Verständlich, dass man sich in Zeiten von wenigen Prozent Wirtschaftswachstum nach den „Goldenen 50er Jahren“ sehnt, in denen das Bruttonationalprodukt um bis zu 11,1, Prozent wuchs . Diesen Forderungen müssen aber Antworten vorangehen: Was waren die Voraussetzung, Rahmenbedingungen und Akteure für die positive Entwicklung in diesen Jahrzehnten? Handelte es sich überhaupt um ein Wunder? Sind Schlüsse auf die Gegenwart sinnvoll? Dies beantworten zu können setzt sich die vorliegende Arbeit zum Ziel.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Wurzeln des Wunders
2.1. Aufholpotential nach dem Krieg
2.2. Der Marshall-Plan
2.3. Der Staatsvertrag
3. Stabilisierungspolitik in den 50er Jahren
3.1. Der Raab-Kamitz-Kurs
3.2. Die Paritätische Kommission
3.3. Stabilisierung nach außen
4. Der große Boom
5. Das Ende des Wunders
6. Nachwort
7. Verwendete Literatur
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die historischen Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Akteure, die in Österreich zu der bemerkenswerten wirtschaftlichen Entwicklung der 1950er und 1960er Jahre geführt haben, um zu klären, ob es sich dabei tatsächlich um ein "Wunder" handelte und welche Lehren daraus für die Gegenwart gezogen werden können.
- Analyse des "Aufholpotentials" nach dem Zweiten Weltkrieg
- Die Rolle des Marshall-Plans und des Staatsvertrags
- Der Raab-Kamitz-Kurs als zentrale Stabilisierungspolitik
- Die Bedeutung der Sozialpartnerschaft und der Paritätischen Kommission
- Die Konsumgesellschaft und der wirtschaftliche Boom
Auszug aus dem Buch
2.2. Der Marshall-Plan
Ohne die Mittel des European Recovery Programm (ERP, Marshallplan) im Ausmaß von 1,4 Milliarden Dollar hätte der Aufschwung nach dem Krieg wohl niemals in so kurzer Zeit stattfinden können. In den Jahren von 1948 bis 1951 wurden die Grundlagen für den folgenden Wirtschaftsboom gelegt. Die Industrieproduktion wuchs um 184 Prozent, das Bauvolumen stieg um 176 Prozent an. Entscheidend war auch die Verbesserung der Energieversorgung. In knapp 5 Jahren holte die österreichische Wirtschaft den kriegsbedingten Rückstand auf und übertraf sogar noch das Niveau der industriellen Produktion des Jahres 1937 um zwei Drittel. Es gibt kaum einen Sektor der österreichischen Wirtschaft, auf den sich die Marshall-Planhilfe nicht positiv ausgewirkt hätte.
In Folge der Inflation trat ein chronisches Zahlungsbilanzdefizit auf. Fehlende Summen wurden zunächst aus den ERP-Mitteln entnommen. Als aber im letzten Jahr des Marshall-Planes die Zuwendungen drastisch gekürzt wurden, sah man sich in Österreich zu einer sofortigen Änderung der bisherigen Wirtschaftspolitik gezwungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg und stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen des sogenannten Wirtschaftswunders.
2. Die Wurzeln des Wunders: Dieses Kapitel beleuchtet das ökonomische Aufholpotential, den Marshall-Plan sowie die Auswirkungen des Staatsvertrags auf die wirtschaftliche Souveränität.
3. Stabilisierungspolitik in den 50er Jahren: Hier werden der Raab-Kamitz-Kurs, die Institutionalisierung der Sozialpartnerschaft durch die Paritätische Kommission und die Bemühungen zur außenwirtschaftlichen Stabilisierung analysiert.
4. Der große Boom: Dieses Kapitel beschreibt den durch Pioniergeist geprägten wirtschaftlichen Aufstieg und die damit einhergehende Entstehung der Konsumgesellschaft.
5. Das Ende des Wunders: Das Kapitel thematisiert den Abschwung ab den 1960er Jahren, den Konjunkturrückgang und die staatlichen Gegensteuerungsmaßnahmen.
6. Nachwort: Das Nachwort fasst das Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren und Akteure als eigentliches Wunder der damaligen Zeit zusammen.
7. Verwendete Literatur: Auflistung der im Text verwendeten Quellen und Fachpublikationen.
Schlüsselwörter
Österreich, Wirtschaftswunder, Marshall-Plan, Raab-Kamitz-Kurs, Sozialpartnerschaft, Paritätische Kommission, Staatsvertrag, Wirtschaftswachstum, Konsumgesellschaft, Industrieproduktion, Nachkriegszeit, Wirtschaftsgeschichte, Stabilisierungspolitik, Aufbau, Wohlstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Faktoren und wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die zum österreichischen Wirtschaftswunder nach 1945 geführt haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Wiederaufbau, internationale Hilfsprogramme wie der Marshall-Plan, die Sozialpartnerschaft und die Rolle der Politik in den 1950er und 1960er Jahren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung der 50er Jahre historisch einzuordnen und zu prüfen, ob die Bezeichnung "Wunder" gerechtfertigt ist oder ob es sich um erklärbare wirtschaftliche Prozesse handelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Aufarbeitung wirtschaftswissenschaftlicher Literatur und historischer Daten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Startbedingungen (Wurzeln), die Stabilisierungspolitik durch den Raab-Kamitz-Kurs und die Paritätische Kommission, den anschließenden Boom und das Ende dieser Hochphase.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wirtschaftswunder, Sozialpartnerschaft, Marshall-Plan und Aufholprozess charakterisiert.
Wie wirkte sich der Staatsvertrag konkret auf die Wirtschaft aus?
Der Staatsvertrag brachte Souveränität, aber auch schwere finanzielle Lasten durch Reparationszahlungen an die Sowjetunion und die Rückkaufverpflichtungen von USIA-Betrieben.
Was versteht man unter dem Raab-Kamitz-Kurs?
Es handelt sich um eine harte Budgetpolitik und eine "Politik des knappen Geldes" zwischen 1953 und 1959, die zur Währungsstabilisierung und zur Förderung privater Investitionen diente.
Warum war die Paritätische Kommission so bedeutsam?
Sie ermöglichte durch die Einbindung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen sozialen Frieden, der maßgeblich zur Stabilität und zum Wachstum der österreichischen Wirtschaft beitrug.
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- Mag. Viktoria Lehner (Author), 2005, Das österreichische Wirtschaftswunder, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/44506