Im Laufe der letzten 20 Jahre hat sich „funktionelles Fitnesstraining“ nicht nur im Spitzen-, sondern mittlerweile auch im Breitensport etabliert. Was vor wenigen Jahren noch als Trend erschien, hält durch Trainingssysteme wie „Crossfit“ und Fitnessstudiokonzepte wie „High 5“ immer mehr Einzug in den Freizeitsport. Es gibt zwar noch keine universal geltende Definition für „funktionelle Fitness“, aber bereits ein
großer Teil regelmäßig sportlich aktiver Menschen hat eine Vorstellung von dem damit einhergehenden Training. So wird im Rahmen aller Arten von funktionellem Training der Fokus auf Bewegungen, an Stelle von Muskeln gelegt.
Im Rahmen dieses Forschungsprojekts geht es jedoch nicht um spezielle Spiel- und Vereinssportarten wie Fußball, Angeln oder Boxen, sondern um das Trainingssystem funktioneller Fitness, welches eine generische Verbesserung der Kondition und Gesundheit eines Hobbysportlers ermöglichen soll. Damit grenzt sich der Begriff funktioneller Fitness im Rahmen dieser Arbeit auch vom Rehabilitationssport ab, bei welchem zwar durchaus funktionelle Übungen eingesetzt werden, das Ziel jedoch meist auf der Wiedererlangung natürlicher Bewegungsmuster liegt. Ziel der Arbeit ist es, psychologische Motive und Barrieren zu ergründen, welche Menschen dazu bewegen oder davon abhalten, funktionellem Fitnesstraining nachzugehen.
Die dahinterliegende Fragestellung ist ein Stück weit von der Frage nach den Gründen abzugrenzen, weshalb Menschen Sport betreiben oder warum sie dies eben nicht tun. Dieser Fragestellung wurde bereits in einer Vielzahl von Studien nachgegangen. Die Erkenntnisse und Vorgehensweisen daraus sollen hierbei als Vorlage dienen, um auch für den hier vorliegenden spezielleren Anwendungsfall des funktionellen Fitnesstrainings adäquate Antworten auf die folgenden Leitfragen zu erhalten:
- Welche Faktoren dienen als Motiv und Treiber zur Ausübung funktionellen Fitnesstrainings?
- Welche Faktoren wirken als Hemmnis und Barriere zur Ausübung funktionellen Fitnesstrainings?
- Können Motive und Barrieren zur Ausübung funktionellen Fitnesstrainings gleichzeitig wirken?
- Reicht das bisher verwendete empirische Instrumentarium aus der Gesundheitspsychologie aus, um die wesentlichen Gründe für Aus- oder Nichtausübung von funktionellem Fitnesstraining eruieren zu können?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangslage und Zielsetzung
1.2 Überblick über die Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsbestimmung „funktionelles Fitnesstraining“
2.2. Motivation und Volition im Sport
2.3. Modelle zur Beschreibung von Gesundheitsverhalten
2.3.1. Health Belief-Modell
2.3.2. Theorie des geplanten Verhaltens
2.3.3. Sozial Kognitive Theorie nach Albert Bandura
2.3.4. Sozial-kognitives Prozessmodell gesundh. Handelns (HAPA-Modell)
3. Methode
3.1. Fragestellungen zur empirischen Methodik
3.2. Wahl des zu Grunde liegenden theoretischen Modells
3.3. Forschungsdesign
3.4. Operationalisierung des theoretischen Konstrukts
3.5. Interviewdurchführung, -dokumentation und -auswertung
4. Ergebnisse
4.1. Qualitative Inhaltsanalyse der Interviews
4.1.1. Ergebniserwartungen
4.1.2. Soziokulturelle Faktoren
4.1.3. Selbstwirksamkeitserwartungen
4.2 Beantwortung der Leitfragen
5. Diskussion
5.1. Interpretation der Ergebnisse
5.2. Qualität des eigenen Vorgehens
5.3. praktische Bedeutung der Ergebnisse und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die psychologischen Motive und Barrieren von Menschen bei der Ausübung von „funktionellem Fitnesstraining“. Das primäre Ziel besteht darin, unter Anwendung der Sozial-Kognitiven Theorie nach Albert Bandura zu ergründen, welche Faktoren zur Ausübung dieser Sportart motivieren oder diese verhindern, wobei insbesondere die Intentions-Verhaltenslücke bei Hobbysportlern beleuchtet wird.
- Grundlagen des funktionellen Fitnesstrainings
- Motivations- und Volitionspsychologische Modelle
- Qualitative Analyse mittels Leitfadeninterviews
- Einfluss von Selbstwirksamkeitserwartungen
- Rolle soziokultureller Faktoren
Auszug aus dem Buch
3.3. Forschungsdesign
Um die vorliegenden Fragestellungen aus einer relevanten Stichprobe heraus beantworten zu können, ist ein gezieltes Forschungsdesign notwendig. Hierzu ergeben sich die folgenden Überlegungen.
Zur Sicherstellung einer hinreichenden Reflexionsfähigkeit der befragten Personen, werden die Gruppen der Minderjährigen sowie sportabstinenter Personen aus der weiteren Betrachtung ausgeschlossen. Für das Forschungsdesign wurde zudem unterschieden, ob die jeweils befragte Person funktionellem Fitnesstraining nachgeht oder nicht. Diese Differenzierung liegt der Annahme zu Grunde, dass Personen die einem funktionellen Fitnesstraining nachgehen tendenziell mehr zu den Motiven dieses Verhaltens beitragen können. Vice versa ergibt sich die Gegenannahme, dass eine Personengruppe die kein funktionelles Training betreibt, mehr zu den möglichen Barrieren beitragen kann. Für letztere Personengruppe wurde jedoch jeweils sichergestellt, dass die befragten Personen zumindest ein grundsätzliches Verständnis von der Trainingsmethodik hinter funktionellem Fitnesstraining haben. Um eine hohe Vielfalt möglicher Motive und Barrieren zu erhalten, wurde darüber hinaus nach Geschlecht und der Anzahl an ausgeübten Sporteinheiten pro Woche differenziert.
Im Rahmen der vorgegebenen Bedingungen in Bezug auf Zeit und Umfang der Arbeit konnten, gemäß dem in Tabelle 2 zusammengefassten Forschungsdesign, fünf Interviews geführt werden. Die befragten Personen wurden mit „B1“ bis „B5“ durchnummeriert. Hierbei wurden in einem Feld zwei Personen befragt, um festzustellen, ob sich die Barrieren und Motive im Vergleich zu den anderen befragten Personen ggf. stärker ähneln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des funktionellen Fitnesstrainings ein, definiert die Zielsetzung der Arbeit und stellt die zentralen Leitfragen zur Untersuchung von Motiven und Barrieren dar.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden der Begriff des funktionellen Trainings sowie die Motivations- und Volitionslehre erläutert, ergänzt durch die Vorstellung relevanter psychologischer Modelle wie dem HBM, der Theorie des geplanten Verhaltens, der Sozial-Kognitiven Theorie und dem HAPA-Modell.
3. Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das qualitative Forschungsdesign mittels Leitfadeninterviews, die Wahl des theoretischen Konstrukts der Sozial-Kognitiven Theorie sowie die Operationalisierung der Fragestellung.
4. Ergebnisse: Die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse werden kategorienbasiert vorgestellt, wobei Motive und Barrieren anhand von Ankerzitaten aus den Interviews belegt und die zentralen Leitfragen beantwortet werden.
5. Diskussion: Das abschließende Kapitel interpretiert die Ergebnisse kritisch, bewertet die Qualität des methodischen Vorgehens und leitet eine Einschätzung zur praktischen Bedeutung sowie zum Forschungsbedarf ab.
Schlüsselwörter
Funktionelles Fitnesstraining, Motivationspsychologie, Volitionspsychologie, Sozial-Kognitive Theorie, Selbstwirksamkeitserwartung, Ergebniserwartung, Qualitative Inhaltsanalyse, Gesundheitsverhalten, Barrieren, Sportpartizipation, Intentions-Verhaltenslücke, Fitness, Bewegungsmuster, Leistungsmotivation, Sportpsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die psychologischen Motive und Hemmnisse, die darüber entscheiden, ob Menschen sich für ein funktionelles Fitnesstraining entscheiden oder dieses ablehnen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Arbeit verbindet gesundheitspsychologische Theoriebildung mit der spezifischen Praxis des funktionellen Fitnesstrainings und untersucht dabei motivations- sowie volitionspsychologische Faktoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, Treiber und Barrieren für diese spezielle Trainingsform zu identifizieren und zu eruieren, ob gängige psychologische Modelle ausreichen, um das Verhalten in diesem Bereich vorherzusagen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign in Form von halbstrukturierten Leitfadeninterviews mit fünf Probanden gewählt, deren Auswertung mittels Softwareunterstützung (MAXQDA) erfolgte.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die methodische Vorgehensweise, die detaillierte Ergebnispräsentation der Interviews sowie die anschließende kritische Diskussion.
Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit charakteristisch?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie funktionelles Fitnesstraining, Selbstwirksamkeitserwartung, Volition, Barrieren und Motivation geprägt.
Welchen Einfluss haben soziokulturelle Faktoren auf die Sportentscheidung?
Soziokulturelle Einflüsse wie das soziale Umfeld und die berufliche Belastung spielen eine entscheidende Rolle, besonders in der volitionalen Phase, also bei der Umsetzung der Absicht in die tatsächliche Handlung.
Warum unterscheidet die Arbeit zwischen Motiven und Barrieren bei unterschiedlichen Gruppen?
Die Differenzierung in Personen, die bereits trainieren (Fokus auf Motive) und solche, die es nicht tun (Fokus auf Barrieren), dient dazu, die jeweiligen psychologischen Treiber und Hindernisse zielgerichtet zu extrahieren.
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- Ferry Schütz (Author), 2018, Motive und Barrieren zur Ausübung von funktionellem Fitnesstraining, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/441259