichte: Vergleich der Figuren und Motive zur Identifikation von Analogien zwischen dem Märchen und der Realität des Romans.
3.2 Vergewaltigungsbeschreibung: Analyse der wechselnden Perspektiven und Pronomen innerhalb der markanten Beschreibungen einer Gewalttat.
3.3 Rechtschreibung: Kurze Betrachtung der bewussten Verwendung veralteter Rechtschreibkonventionen innerhalb des Textes.
4. Abschließende Thesen: Synthese der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Rolle von Kurthes und Krausser bei der Konstruktion von Identität im Roman.
Schlüsselwörter
Helmut Krausser, UC, Schriftformatierung, Typografie, Schattengeschichte, Hans Christian Andersen, Arndt Hermannstein, Samuel Kurthes, Erzähltheorie, Autorschaft, Romananalyse, Perspektivwechsel, Textgenese, Literaturwissenschaft, Ultrachronos.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Bedeutung der abweichenden Schriftformatierungen im Roman "UC" von Helmut Krausser und verknüpft diese typografischen Auffälligkeiten mit den narrativen Strukturen des Textes.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Autorschaft, der Prozess des Schreibens als Selbstdarstellung, die Intertextualität durch Märchenbezüge und die Konstruktion von Identität durch verschiedene Erzählebenen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu untersuchen, welche informativen Zwecke die gezielten Veränderungen der Schriftart, -größe und -auszeichnung im Roman erfüllen und wie sie zur Interpretation des Gesamtwerks beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine tabellarische Analyse der Textstellen sowie eine hermeneutische Interpretation der ausgewählten Abschnitte, um Rückschlüsse auf die Intention des Autors und die Beschaffenheit der Erzählung zu ziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der Formatierungen, die detaillierte Untersuchung der "Schattengeschichte" mitsamt ihrer Parallelen zur Rahmengeschichte sowie eine Analyse der Vergewaltigungsbeschreibungen und der Rechtschreibkonventionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben den Namen der Hauptfiguren (Arndt, Kurthes) vor allem Fachbegriffe wie Erzählebenen, Metaphorik, Typografie, Autorschaft und Intertextualität.
Warum spielt das Andersen-Märchen eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Romans?
Das Märchen dient als strukturgebendes Element der "Schattengeschichte" und ermöglicht es der Autorin, die Machtverhältnisse und das Schicksal der Romanfiguren in Analogie zu einer bekannten literarischen Vorlage besser einzuordnen.
Welche Bedeutung wird der Rechtschreibung in der Arbeit beigemessen?
Die Beibehaltung der alten Rechtschreibung durch Krausser wird als bewusstes stilistisches Mittel interpretiert, das die verschiedenen Zeitebenen der Geschichte und die literarische Verortung des Textes unterstreichen könnte.
- Arbeit zitieren
- Inkeri Lüchem (Autor:in), 2017, Die Funktion der Schriftformatierungen in Helmut Kraussers Roman "UC", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/449022