Im vorliegenden Seminarportfolio habe ich überarbeitete Übungen des Seminars „William James‘ Pragmatismus“ sowie meinen abschließenden Essay „James‘ Pragmatismus – a victory for common sense?“ zusammengestellt.
James skizziert in seiner ersten Vorlesung auf den Seiten 5–27 zwei philosophische Wege. Der erste und beliebtere, der Empirismus, geht von erfahrbaren Tatsachen aus und ist weltzugewandt. Das ist leider enttäuschend und stiftet keinen Sinn. Der zweite Weg, der Rationalismus, ist religiös und bietet Prinzipien der Weltflucht. James versteht das Bedürfnis der Rationalisten nach „Kultiviertheit“ , verurteilt deren optimistische Erklärungsversuche aber als realitätsfern. Das möchte er seinen Hörerinnen und Hörern verständlich machen.
Als Beispiel für rationalistische Naivität stellt James Leibniz vor. In seiner Theodizee spekuliert dieser über die Anwesenheit des Guten in einer schlechten Welt. Den Gedanken, dass die Zahl der Verdammten unendlich größer sei als die Zahl der Erretteten, akzeptiert Leibnitz. Er versucht ihn jedoch mit der Behauptung zu relativieren, dass die Erde sich im Angesicht des Universums im Nichts verliert, und der gesamte ungeheure Raum hinter der Sternenregion doch noch „mit Glück und Seligkeit angefüllt sein“ kann. Die Tatsache, dass die Bösen von Gott selten auf Erden gestraft würden, lässt Leibniz nicht als gerechtfertigte Kritik an der Harmonie allen göttlichen Handelns gelten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das „gegenwärtige Dilemma“ von Rationalismus und Empirismus am Beispiel von Leibniz und Swift
3. Die innere Gliederung der zweiten Vorlesung
4. Eines und Vieles – James‘ vierte Vorlesung
5. Warum der gesunde Menschenverstand bedeutsam ist trotz Naturwissenschaft und Philosophie
6. Das Konzept des Meliorismus
7. James’ Pragmatismus –A Victory for Common Sense?
Zielsetzung und zentrale Themenfelder
Das Ziel dieses Seminarportfolios ist es, die pragmatistische Philosophie von William James durch eine strukturierte Analyse seiner Vorlesungen zu erläutern und den Zusammenhang seiner Argumentation herauszuarbeiten, insbesondere im Hinblick auf den "Common Sense".
- Die Auseinandersetzung zwischen Rationalismus und Empirismus.
- Die Analyse der pragmatistischen Wahrheitstheorie und deren Anwendung auf Wissenschaft und Religion.
- Das Spannungsfeld zwischen Monismus und Pluralismus.
- Die kritische Würdigung des Konzepts des "Common Sense" im Kontext der Philosophie und Naturwissenschaft.
- Die Untersuchung des Meliorismus als ethische und lebensweltliche Haltung.
Auszug aus dem Buch
7. James’ Pragmatismus – A Victory for Common Sense?
In seiner 5. Vorlesung führt William James das Konzept des gesunden Menschenverstandes ein. Dabei bleibt dessen Stellung innerhalb des pragmatistischen Denkens ungeklärt. Auf einer Seite als „mother-tongue of thought“ gepriesen, werden die Leser auf einer anderen zur Skepsis aufgerufen. Dabei hat der Common Sense philosophisch einige Tradition. Im Folgenden zeige ich, worin sich der pragmatistische Begriff von der klassischen Philosophie des Common Sense unterscheidet und umreiße, worin seine eigentliche Bedeutung besteht.
In der Alltagssprache wird der gesunde Menschenverstand oft beschworen. Im Englischen behebt man with gumption konkrete Probleme und trifft notwendige Entscheidungen. Auch im Deutschen setzt sich die „Bauernschläue“ von allzu großer Nachdenklichkeit ab. Der gesunde Menschenverstand ist ein positiv besetzter Begriff, weil er den Erfolg von Denken impliziert. Man muss ihn nicht kultivieren, jeder besitzt ihn. Diese Verknüpfung mit dem Allgemeinwohl mag wohl erklären, warum auch im Englischen eine gute Entscheidung vor Gericht mit der Wendung bewertet wird, sie sei a victory for Common Sense – ein Gewinn für den gesunden Menschenverstand. Die enge rhetorische Verwandtschaft mit der „pragmatischen“ Lösung eines Problems verwundert nicht. Sowohl Pragmatismus als auch gesunder Menschenverstand implizieren Theorieferne und einen Fokus auf „die Wirklichkeit“. Wer ersteres in der Philosophie sucht, wird enttäuscht werden. Die Frage nach der „wirklichen“ Welt ist trotzdem das Kernthema der philosophischen Betrachtung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Aufbau des Seminarportfolios und die gewählte Zitierweise für die verwendeten Ausgaben der Werke von William James.
2. Das „gegenwärtige Dilemma“ von Rationalismus und Empirismus am Beispiel von Leibniz und Swift: Hier wird James’ Kritik an den theoretischen Sackgassen des Rationalismus und Empirismus anhand der Beispiele von Leibniz und Swift dargestellt.
3. Die innere Gliederung der zweiten Vorlesung: Das Kapitel strukturiert die zweite Vorlesung von James in vier inhaltliche Abschnitte, von der Einführung bis zur Pragmatismus-orientierten Wahrheitstheorie.
4. Eines und Vieles – James‘ vierte Vorlesung: Es wird die Auseinandersetzung zwischen Monismus und Pluralismus untersucht, wobei James den Pluralismus aufgrund seiner empirischen Ausrichtung favorisiert.
5. Warum der gesunde Menschenverstand bedeutsam ist trotz Naturwissenschaft und Philosophie: Die Funktion des Common Sense als notwendiges Werkzeug für die Navigation in der Wirklichkeit trotz moderner wissenschaftlicher Kritik wird beleuchtet.
6. Das Konzept des Meliorismus: Das Kapitel führt den Meliorismus als Mittelweg zwischen Optimismus und Pessimismus ein, der auf die stetige Verbesserung der Welt durch menschliches Handeln setzt.
7. James’ Pragmatismus –A Victory for Common Sense?: Dieses Kapitel analysiert die spezifische Bedeutung des Common Sense bei James und grenzt sie von der klassischen Common-Sense-Philosophie ab.
Schlüsselwörter
William James, Pragmatismus, Common Sense, Rationalismus, Empirismus, Monismus, Pluralismus, Meliorismus, Wahrheitstheorie, Philosophie, Erkenntnistheorie, Wirklichkeit, Lebenspraxis, Wissenschaft, Religionskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den zentralen Thesen und philosophischen Ansätzen von William James, wie sie in seinen Vorlesungen zum Pragmatismus dargelegt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die Erkenntnistheorie, das Verhältnis von Mensch und Wirklichkeit, die Kritik an Rationalismus und Empirismus sowie die Bedeutung des gesunden Menschenverstandes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die kohärente Argumentationslinie von William James durch die verschiedenen Themengebiete seiner Vorlesungen nachzuzeichnen und seine pragmatistische Philosophie zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine systematische Text- und Inhaltsanalyse der Vorlesungsreihe von James, ergänzt durch eine kritische Auseinandersetzung mit historisch-philosophischen Gegenpositionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu James’ Vorlesungen, die von der Kritik an philosophischen Dilemmata über die Wahrheitstheorie bis hin zum Konzept des Meliorismus reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Pragmatismus, Common Sense, Pluralismus, Meliorismus und Erkenntnistheorie beschreiben.
Wie unterscheidet sich James' Verständnis von Common Sense von der klassischen Philosophie?
James sieht den Common Sense nicht als unveränderliche Wahrheitsbasis, sondern als ein funktionales „Denkmittel“ zur Anpassung an die Welt, das ständiger Weiterentwicklung unterliegt.
Warum spielt der Meliorismus eine so wichtige Rolle im Denken von James?
Der Meliorismus dient als lebensnahe Alternative zum fatalistischen Optimismus oder Pessimismus, da er den Einzelnen dazu befähigt, durch sein Handeln die Welt schrittweise zu verbessern.
- Quote paper
- Maximilian Priebe (Author), 2018, Der Pragmatismus nach William James. A Victory for Common Sense?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/442003