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Tränen als Strukturelement im Nibelungenlied

Titel: Tränen als Strukturelement im Nibelungenlied

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2005 , 38 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Katja Böttche (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Uns ist in alten mæren wunders vil geseit von helden lobebæren, von grôzer arebeit, von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen, von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen.
Diese vier Langzeilen hat uns der Nibelungendichter für die nun folgenden 2378 Strophen als einzige Leseanleitung hinterlassen. Doch Leseanleitung ist zuviel gesagt. In den vier Versen wird lediglich ein Hinweis auf Dinge, Formalien und Wiederkehrendes gegeben, auf das man beim Zuhören achten soll.
Im Mittelpunkt der Erzählung stehen demnach allgemeine Geschehniszusammenhänge, Alltägliches. In diesem Kurzinhalt werden keine Personen genannt, die im Verlauf der Geschichte im Mittelpunkt stehen werden. Diese tauchen erst in den Expositions-Aventiuren eins und zwei auf.
„Was wir von dieser epischen Erzählung halten sollen - wie wir sie verstehen oder mit ihr umgehen sollen -, das wissen wir allerdings […] nicht“.2
Der Erzähler führt sich selbst als Berichterstatter und objektiver Vermittler überkommenen, im Grunde bekannten (historische) Wissens ein. Er appelliert zunächst an das Sagenwissen seiner Zuhörer, indem er sie auf die alten mæren aufmerksam macht, die Publikum wie Dichter seit alters her bekannt sind. Er hat die Handlung nicht neu erfunden, sondern lang Bekanntes neu aufbereitet. Es ist der Versuch aus verschiedenen alten mæren eine neue geschlossene zu erstellen. „Sein Text soll zum ersten Mal im literarischen Gewand konkurrenzfähig präsentieren, was bis dahin in allen möglichen Formen - Lied, Kurzepos, Prosærzählung -, zu Teilen vermutlich auch schon schriftlich, im Prinzip (im Status) aber noch unliterarisch, im Umlauf war“. Dabei verweist er auf Strukturen und Elemente, die jede Geschichte enthält. Orientiert seine Hörer darauf, dass sie im Folgenden von ruhmreichen Helden, großen Anstrengungen, Freude und Festlichkeiten, Weinen und Klagen und den Kämpfen tapferer Ritter hören werden. Wenn man dieses als Kurzinhalt versteht, dann könnte es die Inhaltsangabe jedes mittelalterlichen Romans sein. Der Dichter will aber auf sein Werk hinweisen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tränen in der öffentlichen Kommunikation des Mittelalters

3. Übertragbarkeit auf literarische Texte

4. Weinen, Tränen, Trauer im Nibelungenlied

4.1. Stellennachweis

4.2. Leitmotiv Tränen und Trauer

4.3. Brunhilds Tränen

4.4. Kriemhilds Tränen

4.4.1. Die Trauerliturgie der 17. Âventiure

4.4.2. Kriemhilds Abschied vom toten Siegfried

4.4.3. Die Verbindung von Trauer und Rache

5. Resümee

6. Verwendete Textquelle und Literatur

6.1. Textquelle

6.2. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Weinen und die Tränen als zentrales Strukturelement des Nibelungenliedes. Dabei wird erforscht, inwiefern diese emotionalen Ausbrüche über eine rein charakterisierende Funktion hinausgehen und als bewusste Gestaltungsmittel des Dichters fungieren, um Handlungsabläufe voranzutreiben oder auf gesellschaftliche und höfische Konventionen sowie deren Störung hinzuweisen.

  • Die Rolle nonverbaler Kommunikation und ritueller Emotionen im Mittelalter.
  • Die Übertragbarkeit historischer Kommunikationsregeln auf die höfische Dichtung.
  • Analyse der Tränen als Anlass und Zeichen für Konflikte und Wendepunkte.
  • Die spezifische Bedeutung von Brunhilds und Kriemhilds Tränen für die Handlungsentwicklung.
  • Der Zusammenhang zwischen Trauer, Ehre und Rache als treibende Kraft des Epos.

Auszug aus dem Buch

4.3. Brunhilds Tränen

Die Tränen Brunhilds resultieren aus dem doppelten Betrug, dem sie durch Gunther und Siegfried ausgesetzt ist. Im ersten Fall ist es die Standeslüge, die beide ihr während der Werbungsfahrt in Isenstein vormachen, um Gunther als geeigneten Werber auftreten zu lassen und Brunhild zu besiegen. Ein zweites Mal wird sie in der Brautnacht betrogen, als es Gunther erneut nur mit Siegfrieds Hilfe gelingt sie zu bezwingen.

Ihre Tränen fließen erstmals während der Hochzeitsfeier. Beim Platznehmen an der Hochzeitstafel macht Brunhild die Entdeckung, die entscheidend für die weitere Handlung sein wird:

dô sah si Kriemhilde (done wart ir nie sô leit)

bî Sîfride sitzen: weinen si began.

ir vielen heize trähene über liehtiu wange dan. (618,2-4)

Verständlicherweise versteht Gunther diesen Gefühlsausbruch nicht. Er verweist auf seinen Reichtum, der jetzt auch ihr gehört und zeigt ihr damit ihren hohen Stand. Sie erklärt ihm, dass sie nicht um ihretwillen, sondern wegen Krimhild weint. Seit der Begegnung in Isenstein ist Brunhild nach Siegfrieds Worten davon überzeugt, dass er ein Untertan Gunthers ist. Siegfried stellte sich ihr als man (420-423) vor, sie nennt ihn jetzt sogar eigenholden (620,3) und setzt ihn damit noch weiter herab, indem sie ihn zum Unfreien macht. Der Status Krimhilds wäre durch eine solche Ehe erheblich beschädigt. daz muos ich immer weinen, sol si alsô verderbet sîn (620,4). Gunther wiegelt das ab. z’andern zîten (621,2) will er ihr erzählen, warum sie irrt. Er betont aber jâ mac si mit dem recken immer vrœlîchen leben (621,4). Doch Brunhild lässt sich nicht abbringen. Ir schœne unt ouch ir zuht (622,1) bedauert sie. Es scheint, dass sie Siegfrieds Worten in Isenstein mehr Glauben schenkt, als Gunthers. Das kann zum einen an der Bedeutung des Grußes liegen, der in der Regel dazu dient, die Verhältnisse zwischen den Grüßenden zu klären und nun für Brunhild Siegfrieds Vasallität besiegelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert, dass die Prologstrophe des Nibelungenliedes als Leseanleitung für die folgenden Strophen dient, wobei der Dichter auf die Verbindung von Helden, Anstrengungen und emotionalen Ausdrucksformen wie Weinen und Klagen als wiederkehrende Elemente hinweist.

2. Tränen in der öffentlichen Kommunikation des Mittelalters: In diesem Kapitel wird analysiert, welche Bedeutung nonverbale Ausdrucksmittel und Emotionen als Signalcharakter in der rituellen Kommunikation der mittelalterlichen Öffentlichkeit spielten.

3. Übertragbarkeit auf literarische Texte: Das Kapitel untersucht, wie gesellschaftliche Rituale und Regeln in der höfischen Literatur widergespiegelt werden und welche Bedeutung das Auftreten von Emotionen für die Legitimation soziokommunikativer Ordnungen hat.

4. Weinen, Tränen, Trauer im Nibelungenlied: Dieses Kapitel bildet das Kernstück der Arbeit und widmet sich der detaillierten Bestandsaufnahme und Analyse des Weinens und Klagens der Protagonisten, mit einem besonderen Fokus auf Brunhild und Kriemhild.

4.1. Stellennachweis: Dies ist eine tabellarische Auflistung aller relevanten Textstellen im Nibelungenlied, die das Weinen und Klagen thematisieren.

4.2. Leitmotiv Tränen und Trauer: Das Kapitel bestätigt, dass das Motiv der Trauer durch alle Handlungsphasen des Nibelungenliedes hindurch ein zentrales Element darstellt.

4.3. Brunhilds Tränen: Hier wird analysiert, wie Brunhilds Tränen infolge des doppelten Betrugs durch Gunther und Siegfried entstehen und als Anzeichen für ihre gestörte Wahrnehmung und verletzte Ehre dienen.

4.4. Kriemhilds Tränen: Das Kapitel untersucht die tiefgreifende Verbindung zwischen Kriemhilds Trauer um Siegfried und ihrer Rolle als rächende Witwe.

4.4.1. Die Trauerliturgie der 17. Âventiure: Es wird die höfische Totenklage nach der Ermordung Siegfrieds analysiert, bei der Kriemhild eine zentrale organisatorische Rolle einnimmt.

4.4.2. Kriemhilds Abschied vom toten Siegfried: Das Kapitel beleuchtet den emotionalen und symbolischen Höhepunkt der Klage, als Kriemhild den Sarg öffnen lässt, um von Siegfried Abschied zu nehmen.

4.4.3. Die Verbindung von Trauer und Rache: Hier wird erörtert, wie Kriemhilds Leid in Rache umschlägt und ihre Vereinsamung sowie ihre strategische Nutzung der höfischen Formen zur Verwirklichung ihrer Ziele führt.

5. Resümee: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Tränen im Nibelungenlied nicht nur der emotionalen Kennzeichnung dienen, sondern als essenzielle Struktureinheiten die Handlungsentwicklung entscheidend mitbestimmen.

6. Verwendete Textquelle und Literatur: Dieses Verzeichnis listet die herangezogene Textausgabe des Nibelungenliedes sowie die wissenschaftliche Fachliteratur auf.

6.1. Textquelle: Angabe der kritischen Ausgabe des Nibelungenliedes.

6.2. Literatur: Bibliographische Auflistung der Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Literatur und Kommunikation.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, Tränen, Weinen, Trauer, Klage, höfische Literatur, Mittelalter, rituelles Handeln, Ehre, Rache, Brunhild, Kriemhild, Siegfried, Kommunikation, Strukturelement

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Weinen und die Tränen als zentrales, leitmotivisches Strukturelement im Nibelungenlied und analysiert deren Funktion für die Handlung sowie die höfische Repräsentation.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle nonverbaler Kommunikation im Mittelalter, die Bedeutung von Trauerritualen, das Konzept der Ehre sowie die psychologische Gestaltung der weiblichen Hauptfiguren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist zu erforschen, ob der Dichter die Tränen lediglich als Mittel zur emotionalen Charakterisierung nutzte oder ob sie als bewusstes strukturelles Element dienen, das Handlungsabläufe maßgeblich vorantreibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer textnahen Analyse und Interpretation, ergänzt durch einen Vergleich mit historischen Kommunikationsregeln und bestehenden mediävistischen Forschungsergebnissen zur Trauer und höfischen Kultur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit dem Stellennachweis des Weinens, dem Leitmotivcharakter von Tränen und Trauer sowie einer detaillierten Analyse von Brunhilds und Kriemhilds Tränen im Kontext von Verrat, Ehrverletzung und Rache.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Nibelungenlied, Tränen, Trauer, Klage, Rache, höfische Literatur, rituelles Handeln und Ehre.

Warum weint Brunhild bei ihrer Hochzeit?

Brunhild weint, weil sie sich infolge eines doppelten Betrugs durch Gunther und Siegfried in ihrem sozialen Status herabgesetzt fühlt und eine Standesungerechtigkeit wahrnimmt, die sie durch den Vergleich mit Siegfrieds vermeintlichem Stand als Untertan begründet.

Welche Rolle spielt die Trauerliturgie in der 17. Âventiure?

Die 17. Âventiure dient als choreographisch festgelegtes Klage-Tableau nach Siegfrieds Tod, in dem Kriemhild die Trauerhandlungen organisiert und zwischen den Treuen und den ihrer Meinung nach am Mord beteiligten Parteien unterscheidet.

Inwiefern sind Tränen bei Kriemhild mit Rache verbunden?

Kriemhilds Trauer wandelt sich von einer Ausdrucksform des Verlustes in eine strategische Rachemotivation, da ihre Ehre durch den Mord an Siegfried und den Raub des Nibelungenhortes fundamental verletzt wurde und sie Rache als notwendige Wiederherstellung ihres Status betrachtet.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Tränen als Strukturelement im Nibelungenlied
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,0
Autor
Katja Böttche (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
38
Katalognummer
V44284
ISBN (eBook)
9783638419130
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tränen Strukturelement Nibelungenlied
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katja Böttche (Autor:in), 2005, Tränen als Strukturelement im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/44284
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Leseprobe aus  38  Seiten
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