Das Thema Urbanes Grün gewinnt seit einigen Jahren in Wissenschaft und Politik auf verschiedenen Ebenen zunehmend an Bedeutung. So ist an der Technischen Universität München (TUM) am Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung und am Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung (ZSK) im Kontext mit Urbanem Grün bereits umfassend geforscht worden und wird auch aktuell geforscht. Das ZSK wird vom Bayerischen Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) finanziert und dient dazu, „die vielfältigen Kompetenzen von natur-, sozial- und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen an der TU München, aber auch von anderen bayerischen Forschungseinrichtungen in interdisziplinären Forschungsansätzen“ zusammenzuführen. Am Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung ist 2016 die Arbeit am das Forschungsprojekt „Stadtwald 2050“ abgeschlossen worden, das vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) finanziert geworden ist. Im Februar diesen Jahres ist am Lehrstuhl die Arbeit am Forschungsprojekt „Grüne Infrastruktur im urbanen Raum: Grundlagen, Planung und Umsetzung in der integrierten Stadtentwicklung“ abgeschlossen worden, das im Auftrag des Bundesamt für Naturschutz (BfN) durchgeführt worden ist. Aktuell wird am Lehrstuhl das EU-Forschungsprojekt „GREEN SURGE – Green Infrastructure and Urban Biodiversity for Sustainable Urban Development and the Green Economy” bearbeitet, an dem insgesamt 24 Partner aus elf Staaten beteiligt sind.
Inhaltsangabe
1 Urbanes Grün
1.1 Hintergrund
1.2 Definition von Urbanem Grün
1.3 Beispiele für Typen Urbanen Grüns
1.4 politische Programme im Zusammenhang mit Urbanem Grün
1.5 Rechtliche Rahmenbedingungen für Urbanes Grün in Deutschland
1.6 Instrumente zur Entwicklung des Urbanem Grüns
2 Diskursanalyse auf Basis des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens „Urbanes Grün in der doppelten Innenentwicklung“
2.1 wissenschaftliche Basis der Diskursanalyse
2.2 Ergebnisse der Diskursanalyse
2.3 Doppelte Innenentwicklung als städtebaulicher Rahmen für die Erhaltung und Entwicklung des Urbanen Grüns
3 Story-line: die ‚Stadtlandschaft' als urbane Kulturlandschaft
3.1 die Kulturlandschaft als Schutzobjekt des Heimatschutzes
3.2 Typologie der Kulturlandschaft
3.3 die ‚Stadtlandschaft' als Kulturlandschaft im urbanen Kontext
3.4 Erhalt und Entwicklung der ‚Stadtlandschaft' als gesetzlicher Auftrag
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Bedeutung von Urbanem Grün im Kontext nachhaltiger Stadtentwicklung. Das primäre Ziel ist es, die Funktionen von Stadtgrün sowie die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu beleuchten und mittels einer Diskursanalyse Handlungsempfehlungen sowie Konfliktpotenziale im Rahmen der „doppelten Innenentwicklung“ aufzuzeigen.
- Bedeutung und Funktionen von Urbanem Grün (ökonomisch, sozial, ökologisch)
- Diskursanalyse auf Basis des Forschungsvorhabens „Urbanes Grün in der doppelten Innenentwicklung“
- Doppelte Innenentwicklung als städtebaulicher Lösungsansatz
- Konzeptualisierung der „Stadtlandschaft“ als urbane Kulturlandschaft
- Rechtliche Rahmenbedingungen und gesetzlicher Schutzauftrag
Auszug aus dem Buch
2.2 Ergebnisse der Diskursanalyse
Die Ergebnisse der Diskursanalyse werden an Hand des entwickelten Aktantenmodells (vgl. Abb. 1) dargelegt und erläutert.
Einen Sender in dem Diskurs bilden die negativen Auswirkungen der anhaltenden Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke im Außenbereich (Flächenverbrauch). Diese negativen Auswirkungen umfassen zum Beispiel den Verlust von ökologischen Funktionen und Erholungsräumen im Außenbereich. Auf Grund solcher erheblicher negativer Folgen wird ein Bedarf zum Schutz des Außenbereichs als noch überwiegend unbebauten Landschaftsraum vor weiterer Flächeninanspruchnahme und Versiegelung konstatiert.
Einen weiteren Sender stellen die positiven Funktionen und Ökosystemleistungen von Stadtgrün dar. Die möglichen Funktionen von Stadtgrün können ökonomischer, sozialer und ökologischer Art sein (Böhm et al. 2016, 18).
Ökonomische Funktionen von Urbanem Grün sind zum Beispiel Einnahmen aus Eintrittsgeldern für das Besuchen von Parkanlagen oder Gartenschauen. Auch die Beeinflussung des finanziellen Werts von Grundstücken bzw. Immobilien durch begrünte Freiräume ist ein Beispiel für ökonomische Funktionen von Stadtgrün. (ebd., 18)
Die sozialen Funktionen von Urbanem Grün bestehen insbesondere darin, dass dieses einerseits zur Steigerung der Lebens- und Wohnqualität sowie der Gesundheit der Stadtbewohner beitragen und zum andererseits der Identifikation mit und der Orientierung in der Stadt dienen kann. Positive gesundheitsfördernde Effekte von Stadtgrün können beispielsweise die Reduzierung von Feinstaub und Lärm und die abkühlende Wirkung von Stadtgrün sein. Grünflächen können für Freizeit- und Erholungszwecke genutzt werden. Bewegung und Verweilen in Grünräumen kann sich psychisch und physisch positiv auf die menschliche Gesundheit auswirken, weil dadurch die körperliche Fitness gestärkt und Stress reduziert werden kann. Urbanes Grün hat zudem das Potenzial, Identifikations und Orientierungsmöglichkeiten zu schaffen. Öffentliche Grünräume bieten Raum für die Begegnung unterschiedlicher sozialer Gruppen, wodurch sie einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung und Integration leisten können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Urbanes Grün: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende wissenschaftliche und politische Bedeutung von Urbanem Grün und definiert dieses als alle Formen temporärer und permanenter städtischer Grünräume.
2 Diskursanalyse auf Basis des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens „Urbanes Grün in der doppelten Innenentwicklung“: Das Kapitel analysiert den Diskurs rund um die Doppelte Innenentwicklung und zeigt mittels eines Aktantenmodells Akteure, Zielkonflikte und fördernde Faktoren auf.
3 Story-line: die ‚Stadtlandschaft' als urbane Kulturlandschaft: Hier wird der Heimatbegriff historisch eingeordnet und die „Stadtlandschaft“ als eine Form der Kulturlandschaft im urbanen Raum theoretisch begründet und rechtlich verortet.
Schlüsselwörter
Urbanes Grün, Stadtgrün, Doppelte Innenentwicklung, Diskursanalyse, Aktantenmodell, Ökosystemleistungen, Stadtlandschaft, Kulturlandschaft, Stadtentwicklung, Naturschutz, Freiraumentwicklung, Klimaanpassung, Innenentwicklung, Nachhaltigkeit, Lebensqualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung, Funktionen und Entwicklungsmöglichkeiten von Urbanem Grün im Kontext der modernen Stadtplanung unter Berücksichtigung politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der ökologischen, sozialen und ökonomischen Bedeutung von Stadtgrün, der Rolle der Doppelten Innenentwicklung sowie der konzeptionellen Einordnung von Stadtlandschaften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Strategien aufzuzeigen, wie Ziele des Urbanen Grüns und des Naturschutzes verstärkt in die Strategie der Innenentwicklung eingebunden werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor nutzt eine Diskursanalyse, die auf einem Aktantenmodell basiert, um die Akteure, Zielkonflikte und fördernden Faktoren im Prozess der Stadtgrünentwicklung strukturiert darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme von Urbanem Grün, eine Diskursanalyse auf Basis eines Forschungsvorhabens des BfN sowie eine theoretische Einordnung der Stadtlandschaft als Kulturlandschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen gehören Urbanes Grün, Doppelte Innenentwicklung, Stadtlandschaft, Ökosystemleistungen und Nachhaltige Stadtentwicklung.
Welche Zielkonflikte ergeben sich bei der Entwicklung von Urbanem Grün?
Ein zentraler Konflikt besteht zwischen dem Ziel der baulichen Nachverdichtung (Innenentwicklung) zur Vermeidung von Flächenverbrauch im Außenbereich und dem gleichzeitigen Bedarf an zusätzlichen Grünflächen im Innenraum.
Wie definiert der Autor das Verhältnis von Kulturlandschaft und Stadtlandschaft?
Der Autor argumentiert, dass Kulturlandschaften nicht nur im ländlichen Raum existieren, sondern als „Stadtlandschaft“ auch urbane Räume wie Parkanlagen oder begrünte Wohngebiete umfassen können.
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- Dipl.-Ing. (TUM) M.Sc. (TUM) Jonas Renk (Author), 2017, Urbanes Grün. Diskursanalysen und Story-lines, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/439570