Durch die gesetzliche Verankerung im § 8 SGB VIII der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, die UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 12) und die Bildungs- und Erziehungspläne der Bundesländer sind Eltern sowie Bildungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland dazu aufgefordert demokratische (Lern-)Prozesse mit in die Erziehung von Kindern und Jugendlichen einfließen zu lassen.
Doch wie kann diese Form des Lernens von Demokratie nachhaltig in die pädagogische Praxis eingeführt und von Pädagoginnen und Pädagogen angewandt werden? In dieser Hausarbeit möchte ich die Notwendigkeit der Partizipation für den Prozess des Demokratielernens, im Besonderen im frühkindlichen Bildungsbereich von Kindern im Alter von null bis zehn Jahren aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Partizipation
2.1 Definition des Begriffs
2.2 Historische Entwicklung
2.3 Rechtliche Grundlage von Partizipation
3. Partizipation in der frühpädagogischen Praxis – anhand des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes
4. Die Relevanz des Sozialraumes als Lernort für demokratische Prozesse
5. Praxisbeispiel der „Kinderkluse“ in Menden – Benedikt Sturzenhecker
6. Methoden der Partizipation von Kindern
6.1 Der „Mitbestimmungstag“
6.2 „Der Tag ohne Regeln“ – „Herrschaft der Kinder“ = Anarchie?
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit von Partizipation als Grundlage für das Erlernen demokratischer Prozesse im frühkindlichen Bildungsbereich. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie demokratische Teilhabe nachhaltig in die pädagogische Praxis integriert werden kann, wobei insbesondere die Rolle des Sozialraums und konkrete Methoden wie der „Mitbestimmungstag“ analysiert werden.
- Gesetzliche und historische Grundlagen der Partizipation
- Die Rolle des Sozialraums als Lernort für Demokratie
- Analyse des Praxisbeispiels „Kinderkluse“ in Menden
- Methodische Ansätze zur Umsetzung von Mitbestimmung
- Reflexion über Demokratielernen in frühkindlichen Einrichtungen
Auszug aus dem Buch
Methoden der Partizipation von Kindern
Der „Mitbestimmungstag“ ist ein beliebtes Mittel demokratischer Erziehung, das ähnlich einer Kinderkonferenz, die Interessen der Kinder in den Vordergrund stellt und ihnen einen ersten Eindruck eines demokratischen und rechtsstaatlichen (Wahl-)Systems darlegen soll. In der „Kinderkluse“ in Menden ist der „Mitbestimmungstag“ ein fixer monatlicher Termin, an dem die Kinder zu Beginn des Nachmittages zu einer Mitarbeiterin/einem Mitarbeiter an einen Tisch „[…] kommen und Programmvorschläge machen, Beschwerden einbringen, Regeln und Mitarbeiterhandeln kritisieren usw.“ (Sturzenhecker 2009: 292) können. Während des Nachmittages erstellen die Mitarbeitenden ein Protokoll. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der „Kinderkluse“ besteht neben den zahlreichen Partizipationsmöglichkeiten darin, dass die Mitbestimmungsprozesse auf freiwilliger Basis stattfinden (vgl. ebd.: 292). Jedes der Kinder kann sich dann in der daran anschließenden großen Besprechungsrunde einzeln zu den vorgeschlagenen Ideen und Kritiken äußern. Ob Vorschläge schlussendlich angenommen werden, entscheidet eine demokratische Abstimmung nach dem Mehrheitsprinzip (vgl. ebd.: 292). Dieser pädagogisch arbeitsintensive Prozess ist eine überaus effektive Methode des Demokratielernens, da die Kinder, auch gegen einen möglichen Einwand bei der Entscheidungsfindung durch die Mitarbeitenden des Kinderzentrums ihre Meinung standhaft verteidigen und argumentativ untermauern müssen (vgl. ebd.: 293).
Diese Mitbestimmungsprozesse in Einrichtungen der frühkindlichen Bildung (Kinder von 0-10 Jahren) „[…] fördern das Selbstbewusstsein, die Selbstwirksamkeit und die sozialen Kompetenzen.“ (Deutsches Kinderhilfswerk 2012: 2), aus diesem Grund sind sie unabdingbar für die Herausbildung eines demokratischen Selbstverständnisses, dessen Werte ein Zusammenleben im Miteinander der Gesellschaft erst ermöglichen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Partizipation für das Demokratielernen von Kindern und skizziert den Aufbau der Hausarbeit sowie die behandelten Schwerpunkte.
2. Partizipation: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Partizipation, beleuchtet seine historische Entwicklung und ordnet die rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere das SGB VIII und die UN-Kinderrechtskonvention, ein.
3. Partizipation in der frühpädagogischen Praxis – anhand des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes: Hier wird die Bedeutung von Partizipation für die frühkindliche Bildung unter Bezugnahme auf den Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan erläutert.
4. Die Relevanz des Sozialraumes als Lernort für demokratische Prozesse: Das Kapitel untersucht, inwiefern der Sozialraum als sozial konstruierter Lebensraum zur Ausbildung demokratischer Kompetenzen beitragen kann.
5. Praxisbeispiel der „Kinderkluse“ in Menden – Benedikt Sturzenhecker: Anhand des Konzepts der „Kinderkluse“ wird veranschaulicht, wie Partizipation in der offenen Kinder- und Jugendarbeit praktisch umgesetzt werden kann.
6. Methoden der Partizipation von Kindern: Dieses Kapitel stellt konkrete partizipative Methoden wie den „Mitbestimmungstag“ und das Experiment „Tag ohne Regeln“ als praktische Ansätze des Demokratielernens vor.
7. Fazit: Das Fazit fasst die aktuelle Situation der Partizipation in Deutschland kritisch zusammen und betont die Notwendigkeit einer nachhaltigen Implementierung demokratischer Prozesse in Bildungseinrichtungen.
Schlüsselwörter
Partizipation, Demokratielernen, Kinderkluse, Sozialraum, Frühpädagogik, Mitbestimmungstag, SGB VIII, Kinderrechte, Demokratie, Ko-Konstruktion, antipädagogisches Experiment, pädagogische Praxis, Selbstwirksamkeit, Bildungs- und Erziehungsplan, soziale Kompetenzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Stellenwert und der Notwendigkeit der Partizipation im frühkindlichen Bildungsbereich zur Förderung des Demokratielernens.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Grundlagen (UN-Kinderrechtskonvention, SGB VIII), die Bedeutung des Sozialraums, die historische Entwicklung pädagogischer Ansätze und praktische Partizipationsmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Partizipation nachhaltig in die pädagogische Arbeit von Bildungseinrichtungen integriert werden kann, um Kindern die Teilhabe an demokratischen Prozessen zu ermöglichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung eines spezifischen Fachtextes von Benedikt Sturzenhecker über die Einrichtung „Kinderkluse“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition von Partizipation, der sozialraumorientierten Arbeit, der Analyse des Praxisbeispiels „Kinderkluse“ und der Vorstellung konkreter Partizipationsmethoden wie dem „Mitbestimmungstag“.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Schlagworte sind Partizipation, Demokratielernen, Sozialraum, Frühpädagogik und Kinderrechte.
Welche Funktion hat der „Mitbestimmungstag“ in der „Kinderkluse“?
Er dient als fixer monatlicher Termin, an dem Kinder ihre Ideen, Beschwerden und Programmvorschläge demokratisch einbringen und diskutieren können, um Teilhabe zu üben.
Was verbirgt sich hinter dem „Tag ohne Regeln“?
Es handelt sich um ein soziales Experiment, das den Kindern durch die Erfahrung der Regellosigkeit vermitteln soll, dass gemeinsame Regeln für ein friedliches Miteinander sinnvoll und notwendig sind.
- Arbeit zitieren
- Christopher Jochmann (Autor:in), 2018, Partizipation in der frühpädagogischen Praxis. Das Beispiel der pädagogischen Praxis der "Kinderkluse" in Menden, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/447345